{"id":28661,"date":"2013-10-16T17:29:01","date_gmt":"2013-10-16T16:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/outside.blogsport.de\/2013\/10\/16\/it-never-rains-in-leipzig-das-mdbk-fuehrt-vor-was-mit-dem-bildungsauftrag-zu-rechtfertigen-ist\/"},"modified":"2013-10-16T17:29:01","modified_gmt":"2013-10-16T16:29:01","slug":"it-never-rains-in-leipzig-das-mdbk-fuehrt-vor-wie-sexismus-und-nazi-aesthetik-mit-dem-bildungsauftrag-zu-rechtfertigen-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2013\/10\/it-never-rains-in-leipzig-das-mdbk-fuehrt-vor-wie-sexismus-und-nazi-aesthetik-mit-dem-bildungsauftrag-zu-rechtfertigen-sind\/","title":{"rendered":"It never rains in Leipzig. Das MdbK f\u00fchrt vor, wie Sexismus und Nazi-\u00c4sthetik mit dem Bildungsauftrag zu rechtfertigen sind."},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Ausstellung im Leipziger Museum der bildenden K\u00fcnste vereint Nazi-\u00c4sthetik mit plattem Sexismus. Bei der <a href=\"\">Ausstellungser\u00f6ffnung<\/a> am 12.Oktober werden Protestierende mit Gewalt von Publikum und Security aus dem Raum gedr\u00e4ngt und eine Frau wird von einem Security &#8211; Mitarbeiter sexistisch beleidigt und geschlagen. Der folgende Text entstand im Vorfeld.<\/em><\/p>\n<p>\u201eAuf den ersten Blick ungew\u00f6hnlich ist das Zusammentreffen der K\u00fcnstler Richard M\u00fcller und Mel Ramos.\u201c, so steht es im Ank\u00fcndigungstext f\u00fcr die Ausstellung \u201eDie Sch\u00f6ne und das Biest\u201c im MdbK Leipzig.<br \/>\nAber ungew\u00f6hnlich ist \u00fcberhaupt nichts an diesem Zusammentreffen, weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick. Gew\u00f6hnlich ist vielmehr diese Phrase, welche \u00dcberraschungen verspricht, wo lediglich Klischees reproduziert werden. Hier w\u00fcrden, wie der Museumsdirektor Schmidt l\u00e4chelnd auf der Pressekonferenz vernehmen lie\u00df, zwei Produzenten von M\u00e4nnerphantasien zusammengebracht. Der eine, Richard M\u00fcller(1), Initiator der Dresdner Vorg\u00e4ngerausstellung zur Aktion \u201eEntartete Kunst\u201c von 1933 und NSDAP &#8211; Mitglied bis 1936, dr\u00fcckte seine Frauenfeindlichkeit malerisch aus. In gro\u00dfformatigen \u00d6lgem\u00e4lden und kleineren Grafiken sind h\u00e4ufig eine nackte Frau und ein Tier zu sehen, und es entstanden  Bilder mit Titeln wie: \u201eWeiblicher Akt mit Schirm, eine Schildkr\u00f6te abwehrend.\u201c Dieser Titel w\u00e4re lustig, wenn man die Geschichte ausblenden k\u00f6nnte. Wesen und nicht nur ein Aspekt dieser Gem\u00e4lde ist der offenkundige Versuch, die Frau als gef\u00e4hrliche Verf\u00fchrerin  zu stigmatisieren und der phantasierten m\u00e4nnlichen Angst vor dieser in der Beherrschung Ausdruck zu verleihen. Und der Beitrag, den M\u00fcller zur Entwicklung des nationalsozialistischen Kunstverst\u00e4ndnisses und K\u00f6rperbildes geleistet hat, wird auf perfide Weise zu Gunsten der Ausstellung gewendet. Nazi \u2013 \u00c4sthetik auszustellen hei\u00dft f\u00fcr das Museum, den Bildungsauftrag zu erf\u00fcllen.<br \/>\nMel Ramos, ein Pop-Art-K\u00fcnstler der Kalifornischen Schule, malt ebenfalls nackte Frauen, Frauen mit oder auf gro\u00dfen felligen Tieren, nackte Frauen von vorn, von hinten und von der Seite, aufgeladen mit dem was ein Museumsdirektor als erotisch versteht(2) \u2013 durch die Nachahmung flacher Werbe\u00e4sthetik  als Ware objektiviert und im Zusammenspiel mit dem Tier zur Natur degradiert. Die schablonenhaft dargestellten wei\u00dfen Frauen(3) sind Phantasiefiguren. Hier ist keine ironische Wendung, keine Doppeldeutigkeit oder Kritik versteckt \u2013 Mel Ramos malt ganz einfach das, was er meint, und stellt sich auch in Interviews ganz klar als Sexist hin \u2013 das Problem damit haben die Anderen.(4) Solange es Leute gibt, die genau das, was Mel Ramos von Frauen denkt, in ihren Wohnzimmern h\u00e4ngen haben wollen, hat dieser K\u00fcnstler genug Relevanz f\u00fcrs Museum.  Das Frauenbild der K\u00fcnstler taugt, um Sexismus auszubuchstabieren: Einerseits  ist die kontrollierende Frau zu sehen, die den Mann \u2013 oft personifiziert durch das Tier \u2013 an der Leine f\u00fchrt und durch ihre erotische Macht ihrem Willen beugt. Dieses Angstbild ist eine Grundlage von Frauenfeindlichkeit. In anderen Bildern ist die Phantasie der geb\u00e4ndigten, entbl\u00f6\u00dften und willigen Frau zu sehen, die dem Mann nicht mehr gef\u00e4hrlich, sondern zu Diensten ist. Das Tier im Bild ist in diesen F\u00e4llen nicht gez\u00e4hmt, sondern bedrohlich, und Bildaufbau und Symbolik implizieren Vergewaltigungsszenarien. Hier wird die Phantasie der m\u00e4nnlichen Vorherrschaft im Blick des K\u00fcnstlers transportiert \u2013 ein Aspekt des m\u00e4nnlichen K\u00fcnstlergenius, gegen Feministinnen bereits in den 1960er Jahren rebellierten und den man eigentlich nicht mehr im Museum, wenigstens nicht in Sonderausstellungen zu sehen hoffte. Denn gekn\u00fcpft daran war immer eine Marginalisierung weiblicher Positionen und patriarchale Strukturen in der Kunstwelt, mal ganz abgesehen davon, dass diese Bilder zur Kunst geadelter Ausdruck blanker Frauenfeindlichkeit sind &#8211; stereotype Frauenbilder in \u00d6l. Wolfgang Joops hinzukuratierte Affenbilder und Skulpturen sind nicht nur extrem kitschig. Affenb\u00fcsten mit vergoldetem Lockenkopf und menschlich anmutenden Br\u00fcsten verdeutlichen nochmal, worum es hier geht: die N\u00e4he der Frau zum Tier. Der Glamourfaktor Joop sorgt f\u00fcr eine Aufwertung der Ausstellung. <\/p>\n<p><strong>Museale Rechtfertigungen<\/strong><br \/>\nEine solche Ausstellung zeigt, dass mit dem Bildungsauftrag des Museums jede Schandtat zu begr\u00fcnden ist oder aber einfach niemand mehr nachfragt, was ein Museumsdirektor und ein Kurator mit ihren R\u00e4umlichkeiten so anstellen. Die Rechtfertigungsstrategien des verantwortlichen Duos Direktor Schmidt und Kurator Jan Nicolaisen sprechen B\u00e4nde.<br \/>\nZun\u00e4chst einmal ist deren einfache Begr\u00fcndung f\u00fcr eine Zusammenstellung sexistischer Kunst mit Nazi-\u00c4sthetik sinngem\u00e4\u00df: Wir wollten das mal machen. Gl\u00fccklicherweise, so Schmidt, tauchten bald Leihgeber auf, die einen Richard M\u00fcller in ihrer Sammlung haben \u2013 Wolfgang Joop (5) stellt als bekennender M\u00fcller-Fan mehrere Werke zur Verf\u00fcgung, weshalb er auch seine Affen mit in die Ausstellung bringen durfte.  Unter den Sammlern sind so prominente Deutsche wie Richard von Weizs\u00e4cker oder Armin M\u00fcller-Stahl. Stolz zeigen Sammler ihre alten Nazi &#8211; Schinken, die durch solche Ausstellungen immer weniger als problematisch gelten. Bezahlt wird das Ganze von der BMW Niederlassung Leipzig.<br \/>\nDass zwei M\u00e4nner ihre Frauenb\u00e4ndigungsphantasien in \u00d6l gie\u00dfen mag ein Hobby sein, das niemand ihnen untersagen darf. Aber wie kommt ein Museum dazu, so etwas auszustellen? Die Kunsthalle T\u00fcbingen, die Albertina Wien und die Villa Stuck in M\u00fcnchen haben den Kalifornier Mel Ramos neulich gezeigt, so Schmidt stolz  \u2013 wenn die gro\u00dfen H\u00e4user es tun, dann wird das schon richtig sein, und ein Provinzmuseum m\u00f6chte nicht dahinter zur\u00fcckstehen. In Leipzig wird sogar noch eins drauf gesetzt, indem man dem Sexisten den Nazi daneben h\u00e4ngt und mit Hilfe des Glamour-Faktor Wolfgang Joop Journalist_innen und Besucher_innen blendet. Die Ausstellung w\u00fcrde durch diesem Zynismus hervorragend als Szenenbild f\u00fcr einen dystopischen Science-Fiction- Film taugen. Hier zeigt sich deutlich, was den Diskurs innerhalb der Museumslandschaft bestimmt, wie fahrl\u00e4ssig ein Urteil \u00fcber die Geltung von K\u00fcnstlern gef\u00e4llt wird.<br \/>\nDie Frage antizipierend, wieso ein Nazik\u00fcnstler und ein Machok\u00fcnstler zusammen ausgestellt werden, hat man sich im Vorfeld einiges einfallen lassen. Die harmlosere und inhaltsleere Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Ausstellung der Arbeiten Mel Ramos&#8216; liefert Direktor Schmidt auf der Pressekonferenz: Man m\u00fcsse einfach die kalifornische Sonne mal erlebt haben, und einen Spaziergang am Muscle Beach gemacht haben, in diesem Land, in dem es Produkte nur noch in XXL- Gr\u00f6\u00dfen gebe \u2013 Stichwort \u201eThink Big!\u201c und ohne diese Erfahrung lie\u00dfe sich ein Mel Ramos nicht verstehen. Das mag sein. Wer nicht gerade einen Sonnenstich hat, k\u00f6nnte an nackten stereotypen Frauen, die sich auf gro\u00dfen, dicken Zigarren r\u00e4keln oder aus der Verpackung eines Schokoladenriegels herausklettern, kritisch Ansto\u00df nehmen. <\/p>\n<p><strong>Richard M\u00fcller, der zu kurz gekommene Maler<\/strong><br \/>\nUnangenehmer wird es im Fall Richard M\u00fcller. Der Katalog zur Ausstellung wird vom Kurator als Beitrag zur Aufkl\u00e4rung ger\u00fchmt, denn hier wurde ein Hetzartikel abgedruckt, den M\u00fcller 1935 verfasst hat. Es wirkt, als stehe man mutig zu den Fehlern, die der hier hofierte K\u00fcnstler in der Vergangenheit gemacht hat. Dass man damit einer alternativen Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels zuvorkommen wollte, ist wahrscheinlicher als das tats\u00e4chlich versucht wurde, dem Gegenstand gerecht zu werden (dann h\u00e4tte man den Artikel ja abdrucken k\u00f6nnen, die Bilder aber im Depot lassen m\u00fcssen). Am Ausstellungseingang ist eine Tafel angebracht, die \u00fcber die Nazi-Vergangenheit M\u00fcllers berichtet, auch ein Video \u00fcber die Dresdner Ausstellung von 1933 ist zu sehen. Mit diesen Feigenbl\u00e4ttern wird kritische Auseinandersetzung behauptet, die aber durch das Gesamtkonzept der Ausstellung, das v\u00f6llig affirmativ ist, \u00fcberhaupt nicht eingel\u00f6st werden kann. Wie sollte auch durch die Zusammenstellung mit sexistischer Kunst eine angemessene Besch\u00e4ftigung mit Nazi-\u00c4sthetik erm\u00f6glicht werden? Schon die Ausstellung eines Nazik\u00fcnstlers gereicht dem Museum aber nach Ansicht des Kurators zu Ehre. Nach den Worten Nicolaisens m\u00fcsse man sich nicht nur mit den \u201eHelden\u201c der Kunst im Nationalsozialismus auseinandersetzen. (Mit \u201eHelden\u201c meint er, ohne den Zynismus der Wortwahl zu begreifen, diejenigen K\u00fcnstler der Klassischen Moderne, deren Leben nach ihrer Diffamierung als \u201eentartet\u201c durch solche wie M\u00fcller \u00fcberhaupt nicht heldenhaft verlief, die ins Exil, in die Armut oder in den Tod getrieben worden sind.) Man m\u00fcsse sich, so Nicolaisen,  auch mit denen, die \u201eim Nachhinhein als moralisch schlecht dastehen\u201c, den \u201eUnangenehmen\u201c besch\u00e4ftigen. Richard M\u00fcller ist so einer, aber offenbar soll er uns deshalb leid tun: \u201eNach 1945 lie\u00df die Kunst &#8211; und Kulturpolitik der DDR unter dem Einfluss von K\u00fcnstlern und Kunsthistorikern wie Hans Grundig und Fritz L\u00f6ffler den als \u00b4Nazik\u00fcnstler\u00b4 Stigmatisierten in Vergessenheit geraten.\u201c(6) Wie man einen Nazi als Nazi stigmatisieren kann, bleibt unklar. Und warum man einen solchen heute erinnern und mit einer Ausstellung adeln muss, erkl\u00e4rt Nicolaisen auch nicht. Aber wahrscheinlich hat es einfach schon ein anderes gro\u00dfes Museum getan.<br \/>\nDie Leipziger \u201eAuseinandersetzung\u201c ist das denkbar schlechteste Beispiel f\u00fcr den Umgang mit Nazikunst. Das MdbK beteiligt sich gerade an einem Projekt \u00fcber Alfred Flechtheim, ein j\u00fcdischer Kunsth\u00e4ndler der klassischen Moderne, der als Opfer der Aktion \u201eEntartete Kunst\u201c emigrieren musste, aus dessen Best\u00e4nden sich die Nazis r\u00e4uberisch bedient haben und dessen Frau sich 1941 angesichts der drohenden Deportation das Leben nahm. Wie aus Hohn liegt die Brosch\u00fcre zum Flechtheim-Projekt der Pressemappe zur M\u00fcller-Ramos Ausstellung bei.<br \/>\nDie Blindheit f\u00fcr frauenfeindliche Stereotype und die Unbedarftheit in der \u201eAuseinandersetzung\u201c mit Nazikunst konzentriert sich im Bild \u201eCirce\u201c von Richard M\u00fcller, das vom Kurator ganz bewusst zentral geh\u00e4ngt wurde. Dieses Bild entstand 1933. Zu sehen ist das antike Motiv der Circe, eine Zauberin,  die in der Odyssee M\u00e4nner anlockt, um sie in Schweine zu verwandeln. Damit ist Circe ein kultureller Stereotyp der m\u00e4nnlichen Angst vor der erotischen Kontrolle, die Frauen zugeschrieben wird. Dies sei zwar, so Nicolaisen, kein kritischer Kommentar M\u00fcllers zum Nationalsozialismus &#8211; was auch \u00fcberraschend w\u00e4re, denn der K\u00fcnstler war schlie\u00dflich Nazi. Aber 1933 wurde, so der Kurator, \u201eganz Deutschland durch Hitler verf\u00fchrt\u201c &#8211; die Verf\u00fchrung an sich, die Verwandlung von Menschen in Schweine durch eine Frau mit magischen Kr\u00e4ften, werde im Bild \u201eCirce\u201c allgemein thematisiert. Die Frau  wird hier also nicht nur als Objekt, als Werbemittel, als Tier, als schmierige Herrenphantasie, sondern auch als Hitler-Allegorie und gleichzeitige Entschuldigung f\u00fcr \u201eganz Deutschland\u201c dargestellt. So etwas muss man erstmal Zustande bringen. <\/p>\n<p><strong>Eine Ausstellung als Zeitreise<\/strong><br \/>\nSo lernen wir aus der Ausstellung, was Frauen in den Augen der K\u00fcnstler und Kuratoren alles sein k\u00f6nnen. Da gibt es keinerlei Bruch, keine kritische Einordnung, nur ein paar Alibi-Dokumente und Videos, die gerade so einen Zeitbezug herstellen &#8211; der Titel der Ausstellung, &#8222;Die Sch\u00f6ne und das Biest&#8220;, macht klar, dass es hier um eine Affirmation der Frauendarstellungen geht. Die Ausstellung ist ein Tiefpunkt des ohnehin oft unkritischen Umgangs mit Bildern in der Kunstwelt und l\u00e4sst schon wieder die Frage relevant werden, wozu wir eigentlich Museen brauchen. Durch die traditionelle H\u00e4ngung und Pr\u00e4sentation wird den M\u00e4nner-K\u00fcnstlern und ihrem Frauenbild Geltung verschafft, die Bilder werden im Wert steigen, wovon nicht nur M\u00fcller-Sammler_innen, sondern auch Sammler_innen anderer Nazikunst profitieren und mit dem Katalog gibt es eine weitere pseudokritische Publikation in den Regalen der kunsthistorischen Bibliotheken. Man w\u00fcnscht sich angesichts der Ausstellung \u00fcberholt geglaubte Performance &#8211; Interventionen feministischer K\u00fcnstlerinnen und Aktivistinnen aus den 1970er Jahren zur\u00fcck. Denn es wird nicht mal versucht, zu verschleiern, dass es sich um eine Ausstellung von M\u00e4nnern f\u00fcr M\u00e4nner handelt. Diese Zeitreise hinter alle errungenen Standards l\u00e4sst sogar die informelle Kunst der BRD der 1950er Jahre sympathisch erscheinen, die die Gegenst\u00e4ndlichkeit gemieden hat wie der Teufel das Weihwasser. Warum diese Abneigung gegen gegenst\u00e4ndliche Malerei einen durchaus sinnvollen Aspekt hatte, das zeigt \u201eDie Sch\u00f6ne und das Biest\u201c. \u201eIt never rains in California\u201c, so der Direktor des Hauses \u00fcber Mel Ramos\u00b4Arbeiten \u2013 im politischen und historischen Bewusstsein der Kuratoren scheint offenbar ebenfalls immer die Sonne. <\/p>\n<p>(1) Bei M\u00fcller handelt es sich keinesfalls nur um einen angepassten K\u00fcnstler, sondern um eine einflussreiche Pers\u00f6nlichkeit der kulturellen Gesellschaft. 1933 wurde er zum Direktor der Akademie in Dresden gew\u00e4hlt und nutze seine Position, um Otto Dix von der Schule zu werfen. Als Antisemit und v\u00f6lkischer Kunstlehrer und Publizist propagierte auf verschiedenen Wegen den \u201eVerfall deutscher Kunst\u201c durch den Expressionismus. Christoph Zuschlag, der Experte f\u00fcr das Thema \u201eEntartete Kunst\u201c, findet klare Worte \u00fcber M\u00fcller: &#8222;Er hat kr\u00e4ftig profitiert und andere ans Messer geliefert.&#8220; (nach J\u00fcrgen Kleindienst: Ein heikler Dreier. Mel Ramos, Richard M\u00fcller und Wolfgang Joop im Bildermuseum. Leipziger Volkszeitung vom 11.10.2013)<br \/>\n(2) \u201eEs geht ja darum, inwieweit sich die weibliche Libido auf das Animalische bezieht.\u201c zit. nach dpa\/Schau! Die Leipziger Museumszeitung vom 21.10.2013<br \/>\n(3) Auf einem einzigen Gem\u00e4lde von Mel Ramos ist eine schwarze Frau zu sehen, die als Sklavin einer nackten Wei\u00dfen auftritt, und als einzige Vertreterin des Bildpersonals bekleidet ist. Dieses Bild ist eine Hommage an Manets \u201eOlympia\u201c, das in die amerikanische Gegenwart \u00fcbertragen mehr als fragw\u00fcrdig ist.<br \/>\n(4)  Mel Ramos: &#8222;I tend to get the most flack from women who have flaws, who as I see it have visual flaws. Women who have, as I said, no flaws seem to enjoy my work.\u201c Paul Karlstrom interviewte Mel Ramos 1981 f\u00fcr Archive of American Art.<br \/>\n(5) Joop steuert f\u00fcr den Ausstellungskatalog einen Text mit dem Titel \u201eProfessor Richard M\u00fcller \u2013 Ausgrenzer und Ausgegrenzter!\u201c bei. Die naive Verdrehung der Geschichte wird hier schon durch die von Joops Wunschdenken produzierten Widerspr\u00fcche offenbar: \u201eAls Mensch und als K\u00fcnstler ist Richard M\u00fcller geradlinig seinen Weg gegangen. Diese Geradlinigkeit hat ihn politisch und k\u00fcnstlerisch ins Abseits gef\u00fchrt und der Willk\u00fcr der jeweiligen Zeit und deren Protagonisten ausgeliefert.\u201c Wolfgang Joop In: Die Sch\u00f6ne und das Biest. Leipzig 2013, S.101 ff.<br \/>\n(6)  So die Homepage des MdbK zur Ausstellung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Ausstellung im Leipziger Museum der bildenden K&uuml;nste vereint Nazi-&Auml;sthetik mit plattem Sexismus. 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