{"id":23223,"date":"2009-10-25T16:02:18","date_gmt":"2009-10-25T15:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/abdelkader.blogsport.de\/2009\/10\/25\/aufgeklaerte-deutsche-antisemitische-migranten\/"},"modified":"2009-10-25T16:02:18","modified_gmt":"2009-10-25T15:02:18","slug":"aufgeklarte-deutsche-antisemitische-migranten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2009\/10\/aufgeklarte-deutsche-antisemitische-migranten\/","title":{"rendered":"Aufgekl\u00e4rte Deutsche \u2013 antisemitische Migranten?"},"content":{"rendered":"<p>Vom Thema Antisemitismus unter Migrant_innen, mit dem sich auch ein <a href=\"http:\/\/www.cafemorgenland.net\/archiv\/1997\/1997.05.05_antisemi.htm\">\u00e4lterer  Text<\/a> von Caf\u00e9 Morgenland besch\u00e4ftigt, handelt ein <a href=\"http:\/\/www.agpolpsy.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/der-antisemitismusverdacht-gekurzte-fassung2.pdf\">Artikel<\/a> (.pdf) von Wolfram Stender. Dass Judenfeindschaft auch in der so genannten Einwanderungsgesellschaft existiert, l\u00e4sst sich nicht leugnen, das Problem der diesbez\u00fcglichen Diskussionen der letzten Jahre sind ihre oft pauschalen Unterstellungen. In Ver\u00f6ffentlichungen wie denen von Hans Peter Raddatz wird Antisemitismus zum Wesen &#8222;der Muslime&#8220; erkl\u00e4rt, weshalb solche Positionen als Entlastung deutscher Schuld fungieren.<br \/>\nIm folgenden einige Ausz\u00fcge aus dem oben genannten Artikel:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Auch Philipp Gessler (2004) und <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0302\/t160302.html\">Matthias K\u00fcntzel<\/a> (2007) sehen im \u201emuslimischen Antisemitismus\u201c die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung unserer Zeit. K\u00fcntzel beruft sich auf eine \u201eStudie der Alice-Salomon-Fachhochschule\u201c, auf deren fragw\u00fcrdige wissenschaftliche Qualit\u00e4t ich noch zu sprechen komme. Diese habe gezeigt, dass bereits <em>\u201eKinder und Jugendliche aus islamischen Familien eine \u201afeste antisemitische Haltung\u2019 einnehmen\u201c<\/em> (K\u00fcntzel 2007: 1). <em>\u201eZunehmend\u201c<\/em> werde <em>\u201eJagd auf j\u00fcdische Mitsch\u00fcler gemacht\u201c; \u201ezunehmend\u201c<\/em> habe sich <em>\u201ein bestimmten Milieus der Antisemitismus als Bestandteil muslimischer Identit\u00e4t etabliert\u201c<\/em> (ebd.). Die <em>\u201eantisemitische Aufhetzung muslimischer Jugendlicher\u201c<\/em> stelle allerdings nur die Spitze eines Eisberges dar:<br \/>\n<em>\u201eDas darunter liegende Massiv entzieht sich unserem Blick: Der Antisemitismus der<br \/>\nislamischen Welt.\u201c <\/em>(K\u00fcntzel 2007: 2) Gessler bl\u00e4st in das gleiche Horn: <em>\u201eAm auff\u00e4lligsten ist die Explosion des muslimischen Judenhasses. (&#8230;) Er verbreitet sich in Deutschland vor allem \u00fcber die modernen Medien wie Satellitenfernsehen und Internet in den muslimisch gepr\u00e4gten Migranten-Milieus. Es waren zum gro\u00dfen Teil muslimische Migranten, vor allem junge M\u00e4nner, die in den vergangenen Jahren zu Gewalt gegen Juden griffen.\u201c<\/em> (Gessler 2004: 125)<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nInsgesamt ist die Forschungslage also \u00e4u\u00dferst unzureichend. Umso frappierender ist es dann<br \/>\naber, wie sicher sich Autoren wie K\u00fcntzel und Gessler mit ihrer These eines wachsenden<br \/>\n\u201emuslimischen Antisemitismus\u201c in Deutschland sind. Tats\u00e4chlich gibt es keine belastbaren<br \/>\nForschungsergebnisse, geschweige denn rep\u00e4sentative Erhebungen, die den Nachweis eines<br \/>\nspezifisch migrantischen Antisemitismus erbringen. Die meisten Einsch\u00e4tzungen bewegen<br \/>\nsich auf der Ebene des mehr oder minder informierten, politisch aber durchaus folgenreichen<br \/>\nVerdachts.<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote>\n<p><strong>Die antisemitischen \u201eAnderen\u201c &#8211; eine neue Form des sekund\u00e4ren Antisemitismus?<\/strong><br \/>\nDer kulturalisierenden, \u201areligionisierenden\u2019 Wahrnehmung eines \u201emuslimischen<br \/>\nAntisemitismus\u201c liegt eine Konstruktion zugrunde, die f\u00fcr den Kampf gegen eine angebliche<br \/>\nIslamisierung Europas von unsch\u00e4tzbarem Wert ist. Sie verkn\u00fcpft diesen mit dem<br \/>\nkategorischem Imperativ des \u201eNie wieder Auschwitz\u201c. In dem Kompositum \u201emuslimischer<br \/>\nAntisemitismus\u201c wird ein innerer Zusammenhang zwischen Islam und Antisemitismus<br \/>\nhergestellt. Antisemitismus wird zum Wesensmerkmal des Islam erkl\u00e4rt (exemplarisch:<br \/>\nRaddatz 2007). Dadurch entsteht ein gigantisches Bedrohungsszenario. Sofern ein Muslim<br \/>\nkein manifester Antisemit ist, ist er es zumindest latent. Der Antisemitismusverdacht erfasst<br \/>\nschlechthin alle Muslime, also etwa 1,3 Milliarden Menschen. Aber schlimmer noch: Die<br \/>\nMuslime befinden sich in numerisch nicht unbedeutender Zahl bereits im \u201eeigenen\u201c Land,<br \/>\nund mit jedem neu ankommenden Muslim w\u00e4chst die antisemitische Gefahr auch in<br \/>\nDeutschland wieder. Historische Verantwortungs\u00fcbernahme hei\u00dft dann, sich gegen diese<br \/>\nGefahr zur Wehr zu setzen \u2013 und zwar mit allen Mitteln, die dem demokratischen Rechtsstaat zur Verf\u00fcgung stehen. Fatal ist diese Konstruktion in mehrfacher Hinsicht. Als hoch attraktiver Entlastungsmechanismus f\u00fcr die Mehrheitsgesellschaft externalisiert sie das<br \/>\ngesellschaftliche Problem des modernen Antisemitismus. Wie beim Rechtsextremismus<br \/>\nerscheint der Antisemitismus auch hier als eine Gefahr, die von au\u00dfen das demokratische<br \/>\nGemeinwesen bedroht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Quelle: <em>Der Antisemitismusverdacht. Zur Diskussion \u00fcber einen \u201emigrantischen Antisemitismus\u201c in Deutschland<\/em>. In: Migration und Soziale Arbeit, 30. Jg., H 3 \/ 4, Oktober 2008, S. 284 \u2013 291.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Thema Antisemitismus unter Migrant_innen, mit dem sich auch ein &auml;lterer  Text von Caf&eacute; Morgenland besch&auml;ftigt, handelt ein Artikel (.pdf) von Wolfram Stender. Dass Judenfeindschaft auch in der so genannten Einwanderungsgesellschaft existiert, l&auml;sst sich nicht leugnen, das Problem der diesbez&uuml;glichen Diskussionen der letzten Jahre sind ihre oft pauschalen Unterstellungen. 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