{"id":18494,"date":"2010-07-01T10:40:43","date_gmt":"2010-07-01T09:40:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?p=2103"},"modified":"2010-07-08T00:56:14","modified_gmt":"2010-07-07T23:56:14","slug":"neoliberale-gefuhle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/07\/neoliberale-gefuhle\/","title":{"rendered":"Neoliberale Gef\u00fchle"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/desiring-just-economies.de\/\">Desiring Just Economies &#8211; Just Economies of Desire<\/a> war eine dreit\u00e4gige Konferenz am letzten Wochenende in Berlin, die vermutlich nur hochgradig spezialisierte Wissenschaftsjournalist_innen sinnvoll zusammenfassen k\u00f6nnen. Ich fand es inspirierend, kompliziert und lustvoll, angefangen bei Lisa Duggans Keynote, die den Begriff &#8220;Feeling&#8221; aufs Tablett legte, \u00fcber die vielen tollen Paper und Vortr\u00e4ge aus postkolonialer, crip und queerer Perspektive bis hin zu Ann McClintocks hinreisend un-akademischen Abschlussvortrag \u00fcber ihre Kindheit in S\u00fcdafrika und ihre Erforschung der New Yorker Dominatrix\/BDSM Szene.   <\/p>\n<p>Die Konferenz war f\u00fcr mich auch ein Update in Sachen &#8220;What&#8217;s hot in queer theory?&#8221; Das Jasbir Puars Begriff &#8220;Homonationalism&#8221; ein zentraler Referenzpunkt f\u00fcr queertheoretische Auseinandersetzungen ist \u2013 zumindest in Nordamerika und Westeuropa \u2013, war schon nach dem Wochenende davor klar, als Judith Butler auf dem Berliner CSD den Civilcouragepreis abgelehnt hatte. Crip theory, u.a. von Robert McRuer und Julie Passanante Elman auf der Konferenez vertreten, ist stark im Kommen. Lee Edelmanns &#8220;antisoziale These&#8221;, mit der er Queer als Figur der Negativit\u00e4t beschreibt, bleibt f\u00fcrs erste ein Bezugspunkt vor allem kritischer Auseinandersetzungen. H\u00e4ufig zitiert wird auch das neue Buch von Jos\u00e9 Esteban Mu\u00f1oz. Er wird im September auf der <a href=\"http:\/\/www.angl.hu-berlin.de\/confslecs\/queeragain\">Queer Again? Power Politics and Ethics<\/a> Konferenz in Berlin sein, die vom Graduiertenkolleg &#8220;Geschlecht als Wissenskategorie&#8221; organisiert wird. Ein weiterer Schwerpunkt bei &#8220;Desiring Just Economies&#8221; lag auf der Postkolonialen Perspektive, die hier und da auch lustvoll mit Queerer Theoriebildung in die Auseinandersetzung kam. Die Forderung der Provinzialisierung von Wissensproduktion muss immer wieder aufs neue artikuliert werden, um die Bedeutung des spezifisch kontextualisierten Lokalen zu st\u00e4rken und die machtvolle Geste der Universalisierung zu unterbrechen.<\/p>\n<p>Zum &#8220;Begehren&#8221; im Konferenztitel gesellten sich im Laufe der drei Tage auch Affekt, Leidenschaft und Gef\u00fchl, die in den verschiedenen Vortr\u00e4gen dazu dienten, \u00fcber Funktion- und Verteilungsweisen und Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten von Gerechtigkeit und \u00d6konomie zu diskutieren. Die New Yorker Queer Theoretikerin und Professorin f\u00fcr American Studies Lisa Duggan stellte zu Beginn ihres Vortrags fest, dass die Frage nach politischen und \u00f6konomischen Alternativen heute so dr\u00e4ngend sei wie nie. Ihr aktuelles Projekt besch\u00e4ftigt sich mit der Mobilisierung von &#8220;public feelings&#8221;. Anhand <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ayn_Rand#Werke\">Ayn Rands<\/a> Held in &#8220;The Fountainhead&#8221; zeigt Duggan, was auch schon in &#8220;Twilight of Equality&#8221; und ihren Auseinandersetzungen mit Gay Marriage deutlich wurde: Mittels negativer \u00d6ffentlicher Gef\u00fchle gelingt es, f\u00fcr das markt-radikale Projekt des Neoliberalismus oder f\u00fcr konservative Politiken, die Lebensbedingungen f\u00fcr bestimmte, abweichende Subjekte verschlechtern, zu mobilisieren. Entsprechend schl\u00e4gt sie vor, diese Strategie wieder f\u00fcr die Linke aufzugreifen und Politiken zu entwerfen, die nicht versuchen, Langeweile, Entfremdung und \u00f6konomischer Depression zu therapieren und \u00fcberwunden, sondern \u00fcber genau diese Gef\u00fchle soziale Verbindungen schaffen. Interessante These: Vielleicht sitzen wir aber der merkw\u00fcrdigen Logik des neoliberalen Projekts auf, wenn wir uns hoffnungsfroh einbilden, mit gen\u00fcgend Energie und Elan k\u00f6nnten wir alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Andererseits: Auch bei Duggan geht es um die Mobilisierung, um Aktivit\u00e4t und Handeln. Dagegen stand am Ende der Konferenz der Vorschlag, einfach nichts zu tun. Diese vorgeschlagene Demobilisierung (sexueller) Arbeit war sehr verlockend nach diesem tollen Wochenende, bei dem mein Kopf mehrfach mit buffer overflow zu k\u00e4mpfen hatte. Zeit f\u00fcr ein Abschlussgetr\u00e4nk auf der Dachterrasse des ICI, im besten Sinne der Cocktailparty, die Lisa Duggan auf <a href=\"http:\/\/twitter.com\/CocktailParty1\">twitter<\/a> und facebook als Gegenbewegung zum tea party movement gegr\u00fcndet hat: &#8220;Join The Cocktail Party, a barstool-roots movement for left wing urban homosexuals and the people who love us.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/desiring-just-economies.de\/\">Desiring Just Economies &#8211; Just Economies of Desire<\/a> war eine dreit\u00e4gige Konferenz am letzten Wochenende in Berlin, die vermutlich nur hochgradig spezialisierte Wissenschaftsjournalist_innen sinnvoll zusammenfassen k\u00f6nnen. 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