{"id":20859,"date":"2011-01-22T20:06:46","date_gmt":"2011-01-22T19:06:46","guid":{"rendered":"http:\/\/simulanten.blogsport.de\/2011\/01\/22\/verletzbarkeiten-am-freitag\/"},"modified":"2011-01-24T01:07:42","modified_gmt":"2011-01-24T00:07:42","slug":"verletzbarkeiten-am-freitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2011\/01\/verletzbarkeiten-am-freitag\/","title":{"rendered":"Verletzbarkeiten am Freitag"},"content":{"rendered":"\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" class=\"youtube-player\" type=\"text\/html\" width=\"480\" height=\"390\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/WOpwLkPNLYo\" frameborder=\"0\" allowFullScreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Lunchtalk oder die feministische Kunst des Handelns in der Wissenschaft (Hark) entpuppte sich leider als Kaugummi-deske Veranstaltung, Keine kulinarischen Gen\u00fc\u00dfe , keine inhaltlichen Erg\u00fcsse. Dabei versprach die Zusammensetzung des Podiums und auch das anvisierte Thema &#8222;Umbau der Hochschulen \u2013 Gender nur als Ressource&#8220;  einiges an Aufmerksamkeit. Zu Recht ist die Frage nach Gleichstellung weiterhin wichtig, genauso wie die Fragen nach der Ausrichtung und Positionierung der Gender Studies in den Hochschulen. Und k\u00f6nnen bzw. m\u00fcssen die analytischen Ressourcen dieses Faches nicht auch in andere F\u00e4cherzusammensetzungen flie\u00dfen? Ich werde hier der Reihen nach ein paar der Sprecherinnen mit einigen ihrer Auftakt Aussagen verkn\u00fcpfen, um eine Art Collage dieser Veranstaltung anzubieten (nat\u00fcrlich verk\u00fcrzt und gerne auch zusammenhangslos.)<br \/>\n<strong>Brigitte Schnegg<\/strong>, Leiterin des interdisziplin\u00e4ren Zentrums f\u00fcr Frauen- und Geschlechterforschung Bern: &#8222;Fr\u00fcher: Hochschule als Ort androzentrischer Wissensproduktion, heute Gleichstellung wurde von Familienpolitik abgel\u00f6st.&#8220;<br \/>\n<strong>Marion Janosch<\/strong>, Universit\u00e4t Innsbruck: &#8222;Autonomen Frauenvereinen werden finanzielle Mittel gestrichen (16.000 Euro) \u2013 Tendenz der Uni von Gleichstellung hin zur Familienpolitik.&#8220;<br \/>\n<strong>Antke Engel,<\/strong> Queer Theoretikerin aus Berlin kam mit drei Analsyseebenen: &#8222;1.F\u00f6rderung unabh\u00e4ngig von Gender, Alter, Sexualit\u00e4t, Race ect. \u2013 brauchen kritische-analytische Herangehensweisen auch in der Gleichstellungspolitik. 2. Gender wird als M\u00e4nner und Frauen ausbuchstabiert: Ergo wir bleiben in der heteronormativen Matrix gefangen. 3. Verh\u00e4ltnis inner- und au\u00dferunsiversit\u00e4rer Forschung: Wie kann au\u00dferuniversit\u00e4re Forschung in die Uni einflie\u00dfen?&#8220;<br \/>\n<strong>Sabine Hark, <\/strong>Sprecherin der Fachgesellschaft, TU Berlin.&#8220;Wer hat wen ver\u00e4ndert? Der Feminismus und die Gender Studies die Hochschulen oder umgekehrt? Gender Studies in der Mikrophysik der Macht der Hochschule eingeschrieben.&#8220;<br \/>\n<strong>Katharina P\u00fchl,<\/strong> FU Berlin:&#8220; Wo sind die Unterschiede zwischen KEG (Konferenz der Einrichtungen f\u00fcr Frauen &#8211; und Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum) und der Fachgesellschaft? Aufforderung wissenschaftspolitische Perspektiven zu diskutieren und Post-Colonial Diskurs, Critical Whiteness in den Diskurs um Diversity mit-rein-bringen.&#8220;<br \/>\nNach diesen ersten sehr ausf\u00fchrlichen Statements und lokalen Verortungen der jeweiligen Personen und ihres Schaffens, m\u00fcrbte sich die Veranstaltung so dahin, zwischen Aufforderung ,transdisziplin\u00e4rer Wissensvermittlung&#8220; (P\u00fchl), die rein &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; (Hark) passierten und man wohl auch deswegen gezwungen sei mit &#8222;trojanischen Pferden&#8220; (ebd.) zu arbeiten. Unterbrochen von einigen Zuschauer-einw\u00fcrfen (die meistens ebenfalls aus der Riege der Gender Studies Professur sprachen): &#8222;Man m\u00f6ge mit den Studentinnen kommunizieren und kooperieren&#8220; oder eher in die gegenteilige Richtung zielend:&#8220;den Umbau der Hochschule als Chance begreifen und einsehen, dass das leistungsbezogene-unternehmerische auch zu positiven Effekten in Bezug auf die Gender Studies f\u00fchre.&#8220; Sobald ein bi\u00dfchen Zunder in dieser Art Richtung Podium geworfen wurde, zuckte der Raum, statt notwendiger inhaltlicher Diskussion oder auch Zur\u00fcckweisung bestimmter Statments herrschte Magenknurren auf Seiten der Zuschauer\/innen, Gedankenlosigkeit auf Seiten der Moderatorin und eine gewisse Gehemmtheit auf Seite der Podiumsteilnehmer\/innen. Na, dann Prost, Mahlzeit Gender Studies. Zum Gl\u00fcck folgten dann aber zwei inhaltliche Bl\u00f6cke, die durchaus spannend waren. <a id=\"more-128\"><\/a><\/p>\n<p>Weiter ging es mit aufmunternden inhaltlichen Begr\u00fc\u00dfungsworten von Paula-Irene Villa und einigen organisatorischen Hinweisen von Nadine Sanitter. Dann kam tats\u00e4chlich noch ein etwas schwerf\u00e4lliger erster Block, der mit einem philosophischen Interferenz Vortrag von Corinna Barth, Hanna Mei\u00dfner, Stephan Trinkaus und Susanne V\u00f6lker seinen sportlichen herausfordernden Anfang nahm: Sportlich, weil viel zu schnell \u2013 ja die Referent\/innen haben nur 15 Minuten Zeit bekommen pro Vortrag, kein Grund in symbolischen Wissenshorizonten und allgemein schwerverdaulichen Allgemeinpl\u00e4tzen zu sprinten, die auch mit den Motiven Reflexivit\u00e4t, Verletzbarkeit, Praxis und Verantwortung f\u00fcr mich unzureichend strukturiert waren. Anschlie\u00dfend ein freundlicher Vortrag von Christa Binswanger (Basel) &#8222;zur Verstrickungsbeziehung v. Verletzbarkeit und Intimit\u00e4t,&#8220; der mit Levinas und Shildrick auf zwei Werke von Irmgrard Keun (das kunstseidene M\u00e4dchen) guckte. Dann ein drolliger &#8222;Troll&#8220; Vortrag von Sylvia Pritsch, der um die Sexismus Frage des Trollen im Web 20 kreiste. Spannend, aber leider technisch peinlich (Webseiten in Word-Dokumenten) und ob Nervosit\u00e4t oder Anspannung,  die Referentin stolperte durch den Vortrag und vermittelte ein recht unbeholfenes Bild. Schade, auch erwartet man (lilith) sich von Votr\u00e4gen die virtuelle Welt betreffend aktueller und weitreichendere Zusammenh\u00e4nge. So wurden keine Netiquettes diskutiert (wie sie ja der M\u00e4dchenblog und die M\u00e4dchenmannschaft als zwei Beispiele auch u.a. gegen das Trollen ins Leben gerufen haben). Moderiert wurde die erste Debatte von einer erfrischend ernsthaften und zugleich sympathisch entspannten Heike Zeller. <\/p>\n<p>Die zweite Debatte hat dann endlich ordentlich Schwung in die Tagung gebracht: Hier sprachen hintereinander Merve Winter (Berlin), Kathrin Zender (Z\u00fcrich), Antje Kampf (Mainz) und Zara Pfeiffer (M\u00fcnchen). Themen waren Lebendorganspenden (Merve Winter), also Frauen als das vulnerable Geschlecht, die in einer ich-identit\u00e4tischen Narration der Normalisierung eingebunden sind: Geben, statt zu nehmen \u2013 Zwang zu Spenden. Kaum Aufzeigen eines Entscheidungsprozesses m\u00f6glich. Ein Vortrag zu medizinischen Eingriffen in intersexuelle K\u00f6rper (Kathrin Zender) und eine Gegen\u00fcberstellung der Deutungsmuster der Aktivistinnen (der versehrte K\u00f6rper als k\u00fcnstlich hergestellter K\u00f6rper, der K\u00f6rper als Manifest des Unrechts) und der Deutungsmuster der Medizin (K\u00f6rper in einer Funktionslogik begriffen, die  es durch Eingriffe zu ,heilen&#8216; gelte, Intersexualit\u00e4t als ,gesellschaftliches Problem&#8216;, das medizinisch gel\u00f6st wird&#8230;) Anschlie\u00dfend der etwas Medizinwissenschaftliche Input von Antje Kampf \u00fcber die zunehmende Partialisierung des m\u00e4nnlichen K\u00f6rpers in Bezug auf Infertilit\u00e4t. These: Soziale Vulnerabilit\u00e4t als Verlust der Vaterschaft? Dann der Vortrag von Zara Pfeiffer: &#8222;Die Inszenierung von (Un-)verwundbarkeit. Selbstverletzung als Performance. Anhand von drei kurzen Videosequenzen einer M\u00fcncher K\u00fcnstlerin, die sich &#8222;handle with care&#8220; in den nackten Oberk\u00f6rper schneidet, einer Performance von Landauer mit einem &#8222;Hula&#8220; auf einem Strand in Tel Aviv und einem kurzen eher teasigen Video von Jack Ass (in diesem Fall als gleich wieder in Frage gestellt M\u00f6glichkeit der ,M\u00e4nnlichkeit&#8216; als Inszenierung der Unverwundbarkeit) dekonstruierte die Referentin das Alltagswissen der Zuschauer\/innen, das sie bis dato von Selbstverletzungen gehabt haben m\u00f6gen. Selbstverletzung wurde hier einerseits als Reperaturversuch und mit Hilfe des lacanianschen Spiegelstadium als Dekonstruktion der Ganzheit gelesen und \u00fcberzeugend argumentiert. <\/p>\n<p>Ausklang mit einer Tango Performance im Lichthof der LMU mit Ute Walter und Eliane Rieger von <a href=\"http:\/\/nuevasmilongueras.com\/\">nuevas milongueras.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lunchtalk oder die feministische Kunst des Handelns in der Wissenschaft (Hark) entpuppte sich leider als Kaugummi-deske Veranstaltung, Keine kulinarischen Gen\u00fc\u00dfe , keine inhaltlichen Erg\u00fcsse. Dabei versprach die Zusammensetzung des Podiums und auch das anvisierte Thema &#8222;Umbau der Hochschulen \u2013 Gender nur als Ressource&#8220;  einiges an Aufmerksamkeit. Zu Recht ist die Frage nach Gleichstellung weiterhin wichtig, genauso wie die Fragen nach der Ausrichtung und Positionierung der Gender Studies in den Hochschulen. Und k\u00f6nnen bzw. m\u00fcssen die analytischen Ressourcen dieses Faches nicht auch in andere F\u00e4cherzusammensetzungen flie\u00dfen? 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