{"id":17699,"date":"2010-05-27T08:32:10","date_gmt":"2010-05-27T07:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?p=2054"},"modified":"2010-05-28T01:05:57","modified_gmt":"2010-05-28T00:05:57","slug":"sigint10-feminism-what-seemed-to-be-the-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/05\/sigint10-feminism-what-seemed-to-be-the-problem\/","title":{"rendered":"SIGINT10 &#038; Feminism: What seemed to be the problem?"},"content":{"rendered":"<p>Wie ich bereits <a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/sigint10-mit-dem-blick-zuruck-nach-vorne\/\">in meinem kurzen Bericht<\/a> \u00fcber die SIGINT10 geschrieben habe, ging es auch am letzten Wochenende in K\u00f6ln wieder um Geschlecht. Das Thema wurde durch ein Panel auf die Konferenz getragen, das von Ragni<sup>1<\/sup> moderiert wurde und den Titel &#8220;<a href=\"http:\/\/events.ccc.de\/sigint\/2010\/wiki\/Fahrplan\/events\/3854.de.html\">Women and Geek Culture: What seems to be the problem guys?<\/a>&#8221; trug.  Mit Heather Kelley, Eleanor Saitta, Leena Simon und Svenja Schr\u00f6der sa\u00dfen vier (Queer-)Feminist_innen auf dem Podium, die sich mit unterschiedlichen Facetten von Geekness und Netzkultur besch\u00e4ftigen: Heather entwickelt Spiele, Eleanor ist Security-Consultant, Svenja erforscht das Web 2.0, Leena engagiert sich f\u00fcr Freie Software und ist Mitglied der Piratenpartei. Auf dem Panel wurde <a href=\"http:\/\/www.gedankenstuecke.de\/archives\/2321-Eindruecke-von-der-SIGINT.html\">nicht kontrovers diskutiert<\/a>. Es war eher ein Zusammentragen von Erfahrungen mit sexistischen Repr\u00e4sentationen in Computerspielen, Lehrern, die sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass Sch\u00fclerinnen Interesse an Informatik haben oder unangenehme Anmachen auf Konferenzen. Am Ende stellten sie ein paar Ressourcen vor, um sich im Netz zum Thema und L\u00f6sungsans\u00e4tzen zu informieren.<sup>2<\/sup><\/p>\n<p>Um zu sehen, dass feministische Positionen scharf angegriffen werden, reichte ein Blick auf Twitter. Anstatt sich mit kritischen Nachfragen und Redebeitr\u00e4gen zu Wort zu melden, kommentierte manch eine_r die Veranstaltung auf diesem Weg mit einem platten Spruch. Das ist zwar etwas feige, heizte die Diskussion im Raum aber trotzdem an. Und auch nachdem alle den Saal verlassen hatten h\u00f6rte es nicht auf. Ich war w\u00e4hrend des Panels ziemlich angefressen vom Unverm\u00f6gen einiger, sich mal auf eine feministische Perspektive einzulassen. Als ich am Abend aber sah, dass sich in verschiedenen Gr\u00fcppchen Leute (M\u00e4nner) \u00fcber Feminismus, Geschlechterrollen, M\u00e4nnlichkeitsbilder und Normativit\u00e4ten in der Hackerszene unterhielten, war ich sehr zufrieden, denn ich hatte den Eindruck, dass (queer-)feministische Arbeit fruchten kann. Es gibt aber zwei Probleme, die meiner Meinung nach im Weg stehen.<\/p>\n<p>Erstens: Ich hatte den Eindruck, dass vielen im Publikum nicht klar war, mit welchen Feminismen sie es auf dem Podium zu tun hatten. In Deutschland gibt es ja das Problem, dass Feminismus all zu oft mit der Position von Alice Schwarzer gleichgesetzt wird. Anscheinend sind bestimmte Buzzwords wie Heteronormativit\u00e4t, Differenz oder Queer doch noch nicht angekommen \u2013 auch wenn manche_r sie selbst im Munde f\u00fchrt. Damit h\u00e4ngt zusammen, dass Feministinnen anscheinend in der Verantwortung stehen, klar zu machen, dass sie nicht sexualit\u00e4ts- und lustfeindlich sind. Das finde ich gelinde gesagt merkw\u00fcrdig.<sup>3<\/sup> Auch die Debatten um <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intersektionalit%C3%A4t\">Intersektionalit\u00e4t<\/a> und den Zusammenhang von Sexismus, Rassismus, Klassismus und anderen Formen von Diskriminierung, die aus der Geschlechterforschung nicht wegzudenken sind, scheinen vollkommen unbekannte Features von Feminismus zu sein. Es hilft nichts: Diese Punkte m\u00fcssen wohl explizit benannt werden.<\/p>\n<p>Zweitens: Es ist schwierig zu verstehen, dass komplexe gesellschaftliche Ph\u00e4nomene manchmal paradoxe Handlungsstrategien hervorbringen. Relativ viele haben anscheinend schon von Queer und uneindeutigen Geschlechtergrenzen geh\u00f6rt und finden es wichtig, bin\u00e4re Normativit\u00e4ten nicht zu reproduzieren. Ich bin der Meinung, dass feministische Politiken und Theorien die Gefahr der Reproduktion von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heteronormativit%C3%A4t\">Heteronormativit\u00e4t<\/a> und Zwangszweigeschlechtlichkeit wieder mehr selbstkritisch hinterfragen m\u00fcssen, auch wenn sie diese zum Ausgangspunkt der Kritik nehmen. Es kann aber nicht sein, dass sich Leute hinstellen und Queer auf die Fahne schreiben, die nicht bereit sind, ihre eigenen Praxen zu hinterfragen und ihre Position zu benennen, und damit letztlich nur ihre antifeministischen Reflexe legimieren wollen. Queer ist keine harmlose Variante von Feminismus mit einer moderneren Theorie. Queer ist Widerstand gegen das Normale.<\/p>\n<p>Feel free to Flattr this post at <a href=\"http:\/\/flattr.com\/\" title=\"Flattr\" >flattr.com<\/a>, if you like it.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/flattr.com\/\" title=\"Flattr\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/api.flattr.com\/button\/button-static-50x60.png\" alt=\"Flattr this!\"><\/a><\/p>\n<ol class=\"footnotes\">\n<li id=\"footnote_0_2054\" class=\"footnote\">Sie hat jetzt selbst auch zum Panel bzw. zu einigen &#8220;Kritikpunkten&#8221; geschrieben: <a href=\"http:\/\/www.typotendency.net\/2010\/05\/deaf-for-feminism\/\">Deaf. For feminism. A reply on failed criticism on a panel at SIGINT<\/a>\n<\/li>\n<li id=\"footnote_1_2054\" class=\"footnote\">darunter <a href=\"http:\/\/geekfeminism.org\/\">Geek Feminism Blog<\/a>, <a href=\"http:\/\/finallyfeminism101.wordpress.com\/\">Feminism 101<\/a> und <a href=\"http:\/\/tldp.org\/HOWTO\/Encourage-Women-Linux-HOWTO\/x168.html\">Do&#8217;s and don&#8217;t&#8217;s of encouraging women in Linux<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote_2_2054\" class=\"footnote\">An dieser Stelle verweise ich auf die sehr klar formulierten <a href=\"http:\/\/antjeschrupp.com\/2010\/05\/25\/funfzehn-thesen-zu-feminismus-und-post-gender\/#comment-1846\">15 Thesen zu Feminismus und Postgender<\/a> von Antje Schrupp.<\/li>\n<\/ol>\n<p><script type=\"text\/javascript\">\nvar flattr_wp_ver = '0.8';\nvar flattr_uid = '8066';\nvar flattr_url = 'http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/sigint10-feminism-what-seemed-to-be-the-problem\/';\nvar flattr_lng = 'de_DE';\nvar flattr_cat = 'text';\nvar flattr_btn = 'compact';\nvar flattr_tle = 'SIGINT10 &#038; Feminism: What seemed to be the problem?';\nvar flattr_dsc = 'Wie ich bereits in meinem kurzen Bericht \u00fcber die SIGINT10 geschrieben habe, ging es auch am letzten Wochenende in K\u00f6ln wieder um Geschlecht. 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