{"id":19891,"date":"2010-10-19T15:23:54","date_gmt":"2010-10-19T14:23:54","guid":{"rendered":"http:\/\/sinistra.copyriot.com\/?p=806"},"modified":"2010-10-20T00:36:29","modified_gmt":"2010-10-19T23:36:29","slug":"aktionstage-gegen-den-10-deutschen-akademikertag-des-cdacdk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/10\/aktionstage-gegen-den-10-deutschen-akademikertag-des-cdacdk\/","title":{"rendered":"Aktionstage gegen den 10. Deutschen Akademikertag des CDA\/CDK"},"content":{"rendered":"<p>Es sei auf einen Aufruf mit dem Titel <a href=\"http:\/\/derreaktioninsbierspucken.blogsport.de\" target=\"blank\">\u201cDer Reaktion ins Bier spucken\u201d<\/a> hingewiesen. Er richtet sich gegen den 10. Deutschen Akademikertag des CDA\/CDK (Dachverband der Burschenschaften) in Frankfurt\/Main. Angek\u00fcndigt sind unter anderem eine Kundgebung am 6. November, als auch koordinierte Aktionen unter dem Motto \u201cFang den Hut\u201d am 5. November. Der Aufruf sei im Folgenden dokumentiert:<\/p>\n<p><b>Der Reaktion ins Bier spucken. Verbindungen aufl\u00f6sen. F\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben.<\/b><\/p>\n<p>Vom 5.-7. November 2010 richten der Convent deutscher Korporationsverb\u00e4nde (CDK), in dem Verbindungsstudenten organisiert und der Convent deutscher Akademikerverb\u00e4nde (CDA), in dem Alte Herren organisiert sind, ihre Herbstconvente und den 10. Akademikertag in Frankfurt am Main aus. Die Stadt Frankfurt sieht kein Problem darin, den reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften vom CDA\/CDK zum Empfang in den R\u00f6mer zu laden. An diesem Wochenende und dar\u00fcber hinaus wollen wir der Organisierung und Zelebrierung antiemanzipatorischer Einstellungen und Handlungen entschieden entgegen treten!<\/p>\n<p>Der CDA ist der gr\u00f6\u00dfte bundesdeutsche Zusammenschluss von Dachverb\u00e4nden der Altherrenschaften. Er versteht sich als Arbeitsgemeinschaft, in der 13 Verb\u00e4nde mit ca. 500 Altherrenschaften mit rund 40.000 akademischen Mitgliedern organisiert sind. Der CDK ist das verbindungsstudentische Pendant dazu.<\/p>\n<p>Die so genannte Mitte der Gesellschaft st\u00f6\u00dft sich zumeist nur am \u201erechten Rand\u201c des Verbindungswesens. Burschenschaften stehen schon seit ihrer Gr\u00fcndung 1815 f\u00fcr v\u00f6lkischen Nationalismus unter dem Motto \u201eEhre, Freiheit, Vaterland\u201c. Auch Antisemitismus und Rassismus geh\u00f6rten schon zu dieser Zeit zum geistigen Repertoire der Verbindungsstudenten. 1920 nahm die Deutsche Burschenschaft (DB), mit den \u201eEisenacher Beschl\u00fcssen\u201c das Rassengesetz der Nationalsozialisten vorweg. Sie war aktiver Wegbereiter des Nationalsozialismus und keineswegs Opfer, wie es gerne von Verbindungsseite behauptet wird. Auch heute darf nicht \u00fcbersehen werden, dass sich gerade in der im CDK organisierten DB Kr\u00e4fte befinden, die offen neonazistisches Gedankengut teilen. So strebt zum Beispiel die darin organisierte \u201aBurschenschaftliche Gemeinschaft\u2018 eine Revision der Grenzen der BRD an. Die Einverleibung von Teilen Polens ist erkl\u00e4rtes Ziel. Manche ihrer Mitgliedsverb\u00e4nde laden zudem des \u00f6fteren Holocaustleugner, Geschichtsrevisionisten, sowie NPD-Mitglieder zu Vortr\u00e4gen ein. Doch nicht nur das gilt es an Verbindungen zu kritisieren:<\/p>\n<p><i>Lebensbund &amp; Sexismus<\/i><\/p>\n<p>Allen Verbindungen gemeinsam ist das Lebensbundprinzip. Ein freiwilliger Austritt ist also nicht vorgesehen, vielmehr m\u00fcssen sich die einzelnen Mitglieder dauerhaft den jeweiligen Prinzipien der Korporation verpflichten. Lebensbundprinzip und verbindungsstudentischer Habitus stehen f\u00fcr Autorit\u00e4tsfixierung und unhinterfragten Gehorsam. Dem neuen Mitglied (\u201eFuchs\u201c) werden Tradition, Werte und Regelwerk einer Verbindung und eines Dachverbandes anerzogen, eine Erziehung zur Unm\u00fcndigkeit. So berichtet ein ehemaliger Verbindungsstudent: \u201cBefehl und Gehorsam, daf\u00fcr Anerkennung durch die Gemeinschaft, ist der Grundgedanke des korporierten Zwangssystems, dem sich der Korporierte zu f\u00fcgen hat und den er ohne zu hinterfragen verinnerlichen muss.\u201d<\/p>\n<p>Auch die geringe Anzahl an Korporationen, die sich f\u00fcr Frauen ge\u00f6ffnet und die Damenverbindungen, die sich gegr\u00fcndet haben, bleiben der Logik des Verbindungswesens verhaftet. Vorherrschend in korporierten Kreisen ist weiterhin ein traditionell konservatives, antifeministisches und somit antiemanzipatorisches Weltbild. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es in diesem bin\u00e4ren System der Geschlechtlichkeit keinen Platz f\u00fcr Menschen, die diesen Rollenbildern nicht entsprechen k\u00f6nnen oder wollen oder einen anderen Lebensentwurf haben.<\/p>\n<p><i>Elite &amp; Nation<\/i><\/p>\n<p>Bis heute erheben Studentenverbindungen den Anspruch, die gesellschaftliche Elite zu bilden. Ihnen falle die Aufgabe und Verpflichtung zu, wertebewusst Verantwortung in F\u00fchrungspositionen zu \u00fcbernehmen. Zentral f\u00fcr den Elitegedanken, der ein grundlegendes Element verbindungsstudentischen Denkens darstellt, ist die Idee, dass Menschen aufgrund bestimmter biologisierter oder sozialer \u201cVoraussetzungen\u201d, sowie eines von ihnen getragenen Wertesystems dazu bestimmt sind, die Gesellschaft in politischer und \u00f6konomischer Hinsicht zu lenken. Solche Werte sind beispielsweise Mut, Disziplin, Geradlinigkeit, Traditionsbewusstsein, Vaterlandsliebe, Treue, Ehrenhaftigkeit, Pflichtbewusstsein oder Familie. \u201eGerade in Zeiten gro\u00dfer Herausforderungen w\u00e4chst allgemein ein tiefes Bed\u00fcrfnis nach F\u00fchrung, nach Orientierung. Wer soll denn den Standort Deutschland f\u00fcr f\u00fcr die Zukunft machen, wenn nicht seine Eliten?\u201c Mit dieser Einsch\u00e4tzung liegt E. von Kuenheim, Alter Herr der Teutonia und BMW Vorstandsvorsitzender bis 1993, im bundesdeutschen Trend. Der Ruf nach Eliten, die die leitende Verantwortung \u00fcbernehmen, wird lauter, gezielte Elitenf\u00f6rderung, realisiert unter anderem durch Exzellenzinitiativen an Unis oder der enormen Erh\u00f6hung einkommensunabh\u00e4ngiger Stipendien, tr\u00e4gt ihren Teil zu einer Verfestigung der Durchhierarchisierung der Gesellschaft bei.<\/p>\n<p>Der autorit\u00e4ren und von Herrschaftsmechanismen durchzogenen, sexistischen Lebenswelt der Verbindungen wollen wir am 6. November einen geh\u00f6rigen Schmiss verpassen und die Utopie einer befreiten Gesellschaft entgegensetzen, in der die freie Entwicklung des Einzelnen die Voraussetzung f\u00fcr die freie Entwicklung aller ist.<\/p>\n<p><b>In diesem Sinne: Den Burschen ins Bier spucken, Verbindungen kappen!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sei auf einen Aufruf mit dem Titel <a href=\"http:\/\/derreaktioninsbierspucken.blogsport.de\" target=\"blank\">\u201cDer Reaktion ins Bier spucken\u201d<\/a> hingewiesen. 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