{"id":24857,"date":"2012-05-21T12:01:24","date_gmt":"2012-05-21T11:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?p=3015"},"modified":"2012-05-21T12:01:24","modified_gmt":"2012-05-21T11:01:24","slug":"reproduktionsarbeit-vom-wieder-herstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2012\/05\/reproduktionsarbeit-vom-wieder-herstellen\/","title":{"rendered":"Reproduktionsarbeit: Vom Wieder-Herstellen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/reproduktion1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/reproduktion1.jpg\" alt=\"\" title=\"reproduktion\" width=\"550\" height=\"342\" class=\"alignnone size-full wp-image-3023\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"right\"><small>Auch in dieser K\u00fcche wird Reproduktionsarbeit geleistet<\/small><\/p>\n<p>Ich wurde in letzter Zeit ein paar Mal mit der Frage konfrontiert, was ich eigentlich mit Reproduktionsarbeit meine. Ein Gespr\u00e4ch bei gr\u00fcnem Curry hat mir deutlich gemacht, wo das Verst\u00e4ndnisproblem anf\u00e4ngt. Erkl\u00e4rb\u00e4rmodus an.<\/p>\n<p>Mit dem Begriff Reproduktion wird das \u201eVervielf\u00e4ltigen\u201c verbunden. As in: \u201eAn meiner Wand h\u00e4ngt eine Reproduktion der Mona Lisa.\u201c In Bezug auf Arbeit und Leben hei\u00dft das: Kinder machen. Neue Generationen produzieren. Es gibt jedoch eine zweite Begriffsbedeutung, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Reproduktionsarbeit entscheidend ist: <\/p>\n<blockquote>\n<p>Als Reproduktion wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem etwas vervielf\u00e4ltigt wird, sowie h\u00e4ufig auch die im Ergebnis dessen entstandene Kopie. Insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Systemen wird unter Reproduktion neben der Neuerstellung auch die Aufrechterhaltung eines Zustandes verstanden. (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reproduktion\">Wikipedia: Reproduktion<\/a>)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wenn ich Reproduktionsarbeit sage meine ich also das Aufrechterhalten eines Zustandes \u2013 und zwar den geistig-k\u00f6rperlichen Zustand des arbeitenden Menschen. <\/p>\n<p>Marx nimmt das mit der Reproduktion her, um das mit dem Arbeitslohn und dem Mehrwert zu verdeutlichen. Ganz kurz: Der Lohn entspricht dem, was zur Reproduktion der Ware Arbeitskraft notwendig ist. Ein einfaches Modell: Eine lohnabh\u00e4ngige Person arbeitet 8 Stunden am Tag und produziert Waren, die am Markt 80 Geldeinheiten (GE) erzielen. Zur Wiederherstellung ihrer Arbeitskraft ben\u00f6tigt die Person 20 GE, die sie f\u00fcr Essen, Miete, Kinder, Hygiene usw. ausgeben muss. Da w\u00fcrden ja zwei Stunden Arbeit eigentlich reichen. Leider gibt es nur 2,5 GE Stundenlohn, so dass die Person 8 Stunden arbeiten muss, um auf ihre 20 GE zu kommen. Das Kapital freut sich: 60 GE werden als Mehrwert abgesch\u00f6pft. <strong>Wir nennen es Ausbeutung<\/strong> \u2013 ein Begriff, der tats\u00e4chlich nichts damit zu tun hat, ob der Lohn niedrig, hoch oder \u201egerecht\u201c ist.<\/p>\n<p>Dass dieses Modell sehr vereinfacht ist, liegt auf der Hand. Das, was zur Reproduktion als notwendig erachtet wird, ist erstens das Ergebnis sozialer K\u00e4mpfe, bei denen es zweitens auch darum geht, dass Lohnabh\u00e4ngige als Konsument_innen ebenfalls auf dem Markt agieren. Will sagen: Ob wir Penne mit Nordsee-Scampi und Parmesan aus Italien oder Brot mit Wurst aus Hausschlachtung essen, zur Erholung einen gro\u00dfen Fernseher und drei Konsolen brauchen und regelm\u00e4\u00dfig zur Kur fahren k\u00f6nnen geht aus dem Modell nicht hervor. Auch wer die Reproduktionsarbeit leistet und in welcher Beziehung  Leute dabei zueinander stehen ist nicht festgelegt, also ob sie im Rahmen einer heterosexullen Kernfamilie von der Hausfrau \u00fcbernommen wird, Personen sie selbst erledigen, andere daf\u00fcr einstellen oder sie sich mit anderen Erwerbst\u00e4tigen teilen. Schlie\u00dflich w\u00e4re da noch die Frage, wie Reproduktionsarbeit subventioniert wird, zum Beispiel durch einen Familienern\u00e4hrerlohn, Kindergeld, Betreuungsgeld, Ehegattensplitting, steuerlche Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleistungen, Familienzuschlag. Auch das ver\u00e4ndert sich im Laufe der Zeit und der politischen Konflikte um Arbeit \u2013 <strong>Who cares?<\/strong> ist eine Frage, \u00fcber die es sich nachzulesen und nachzudenken lohnt. <\/p>\n<p>Klar ist aber: Es wird gefuttert, geputzt, gek\u00fcmmert, Kinder werden aufgezogen. Reproduktionsarbeit (auch genannt: Carework, Haus-, Familien\u2013 oder Sorgearbeit) spielt f\u00fcr das Wohl der Menschen und f\u00fcr das Funktionieren des Systems eine Rolle. Sie wird traditionell mit Frauen und dem privaten Lebensbereich in Verbindung gebracht, ist im Gegensatz zur Lohn-\/Erwerbsarbeit weniger theoretisch unterf\u00fcttert und erforscht. Sie wird oft vergessen. Wenn ich dich frage: \u201eWas arbeitest du?\u201c wirst du mir eher von deinem Job erz\u00e4hlen als davon, wann du zuletzt den Boden gewischt hast. <strong>Reproduktionsarbeit ist das markierte Andere<\/strong> zur \u201enormalen Arbeit\u201c. Reproduktionsarbeit wird strukturell abgewertet. Daraus ergeben sich f\u00fcr mich einige Punkte, \u00fcber die es sich nachzudenken lohnt: <\/p>\n<p>Erstens: Diejenigen, die eine als h\u00f6her angesehene Bildung genie\u00dfen, lernen, was die Brownsche Mollekularbewegung ist, aber m\u00fcssen sich in \u00f6ffentlichen Bildungsinstitutionen weder theoretisches noch praktisches Wissen \u00fcber Reproduktionsarbeit aneignen. Lediglich meinen Mathelehrer war es ein Anliegen, dass die M\u00e4dchen in der Klasse bei all der Polynomdivision nicht vergessen, dass sie auch in der Lage sein m\u00fcssen, einen Braten zu kochen. Rezepte gab\u2019s trotzdem keine. <strong>Es wird davon ausgegangen, dass Leute das irgendwie geregelt kriegen<\/strong>. Wir reden auch kaum dar\u00fcber. Ich frage mich, ob die <strong>\u00dcberforderungen<\/strong>, die f\u00fcr einige Erwachsene in diesem Lebensbereich entsteht und die in Diskursen um Verpeilung und Prokrastination zum Vorschein kommt, etwas mit der Abwertung dieser Arbeit zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Zweitens: <strong>Steile Thesen zum Wandel der Arbeit taugen nichts, wenn sie Reproduktionsarbeit nicht mitdenken<\/strong> bzw. davon ausgehen, dass sich das bisschen Haushalt wie gewohnt von allein macht. Dabei geht es nicht ohne intersektionale Perspektive, denn Reproduktionsarbeit l\u00e4sst sich nicht ohne Klasse, Geschlechterverh\u00e4ltnisse und die Verlagerung von Reproduktionsarbeiten auf Mirgrant_innen analysieren.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?flattrss_redirect&amp;id=3015&amp;md5=0afddcc693d075211f47dada8391ccff\" title=\"Flattr\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"flattr this!\"\/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in dieser K\u00fcche wird Reproduktionsarbeit geleistet<br \/>\nIch wurde in letzter Zeit ein paar Mal mit der Frage konfrontiert, was ich eigentlich mit Reproduktionsarbeit meine. Ein Gespr\u00e4ch bei gr\u00fcnem Curry hat mir deutlich gemacht, wo das Verst\u00e4ndnisproblem anf\u00e4ngt. 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