{"id":19490,"date":"2010-09-19T22:01:10","date_gmt":"2010-09-19T21:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/nichtidentisches.wordpress.com\/?p=769"},"modified":"2010-09-21T00:31:09","modified_gmt":"2010-09-20T23:31:09","slug":"%e2%80%9edschihad-in-der-city%e2%80%9c-will-den-dschihad-in-der-city","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/09\/%e2%80%9edschihad-in-der-city%e2%80%9c-will-den-dschihad-in-der-city\/","title":{"rendered":"\u201eDschihad in der City\u201c will den Dschihad in der City"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">&#8222;Dschihad in der City&#8220; ist einer jener Filme, die sich vor allem durch ihr Ende durchstreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Ein junger Brite mit pakistanischen Eltern wird im ersten Teil des Zweiteilers portr\u00e4tiert. Er geht nach einer islamistischen Propagandaveranstaltung zum MI-5 um Terroristen zu bek\u00e4mpfen &#8211; die pl\u00f6tzlich \u00fcberall in seiner muslimisch-pakistanischen Nachbarschaft, unter Freunden und Verwandten sich manifestieren. Als Pakistani erlebt er Rassismus, sieht darin allerdings keinen Grund, gegen die Gesellschaft loszuschlagen, der er laut eigenen Worten &#8222;alles verdankt&#8220;. Die islamistische Szene erscheint nur in ihrer camouflierten Oberfl\u00e4che der sozial engagierten, friedensbewegten Underdogs. Der erste Teil findet sein Finale im \u00fcblen Cliffhanger: Ausgerechnet seine Schwester steckt hinter einem Terrorkomplott und hat inmitten einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung den Z\u00fcnder in der Hand, als der Bruder sie entdeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Der zweite Teil folgt der Schwester. Sie wird in unwahrscheinlicher Naivit\u00e4t gemalt. Als zun\u00e4chst westlich orientierte Frau mit einem christlichen schwarzen Freund besucht sie an der Universit\u00e4t Propagandaschulen von Dschihadisten. Zwei zentrale Pr\u00fcfungen werden ihr auferlegt, als sie demokratische Teilhabe dem Terror entgegensetzt. Der Ideologe fordert sie auf, ein Anti-Terror-Gesetz zu nennen, das durch Proteste gestoppt worden sei. Sie schweigt besch\u00e4mt. Au\u00dferdem befiehlt er ihr, die Emanzipation der Frau in der westlichen Gesellschaft dadurch zu pr\u00fcfen, dass sie einen Tag im Hijab verbringen solle. Sie erlebt erwartungsgem\u00e4\u00df negative Reaktionen. Als ihre Freundin nach erheblichen Drangsalierungen im Rahmen der Anti-Terrorgesetze sich suizidiert, heuert sie bei den Terroristen an, provoziert den Vater mit dem Gest\u00e4ndnis ihrer Beziehung zu einem schwarzen Christen dazu, sie nach Pakistan zu schicken. Ihr Freund folgt ihr, wird von der Familie gestellt und fast totgeschlagen. Sie macht dennoch ihre Schulung zur Selbstmordattent\u00e4terin durch, bezeugt stets aufs Neue den Sexismus der islamischen M\u00e4nner und geht trotzdem zur\u00fcck nach London. Am Ende bet\u00e4tigt sie den Z\u00fcnder, der sie im letzten Moment verzweifelt umarmende Bruder kann sie nicht davon abhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Bis dahin folgt der Film noch zentralen Erkenntnissen \u00fcber ambivalente psychologische Konstitutionen von Selbstmordattent\u00e4terinnen zwischen Emanzipationswunsch und umgelenkter Aggression. Die islamistische Propaganda wird in ihrer professionellen Dumpfheit dargestellt. Zentraler Aufh\u00e4nger der Agitation sind die &#8222;Br\u00fcdern und Schwestern im Irak und Pal\u00e4stina&#8220;, die angeblich zu Millionen &#8222;ermordet und vergewaltigt&#8220; werden &#8211; \u00fcbrigens eine ganz interessante stereotype Verdrehung der Tatsache, dass Islamisten die Blutb\u00e4der in Irak und Afghanistan veranstalten: Der Terror wird sich selbst zur tautologischen Legitimation. Die Protagonistin schluckt aber alles in einer Art Adoleszenz-Verwirrung und Trauer um ihre Freundin.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Mit dem finalen Z\u00fcnden ihres Sprengstoffg\u00fcrtels wird der Bildschirm schwarz. Dann folgt ihr Bekenner-Video, in dem sie die Propaganda der islamistischen Ideologen wiederholt. Es folgt unmittelbar der Abspann mit der Moral: Eine Statistik der Muslime, die glauben, der Krieg gegen den Terror und die Anti-Terrorgesetze richte sich gegen sie.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">In dieser letzten Minute des Filmes ger\u00e4t er zur \u00fcbelsten dschihadistischen Terror-Propaganda. Er schwenkt auf jene Schiene der islamistischen Agitatoren ein, die konkrete politische Zust\u00e4nde zum Vorwand nehmen, weitaus Schlimmeres anzurichten. Grotesk zeichnet er den Terrorismus als Massenph\u00e4nomen bei Muslimen in der britischen Gesellschaft und unterstellt jenen 80 Prozent von Muslimen, die Angst vor Diskriminierung oder die Ressentiment haben, die Bereitschaft, sich deshalb einen Sprengstoffg\u00fcrtel umzulegen und ein \u00f6ffentliches Konzert zu sprengen. Er sch\u00fcrt sublim im dauernden Zeigen der Bauchprothese, in der die scheinschwangere Muslima bestens getarnt ihren Sprengstoff verbirgt, Angst vor muslimischen Frauen und ihrer Sexualit\u00e4t. Mehr als die Anti-Terrorgesetze verd\u00e4chtigt der Film alle Muslimen der Bereitschaft zum Terrorismus.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Angst vor dem Terrorismus wird somit angefacht und zugleich der Terrorismus selbst als Reaktion von Unzufriedenen propagiert. Das Selbstmordattentat hat man seiner aggressiven Momente bereinigt und zum Suizid verkl\u00e4rt, dessen Beweggr\u00fcnde Trauer und Entt\u00e4uschung seien. Vom antisemitischen, menschenfeindlichen Wahn der islamischen Terroristen ist nicht die Rede, weil dies die plumpe Gesellschaftskritik \u00fcberfordern w\u00fcrde. Der Islamist ist privat ein netter Menschen, der halt nicht aus seiner Haut kann und mit einer geh\u00f6rigen Portion Pech und Diskriminierung ganz menschliches Opfer bleibend Menschen in die Luft sprengt. Das beeindruckt sogar die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7\/Doc~EEEB4CCDBF7C64BB29C7ECFC98F3B5EB5~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\">FAZ<\/a>: &#8222;Man kann daraus lernen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Wie diese Verkl\u00e4rung des Selbstmordattentates zur radikalen Protestform \u00fcberhaupt als Ideologem bestehen kann, erkl\u00e4rt sich aus einer Ahnung darum, wie es tat\u00e4chlich um gesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge beschaffen ist. Das Selbstmordattentat richtet sich wie der verwandte Amoklauf gegen alle und gegen sich selbst. Die politische Ideologie, die daraus eine Protestform macht, sp\u00fcrt vernebelt etwas vom Fetischcharakter: alle tun etwas und wissen aufgrund der so entfesselten d\u00e4monischen Macht nicht mehr, dass sie selbst es tun. Nasima betont die Anklage an alle in ihrem Schlusspl\u00e4doyer, das eines des Filmes ist. Die \u00e4u\u00dferste denkbare Form, ein solches vertracktes Ding abzuschaffen, ist &#8222;Alles&#8220; abzuschaffen, alles zu vernichten und kaputt zu schlagen. Die Wahl f\u00e4llt darauf, das Feindlichste der Drohung noch zu vertreten, das man gegen sich selbst gerichtet sieht. Der Islamismus wie jene Ideologien, die ihm das Wort reden sind Zerfallsprodukte b\u00fcrgerlicher Ideologie. Ihre Sprache strahlt die b\u00fcrgerliche K\u00e4lte aus, der Aufrechnung von Opfern als w\u00e4ren es absehend von der Qualit\u00e4t ihres Todes \u00c4quivalente, die nun mal bezahlt werden m\u00fcssten.\u00a0 Mit einem Quentchen Ungl\u00fcck kann dabei jeder vom Tellerw\u00e4scher im Terror-Camp zum Top-Terroristen in London werden. Was da an Psychodynamik und ideologischen Komplexen hinzutritt\u00a0 wird ausgeblendet. Alle Charaktere bleiben mit sich identisch, zur Wahl begabt und zugleich Treibh\u00f6lzer auf dem gesellschaftlichen Einfluss. Diese Verk\u00fcrzung ist mitnichten lehrreich. Sie offeriert\u00a0 und goutiert Legitimationsformen f\u00fcr das Handeln beider Charaktere im Film und wird so zum moralischen Quodlibet.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Weitaus lehrreicher war die ethnologische Dokumentation der Israelin Natalie Assouline in einem israelischen Gef\u00e4ngnis f\u00fcr verhinderte Selbstmordattent\u00e4terinnen mit dem Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/JANUAR-2010\/2991620.html\">Allahs Br\u00e4ute<\/a>&#8222;, die hier ausdr\u00fccklich und vorbehaltlos empfohlen sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">&#8222;Dschihad in der City&#8220; ist einer jener Filme, die sich vor allem durch ihr Ende durchstreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Ein junger Brite mit pakistanischen Eltern wird im ersten Teil des Zweiteilers portr\u00e4tiert. Er geht nach einer islamistischen Propagandaveranstaltung zum MI-5 um Terroristen zu bek\u00e4mpfen &#8211; die pl\u00f6tzlich \u00fcberall in seiner muslimisch-pakistanischen Nachbarschaft, unter Freunden und Verwandten sich manifestieren. Als Pakistani erlebt er Rassismus, sieht darin allerdings keinen Grund, gegen die Gesellschaft loszuschlagen, der er laut eigenen Worten &#8222;alles verdankt&#8220;. Die islamistische Szene erscheint nur in ihrer camouflierten Oberfl\u00e4che der sozial engagierten, friedensbewegten Underdogs. Der erste Teil findet sein Finale im \u00fcblen Cliffhanger: Ausgerechnet seine Schwester steckt hinter einem Terrorkomplott und hat inmitten einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung den Z\u00fcnder in der Hand, als der Bruder sie entdeckt.<\/p>\n","protected":false},"author":62,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1817,5,1],"tags":[2168,706,1823],"class_list":["post-19490","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-auvidio","category-spectacle","category-syndicated","tag-antisemitismus","tag-culturacisme","tag-dates"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/users\/62"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19490"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19501,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19490\/revisions\/19501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}