{"id":18744,"date":"2010-07-20T18:23:20","date_gmt":"2010-07-20T17:23:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?p=2142"},"modified":"2010-07-21T15:23:11","modified_gmt":"2010-07-21T14:23:11","slug":"die-politischen-dimensionen-der-daten-und-informationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/07\/die-politischen-dimensionen-der-daten-und-informationen\/","title":{"rendered":"Die politischen Dimensionen der Daten und Informationen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/antjeschrupp.com\/2010\/07\/20\/der-datenschutz-und-ich\/\">Antje Schrupp<\/a> und <a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=1514\">mspro<\/a> haben heute jeweils Texte geschrieben, die sich um Datenschutz und den Begriff des Datenmissbrauchs drehen. Beide hinterfragen \u2013 wie auch schon <a href=\"http:\/\/carta.info\/24397\/die-ideologie-datenschutz\/\">Christian Heller<\/a> \u2013 die Idee, dass Daten unbedingt gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen. Sie werben f\u00fcr eine Kultur der Transparenz. Mspro kritisiert dabei den Begriff des Datenmissbrauchs grunds\u00e4tzlich. Zum Einen: Weil sich die Lesarten von Daten nicht fixieren lassen, ist immer mit Kontrollverlust zu rechnen. Zum Anderen: Wo die einen Daten so nutzen, dass es negative Konsequenzen f\u00fcr das Subjekt hat, machen andere tolle, n\u00fctzliche und sch\u00f6ne Dinge mit den Daten, an die &#8220;DatenurheberInnen&#8221; niemals gedacht h\u00e4tten. Man k\u00f6nnte sagen, dass die Fragen, ob Daten ge- oder missbraucht werden, immer eine im weitesten Sinne politische ist. Weil sie nicht grunds\u00e4tzlich beantwortet werden kann, ist auch ein absoluter Datenschutz normativ nicht w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p>Mir ist dieser datenschutzkritische Ansatz sehr sympathisch, weil mir die Debatte zurzeit sehr ins Paranoide abrutscht, zu wenig an konkreten Problemen orientiert ist und ich Kontrollverlust f\u00fcr eine ernstzunehmende, aber auch interessante Vision halte. Was mir jedoch auff\u00e4llt ist, dass oft von &#8220;fertigen&#8221; Menschen ausgegangen wird. Zwar erkennt mspro an, dass &#8220;nicht jeder den Mut, die St\u00e4rke, die Macht und die Unabh\u00e4ngigkeit dazu [hat, sich dem Druck, Daten k\u00f6nnten missbraucht werden, anzupassen]. Es braucht ein geh\u00f6riges Ma\u00df an Privilegiertheit dazu, sich freiz\u00fcgig zu verhalten.&#8221; Es scheint mir aber die Einsicht zu fehlen, dass diese Privilegien unter anderem mit den Instrumenten der Daten und Informationen verteilt werden. Hier argumentiere ich mit Foucault nicht im Sinne einer zentralisierten Masterplan-Machtinstanz, sondern im Sinne von komplexen strategischen Machtlinien, die sich durch die Subjekte, Institutionen, Bilder un Daten ziehen. Wie mit Daten regiert wird, hat Foucault in seinen Ausf\u00fchrungen zur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bio-Macht\">Biomacht<\/a> beschrieben, in denen es um das \u201eAuftreten der Bev\u00f6lkerung\u201c als \u00f6konomisches und politisches Problem geht. <\/p>\n<p>Machtwirkungen haben auch Informationen, sie sind n\u00e4mlich als Repr\u00e4sentationen Teil von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Subjektivierung#Subjektivation\">Subjektivationsprozessen<\/a>. Hier finden wir interessante Hinweise bei Butler, die zeigt, wie Subjekte (also Menschen, also wir) durch Macht nicht nur unterworfen, sondern gleichzeitig von ihr hervorgebracht werden und sich durch ein performatives Ins-Verh\u00e4ltnis-Setzen zu Normen aktiv selbst hervorbringen. \u00dcber die Wirkungen von Repr\u00e4sentationen denke ich im Zusammenhang mit mspros These der Plattformneutralit\u00e4t nach, seit ich seinen Text &#8220;Plattformneutralit\u00e4t, Gender und die verdammte der Realit\u00e4t&#8221; (der Text vom 28.05.2010 ist aus <a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=1468\">bekannten Gr\u00fcnden<\/a> gerade nicht online zu finden) \u00fcber Gender und die Sigint 10 gelesen habe. Darin  setzt er sich mit der Skandalisierung einer k\u00fcnstlerischen Abbildung einer nackten Frau, die auf der Sigint zu sehen war, auseinander. Im Sinne der von ihm geforderten radikalen Informationsfreiheit, die er Plattformneutralit\u00e4t nennt, k\u00f6nne eine solche Repr\u00e4sentation kein no go sein. Es m\u00fcsse also darum gehen, durch eine Erh\u00f6hung des Frauenanteils auf Konferenzen dieser Art eine Situation zu schaffen, in der Frauen genug Selbstbewusstsein haben, st\u00f6rende Informationen wie diese ignorieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was mspro ausblendet ist, dass solche Repr\u00e4sentationen eine Rolle spielen bei der andauernden Subjektwerdung. Ich habe nach dem Lesen des Textes \u00fcber die Nachtfotos von Bikinim\u00e4dchen im Partykeller meines Onkels nachgedacht, die auf mich als junges M\u00e4dchen sicher anders wirkten als auf meine beiden Cousins. Und neulich, als Max und Bj\u00f6rn in der <a href=\"http:\/\/xn--mrchenstunde-gcb.net\/2010\/07\/08\/nr-10-das-tapfere-schneiderlein\/\">M\u00e4rchenstunde<\/a> beim &#8220;Tapferen Schneiderlein&#8221; wieder \u00fcber den K\u00f6nig sprachen, der einfach mal beschlie\u00dft, seine Tochter dem Helden des M\u00e4rchens zur Frau zu geben, kam mir auch wieder in den Sinn, wie wenig neutral Informationen sind und was sie immerzu mit uns machen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns also immer \u00fcberlegen, was die Informationen, die wir so in die Welt setzen, und die Daten, die wir gebrauchen und verarbeiten, mit uns und mit den anderen in der Welt machen, ob n\u00fctzen oder schaden, Handlungsf\u00e4higkeit einschr\u00e4nken oder erweitern. Das scheint mir die politische (oder vielleicht sogar ethische) Frage zu sein, die am Datenschutz weiterhin h\u00e4ngt und mit denen wir uns selbst, unsere Freunde, die Unternehmen und die Staaten konfrontieren m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/antjeschrupp.com\/2010\/07\/20\/der-datenschutz-und-ich\/\">Antje Schrupp<\/a> und <a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=1514\">mspro<\/a> haben heute jeweils Texte geschrieben, die sich um Datenschutz und den Begriff des Datenmissbrauchs drehen. Beide hinterfragen \u2013 wie auch schon <a href=\"http:\/\/carta.info\/24397\/die-ideologie-datenschutz\/\">Christian Heller<\/a> \u2013 die Idee, dass Daten unbedingt gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen. Sie werben f\u00fcr eine Kultur der Transparenz. Mspro kritisiert dabei den Begriff des Datenmissbrauchs grunds\u00e4tzlich. Zum Einen: Weil sich die Lesarten von Daten nicht fixieren lassen, ist immer mit Kontrollverlust zu rechnen. 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