{"id":28584,"date":"2012-10-07T19:07:07","date_gmt":"2012-10-07T18:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com\/?p=364"},"modified":"2012-10-07T19:07:07","modified_gmt":"2012-10-07T18:07:07","slug":"buch-kritik-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2012\/10\/buch-kritik-2012\/","title":{"rendered":"Buch &amp; Kritik 2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eAlles falsch. Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie\u201c Buchpr\u00e4sentation mit dem Herausgeber Dirk Braunstein (Bochum).<\/strong><br \/>\nFreitag, 12.10.12, 20 Uhr, Raum IG 311 im I.G.Farben-Haus der Universit\u00e4t Frankfurt, Gr\u00fcneburgplatz 1<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es \u00fcblich geworden ist, innerhalb der Kulturwaren zu differenzieren, um so deren vermeintliche Freiheitspotentiale zu entdecken, l\u00e4\u00dft sich die Kulturindustrie als das kritisieren, was sie ist: Produkt und zugleich Produzentin des falschen Ganzen, als das sie Adorno zu seiner Zeit verurteilte. Konnte er jedoch noch damit rechnen, durch \u00dcbertreibung ihre Wahrheit zu treffen, hat die Kulturindustrie unterdessen ihren eigenen Superlativismus \u00fcbertroffen.<\/p>\n<p>Wenn sich die deutsche kulturschaffende Intelligenz mit demjenigen befa\u00dft, der die Kulturindustrie zuallererst auf ihren Begriff brachte, wird es finster im Lande. Mit dem hundertsten Geburtstag Adornos im September 2003 war ein gerne genutzter Anla\u00df gefunden, die Kritische Theorie der Gesellschaft auf das eigene Niveau des unverbindlichen Geschw\u00e4tzes herunterzuziehen und den Philosophen und Soziologen Adorno zum \u00bbTeddie\u00ab sowie das bestehende Elend zur besten aller Welten zu machen: Kapitalismus, Barbarei, Auschwitz \u2013 alles halb so wild und Adorno ein unverbesserlicher Pessimist und Miesmacher.<\/p>\n<p>Das kurrente Philosophiegewerbe ist Teil gerade jener Kulturindustrie, die man hierzulande so gerne in den USA am Werke sieht. Der New-Yorker \u00bbAnbruch\u00ab registrierte allerding die deutsche \u00bbAdorno-Industrie\u00ab, derweil im \u00bbSpiegel\u00ab hingegen eitel Freude dar\u00fcber herrschte, da\u00df die Feierlichkeiten \u00bbnun auch den privaten Theodor Wiesengrund-Adorno\u00ab in der Vordergund ger\u00fcckt hatten. Wird dort Kritik daran ge\u00fcbt, da\u00df die Appartschiks der Kulturindustrie Adorno schlicht \u00fcberrannt und gefleddert haben, wird hier ein Einvernehmen dar\u00fcber hergestellt, da\u00df das Private offiziell und das Offizielle, alles, was man \u203aWerk\u2039 nennen k\u00f6nnte, privatistische Angelegenheit spinnerter \u203aAdorniten\u2039 sei.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Dirk Braunstein zeigt, wie dieses Einvernehmen hergestellt wird und was das f\u00fcr die Kritik der Kulturindustrie im besonderen sowie f\u00fcr Gesellschaftskritik im allgemeinen bedeutet.<\/p>\n<p>Dirk Braunstein promovierte \u00fcber Adornos \u00d6konomiekritik, ist Gastwissenschaftler am Institut f\u00fcr Sozialforschung und lebt in Bochum.<\/p>\n<p><strong>\u201ePostnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert\u201c Buchpr\u00e4sentation mit dem Herausgeber Stephan Grigat (Wien) und dem Autor Clemens Nachtmann (Graz).<\/strong><br \/>\nSamstag, 13.10.12, 20 Uhr, Raum IG 311 im I.G.Farben-Haus der Universit\u00e4t Frankfurt, Gr\u00fcneburgplatz 1<\/p>\n<p>Der Band Postnazismus revisited versammelt Beitr\u00e4ge, die grundlegende \u00dcberlegungen zum Nachleben des Nationalsozialismus in den postfaschistischen Gesellschaften anstellen. Sie setzen sich sowohl mit der modernisierten Vergangenheitspolitik in Deutschland als auch den Erfolgen der FP\u00d6 unter und nach J\u00f6rg Haider auseinander. Die Aufs\u00e4tze beinhalten Gedanken zur Kritik des Postnazismus im Zeitalter des Djihadismus und formulieren eine Kritik am \u201eIslamophobie\u201c-Begriff vor dem Hintergrund der Diskussionen \u00fcber den norwegischen Attent\u00e4ter Anders Behring Breivik.<\/p>\n<p>Eine zentrale These des Bandes lautet, dass eine global orientierte Kritik der postnazistischen Konstellation konstatieren muss, dass sich das Zentrum der offenen antisemitischen Agitation nach 1945 von Europa in den arabisch-islamischen Raum verschoben hat. Nachdem die Deutschen und ihre Hilfsv\u00f6lker nicht nur bewiesen hatten, dass man einen wahnhaft-projektiven Antikapitalismus bis zum industriell betriebenen Massenmord steigern kann, sondern auch, dass man daf\u00fcr selbst nach der totalen milit\u00e4rischen Niederlage keine ernsthaften Konsequenzen zu bef\u00fcrchten hat, kann gar nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden, was f\u00fcr eine ungemeine Attraktivit\u00e4t eine derartig pathologische, sowohl m\u00f6rderische als auch selbstm\u00f6rderische Krisenl\u00f6sungsstrategie f\u00fcr antisemitische Massenbewegungen und Banden in anderen Weltregionen haben musste.<\/p>\n<p>Clemens Nachtmanns Beitrag \u201eVon der postnazistischen Demokratie zum Karneval der Kulturen\u201c ist eine Anstrengung, der bundesdeutschen Gesellschaft, die sich immer weiter vom Tatort ihres Gr\u00fcndungsverbrechens, Auschwitz\u201c, entfernt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die totalit\u00e4re Kulturalisierung aller Lebensbereiche gelegt, vermittels welcher der postfaschistische \u201eKonsens der Demokraten\u201c sich runderneuert pr\u00e4sentiert und zugleich zu seinen Urspr\u00fcngen zur\u00fcckfindet. Entt\u00e4uscht werden wird, wer sich eine \u201eklassisch antideutsche\u201c Tirade gegen Deutschland und seine angebliche \u201eBesonderheit\u201c erhofft: aufgezeigt wird vielmehr, da\u00df der Begriff des Postfaschismus schon immer auf eine internationale Konstellation zielte, die heute in seiner Verallgemeinerung zu sich kommt.<\/p>\n<p>Stephan Grigat hat an der FU Berlin promoviert, war Forschungsstipendiat in Tel Aviv und ist Lehrbeauftragter f\u00fcr Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t Wien.<\/p>\n<p>Clemens Nachtmann ist Redakteur der Zeitschrift Bahamas und lebt als Komponist und Dozent f\u00fcr Musiktheorie in Graz.<\/p>\n<p>Veranstalter: Initiative Studierender am I.G.Farben-Campus und Prozionistische Linke Frankfurt<br \/>\nUnterst\u00fctzer: AStA der Universit\u00e4t Frankfurt, J\u00fcdischer Jugend- und Studentenverband Hessen und Jugendpresse Hessen<\/p>\n<p>  <a rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/feeds.wordpress.com\/1.0\/gocomments\/initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com\/364\/\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" border=\"0\" src=\"http:\/\/feeds.wordpress.com\/1.0\/comments\/initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com\/364\/\" \/><\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" border=\"0\" src=\"http:\/\/stats.wordpress.com\/b.gif?host=initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com&#038;blog=10339146&#038;%23038;post=364&#038;%23038;subd=initiativestudierenderamigfarbencampus&#038;%23038;ref=&#038;%23038;feed=1\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>&bdquo;Alles falsch. 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