{"id":22296,"date":"2010-09-19T14:29:59","date_gmt":"2010-09-19T13:29:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.queer-o-mat.de\/index.php?\/archives\/176-guid.html"},"modified":"2010-09-19T14:29:59","modified_gmt":"2010-09-19T13:29:59","slug":"der-nahostkonflikt-aus-queer-diasporischer-perspektive-eine-annaherung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2010\/09\/der-nahostkonflikt-aus-queer-diasporischer-perspektive-eine-annaherung-2\/","title":{"rendered":"Der Nahostkonflikt aus queer-diasporischer Perspektive &#8211; eine Ann\u00e4herung."},"content":{"rendered":"<p> Aus der Sommerpause zur\u00fcckgekehrt, m\u00f6chten wir unsere Gedanken zu der Verquickung von Nahostkonflikt und queeren Szenen im Fr\u00fchjahr diesen Jahres mit euch teilen und freuen uns auf einen Austausch.<\/p>\n<p>\n<strong>Artikel als <a href=\"http:\/\/www.queer-o-mat.de\/uploads\/Nahostkonfliktausqueer-diasporischerPerspektive.pdf\" title=\"Nahostkonfliktausqueer-diasporischerPerspektive.pdf\" >PDF<\/a><\/strong> (Darin sind auch die Fu\u00dfnoten zu finden)<\/p>\n<p>Katrin K\u00f6ppert und Francesca Schmidt: <\/p>\n<p>Der Nahostkonflikt aus queer-diasporischer Perspektive <\/p>\n<p>Spot eins: Zur gr\u00f6\u00dften Gay Pride Europas in Madrid wurde die eingeladene israelische Delegation kurzfristig wieder ausgeladen und alle in diesem Zusammenhang geplanten Veranstaltungen abgesagt. Als Begr\u00fcndung wurden die israelischen Angriffe auf die \u201eFriedens Flotilla\u201c Ende Mai diesen Jahres angef\u00fchrt sowie der Umstand, dass die Stadtverwaltung Tel Avivs, die. u.a. den Wagen f\u00fcr den Umzug finanzieren wollte, dieses Massaker mit neun Toten nicht verurteilte &#8211; denn, so der Pr\u00e4sident der Spanischen F\u00f6deration f\u00fcr Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle (FELGTB) Antonio P\u00f3veda, auf der Gay Pride w\u00fcrden Menschenrechte verteidigt und nicht missbilligt . Cogam, ein Mitveranstalter der spanischen Parade, wies zudem auf das erh\u00f6hte Sicherheitsrisiko f\u00fcr den israelischen Wagen hin, weil zuvor an der Universit\u00e4t von Madrid ein israelischer Unternehmer durch propal\u00e4stinensische Studenten mit Gewalt davon abgehalten wurde, einen Vortrag \u00fcber erneuerbare Energien zu halten, ohne dass die Polizei eingegriffen h\u00e4tte. Die Gay Pride s\u00f6lle hingegen, so Ra\u00fal Garc\u00eda, nicht durch \u201egewaltt\u00e4tige Tumulte\u201c in die Schlagzeilen geraten.  Der israelische Verband Aguda bedauerte die Entscheidung der Organisator_innen und verwies auf die fehlende thematische Verkn\u00fcpfung. Dessen Meinung nach h\u00e4tten diese Themen nichts mit der Schwulen- und Lesbengemeinschaft zu tun. Vielmehr sei der Verband als nichtpolitische Gruppe zur Madrider Gay Pride eingeladen worden und wollte diese als Kick-Off f\u00fcr eine Kampagne nutzen, Tel Aviv als pinken Stern am schwulen\/(lesbischen) Tourismus-Firmament zu etablieren . Yossi Levy, Sprecher des israelischen Au\u00dfenministeriums und offen schwul lebend, kritisierte sch\u00e4rfer: \u201eDie Organisatoren haben die Pr\u00e4senz israelischer Homosexueller aus Gr\u00fcnden der Sicherheit abgelehnt. Das ist eine traurige und besorgniserregende Entscheidung. Die Parade des Stolzes verwandelt sich in die Parade der Schande.\u201c  Eine nachvollziehbare Kritik insofern, als dass Sicherheitsbedenken vorgeschoben werden, um den israelischen Verband, der pauschal f\u00fcr die Angriffe auf die Friedensflotte mitverantwortlich gemacht wird, zu verbannen, ohne deren Einstellungen und Politiken zu befragen. Diese Praxis l\u00e4sst vermuten, dass die Proklamation von Menschenrechten nutzbar gemacht werden kann, um Gruppen pauschal auszuschlie\u00dfen, was eines impliziten Antisemitismus nicht entbehrt. So kritisierte der spanische Schwulen-, Lesben-, Bi- und Transsexuellenverband Colegas in seiner Stellungnahme: &#8222;Es ist v\u00f6llig inakzeptabel, dass eine Organisation, die vorgibt gegen Diskriminierung und f\u00fcr Freiheit und Menschenrechte zu k\u00e4mpfen, sich von einer intoleranten, antisemitischen Str\u00f6mung vereinnahmen l\u00e4sst.&#8220;  Unabh\u00e4ngig davon, dass Antisemitismus, Antijudaismus und Anti-Israelismus differenziert zu betrachten sind, kann eine solche Entscheidung der Organisator_innen nicht verhindern, dass nationalistische, rassistische und antisemitische Formierungen innerhalb einer sich mitunter homonormativ herstellenden LGBITT-Community bef\u00f6rdert werden. <\/p>\n<p>Spot zwei: Die Pride in Toronto sollte ohne die Gruppe \u201eQueers against Israeli Arpartheid\u201c (QuAIA), die  schon seit 2007 an der Parade teilnimmt, stattfinden, solange sie die Worte \u201eIsraeli Arpartheid\u201c verwende. Nach Aussagen der Veranstalter_innen w\u00fcrde der Name von weiteren Teilnehmer_innen als diskriminierend, antisemitisch und anti-israelisch empfunden . Der Kampf gegen Homophobie sei das Anliegen der Parade und nicht der Kampf gegen die israelische Apartheidspolitik, so Stadtrat Kyle Rae. Au\u00dferdem d\u00fcrfe der Begriff der Apartheid nicht mit Juden_J\u00fcdinnen oder Israelis in Verbindung gebracht werden. Martin Gladstone, Anwalt, Filmemacher und Schwulenrechtsaktivist, konnte sich daher bei den Sponsor_innen der Parade, zu denen die Stadt Toronto selbst z\u00e4hlt, erfolgreich daf\u00fcr verwenden, dass die Gruppe unter diesem Namen nicht an der Parade teilnehmen solle. <br \/>\nDie Argumentation der Gruppe QuAIA, dass es sich um ein israelisches \u201eapartheid system\u201c  handele, f\u00fchrte schlussendlich zu einer Welle der Solidarisierung, so dass nach darauf folgenden Zensurvorw\u00fcrfen die Veranstalter_innen die Verbannungsandrohung zur\u00fccknahmen \u2013 jedoch unter der Verpflichtung, dass alle Gruppen die Anti-Diskriminierungserkl\u00e4rung der Stadt Toronto, die sie zuvor durch die Worte \u201eIsraeli Apartheid\u201c verletzt sahen, unterzeichnen und anerkennen. Im Duktus der Bekenntnis legitimierte sich nunmehr, was schon von vornherein in den Forderungen der Gruppe inbegriffen war: eine Bewegung gegen Diskriminierung, Okkupation und Kolonisierung von Menschen durch eine israelische Politik. In der Betonung dessen, dass sich gegen eine Form der Politikf\u00fchrung ausgesprochen wird, lie\u00dfe sich behaupten, dass hier nicht gegen eine j\u00fcdische Ethnie und\/oder Religion argumentiert w\u00fcrde, sondern gegen eine verletzende israelische Politik. Aufgrund der impliziten Verquickung von j\u00fcdischer Ethnie und  Demokratie in der Definition Israels als Staat des j\u00fcdischen Volkes sind jedoch die Ebenen derart miteinander verzahnt, dass der Kampf gegen die israelische Apartheid auch als ein Kampf gegen Juden_J\u00fcdinnen verstanden werden kann, was bedingt, dass die Behauptung israelischer Apartheid auch eine Form verletzender Hate Speech f\u00fcr Personen darstellen kann, die sich gegen israelische Politik wenden, aber sich dennoch als j\u00fcdisch definieren. <\/p>\n<p>Spot drei: Der transgeniale CSD am 26.06.2010 in Berlin startete mit dem R\u00fcckenwind der Worte Judith Butlers anl\u00e4sslich ihrer verweigerten Preisannahme des Zivilcourage Preises eine Woche zuvor beim \u201egro\u00dfen\u201c Berliner CSD und handelte sich gleichsam Zensurvorw\u00fcrfe ein. W\u00e4hrend der Demo wurden Mitglieder der Gruppe \u201eBerlin Queers for International Solidarity with Palestine\u201c, die mit Plakaten \u201eFree Gaza\u201c und \u201eFreiheit f\u00fcr Pal\u00e4stina\u201c an der Demo teilnehmen wollten, aufgefordert, entweder die Demo zu verlassen oder die Plakate zu entfernen. Begr\u00fcndet wurde dies mit dem Aufruf zur Demo: \u201eBitte lasst eure Partei- und Nationalfahnen zu Hause! Diese sind auf dem Transgenialen CSD nicht erw\u00fcnscht. Wir wollen keine Fahnen sehen, weder von Parteien noch irgendwelchen Nationen! Kein Gott, kein Staat, kein Championat!\u201c Zudem h\u00e4tten sich andere Demoteilnehmer_innen \u00fcber die Plakate beschwert. Im Anschluss an den tCSD nahm die Gruppe in einem offenen Brief  Stellung und \u00fcbte u.a. Kritik an dem Vorwurf, Bezug auf die Nation Pal\u00e4stina auf ihren Flaggen genommen zu haben, obwohl es sich bei Pal\u00e4stina weder um eine anerkannte Nation noch um Flaggen in dem Sinne handele, da sie diese selbst gebastelt und mit keinen tradierten Symbolen ausgestattet h\u00e4tten. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.queer-o-mat.de\/index.php?\/archives\/176-Der-Nahostkonflikt-aus-queer-diasporischer-Perspektive-eine-Annaeherung..html#extended\">&#8222;Der Nahostkonflikt aus queer-diasporischer Perspektive &#8211; eine Ann\u00e4herung.&#8220; vollst\u00e4ndig lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Aus der Sommerpause zur&uuml;ckgekehrt, m&ouml;chten wir unsere Gedanken zu der Verquickung von Nahostkonflikt und queeren Szenen im Fr&uuml;hjahr diesen Jahres mit euch teilen und freuen uns auf einen Austausch.<\/p>\n<p><strong>Artikel als <a href=\"http:\/\/www.queer-o-mat.de\/uploads\/Nahostkonfliktausqueer-diasporischerPerspektive.pdf\" title=\"Nahostkonfliktausqueer-diasporischerPerspektive.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a><\/strong> (Darin sind auch die Fu&szlig;noten zu finden)<\/p>\n<p>Katrin K&ouml;ppert und Francesca Schmidt: <\/p>\n<p>Der Nahostkonflikt aus queer-diasporischer Perspektive <\/p>\n<p>Spot eins: Zur gr&ouml;&szlig;ten Gay Pride Europas in Madrid wurde die eingeladene israelische Delegation kurzfristig wieder ausgeladen und alle in diesem Zusammenhang geplanten Veranstaltungen abgesagt. 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Die Parade des Stolzes verwandelt sich in die Parade der Schande.&ldquo;  Eine nachvollziehbare Kritik insofern, als dass Sicherheitsbedenken vorgeschoben werden, um den israelischen Verband, der pauschal f&uuml;r die Angriffe auf die Friedensflotte mitverantwortlich gemacht wird, zu verbannen, ohne deren Einstellungen und Politiken zu befragen. Diese Praxis l&auml;sst vermuten, dass die Proklamation von Menschenrechten nutzbar gemacht werden kann, um Gruppen pauschal auszuschlie&szlig;en, was eines impliziten Antisemitismus nicht entbehrt. 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Martin Gladstone, Anwalt, Filmemacher und Schwulenrechtsaktivist, konnte sich daher bei den Sponsor_innen der Parade, zu denen die Stadt Toronto selbst z&auml;hlt, erfolgreich daf&uuml;r verwenden, dass die Gruppe unter diesem Namen nicht an der Parade teilnehmen solle. <br \/>\nDie Argumentation der Gruppe QuAIA, dass es sich um ein israelisches &bdquo;apartheid system&ldquo;  handele, f&uuml;hrte schlussendlich zu einer Welle der Solidarisierung, so dass nach darauf folgenden Zensurvorw&uuml;rfen die Veranstalter_innen die Verbannungsandrohung zur&uuml;cknahmen &ndash; jedoch unter der Verpflichtung, dass alle Gruppen die Anti-Diskriminierungserkl&auml;rung der Stadt Toronto, die sie zuvor durch die Worte &bdquo;Israeli Apartheid&ldquo; verletzt sahen, unterzeichnen und anerkennen. Im Duktus der Bekenntnis legitimierte sich nunmehr, was schon von vornherein in den Forderungen der Gruppe inbegriffen war: eine Bewegung gegen Diskriminierung, Okkupation und Kolonisierung von Menschen durch eine israelische Politik. In der Betonung dessen, dass sich gegen eine Form der Politikf&uuml;hrung ausgesprochen wird, lie&szlig;e sich behaupten, dass hier nicht gegen eine j&uuml;dische Ethnie und\/oder Religion argumentiert w&uuml;rde, sondern gegen eine verletzende israelische Politik. Aufgrund der impliziten Verquickung von j&uuml;discher Ethnie und  Demokratie in der Definition Israels als Staat des j&uuml;dischen Volkes sind jedoch die Ebenen derart miteinander verzahnt, dass der Kampf gegen die israelische Apartheid auch als ein Kampf gegen Juden_J&uuml;dinnen verstanden werden kann, was bedingt, dass die Behauptung israelischer Apartheid auch eine Form verletzender Hate Speech f&uuml;r Personen darstellen kann, die sich gegen israelische Politik wenden, aber sich dennoch als j&uuml;disch definieren. <\/p>\n<p>Spot drei: Der transgeniale CSD am 26.06.2010 in Berlin startete mit dem R&uuml;ckenwind der Worte Judith Butlers anl&auml;sslich ihrer verweigerten Preisannahme des Zivilcourage Preises eine Woche zuvor beim &bdquo;gro&szlig;en&ldquo; Berliner CSD und handelte sich gleichsam Zensurvorw&uuml;rfe ein. 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