{"id":25830,"date":"2012-08-13T18:03:33","date_gmt":"2012-08-13T17:03:33","guid":{"rendered":"http:\/\/agqueerstudies.de\/?p=2070"},"modified":"2012-08-13T18:03:33","modified_gmt":"2012-08-13T17:03:33","slug":"wider-den-aufklarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2012\/08\/wider-den-aufklarismus\/","title":{"rendered":"Wider den Aufkl\u00e4rismus"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Was bisher geschah:<\/strong> Das Buchholzer Wochenblatt <a href=\"http:\/\/www.kreiszeitung.net\/uploads\/blaetterkatalog\/ausgabe\/sa\/nh\/21072012\/index.html\">durckte am 21.7..2012<\/a> auf Seite 8 eine Leserzuschrift zum K\u00f6lner Beschneidungsurteil im Artikelteil. Es handelte sich letztlich um philosophisch verpackte rassistische[3] \u00c4u\u00dferungen, beispielsweise mit solch &#8216;durchdachten&#8217; S\u00e4tzen wie: &#8220;Die Juden und die Moslems haben den Quantensprung in die Moderne verpasst.&#8221; Die AG Queer Studies konnte und wollte dies nicht unkommentiert lassen, denn Rassismuskritik ist uns ein Anliegen, Philosophie (einigen) ein Vergn\u00fcgen. Und so schrieben zwei QueerAG-mit-Cyborgs Leser*innenbriefe, die im folgenden zu einem Text zusammengef\u00fcgt wurden:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Philosophische Untiefen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber einen Zusammenhang zwischen Vorhaut und Vernunft diskutieren zu m\u00fcssen, wirft die Frage auf, mit welchem Organ da eigentlich gedacht wird. Und in der Tat ist auch am vorliegenden Text entscheidend, was fehlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offensichtlich wird das Christentum bei der (scheinbaren) Religionskritik komplett ausgespart. Dabei war das Christentum die unmittelbare Gegnerin der (modernen) Naturwissenschaft und es ist diese Religion welche hierzulande immer noch staatliche wie arbeitsrechtliche F\u00f6rderung genie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer &#8220;K\u00f6rperliche Unversehrtheit&#8221; als hohes Gut ansieht, sollte sich zun\u00e4chst gegen Zwangsoperationen an intersexuellen Menschen einsetzen, denn bei sogenannten &#8220;geschlechtsangleichenden Operationen&#8221; an Kindern handelt es sich unstrittig um schwere und leidvolle Eingriffe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieso aber wird dies nicht thematisiert? Vielleicht weil sich dar\u00fcber kein Anderes konstruieren l\u00e4sst. Im konkreten Fall sind die Anderen(tm) (w\u00f6rtlich) &#8220;die Juden&#8221; und &#8220;die Moslems&#8221;. Mit derartig groben Verallgemeinerungen l\u00e4\u00dft sich kaum eine sinnvolle Aussage treffen. Beispielsweise der Beitrag Moses Mendelssohns zur deutschsprachigen Aufkl\u00e4rungsphilosphie h\u00e4tte in solch einem Gegensatz keinen Platz. Der philosophischen Richtigkeit halber sei auch kurz darauf hingewiesen, dass das komplizierte Verh\u00e4ltnis von Aufkl\u00e4rung und Humanismus keine Gleichsetzung zul\u00e4sst und sich auch der Stalininismus hierzu z\u00e4hlte.[1]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leid mit den Mitteln der Moderne und in Folge der Aufkl\u00e4rung scheint keine Bedeutung zugemessen zu werden. &#8220;Aber die vollends aufgekl\u00e4rte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.&#8221;[2] So die Sozialwissenschaftler Adorno und Horkheimer 1947 in dem Werk &#8220;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8221;. Dessen Hauptthese, die Aufkl\u00e4rung k\u00f6nne in ihr eigenes Gegenteil &#8211; den Mythos &#8211; umschlagen, wird in Aufkl\u00e4ristischen Texten wie dem vorliegenden Leserbrief eindrucksvoll illustriert.<\/p>\n<p>Physikalische Metaphern, wie den Quantensprung \u00fcberlassen wir besser Physiker*innen, die ihn inhaltlich korrekt verwenden k\u00f6nnen. Die Frage, wie Weltreligionen durchgeplante Veranstaltung einer \u00fcberschaubaren Gruppe seien, der Verschw\u00f6rungstheorie. Die Frage, wer nun eigentlich in welchem Jahrhundert steckengeblieben ist, sei der eurozentrischen Geschichtsphilosophie vergangener Jahrhunderte anvertraut. Vergessen wir dabei aber nicht, da\u00df Kant &#8211; dessen Kosename Manelchen auch nicht mit E beginnt &#8211; in einer kolonialen Zeit situiert rassistische[3] Inhalte produzierte; unkritische Ankn\u00fcpfungen w\u00e4ren selbst im Sinne der Aufkl\u00e4rung falsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob den Betroffenen der Zirkumzision die Entscheidung zu ebensolcher vielleicht tats\u00e4chlich besser selbst \u00fcberlassen sein sollte, ist eine Debatte, die zu f\u00fchren leider durch den rassistischen Impetus vieler Beschneidungsgegner*innen verunm\u00f6glicht wird. Fast k\u00f6nnte dem Wochenblatt unterstellt werden, es fische jetzt im Rechtspopulistischen, wobei jedoch ein Leserbrief vorgeschickt wurde; w\u00e4hrend sich die unbezahlten Kolleg*innen der Freien Radios[4] die M\u00fche machen, sich Gesetzeskommentare und Urteile zum Thema anzuschauen. Wir fordern die Verantwortlichen auf, ihre moralischen Standards zu \u00fcberdenken und derartigen Thesen von zudem zweifelhafter Qualit\u00e4t nicht den Raum eines Artikels geben &#8211; auch an deutschen Thesen soll die Welt nicht genesen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>[1] Foucault, Michel: Was ist Aufkl\u00e4rung? in: Ders.: Schriften in vier B\u00e4nden &lt;Dits et \u00e9crits dt&gt; : Bd. 4 1980-1988; Frankfurt\/M 2005; hg.v. Defert, Daniel &amp; Bischoff, Michael; S. 687-707. (englische Version im Netz <a href=\"http:\/\/foucault.info\/documents\/whatIsEnlightenment\/foucault.whatIsEnlightenment.en.html\">http:\/\/foucault.info\/documents\/whatIsEnlightenment\/foucault.whatIsEnlightenment.en.html<\/a>)<\/p>\n<p>[2] Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufkl\u00e4rung : Philosophische Fragmente; Amsterdam 1947; S. 13.<\/p>\n<p>[3] Zum Rassismusbegriff siehe Birgit Rommelpacher: Was ist eigentlich Rassismus? in: Rassismuskritik, Rassismustheorie und -forschung. Schwalbach 2007, S. 25-38. (online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/www.birgit-rommelspacher.de\/pdfs\/Was_ist_Rassismus.pdf\">http:\/\/www.birgit-rommelspacher.de\/pdfs\/Was_ist_Rassismus.pdf<\/a>)<\/p>\n<p>[4] Freies Sender Kombinat Hamburg (<a href=\"http:\/\/fsk-hh.org\/\">FSK<\/a> 93,0):Zum Beschneidungsurteil einige unausgewogene Erwaegungen (online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/freie-radios.net\/49897\">http:\/\/freie-radios.net\/49897<\/a>); ausf\u00fchrlicher und tiefgr\u00fcndiger behandelte die Sendung Shalom Libertad das Thema (online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/freie-radios.net\/50164\">http:\/\/freie-radios.net\/50164<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/agqueerstudies.de\/?flattrss_redirect&amp;id=2070&amp;md5=c55ae32a7477d2bbe20f1160f3a66215\" title=\"Flattr\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/agqueerstudies.de\/wp-content\/plugins\/flattrss\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"flattr this!\"\/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bisher geschah: Das Buchholzer Wochenblatt durckte am 21.7..2012 auf Seite 8 eine Leserzuschrift zum K\u00f6lner Beschneidungsurteil im Artikelteil. 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