{"id":26146,"date":"2012-08-31T11:56:46","date_gmt":"2012-08-31T10:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?p=3124"},"modified":"2012-08-31T11:56:46","modified_gmt":"2012-08-31T10:56:46","slug":"hatrorg-%e2%80%94-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2012\/08\/hatrorg-%e2%80%94-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/","title":{"rendered":"hatr.org \u2014 Wie Maskulisten den Feminismus unterst\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/glasglocke.tumblr.com\/\">Leah<\/a>, <a href=\"http:\/\/medienelite.de\/\">Nadine<\/a> und ich haben zusammen einen Artikel geschrieben, in dem wir uns mit Kommentarpolitiken auf Blogs mit gesellschaftskritischem und emanzipatorischen Anspruch und insbesondere auf queer-\/feministischen Blogs auseinandersetzen und das Projekt <a href=\"http:\/\/hatr.org\">Hatr<\/a> vorstellen. Wir m\u00f6chten mit dem Artikel au\u00dferdem weitere Blogs und Projekte ermutigen, sich bei Hatr anzumelden und damit andere Projekte zu unterst\u00fctzen. Der Text ist in einem von <a href=\"http:\/\/andreaskemper.wordpress.com\/\" >Andreas Kemper<\/a> herausgegebenen Sammelband mit dem Titel \u201e<a href=\"http:\/\/www.unrast-verlag.de\/unrast,2,400,9.html\" >Die Maskulisten<\/a>\u201c erschienen, der k\u00fcrzlich bei Unrast ver\u00f6ffentlicht wurde.  <\/p>\n<h3>hatr.org \u2014 wie Maskulisten den Feminismus unterst\u00fctzen<\/h3>\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#kackscheie\">Kackschei\u00dfe im Netz<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#hatr\">Das Projekt Hatr<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#resonanz\">Die Resonanz auf Hatr<\/a><\/p>\n<p>Wer die Seite Hatr.org im Browser aufruft wird sich wundern. Auf der Startseite finden sich unter der \u00dcberschrift \u201cDas Letzte\u201d eine Reihe von scheinbar zusammenhanglosen Kommentaren von \u201cLeon\u201d, \u201cHorst\u201d oder \u201cAntigenderwahnbeauftragter\u201d. Manche Eintr\u00e4ge sind kurze, drastische Beschimpfungen, bei anderen handelt es sich um l\u00e4ngere Texte, die zum Teil nicht zu verstehen sind, ohne zu wissen, worauf sie sich beziehen. Ab und zu taucht der hervorgehobene Name \u201cXena\u201d in den Texten auf. Oben rechts auf der Seite ist ein \u201cTrollcounter\u201d, der die Zahl der bereits geposteten Kommentare anzeigt. Darunter ein Flattrbutton<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_0_3124\" id=\"identifier_0_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Flattr.com ist eine Internetdienst, der es erm&ouml;glicht, frei verf&uuml;gbare Inhalte im Netz durch Mikrospenden zu unterst&uuml;tzen. Ein Teil der Einnahmen von Hatr kommt &uuml;ber diesen Dienst zusammen.\">1<\/a><\/sup> und f\u00fcr diejenigen, die in ihrem Browser keinen Werbeblocker installiert haben, sichtbare Google Anzeigen. Das Logo von Hatr ist ein pinkfarbenes Herz mit meinem geschwungenen \u201ch\u201d.<span id=\"more-3124\"><\/span><\/p>\n<p>Hinter Hatr steckt die Idee, einen Umgang mit Troll\u2013 und Hasskommentaren auf Blogs zu finden, der f\u00fcr die Betreiber_innen der Blogs weniger frustrierend ist. Das Thema besch\u00e4ftigt viele Blogger_innen, die mit ihrer Arbeit gesellschaftliche Dominanzverh\u00e4ltnisse und Diskriminierung thematisieren. Wir, die Autorinnen dieses Textes, schreiben Blogs, die in der queer-\/feministischen Netzszene verortet sind. In diesem Kontext ist auch das Projekt Hatr entstanden. Die meisten Blogs, die sich derzeit daran beteiligen, stammen ebenfalls aus dieser Szene. Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung beschr\u00e4nken sich aber weder im Netz noch in der Gesellschaft auf (Hetero-)Sexismus und Antifeminismus. Rassismus, Antisemitismus, Klassismus, die Unterdr\u00fcckung von Menschen, die nicht den g\u00e4ngigen Sch\u00f6nheitsvorstellungen und K\u00f6rpernormen entsprechen und weitere Formen der Herrschaft wirken in unserer Welt zusammen. Viele Blogs, die bei Hatr mitmachen, kritisieren Dominanzverh\u00e4ltnisse entsprechend mit einem intersektionalen Ansatz. Sie thematisieren zum Beispiel auch Rassismus oder K\u00f6rperfeindlichkeit und erhalten entsprechende Hass-Kommentare. Im Kontext dieses Buches \u00fcber \u201cDie Maskulisten\u201d stellen wir das Problem der *istischen Kommentare im Netz und das Projekt Hatr am Beispiel von Sexismus, Antifeminsimus und Maskulismus dar.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Ich seufze und dr\u00fccke \u201el\u00f6schen\u201c. Es ist kurz nach Mitternacht und eigentlich wollte ich gerade ins Bett gehen. Das muss jetzt aber noch einen Moment warten, denn inzwischen wei\u00df ich: wo ein Fotzen-Kommentar ist, da lauern auch noch andere und gerade zu n\u00e4chtlicher Stunde fallen die Hemmungen besonders schnell.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>So beschreibt die Bloggerin Anna im Februar 2010 ihre Erfahrungen mit misogynen Kommentaren in feministischen Blogs. In den Kommentaren ihres Artikels \u201e<a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/ihr-durchtriebenen-miesen-fotzen\/\">Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!<\/a>\u201c auf M\u00e4dchenmannschaft.net schloss sich eine rege Diskussion \u00fcber das Problem und m\u00f6gliche Umgangsweisen an, darunter auch die Idee, Hass-Kommentare auf einer Seite zu sammeln. Eine Bloggerin verlinkte in ihrem Kommentar das US-amerikanische Projekt \u201c<a href=\"http:\/\/dooce.com\/hate\/\">Monetizing the Hate<\/a>\u201d. Dessen Betreiberin Heather Champ ver\u00f6ffentlicht Kommentare, die urspr\u00fcnglich auf ihrem Blog gepostet werden, auf einer eigenes eingerichteten Website, die von vielen bunten Werbebannern flankiert ist. Dieses Projekt und sein Leitspruch \u201cMonetizing the Hate\u201d ist einigen Leuten im Kopf geblieben, die sich auf dem ersten Gendercamp im Fr\u00fchjahr 2010 trafen.<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_1_3124\" id=\"identifier_1_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Das Gendercamp ist ein Vernetzungstreffen der (queer-)feministischen Netzszene. Es ist als Barcamp organisiert, d.h. die Teilnehmer_innen gestalten das Programm vor Ort selbst.\">2<\/a><\/sup> Eine der Sessions widmente sich dem Thema des Umgangs mit Hass-Kommentaren auf queer-\/feministischen Blogs. Als die Idee, die Mechanismen von Internetwerbung und Google f\u00fcr den eigenen Zweck auszunutzen, dort zur Sprache kam, waren einige Teilnehmer_innen sofort Feuer und Flamme. Noch auf dem Camp wurde Hatr ins Leben gerufen und per Mailinglisten\u2013 und Chatkommunikation in den folgenden Monaten zum Laufen gebracht. Hatr.org startete am 1. April 2011, ist also jetzigen zum Zeitpunkt ein knappes Jahr online.<\/p>\n<p>Die misogynen Kommentator_innen, (Wo_)Mansplainer, Grundsatzdebattentrolls und Hater sind dadurch nicht verschwunden, sp\u00fclen aber bald ein bisschen Geld in die notorisch leeren Kassen emanzipatorischer Projekte. Bevor wir die Empowermentstrategie Hatr n\u00e4her vorstellen, m\u00f6chten wir im Folgenden das Ph\u00e4nomen der Hass-Kommentare im Netz aus der Perspektive queer-\/feministischer Blogger_innen erl\u00e4utern. Abschlie\u00dfend widmen wir uns der Resonanz, die es seitens der \u00d6ffentlichkeit und der \u201cBetroffenen\u201d zu unserem Projekt gegeben hat.<\/p>\n<h4 id=\"kackschei\u00dfe\">Kackschei\u00dfe im Netz<\/h3>\n<p>\u201cSexistische Kackschei\u00dfe\u201d ist seit einer Aufkleber\u2013 und Plakataktion der AG Gender Killer vor einigen Jahren ein feststehender Ausdruck f\u00fcr die gro\u00dfen und kleinen, die subtilen und offenen Sexismen, stereotypen Repr\u00e4sentationen und frauen-lesben-trans*-feindlichen Artikulationen, die uns in der \u00d6ffentlichkeit st\u00e4ndig umgeben. Das Leben ist kein Ponyhof, und so bleiben auch queer-\/feministische Blogs nicht verschont von Leuten, die meinen, ihren Mist in die Kommentarspalten kippen zu m\u00fcssen. Die Diskussion um den Umgang mit Hasskommentaren im Netz ist keine neue. Immer wieder wird von Queer-\/Feminist_innen auf Veranstaltungen wie der Re:publica<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_2_3124\" id=\"identifier_2_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Die Re:publica ist eine j&auml;hrlich stattfindende Konferenz zu digitaler Gesellschaft, Netzkultur und Blogs in Berlin.\">3<\/a><\/sup>, in Blogartikeln<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_3_3124\" id=\"identifier_3_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"vgl. M&auml;dchenmannschaft: she:publica 2010: Sexismus im Netz; M&auml;dchenmannschaft: Frauenfeindlichkeit im Internet gibt es nicht; Gr&uuml;nes Blog: Bericht zum Workshop 12: &ldquo;Alles eine Frage der Macht: Sexismus im Netz&rdquo;; M&auml;dchenmannschaft: Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!; Tutnurso: Menscheln 2.0\">4<\/a><\/sup> oder dem Gendercamp \u00fcberlegt, wie mit dem Hass, der uns im Netz entgegenschwemmt, sinnvoll umgegangen werden kann. Sollen wir uns auf Diskussionen einlassen? Wann fangen wir an zu l\u00f6schen oder l\u00f6schen wir konsequent jeden Kommentar, der eine konstruktive Diskussion verhindern k\u00f6nnte? Oder w\u00e4re es besser, auch die drastischen Kommentare stehen zu lassen, damit allen bewusst wird, womit sich Blogger_innen tagt\u00e4glich konfrontiert sehen? Aber sind die paar antifeministischen Hass-Kommentator_innen \u00fcberhaupt in irgendeiner Weise repr\u00e4sentativ f\u00fcr den Zustand der Gesellschaft? Trollkommentare st\u00f6ren nicht nur die Diskussionskultur auf Blogs und anderen Internetseiten, sie verbreiten nicht selten auch diskriminierende Inhalte, die die Blogbetreiber_innen und ihre Leser_innen verletzen. Hinzu kommen pers\u00f6nliche Beleidigungen, Beschimpfungen und explizite Gewaltandrohungen, mit denen die Autor_innen umgehen m\u00fcssen und die im \u00dcbrigen nicht nur in Form von Kommentaren, sondern auch per Email an sie gerichtet werden.<\/p>\n<p>Die Diskussion wird h\u00e4ufig unter dem netzkulturellen Ph\u00e4nomen der \u201cTrolle\u201d gefasst. Dies trifft aus unserer Sicht nur zum Teil zu, verk\u00fcrzt die Problematik und f\u00fchrt zu Missverst\u00e4ndnissen. Als Troll wird gemeinhin eine Person bezeichnet, die sich in eine konkrete Diskussion oder einen kommunikativen Raum einmischt, um mit ihren Beitr\u00e4gen gezielt zu st\u00f6ren und zu provozieren. Das kann geschehen, indem Nonsens gepostet oder gegen die in diesen Raum vorherrschenden Normen versto\u00dfen wird. Im Kontext feministischer Blogs sind verbale Gewalt, die durch sexistische oder anderweitig diskriminierende Begriffe ausge\u00fcbt wird, und die Reproduktion diskriminierender Diskurse solche Normverst\u00f6\u00dfe, die provozieren. Unklar ist, warum Personen als Trolle agieren. F\u00fcr viele scheint es auf eine Art reizvoll zu sein, diese Rolle einzunehmen. Sie m\u00f6gen es als intellektuelle Herausforderung ansehen (\u201cWomit kann ich in diesem Kontext am besten trollen?\u201d) oder suchen Befriedigung in der Macht, die sie in dieser Rolle auf den Kommunikationsraum und die dort agierenden Personen aus\u00fcben. In der Diskussion um Trolle wird die Beliebigkeit betont, mit der sie angeblich vorgehen. Das hei\u00dft, dass es f\u00fcr eine trollende Person keinen Unterscheid machen sollte, ob er_sie sich in einem Forum f\u00fcr Waffenbesitzer_innen vehement f\u00fcr ein Waffenverbot einsetzt, die in einem Handarbeitsblog vorgestellten Projekte als \u201ch\u00e4sslichen Dreck\u201d bezeichnet oder in einem feministischen Blog mit biologistischen Grundsatzdiskussionen, der Verharmlosung von Vergewaltigung oder Hate-Speech daherkommt. Wir haben den Eindruck, dass diese Beliebigkeit f\u00fcr die meisten \u201cTroll\u201d-Kommentator_innen auf feministischen Blogs nicht zutrifft. Deutlich ist, dass sich viele der in dieser Weise aktiven Personen in maskulistischen Kreisen aufhalten und in entsprechenden Foren organisiert sind. Einige von ihnen f\u00fchren selbst prominente Blogs der antifeministischen Internetszene. Aber auch Personen, die sich nicht als Maskulisten identifizieren, bringen durch ihr Kommentarverhalten zum Ausdruck, dass ihre Einstellungen tief in gesellschaftlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen und reaktion\u00e4ren Diskursen verwurzelt sind. Ihnen geht es also ebenfalls nicht darum, im Sinne eines ungerichteten Trollens zu provozieren, sondern um die Verteidigung der herrschenden Ordnung und ihrer gesellschaftlichen Dominanzposition.<\/p>\n<p>Es handelt sich also um Menschen, die aus einer politischen \u00dcberzeugung heraus strategisch agieren, Kommunikationsr\u00e4ume st\u00f6ren und auch gezielt einzelne Personen attackieren. Auff\u00e4llig ist in diesem Zusammenhang, dass besonders nicht sehr reichweitenstarke oder neu gegr\u00fcndete queer-\/feministische Blogs Ziele dieser Interventionen in die Diskussionskultur werden. Solche Blogs pflegen in der Regel (noch) keine dezidierte Moderationspolitik, die diesen Interventionen in Teilen entgegenwirkt. In den meisten F\u00e4llen gie\u00dfen Antifeminist_innen und Maskulisten gezielt ihr reaktion\u00e4res Gedankengut in die dortigen Kommentarthreads, nicht selten mit aggressiven Drohgeb\u00e4rden. Dies verstehen wir zum einen als Angriff auf eine freie und inklusive Diskussionskultur und Artikulation von Gesellschaftskritik. Zum anderen interpretieren wir die Besetzung von Kommentarthreads in kleineren Blogs als \u201cSilencing\u201d-Strategie: Die Einsch\u00fcchterungsversuche sollen den Betreiber_innen das Gef\u00fchl geben, allein gegen eine antifeministische Mehrheit zu schreiben und ihre Energie auf Gegenargumentation lenken.<\/p>\n<p>Durch unsere Erfahrungen als Leserinnen und Blogbetreiberinnen haben wir ein Muster der antifeministischen Kommentare erkennen k\u00f6nnen. Diese lassen sich quer zu den oben genannten Trolls, Maskulisten und sonstigen Sexist_innen zu vier Typen gruppieren. Da sind erstens diejenigen Kommentator_innen, die uns die Welt erkl\u00e4ren wollen. Im englischsprachigen Kontext werden f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen die Begriffe \u201cmansplaining\u201d (zu deutsch: \u201cherrkl\u00e4ren\u201d) respektive \u201cwomansplaining\u201d benutzt.<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_4_3124\" id=\"identifier_4_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Eine Definition von &ldquo;mansplainer&rdquo; findet sich auf Scienceblogs\/Zuska: You May Be A Mansplainer If &hellip;\">5<\/a><\/sup> Manche verwenden auch den gendergerechten, wenn auch nicht k\u00f6rperfreundlichen Begriff \u201cassplaining\u201d. Das Herrkl\u00e4ren tritt zum Beispiel auf, wenn dominanzgesellschaftliche Diskurse, Normen und Institutionen kritisiert werden und ein_e Kommentator_in darauf hin das dringende Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrt, von oben herab erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, wie der Sachverhalt normalerweise verstanden wird und warum es sich dabei um eine ganz harmlose, unproblematische Sache handelt. Hinter dieser Art von Kommentaren steckt meistens keine trollige Intention. Sie nerven aber trotzdem. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn alle vor dem Schreiben noch mal kurz in sich gehen und \u00fcberlegen, ob der_die Autorin seine_ihre Kritik wohl aus Unwissen heraus formuliert oder ob das eigene Unverst\u00e4ndnis gegen\u00fcber dem Text nicht eher aus den unterschiedlichen Erfahrungen r\u00fchrt, die ungleich positionierte Personen in der Gesellschaft machen. Zudem f\u00fchrt ein solches Kommentarverhalten schnell zu einer Scheindiskussion \u00fcber die angebliche Gleichheit Aller, die Machtverh\u00e4ltnisse vollkommen ausblendet und diejenigen zum schweigen bringt, die jene mitdenken. Dies f\u00fchrt uns zum zweiten Typus, dem_der Privilegienverweigerer_in. Der Verweis auf privilegierte gesellschaftliche Positionen f\u00fchrt h\u00e4ufig zu Abwehrmechanismen in Form einer Umdeutung. Dass es einen Unterschied macht, wenn eine Person gleich in mehrerer Hinsicht zu der gesellschaftlich dominanten Gruppe z\u00e4hlt, also zum Beispiel ein heterosexueller, wei\u00dfer Cis-Mann ohne Behinderung ist, wird nicht nur negiert, sondern der Hinweis auf die Zugeh\u00f6rigkeit zur dominanten Gruppe wird als sexistische Stereotypisierung oder \u201cArgumentum ad hominem\u201d gedeutet. Die Benennung der Sprechposition der einzelnen Diskutant_innen sei demnach ein pers\u00f6nlicher Angriff und mache so eine sachliche Auseinandersetzung unm\u00f6glich. Hinter dieser Abwehrstrategie steckt der Irrglaube, dass sich bei einer Diskussion neutrale Gespr\u00e4chspartner_innen gegen\u00fcbertreten, die in einem luftleeren Raum \u00fcber objektive Sachverhalte sprechen und daher wertfrei argumentiert werden m\u00fcsse. Dabei bleibt unbeachtet, dass nahezu alle gesellschaftlichen Diskurse Austragungsorte von K\u00e4mpfen um Hegemonie und Definitionsmacht sind. Im Rahmen von hegemonialen Diskursen k\u00f6nnen dominante Positionen f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, objektiv und neutral zu argumentieren. Andere Positionen sowie deren Themen werden in der Regel markiert und als partikular wahrgenommen. Wenn in gegenhegemonialen R\u00e4umen, als die wir queer-\/feministische Blogs verstehen, auch dominante Sprechpositionen als solche benannt werden, wird transparent gemacht, dass auch diese partikular sind. Das kann allerdings feststehend geglaubte Weltbilder ins Wanken bringen. Um bei ihrer Haltung bleiben zu k\u00f6nnen, verf\u00fcgen Privilegienverweigerer_innen \u00fcber ein ganzes Arsenal an Derailing-Strategien, mit denen die Erfahrungen des Gegen\u00fcbers heruntergespielt und ausgeblendet werden k\u00f6nnen.<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_5_3124\" id=\"identifier_5_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"vgl. die sehr empfehlenswerte Seite Derailing for Dummies\">6<\/a><\/sup> Denn f\u00fcr sie steht fest, dass Feminist_innen die eigentlichen Sexist_innen sind. Drittens begegnen uns Grundsatztrolle. Sie kommen auf den ersten Blick harmlos daher und stellen gezielte, scheinbar interessierte Nachfragen zu grunds\u00e4tzlichen Fragen. Was dann folgt sind immergleiche Argumentationen, zum Beispiel zu geschlechtergerechter Sprache oder rund um den Topos \u201cM\u00e4nner und Frauen sind von Natur aus so und so.\u201d Neben s\u00e4mtlichen Erkenntnissen kritischer Wissenschaftsfelder wie der Gender Studies \u2013 die als parteisch und ideologisch abgelehnt werden \u2013 k\u00f6nnen auch Verweise auf naturwissenschaftliche Arbeiten, die sich gegen reduktionistische Vorstellungen von Geschlecht wenden, die Fragen der Grundsatztrolle nicht zufriedenstellend beantworten. Am Ende der Diskussion ziehen diese stets das Fazit, dass man mit Feminist_innen nicht diskutieren kann, weil sie ihre Augen \u2013 Entschuldigung, ihre \u00c4uginnen \u2013 vor den Fakten verschlie\u00dfen. Den Grundsatztrollen gelingt es mit ihrer Strategie ausgezeichnet, lange unbemerkt zu bleiben und dabei unglaublich viel Zeit und Raum in Beschlag zu nehmen, konstruktive Diskussionen abzubrechen und ins L\u00e4cherliche zu ziehen. Die vierte Gruppe bilden schlie\u00dflich Trolle, die ihrem Hass freien Lauf lassen und die Kommentarspalten mit Kraftausdr\u00fccken, sexistischen Beschimpfungen, Gewaltphantasien und Drohungen zuspammen. Sie sind besonders derbe, aber immerhin schnell zu identifizieren.<\/p>\n<p>Die technischen M\u00f6glichkeiten, Kommentare vorab zu filtern, sind bisher nicht ausreichend, um dem Problem zu begegnen. Wortfilter k\u00f6nnen noch nicht erkennen, in welches Bedeutungsnetzwerk ein Begriff semantisch eingebunden ist. IP-Adressen von Nutzer_innen sind in den meisten F\u00e4llen nicht fest zugeordnet, was im Sinne des Datenschutzes auch begr\u00fc\u00dfenswert ist. Den Weg einer Strafanzeige zu gehen und \u00fcber den Provider den Anschluss ermitteln zu lassen, der zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer bestimmten IP im Netz war, ist zwar m\u00f6glich, insofern die IP-Adresse nicht verschleiert wird, aber m\u00fchsam und, sofern ein_e Anw\u00e4lt_in hinzugezogen wird, auch kostspielig. Emailadressen, die in den meisten Blogs beim Kommentieren angegeben werden m\u00fcssen, werden von der Blogsoftware nicht \u00fcberpr\u00fcft. Schlie\u00dflich gibt es noch das Mittel, Kommentare nur nach einer Registrierung zu erlauben. Dies hindert die Kommentierenden aber auch nicht daran, sich schnell eine neue Wegwerfadresse zu klicken, nachdem sie gesperrt worden sind. Au\u00dferdem sind alle Barrieren, die wir gegen Trolle und antifeministische Kommentator_innen aufbauen auch H\u00fcrden f\u00fcr andere Menschen. Das \u201cBloghausrecht\u201d nach dem Motto \u201cmy blog is my castle\u201d, d.h. eine Kommentarpolicy, wonach die Autor_in des Blogs entscheidet, welche Kommentare sie auf ihrer Seite akzeptiert und welche nicht, gilt darum den meisten als einziges Mittel im Umgang mit den Hate-Kommentaren. Es geht schlie\u00dflich um das Ziel, eine f\u00fcr am Thema interessierte Menschen m\u00f6glichst angenehme Diskussionskultur zu f\u00f6rdern und Trigger durch verbale Gewalt zu vermeiden.<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_6_3124\" id=\"identifier_6_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Der Begriff &ldquo;Trigger&rdquo; wird in der Psychologie verwendet, um Sinneseindr&uuml;cke zu beschreiben, die eine Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis hervorrufen und bewirken, dass die betroffene Person die vergangene Situation im Sinne eines Flashbacks emotional aufs Neue erlebt. Alltagssprachlich wird der Begriff auch verwendet, wenn es allgemein um Ausl&ouml;ser f&uuml;r ein gesteigertes Unwohlsein geht, die dazu f&uuml;hren, dass eine Person eine Situation nicht ertragen kann und z.B. das Lesen eines Textes abbrechen muss.\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p>In der queer-\/feministischen Blogszene wird viel dar\u00fcber diskutiert, wie streng eine angemessene Kommentarpolitik sein sollte. Auf der einen Seite sprechen die Vermeidung von Triggern und der Reproduktion von Diskriminierung sowie der Wunsch, in den Diskussionen auch mal weiterzukommen statt sich immer um die gleichen Punkte zu drehen, daf\u00fcr, sehr sensibel und selektiv bei der Auswahl der Kommentare vorzugehen. Dadurch droht die Beteiligung auf queer-\/feministischen Blogs aber auch unglaublich voraussetzungsvoll zu werden f\u00fcr diejenigen, die neu einsteigen, mit den Diskursen aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nicht vertraut sind und eine entsprechende Sprache nicht sprechen k\u00f6nnen oder wollen. In diesem Spannungsfeld liegt es letztlich bei den jeweiligen Blogbetreiber_innen bzw. Blogautor_innen, einen Moderationsstil zu entwickeln, den sie f\u00fcr ihr Blog oder ein bestimmtes Thema angemessen finden. Es schadet dabei nichts, die Moderationspolicy auf dem Blog transparent zu machen. Das Aus\u00fcben des Hausrechtes zieht aber in jedem Fall regelm\u00e4\u00dfig Zensurvorw\u00fcrfe nach sich. Kommentare wie der von \u201cFrank\u201d sind dabei noch harmlos: \u201cJa, der Genderwahn ist seinem Namen nach ein schwachsinnig-unlogisches Konstrukt, dass vor der Logik durch Zensur gesch\u00fctzt werden muss; ansonsten w\u00e4re seine Existenz unm\u00f6glich.\u201d Besonders gerne wird die Moderationspolitik mit den staatlichen Zensurregimen von Nordkorea, der DDR oder des Nationalsozialismus verglichen.<\/p>\n<p>Diese vielschichtigen Aspekte \u2013 antifeministische Trolle unterschiedlicher Art, der Wunsch, eine konstruktive und machtsensible Diskussionskultur auf den Blogs zu schaffen, Zensurvorw\u00fcrfe \u2013 machen die Moderationspolitik auf queer-\/feministischen Blogs zu einem Thema, das von vielen als anstrengend und belastend empfunden wird und andere sogar ganz davon abh\u00e4lt, ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Meinungen in Form eines Blogs in die \u00d6ffentlichkeit zu stellen oder sich an Diskussionen unter Blog-Artikeln zu beteiligen. Insofern war es an der Zeit, einen Umgang mit diesen Kommentaren zu finden, die den Spie\u00df umdreht und dem, was uns so nervt, ein Schnippchen dreht.<\/p>\n<h4 id=\"hatr\">Das Projekt Hatr<\/h3>\n<p>Im Grunde ist Hatr einer dieser Internetpranger, vor denen in den Medien immer gewarnt wird. Er f\u00fchrt den immer gleichen Mist vor, der als Kommentar im Netz abgegeben wird. Da wir davon ausgehen, dass es die Kommentator_innen noch mehr \u00e4rgert, wenn niemand mehr sehen kann, um was es ihnen eigentlich ging, werden die Kommentare ohne den R\u00fcckbezug zum urspr\u00fcnglichen Blog gepostet. Sofern sie auftauchen werden die Namen der Autor_innen der Blogposts durch den Namen \u201cXena\u201d ersetzt. Die Namen der Kommentierenden werden allerdings nicht anoymisiert. Kenner_innen der maskulistischen Szene sind eingeladen, in unserem Archiv auf die Suche nach alten Bekannten zu gehen. Die Leser_innen von Hatr.org k\u00f6nnen besonders haarstr\u00e4ubende Kommentare mit \u201cFacepalmen\u201d versehen. Ein \u201cFacepalm\u201d ist eine deskriptive Bezeichnung f\u00fcr die Gestik, sich die Hand vor das Gesicht zu schlagen. Der \u201cFacepalmenstrand\u201d unter <a href=\"http:\/\/hatr.org\/facepalms\">hatr.org\/facepalms<\/a> versammelt die Kommentare mit den meisten Facepalms. Weitere Interaktionsm\u00f6glichkeiten bietet die Seite nicht. Wir haben insbesondere darauf verzichtet, die Kommentare selbst kommentierbar zu machen und somit erl\u00e4utern und herunterspielen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Blogs, die bei Hatr mitmachen, k\u00f6nnen die Kommentare direkt an Hatr schicken. Wir nutzen dazu unter anderem die technischen Schnittstellen der sehr verbreiteten Blogsoftware WordPress. Nach dem Installieren eines Plugins erscheint in der Moderationsoberfl\u00e4che des Blogs ein Hatr-Button. Per Klick auf diesen Button landet ein Kommentar in der Moderationsschleife von Hatr, wo er vom Hatr-Team gepr\u00fcft und freigeschaltet werden kann. Neben dem WordPress-Plugin gibt es noch andere M\u00f6glichkeiten, Kommentare bei Hatr abzuliefern. Wir wollen es den beteiligten Blogs so einfach wie m\u00f6glich machen, den Kommentarm\u00fcll zu entsorgen.<\/p>\n<p>Die Monetarisierungsstrategie von Hatr basiert zurzeit auf Google Ads, Anzeigen einer Seite f\u00fcr Geek-Spielzeug, einem Hatr-T-Shirt-Shop und einem Flattr-Button. Im Idealfall landen Leute, die nach sexistischen Begriffen suchen, bei uns und klicken auf die Werbeangebote. Da aber viele Menschen Adblocker benutzen, entgehen ihnen die tollen Angebote der Google Ads. Google wertet unter anderem die Inhalte der Seiten aus, um passende Anzeigen zu schalten, und so finden sich auf Hatr Angebote f\u00fcr einen Blick in die Zukunft mittels Kartenlegen, g\u00fcnstige Kredite und psychologische Beratung. Das Einbinden weiterer Bannerwerbung steht noch aus. Die AGBs einiger Anbieter schlie\u00dfen das Werben auf Seiten mit sexistischen, rassistischen oder anderweitig menschenverachtenden Inhalten explizit aus. Wir denken, dass Hatr damit nicht f\u00fcr sie in Frage kommt. Wir freuen uns darum \u00fcber aktive Unterst\u00fctzung durch den Kauf eines Hatr-Shirts oder mit Hilfe des Mikropaymentdienstes Flattr. Das gesammelte Geld wird nach einem Jahr oder sobald 500 Euro zusammen gekommen sind an ein emanzipatorisches Projekt gespendet, \u00fcber dessen Auswahl wir zusammen mit der Hatr-Blog-Community entscheiden werden. Der Kern des Hatr-Teams besteht aus vier Personen, die das Konzept entwickelt und umgesetzt haben, die Kommentare auf der Seite freischalten, mit den beteiligten Blogs kommunizieren und Pressearbeit machen. Bei der technischen Umsetzung arbeiten wir mit <a href=\"https:\/\/netzguerilla.net\/\">Netzguerilla<\/a> zusammen, einem Webhoster, der sich auf L\u00f6sungen f\u00fcr soziale Bewegungen spezialisiert hat.<\/p>\n<p>Zum Start des Projektes haben wir etwa 20 Blogs angefragt, ob sie sich mit ihren Kommentaren an Hatr beteiligen wollen. Haupts\u00e4chlich angeschrieben haben wir queer-\/feministische und antirassistische Blogs, deren Betreiber_innen wir bereits kannten und bei denen wir uns sicher waren, dass sie mit der gleichen Kommentarkultur zu k\u00e4mpfen hatten wie wir selbst. Au\u00dferdem sollte die kleine Vorauswahl ein gewisses \u201cTroll-Niveau\u201d auf Hatr gew\u00e4hrleisten, welches die oben bereits skizzierte Kommentar-Typologie widerspiegelt. Weiterhin war es uns wichtig, Blogs gem\u00e4\u00df unseres gesellschaftskritischen Selbstverst\u00e4ndnisses auszuw\u00e4hlen, also denjenigen Blogger_innen ein St\u00fcck Handlungsmacht zur\u00fcckzugeben, die aufgrund ihrer thematischen Perspektive nicht mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit der Netzgemeinde rechnen k\u00f6nnen. Die meisten der zu Anfang Angeschriebenen freuten sich \u00fcber das Angebot, so dass wir mit einer gro\u00dfen Anzahl von Kommentaren online gehen konnten.<\/p>\n<p>Bei Hatr kann sich jedes Blog anmelden, das einen gesellschaftskritischen, w\u00fcnschenswert (auch) antirassististischen, queer-\/feministischen Anspruch hat oder sich mit der Typologie an nervigen Kommentaren aus verschiedenen Gr\u00fcnden konfrontiert sieht. Hatr versteht sich allerdings nicht als die allgemeine Trollsammelstelle des Internets. Mittlerweile haben fast 60 Blogs einen Zugang zu Hatr und beteiligen sich je nach Bloggr\u00f6\u00dfe und Textfrequenz mit einem bis f\u00fcnfzehn Kommentaren im Monat am Projekt. Aktuell sind etwa 700 Kommentare freigeschaltet. Besonders gern wird die Seite von den Verfasser_innen der dort ver\u00f6ffentlichten Kommentare gelesen, aber auch ahnungslose Google-Besucher_innen, Feed-Abonnent_innen sowie regelm\u00e4\u00dfig vorbeischauende Hatr-Fans z\u00e4hlen zu den 2500 Leser_innen pro Monat.<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_7_3124\" id=\"identifier_7_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Laut Slimstat-Zugriffsstatistiken im Januar 2012\">8<\/a><\/sup><\/p>\n<h4 id=\"resonanz\">Die Resonanz auf Hatr<\/h3>\n<p>\u00dcberrascht hat uns die gro\u00dfe Resonanz, auf die das Projekt gesto\u00dfen ist: Taz, Deutsche Welle World, Der Standard, Spiegel Online und Bayerischer Rundfunk, u.a. berichteten im vergangenen Jahr \u00fcber Hatr, so dass sich im Zuge der medialen Aufmerksamkeit mehr und mehr Blogs f\u00fcr Hatr registrieren wollten.<sup><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/hatr-org-wie-maskulisten-den-feminismus-unterstutzen\/#footnote_8_3124\" id=\"identifier_8_3124\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Taz: B&ouml;se Trolle zu Geld machen; DW World; Jetzt.de: Argumentieren erzeugt immer nur mehr Hass; der Standard: Hatr als Sammelstelle f&uuml;r Troll-Postings gestartet; Spiegel Online: Schnaps und Schmerz f&uuml;r Nerds; Z&uuml;ndfunk Kolumne (depubliziert).\">9<\/a><\/sup> Den Onlineredaktionen der Tages\u2013 und Wochenzeitungen ist bekannt, dass unz\u00e4hlige maskulistische Kommentaren gepostet werden, sobald Geschlechterverh\u00e4ltnisse, Elternschaft oder Rollenbilder thematisiert werden. Der Launch von Hatr war f\u00fcr sie ein Anlass, dies zu thematisieren. Auch diverse Blogs setzten sich mit dem neu ins Leben gerufenen Sammelbecken f\u00fcr diskriminierende und dominante Sprachkultur auseinander. Neben \u00fcberwiegend positiven Reaktionen und Beifall versetzten die bereits ver\u00f6ffentlichten Inhalte viele in Unglauben. Offenbar nahmen sie das erste Mal Notiz davon, dass Menschen im Netz permanent sexistisch, rassistisch, homophob, u.a. beleidigt und bedroht werden.<\/p>\n<p>Kritik bekam die Plattform f\u00fcr die Kontextlosigkeit der Kommentare und dem stark schwankenden Grad des Hasses. In den Augen der Kritiker_innen w\u00e4ren viele Kommentare der Publikation auf Hatr nicht w\u00fcrdig, sondern erweckten eher den Eindruck, Leser_innen queer-\/feministischer Blogs seien der Willk\u00fcr und Tagesform ihrer Betreiber_innen ausgesetzt. Die Selbstbeschreibung von Hatr als \u201cPlattform, auf der Trollkommentare gesammelt werden\u201d, hat sich insofern als irref\u00fchrend erwiesen. F\u00fcr den_die moderierende Blogbetreiber_in und das Hatr-Team ist die Motivation der Kommentator_innen nicht immer ersichtlich. Wenn in einem Kommentar jedoch bestimmte Stereotype und Diskriminierungen reproduziert werden, kann er auf Hatr landen. Unter Maskulisten verursachte Hatr gr\u00f6\u00dfere Emp\u00f6rungswellen. Die gezielte Intransparenz der Webseite, auf der nicht ersichtlich ist, welche Menschen und Blogs beteiligt sind und woher die Kommentare stammen, sorgte f\u00fcr das Aufflammen alter Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber \u201cdie Feministen\u201d (sic!) und \u201cGenderwahnbeauftragten\u201d, die im Internet ihren rigorosen Kampf gegen Meinungsfreiheit und Demokratie f\u00fchren. Uns sind lange Abhandlungen \u00fcber das Projekt in Foren bekannt, in denen darum gewetteifert wird, wer f\u00fcr sein Kommentar die meisten \u201cFacepalms\u201d bekommt.<\/p>\n<p>Die Bandbreite der Reaktionen hat uns gezeigt, dass Hatr den Nerv ganz unterschiedlicher Menschen und Blogs getroffen hat. Betroffene dieser diskriminierenden wie hasserf\u00fcllten Diskussionskultur haben die M\u00f6glichkeit sich dieser Kommentare zu entledigen, ohne sie l\u00f6schen zu m\u00fcssen. Der Fokus auf die Dokumentation dominanzerhaltender Sprechakte in Verbindung mit Spendenm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den guten Zweck soll in erster Linie f\u00fcr all jene empowernd wirken und zum Weiterbloggen und Diskussionseinstieg ermutigen, die sich aufgrund jener Kommunikationskultur bisher nicht beteiligen wollten oder konnten. Andere wiederum w\u00fcnschen sich mehr Transparenz, Aufkl\u00e4rung und Bildung von Hatr. Die Seite soll selbsterkl\u00e4render sein. Wir haben uns bewusst gegen ein Feminism-101-Portal entschieden, weil es davon hunderte im Netz gibt, die zwei Klicks von Google entfernt liegen. Wir m\u00f6chten Menschen anregen, sich mit den Widerspr\u00fcchen und Verwirrungsmomenten, die die Kommentare auf Hatr bei ihnen ausl\u00f6sen, selbstst\u00e4ndig auseinander zu setzen. Wenn sie Interesse daran haben, sich mehr Wissen \u00fcber herrschaftskritische Themengebiete anzueignen oder die Perspektive von Betroffenen nachzuvollziehen, soll Hatr der erste Anreiz sein. Mit der Forderung nach leicht konsumierbaren Bildungsh\u00e4ppchen in Sachen Herrschaftskritik geht meistens eine implizite Skepsis einher. Ganz so, als sei die Kritik an Diskriminierung und Dominanz nicht zutreffend oder \u00fcberzogen, als lie\u00dfen sich die meisten der kritisierten Dinge unter Meinungsfreiheit fassen oder mit einer anderen Perspektive anders bewerten, als w\u00e4re das Label *istische Kackschei\u00dfe zu hart. Oder tragen die Betreiber_innen der beteiligten Blogs gar ihren Teil zu den hasserf\u00fcllten Kommentaren bei? \u201cVictim Blaming\u201d (zu deutsch: opferbeschuldigendes Verhalten) geh\u00f6rt seit langer Zeit zum Instrumentenkoffer all jener, die dem Trugschluss aufsitzen, Diskriminierung sei individuell verhandelbar und nicht mit radikaler Kritik an gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen zu begegnen, sondern mit Anpassung und dem Eingest\u00e4ndnis von Mitschuld. Diese Perspektive stellt weder die Machtfrage, noch ist sie darauf aus, Emanzipation zu wollen.<\/p>\n<p>Wir entziehen uns dieser Deutungshoheit \u00fcber den Umgang mit Diskriminierung, indem wir uns dem geforderten Bildungsauftrag verweigern. Hatr soll Maskus, Trolle und Sexist_innen als das markieren, was sie sind: Maskus, Trolle und Sexist_innen. Indem wir Betroffene, also die beteiligten Blogbetreiber_innen, \u00fcber ihre Grenzen selbst entscheiden lassen, geben wir ihnen Definitionsmacht. Maskulismus, Sexismus, Antifeminismus und andere Formen der Dominanzaus\u00fcbung sind keine harmlosen Meinungen, sondern tiefsitzende reaktion\u00e4re Ideologien, denen nicht allein mit schlagkr\u00e4ftigen Gegenargumenten beizukommen ist. Wir m\u00f6chten mit Hatr diesen Fehlschluss problematisieren und queer-\/feministische Energie in Empowermentarbeit stecken.<\/p>\n<p><small>Anmerkung: Der Blogpost wurden einige Links erg\u00e4nzt, die im gedruckten Text fehlen. Au\u00dferdem wurden einige Fu\u00dfnoten f\u00fcr sch\u00f6neres HTML umformuliert.<\/small><\/p>\n<ol class=\"footnotes\">\n<li id=\"footnote_0_3124\" class=\"footnote\"><a href=\"http:\/\/flattr.com\">Flattr.com<\/a> ist eine Internetdienst, der es erm\u00f6glicht, frei verf\u00fcgbare Inhalte im Netz durch Mikrospenden zu unterst\u00fctzen. Ein Teil der Einnahmen von Hatr kommt \u00fcber diesen Dienst zusammen.<\/li>\n<li id=\"footnote_1_3124\" class=\"footnote\">Das <a href=\"http:\/\/gendercamp.de\">Gendercamp<\/a> ist ein Vernetzungstreffen der (queer-)feministischen Netzszene. Es ist als Barcamp organisiert, d.h. die Teilnehmer_innen gestalten das Programm vor Ort selbst.<\/li>\n<li id=\"footnote_2_3124\" class=\"footnote\">Die <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/\">Re:publica<\/a> ist eine j\u00e4hrlich stattfindende Konferenz zu digitaler Gesellschaft, Netzkultur und Blogs in Berlin.<\/li>\n<li id=\"footnote_3_3124\" class=\"footnote\">vgl. M\u00e4dchenmannschaft: <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/shepublica-2010-sexismus-im-netz\/\">she:publica 2010: Sexismus im Netz<\/a>; M\u00e4dchenmannschaft: <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/frauenfeindlichkeit-im-internet-gibt-es-nicht\/\">Frauenfeindlichkeit im Internet gibt es nicht<\/a>; Gr\u00fcnes Blog: <a href=\"http:\/\/www.gruenes-blog.de\/netzpolitik\/tag\/sexismus\">Bericht zum Workshop 12: \u201cAlles eine Frage der Macht: Sexismus im Netz\u201d<\/a>; M\u00e4dchenmannschaft: <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/ihr-durchtriebenen-miesen-fotzen\/\">Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!<\/a>; Tutnurso: <a href=\"http:\/\/tutnurso.blogsport.de\/2009\/12\/12\/menscheln-20\/\">Menscheln 2.0<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote_4_3124\" class=\"footnote\">Eine Definition von \u201cmansplainer\u201d findet sich auf Scienceblogs\/Zuska: <a href=\"http:\/\/scienceblogs.com\/thusspakezuska\/2010\/01\/you_may_be_a_mansplainer_if.php\">You May Be A Mansplainer If \u2026<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote_5_3124\" class=\"footnote\">vgl. die sehr empfehlenswerte Seite <a href=\"http:\/\/derailingfordummies.com\/\">Derailing for Dummies<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote_6_3124\" class=\"footnote\">Der Begriff \u201cTrigger\u201d wird in der Psychologie verwendet, um Sinneseindr\u00fccke zu beschreiben, die eine Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis hervorrufen und bewirken, dass die betroffene Person die vergangene Situation im Sinne eines Flashbacks emotional aufs Neue erlebt. Alltagssprachlich wird der Begriff auch verwendet, wenn es allgemein um Ausl\u00f6ser f\u00fcr ein gesteigertes Unwohlsein geht, die dazu f\u00fchren, dass eine Person eine Situation nicht ertragen kann und z.B. das Lesen eines Textes abbrechen muss.<\/li>\n<li id=\"footnote_7_3124\" class=\"footnote\">Laut Slimstat-Zugriffsstatistiken im Januar 2012<\/li>\n<li id=\"footnote_8_3124\" class=\"footnote\">Taz: <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!69005\/\">B\u00f6se Trolle zu Geld machen<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/article\/0,,6507819,00.htm\">DW World<\/a>; Jetzt.de: <a href=\"http:\/\/jetzt.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/522839\">Argumentieren erzeugt immer nur mehr Hass<\/a>; der Standard: <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1301874053498\/Online-Community-Hatr-als-Sammelstelle-fuer-Troll-Postings-gestartet\">Hatr als Sammelstelle f\u00fcr Troll-Postings gestartet<\/a>; Spiegel Online: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/blog-tipps-schnaps-und-schmerz-fuer-nerds-a-756103.html\">Schnaps und Schmerz f\u00fcr Nerds<\/a>; Z\u00fcndfunk Kolumne (depubliziert).<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"wp-flattr-button\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?flattrss_redirect&amp;id=3124&amp;md5=7c749310adff9b1059c10969821a4fa5\" title=\"Flattr\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"flattr this!\"\/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leah, Nadine und ich haben zusammen einen Artikel geschrieben, in dem wir uns mit Kommentarpolitiken auf Blogs mit gesellschaftskritischem und emanzipatorischen Anspruch und insbesondere auf queer-\/feministischen Blogs auseinandersetzen und das Projekt Hatr vorstellen. 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