{"id":28379,"date":"2013-04-30T09:00:42","date_gmt":"2013-04-30T08:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?p=3483"},"modified":"2013-04-30T09:00:42","modified_gmt":"2013-04-30T08:00:42","slug":"fur-den-gewinn-warum-die-telekom-drosseln-will-und-was-dagegen-einzuwenden-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2013\/04\/fur-den-gewinn-warum-die-telekom-drosseln-will-und-was-dagegen-einzuwenden-ist\/","title":{"rendered":"F\u00fcr den Gewinn: Warum die Telekom drosseln will und was dagegen einzuwenden ist"},"content":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche hat die Telekom angek\u00fcndigt, aus den Flatrates nach und nach volumenbegrenzte Angebote zu machen. Ist die monatliche Volumengrenze erreicht wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Es ist davon auszugehen, dass andere Anbieter nachziehen. Mit der Ank\u00fcndigung der Telekom ist ein Szenario in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt, das die Art, wie wir mit dem Internet interagieren, st\u00e4rker ver\u00e4ndern k\u00f6nnte als alle anderen netzpolitischen Entscheidungen in den letzten Jahren. Hier kommen die gro\u00dfen netzpolitischen Linien: Netzneutralit\u00e4t, Teilhabe, \u00dcberwachung und die Interessen der Kreativ\u2013 und Verwertungsindustrie. In den n\u00e4chsten Monaten wird es darum gehen, die Idee der Netzneutralit\u00e4t zu verbreiten.<\/p>\n<p><b>Die Drossel in der Hand: Neue Wachstumsstrategien<\/b><br \/>\nDen Flatrates ist es u.a. zu verdanken, dass sich das Internet in den letzten zehn Jahren in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung durchgesetzt und vielen Menschen erm\u00f6glicht hat, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzuhaben. Man konnte sich dem neuen Medium mit etwas Gelassenheit n\u00e4hern, ohne sich um unerwartete Kosten sorgen zu m\u00fcssen. F\u00fcr die Telekom und andere Internet-Service-Provider (ISP) war das die richtige Strategie. Ihre Profite wurden in erster Linie \u00fcber die Markterschlie\u00dfung erziehlt. Bei der Telekom kommen m\u00f6glicherweise dazu noch Rationalisierungseffekte nach der Privatisierung. <\/p>\n<p>Die Wachstumskurve bei den neuen DSL-Vertr\u00e4gen ist flach geworden. Einzig in den l\u00e4ndlichen Gegenden, zu denen der Breitbandausbau noch nicht vorgedrungen ist, ist noch etwas zu holen. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Investion und zu erzieltem Gewinn d\u00fcrfte in den Strategiemeetings der Telekom nicht zu Freudent\u00e4nzen f\u00fchren. Es m\u00fcssen also neue Wege her, um weiterhin steigende Profite zu realisieren. Das angebliche Marketinggesetz, wonach man Kunden nichts wegnehmen darf (so Clemens Schrimpe bei <a href=\"http:\/\/logbuch-netzpolitik.de\/lnp062\">Logbuch Netzpolitik<\/a>) wird vom Gesetz des Wachstums locker in die Tasche gesteckt. Um das Marketing muss man sich keine Sorgen machen: Der Deal zwischen der Telekom und Spotify beim Mobilfunk hat gezeigt, dass das Ende der Netzneutralit\u00e4t in einer h\u00fcbschen Verpackung daher kommt: Als ein gutes Angebot, wo man f\u00fcr kleines Geld etwas Tolles bekommt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/herold.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/herold-300x262.jpg\" alt=\"der rosa herold kuendet von der drossel\" title=\"herold\" width=\"300\" height=\"262\" class=\"size-medium wp-image-3503\" \/><\/a>Die Drosselung der Geschwindigkeit ist nicht also das einzige Problem, was uns bevorsteht. Die ISP werden Angebote machen, die bestimmte Internetservices von der Volumengrenze ausnehmen. Dieser Versto\u00df gegen die Netzneutralit\u00e4t basiert auf der durch die Volumengrenzen geschaffenen Knappheit, f\u00fcr die es <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2013\/drosselkom-warum-das-datenaufkommen-nur-vorgeschoben-ist-und-die-telekom-einfach-nur-mehr-geld-verdienen-will\/\">keine technische Notwendigkeit<\/a> gibt. Statt es weiterhin zu erm\u00f6glichen, sich 500 GB im Monat per Bittorrent runterzuladen, bietet man einen Tarif an, der bei 75 GB gedrosselt wird, aber optional mit Medienpaketen kommt: Musik h\u00f6ren bei Spotify, Filme gucken bei Videoload. Damit stellen sich die ISP in Konkurrenz zu Apple und Amazon. Deren digitales Warenangebot kam bisher am besten an. Bei Apple sind die gekauften Songs schnell mit dem iPod\/iPhone synchronisiert, w\u00e4hrend Amazon so sch\u00f6n praktisch ist, weil viele Kund_innen ihre Kreditkarte oder Bankverbindung dort bereits hinterlegt haben. Bezahlen per Telefonrechnung ist noch einfacher.<\/p>\n<p><b>Das ist ziiiemlich kompliziert! Or is it?<\/b><br \/>\nDie Strategie der Telekom geht also mit den Interessen der Verwertungsindustrie Hand in Hand: Unter den beschriebenen Bedingungen m\u00fcssen auch denjenigen, die bisher den moralischen Appellen und der Angst vor rechtlichen Konsequenzen getrotzt haben, zu den Angeboten wechseln, die die ISP machen. Das trifft auch diejenigen, die Youtube als Radio laufen haben, w\u00e4hrend sie Hausaufgaben machen. In Zugzwang bringt das die Unternehmen, die jetzt zwischen ISP und Verwertungsindustrie stehen. Internetunternehmen, die den Content zu den Nutzer_innen bringen, m\u00fcssen schauen, dass sie in das Angebotsportfolio der ISP aufgenommen werden \u2013 zu deren Bedingungen. W\u00fcrde Netflix mit g\u00fcnstigen Preisen und besserer Auswahl in den deutschen Markt einsteigen, w\u00e4ren Nutzer_innen schlecht beraten, dieses Angebot vorzuziehen, solange es von ihrem monatlichen Volumenkonto abgezogen wird. <\/p>\n<p>F\u00fcr die ISP ist es einfach, die b\u00f6sen Filesharer als Trittbrettfahrer_innen zu blamen. Deren Handeln ist f\u00fcr viele  nicht nachvollziehbar. \u201eWarum k\u00f6nnen die eigentlich nicht Fernsehen gucken wie jeder normale Mensch auch? Au\u00dferdem: Wenn mein Nachbar dreimal so viel Wasser verbraucht wie ich, ist das doch auch fair, wenn der dann mehr zahlt.\u201c Wer f\u00fcr Netzneutralit\u00e4t argumentiert sollte mit den Metaphern aufpassen. Zwar mag das Bild der tr\u00f6pfelnden Leitung nach dem hundertsten Liter erstmal ganz plausibel wirken. Dass im Internet die Daten aber nicht weniger werden, wenn man sie nutzt, sondern mehr, ist den ISP klar, vielen Nutzer_innen aber nicht. <\/p>\n<p>Es gibt viele Beispiele, die zeigen, was gro\u00dfe Datenmengen auch f\u00fcr Nutzer_innen bedeuten, die annehmen, sie seien von der Geschichte gar nicht betroffen. Neulich erz\u00e4hlte mir mein Vater, dass er das Champions-League-Spiel der Bayern nicht sehen konnte, weil es nur auf Sky lief. Stattdessen hat er sich im Internet einen Radiokommentar per Stream angeh\u00f6rt von drei jungen Kerlen, die das ganz witzig gemacht h\u00e4tten. Das fand ich interessant, weil es seinem Selbstbild als jemand, der im Internet eh nur Zeitung liest und schaut, wie das Wetter wird, nicht entspricht. Er l\u00e4sst sich sicher auch davon \u00fcberzeugen, dass es sinnvoll ist, auch am 29. des Monats noch Sicherheitsupdates runterladen zu k\u00f6nnen, Backups in der Cloud zu speichern oder zur Weiterbildung Vorlesungen und Sprachlernpodcasts runterzuladen.<\/p>\n<p>Die meisten Nutzer_innen werden sich vorstellen k\u00f6nnen, dass ihr monatlich ben\u00f6tigtes Volumen in den n\u00e4chsten Jahren eher steigen als sinken wird. Dass die neue Regelung gro\u00dfe Nachteile f\u00fcr weniger zahlungskr\u00e4ftige Kund_innen und Leute, die sich zusammen einen Internetanschluss teilen (Familien, WGs usw.) mit sich bringt und au\u00dferdem unfair gegen\u00fcber Leuten ist, die auf dem Land wohnen (die Telekom plant, das Volumen abh\u00e4ngig von der Zugangsgeschwindigkeit zu machen, so dass langsamere Anschl\u00fcsse auch noch weniger laden d\u00fcrfen) ist offensichtlich unfair. <\/p>\n<p><b>Die Taube auf dem Dach: Netzneutralit\u00e4t erk\u00e4mpfen<\/b><br \/>\nIch halte das Gerede, dass Netzneutralit\u00e4t schwer vermittelbar sei, f\u00fcr eine selbsterf\u00fcllende Prophezeiung. Dass es einige technische Unklarheiten gibt, ist kein Problem. Schlie\u00dflich ist es in jedem Politikbereich so, dass Expert_innen Komplexit\u00e4ten sehen, die in den \u00f6ffentlichen Debatten in den Hintergrund r\u00fccken. Dass der Begriff Netzneutralit\u00e4t etwas unscharf ist, macht sein politisches Potential gerade aus, denn so lassen sich verschiedene Anliegen unter einer Forderung zusammenbinden. <\/p>\n<p>Gegen\u00fcber den Nutzer_innen sollten wir darum mit der Trafficdrosselung und den zahlreichen Nachteilen, die das auch f\u00fcr gesetzestreue, brave User mit sich bringt, argumentieren. Gegen\u00fcber der Politik m\u00fcssen die wettbewerbsrechtlichen Aspekte stark gemacht werden. Dabei w\u00fcrde ich allerdings die Hoffnungen nicht zu hoch h\u00e4ngen, dass die Regierungsparteien sich auf gute Argumente einlassen. Union, FDP und SPD haben in den letzteren Jahren schon absurdere Netzpolitiken abgenickt \u2013 siehe Leistungsschutzrecht. Dazu kommt: Wenn es keine echten Flatrates mehr gibt, kann man das Argument, eine genaue <a href=\"https:\/\/plus.google.com\/107223467325602754395\/posts\/Asx48SyXisg\">Aufzeichnung des Surfverhaltens<\/a> w\u00e4re zu Abrechnungszwecken nicht notwendig, nicht mehr bringen. Dass das Vorhaben der Telekom auch \u00fcberwachungsfreudigen Innenpolitiker_innen entgegen kommt, kann Ren\u00e9 Obermann bei seinen anstehenden Gespr\u00e4chen sicher gut anbringen.<\/p>\n<p>Das Mobilisierungspotential ist nicht schlecht: Verbraucher_innen lassen sich von Verbraucher_innenunfreundlichkeit \u00fcberzeugen. Aber ob das gen\u00fcgen wird? Viele gesellschaftliche Akteure stehen ideologisch hinter den Interessen der ISP. Und das ist eben nicht die Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit Internet und die Erm\u00f6glichung von gesellschaftlicher Teilhabe, sondern steigender Profit. Wir sehen ja jeden Tag, dass sich die doppelt freien Marktsubjekte f\u00fcgen m\u00fcssen, weil sie eben nicht \u201eerfolgreich\u201c genug sind. Sie k\u00f6nnen sich das gute Leben nicht leisten. Wenn Netzneutralit\u00e4t nicht durchgesetzt wird, kommt das beim Internet genau so. Also: <a href=\"http:\/\/echtesnetz.de\/\">Her mit dem echten Netz<\/a>! <\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\">\n<p><a href=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/?flattrss_redirect&amp;id=3483&amp;md5=5c85e4969e706eacb06409774474a309\" title=\"Flattr\" ><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.iheartdigitallife.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"flattr this!\"\/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der vergangenen Woche hat die Telekom angek&uuml;ndigt, aus den Flatrates nach und nach volumenbegrenzte Angebote zu machen. Ist die monatliche Volumengrenze erreicht wird die Geschwindigkeit gedrosselt. 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