{"id":18533,"date":"2010-07-04T16:40:52","date_gmt":"2010-07-04T15:40:52","guid":{"rendered":"http:\/\/agqueerstudies.de\/?p=925"},"modified":"2010-07-04T23:54:32","modified_gmt":"2010-07-04T22:54:32","slug":"wm-statement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/07\/wm-statement\/","title":{"rendered":"WM Statement"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zur Lage der Nation: oder warum die AG Queer Studies der Absage eines Vortrags wegen eines Fu\u00dfballspiels wenig abgewinnen kann<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Jahr ist wieder Fu\u00dfball-WM. Genauer: Ablebodied-Erwachsenen-M\u00e4nner-Fu\u00dfball-WM und Deutschland befindet sich \u2013 wenigstens w\u00e4hrend der Spiele der deutschen Nationalelf \u2013 in einem Ausnahmezustand. Dieser betrifft auch die Universit\u00e4t: Es finden in der Staatsbibliothek, im Audimax und im Pferdestall-Hinterhof Fu\u00dfball\u00fcbertragungen statt. Die Spiele der deutschen Nationalelf gelten in Seminaren automatisch als Entschuldigungsgrund, bei denen sonst peinlich genau auf die Anwesenheit geachtet wird. Leider hat dieser Ausnahmezustand nun auch unsere Ringvorlesung erreicht. Da n\u00e4chsten Mittwoch (7.7.2010) \u201eDeutschland\u201c im Halbfinale steht, muss der Vortrag leider entfallen, da die Referentin lieber das Fu\u00dfballspiel ansehen m\u00f6chte. Aus diesem Grund sehen wir uns gezwungen, zu den Ereignissen w\u00e4hrend der M\u00e4nner-Fu\u00dfball-WM einmal grunds\u00e4tzlich Stellung zu beziehen.<\/p>\n<p>Gemeinsam Fu\u00dfballschauen kann nett sein \u2013 was sich aber derzeit abspielt, ist leider viel mehr als das. Denn \u201ewir\u201c (gemeint sind wohl alle \u201eDeutschen\u201c, denn die Aussagen kommen nicht von den Fu\u00dfballspielern) spielen bei der WM mit, und das wichtigste ist, dass \u201ewir\u201c hierbei auch gewinnen, gegen den alten Erzrivalen England, aber auch gegen Ghana mit \u201eBallack-Treter\u201c Boateng. Nun ist diese nationale Aufteilung bedauerlicherweise schon im Format der WM angelegt. In Deutschland ist seit 2006 aber die Auffassung verbreitet, dass wir uns ja bisher viel zu stark zur\u00fcckgehalten h\u00e4tten. Wenn wir aber nun eifrig mit Deutschlandf\u00e4hnchen wedeln, Autokorsos veranstalten und uns auch ansonsten nationalistisch geb\u00e4rden, w\u00fcrden wir nur einen \u201egesunden\u201c Patriotismus ausleben. Was \u201egesund\u201c an Patriotismus sein soll, bleibt hier vollkommen im Unklaren. Unserer Meinung schlie\u00dft dieser immer andere Leute aus und macht eine Frontstellung zu anderen L\u00e4ndern auf. Die Rechtfertigung beschr\u00e4nkt sich meist darauf, dass dies bei anderen L\u00e4ndern ja genauso sei (\u00fcber den Wahrheitsgehalt dieser Aussage wollen wir uns mal nicht auslassen, aber das macht Patriotismus leider auch nicht besser). Mal ganz abgesehen von den Leuten, die diese WM eine gute Gelegenheit finden, mal ganz unverbl\u00fcmt ihre nationalistische und nazistische Einstellung heraush\u00e4ngen zu lassen und die erste Strophe des Deutschlandliedes absingen, \u201eSieg Heil\u201c br\u00fcllen oder aber gegnerische Fahnen abfackeln. Mal ganz abgesehen von \u201eunvermeidlichen\u201c Spr\u00fcchen wie \u201eIhr seid alle homosexuell!\u201c, die die latent homophobe Einstellung vieler Deutschland-Fans illustriert (alle F\u00e4lle mussten wir in den letzten Wochen pers\u00f6nlich beobachten).<\/p>\n<p>Es geht bei der ganzen Veranstaltung also weniger um sch\u00f6nen Fu\u00dfball, sondern um ein kollektives Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, dass zu allem \u00dcbel auch noch an nationalen Grenzen festgemacht wird. Dies schlie\u00dft selbstverst\u00e4ndlich nicht aus, dass sich die Leute nicht auch \u00fcber bestimmte Spielz\u00fcge freuen k\u00f6nnen. Leider wird dies aber mit einer Feierkultur verbunden, die alle Personen in die Verzweiflung treibt, die trotz medialen Trommelfeuers noch nicht zu Fu\u00dfballfans mutiert sind oder aber diesem nationalistischen Feiergetaumel nicht viel abgewinnen k\u00f6nnen. Es muss m\u00f6glich sein, in dieser Situation auch etwas Anderes tun zu k\u00f6nnen als Fu\u00dfball zu gucken und zwangsweise mitmachen zu m\u00fcssen. Mehr noch: Wir h\u00e4tten unseren Spa\u00df gehabt mit einem interessanten Vortrag in unserer Vorlesungsreihe. Keiner der AG-Mitglieder kann sich erinnern, dass bisher andere als dringende pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde (Krankheit usw.) bei Vortragsabsagen eine Rolle gespielt haben und wir sind einigerma\u00dfen ersch\u00fcttert, dass nun ausgerechnet die Fu\u00dfball-WM einer ist.<\/p>\n<p>In unser Entsetzen mischt sich aber die Hoffnung, dass dieser Wahnsinn\u00a0 bald vorbei ist. Um trotzdem einen sch\u00f6nen Abend zu haben, planen wir <a href=\"http:\/\/agqueerstudies.de\/einladung-anti-wm-abend\/\">ein kleines Alternativprogramm<\/a> f\u00fcr alle, die Interesse an etwas Anderem als Fu\u00dfballgucken haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Zur Lage der Nation: oder warum die AG Queer Studies der Absage eines Vortrags wegen eines Fu\u00dfballspiels wenig abgewinnen kann<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Jahr ist wieder Fu\u00dfball-WM. Genauer: Ablebodied-Erwachsenen-M\u00e4nner-Fu\u00dfball-WM und Deutschland befindet sich \u2013 wenigstens w\u00e4hrend der Spiele der deutschen Nationalelf \u2013 in einem Ausnahmezustand. Dieser betrifft auch die Universit\u00e4t: Es finden in der Staatsbibliothek, im Audimax und im Pferdestall-Hinterhof Fu\u00dfball\u00fcbertragungen statt. Die Spiele der deutschen Nationalelf gelten in Seminaren automatisch als Entschuldigungsgrund, bei denen sonst peinlich genau auf die Anwesenheit geachtet wird. 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