{"id":21144,"date":"2011-02-16T10:14:15","date_gmt":"2011-02-16T09:14:15","guid":{"rendered":"http:\/\/faitesvotrejeu.blogsport.de\/2011\/02\/16\/aufenthalt-im-nirgendwo\/"},"modified":"2011-02-18T02:08:16","modified_gmt":"2011-02-18T01:08:16","slug":"aufenthalt-im-nirgendwo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2011\/02\/aufenthalt-im-nirgendwo\/","title":{"rendered":"Aufenthalt im Nirgendwo"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine aktuelle Ausstellung im fr\u00fcheren Klapperfeld soll die j\u00fcngste Vergangenheit des Geb\u00e4udes thematisieren.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/aufenthalt-im-nirgendwo\/-\/1472798\/7198086\/-\/view\/asFirstTeaser\/-\/index.html\" target=\"_blank\"><strong>Frankfurter Rundschau, 16.10.2010<\/strong><\/a> (<a href=\"http:\/\/faitesvotrejeu.blogsport.de\/images\/20110216_FR.pdf\" target=\"_blank\"><strong>download pdf<\/strong><\/a>)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/faitesvotrejeu.blogsport.de\/images\/20110216_FR.jpg\" alt=\"\"><br \/>\n<em>Es gibt viel zu viele Grenzen, auf die unsichtbaren st\u00f6\u00dft man jetzt im alten Klapperfeld. (Foto: Sch\u00fcler)<\/em><\/p>\n<p><strong>Von Danijel Majic<\/strong><\/p>\n<p>Es sind alles andere als reizvolle Motive, die der Fotograf festgehalten hat. Leere Landschaften, Felder, Gestr\u00fcpp. Eint\u00f6nige Bilder in Schwarz-Wei\u00df, was die Trostlosigkeit noch unterstreicht. Ein Nirgendwo, das man gerne hinter sich lassen w\u00fcrde. Kein Hinweis verr\u00e4t, dass einige der Fotos nur wenige Kilometer von der pulsierenden Millionenmetropole Berlin entstanden sind.<\/p>\n<p>Was der Fotograf zeigen wollte, ist mit blo\u00dfem Auge nicht zu erkennen. Die Bilder zeigen den Grenzbereich des Landkreises Oberhavel, n\u00f6rdlich der Hauptstadt. Eine Verwaltungsgrenze, die f\u00fcr die meisten Einwohner keinerlei Bedeutung hat. F\u00fcr Asylbewerber und Ausl\u00e4nder mit Duldung aber bedeutet jede \u00dcberquerung der imagin\u00e4ren Grenzlinie den Schritt in die Illegalit\u00e4t. Deutschland endet f\u00fcr diese Menschen an den Grenzen des Landkreises, in dem sie untergebracht worden sind.<\/p>\n<p>\u00bbDie Idee ist, diese unsichtbaren Grenzen sichtbar zu machen\u00ab, sagt Sebastian Vogel von der Kulturinitiative \u00bbFaites votre jeu\u00ab. \u00bbResidenzpflicht \u2013 Invisible borders\u00ab nennt sich die Wanderausstellung, die derzeit im ehemaligen Polizeigewahrsam Klapperfeld gastiert. In Deutschland sind etwa 124000 Menschen von einer derartigen Regelung betroffen. Sie sind verpflichtet, die Grenzen des jeweiligen Landkreises oder Bundeslandes nicht zu \u00fcberschreiten. Die Folgen sind teilweise absurd. \u00bbManche machen sich schon strafbar, wenn sie sich in den Zug setzen, um zum Amt zu fahren\u00ab, erl\u00e4utert Sebastian Vogel, \u00bbweil die Strecke \u00fcber einen anderen Landkreis f\u00fchrt.\u00ab<\/p>\n<p>Das Konzept zu der Ausstellung geht auf die Diplomarbeit eines Architekturstudenten zur\u00fcck. Seit dem 5. Februar ist sie in dem ehemaligen Gef\u00e4ngnis nahe der Konstablerwache zu sehen. Ein passender Ort, denn in seiner langen Geschichte, gepr\u00e4gt von Grausamkeiten, bildeten Jahre der Nutzung als Abschiebegef\u00e4ngnis den Abschluss.<\/p>\n<p>Das hat Spuren hinterlassen: Ein Stockwerk \u00fcber der Ausstellung liest man an den W\u00e4nden die Botschaften derjenigen, die seinerzeit in die Gruppen und Einzelzellen gepfercht wurden. Hunderte Graffitis bedecken die dunklen W\u00e4nde, zwischen denen die Inhaftierten auf ihre Abschiebung warten mussten. \u00bbUnsere Idee, diese Ausstellung herzuholen, soll auch diese j\u00fcngste Vergangenheit des Geb\u00e4udes thematisieren\u00ab, erkl\u00e4rt J\u00f6rg Schmidt, Sprecher von \u00bbFaites votre jeu\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Auch der Aufenthalt von \u00bbFaites votre jeu\u00ab ist begrenzt<\/strong><\/p>\n<p>Seit ihrem Umzug aus dem zuvor von ihnen besetzten Jugendzentrum Bockenheim ins Klapperfeld 2009 bem\u00fcht sich die Kulturinitiative, die Historie des Polizeigewahrsams greifbar zu machen. Eine Dauerausstellung im Keller befasst sich mit den Jahren der Nazi-Zeit, als die M\u00e4nner der SS im Klapperfeld folterten und mordeten. \u00bbDie NS-Zeit bleibt auch weiterhin der Schwerpunkt\u00ab, sagt Schmidt. Doch gelte es eben auch, j\u00fcngere Kapitel aufzuarbeiten.<\/p>\n<p>Wie lange \u00bbFaites votre jeu\u00ab daf\u00fcr allerdings noch Zeit bleibt, steht derzeit in den Sternen. Im August l\u00e4uft der \u00dcberlassungsvertrag zwischen der Initiative und der Stadt aus. Was danach passiert, ist ungewiss: Im vergangenen August sorgte eine Studie des Stadtplanungsamtes zur k\u00fcnftigen Gestaltung der Innenstadt f\u00fcr Aufregung.<\/p>\n<p>Darin war unter anderem vom Abriss des einstigen Gef\u00e4ngnisses zugunsten eines Wohnhochhauses die Rede. \u00c4hnlich irritierend sind die immer wieder aufkeimenden Diskussionen \u00fcber den Bau eines neuen Justizzentrums, dem das Klapperfeld ebenfalls zum Opfer fallen k\u00f6nnte. Aus Sicht von B\u00fcrgermeisterin Jutta Ebeling, mit der seinerzeit der Umzug ins Klapperfeld vereinbart wurde, besteht allerdings kein Grund zur Besorgnis. \u00bbDerzeit liegen uns keine Pl\u00e4ne vor, so dass wir auch erst mal nicht t\u00e4tig werden\u00ab, erkl\u00e4rte Referentin Irene Khateeb im B\u00fcro der B\u00fcrgermeisterin gegen\u00fcber der FR.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Bildungsdezernats steht somit einer Verl\u00e4ngerung des Vertrages um weitere zwei Jahre wohl nichts im Wege. F\u00fcr J\u00f6rg Schmidt ist das allerdings eine viel zu kurze Perspektive: \u00bbEs geht uns nicht um anderthalb Jahre.\u00ab Die Gruppe will drinbleiben; ein Ersatzobjekt werde man nicht akzeptieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Eine aktuelle Ausstellung im fr\u00fcheren Klapperfeld soll die j\u00fcngste Vergangenheit des Geb\u00e4udes thematisieren.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt\/aufenthalt-im-nirgendwo\/-\/1472798\/7198086\/-\/view\/asFirstTeaser\/-\/index.html\" target=\"_blank\"><strong>Frankfurter Rundschau, 16.10.2010<\/strong><\/a> (<a href=\"http:\/\/faitesvotrejeu.blogsport.de\/images\/20110216_FR.pdf\" target=\"_blank\"><strong>download pdf<\/strong><\/a>)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/faitesvotrejeu.blogsport.de\/images\/20110216_FR.jpg\" alt=\"\"><br \/>\n<em>Es gibt viel zu viele Grenzen, auf die unsichtbaren st\u00f6\u00dft man jetzt im alten Klapperfeld. 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