{"id":43701,"date":"2017-07-31T15:15:01","date_gmt":"2017-07-31T14:15:01","guid":{"rendered":"http:\/\/evibes.org\/?p=76173"},"modified":"2017-07-31T15:15:01","modified_gmt":"2017-07-31T14:15:01","slug":"von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2017\/07\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/","title":{"rendered":"Von Scheiterhaufen zu Scheiterhaufen \u2013 eine erg\u00e4nzende Darstellung zum Text \u201cInquisition auf dem e*camp 2013\u201d"},"content":{"rendered":"<p>In dem Anfang 2017 erschienenen Sammelband &#8220;Beissreflexe&#8221; wird im Beitrag &#8220;Inquisition auf dem e*camp 2013 &#8211; Ein Protokoll&#8221; geschildert, wie das Camp bzw. die sogenannte Awarenessstruktur des Camps mit zwei Konflikten und den darin verwickelten Personen umging. Der Text ist in einem extrem suggestiven Stil geschrieben und durch viele wesentliche Auslassungen gekennzeichnet. Wir werden dort adressiert und m\u00f6chten daher einige Punkte de<sup>1<\/sup>s &#8220;Protokolls&#8221; erg\u00e4nzen bzw. unsere Sicht auf einen Teil der Geschehnisse darstellen.<\/p>\n<p>Wenn der Anspruch des Buches ernst gemeint ist, feministische Praxen produktiv zu kritisieren &#8211; wovon wir ausgehen &#8211; dann ist es unseres Erachtens kontraproduktiv, in der Darstellung der Auseinandersetzung alle Aspekte auszusparen, die nicht in das vorgefertigte Bild passen &#8211; wie in diesem Text geschehen. Auch wir kritisieren immer wieder problematische Praxen und nehmen uns dabei nicht aus. So hoffen wir unsere eigene Praxis weiterzuentwickeln. Darum ver\u00f6ffentlichen wir hier auch Ergebnisse unserer Nachbereitung des e*camps.<\/p>\n<p>Wir, das sind e*space, eine Interessiertengruppe innerhalb der (queer-)feministischen und sexismuskritischen Gruppe &#8220;e*vibes &#8211; f\u00fcr eine emanzipatorische praxis&#8221;. Wir setzen uns mit emanzipatorischen M\u00f6glichkeiten zum Umgang mit Diskriminierung und Gewalt auseinander. Wir haben uns vor vier Jahren, im Vorfeld des &#8220;e*camp &#8211; gegen kapitalismus und sein geschlechterverh\u00e4ltnis&#8221;, Gedanken zum Umgang miteinander auf dem Camp gemacht und dazu, unter selbigem Titel, <a href=\"http:\/\/ecamp.blogsport.de\/infos-von-a-z\/#az-umgang-miteinander\">einen Text<\/a> verfasst. Die Ideen und Inhalte des Textes wurden in einer \u00f6ffentlichen Diskussion und einem allen Interessierten zug\u00e4nglichen Livepad gesammelt, besprochen und grob vorformuliert. In diese Vorbereitungen sind auch unsere <a href=\"http:\/\/evibes.blogsport.de\/2012\/07\/19\/auswertung-des-themenabends-sexismuskritische-praxis-im-diskurs\/\"> Reflexionen<\/a> aus vergangenen Erfahrungen mit sogenannten Awareness-Strukturen <a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> eingeflossen. Unser erkl\u00e4rter Anspruch war dabei von Anfang an, ansprechbar, so transparent wie m\u00f6glich und offen f\u00fcr Kritik zu agieren.<\/p>\n<p>Auf dem Camp selbst war ein Teil von uns in diese Awarenessstruktur involviert. Der Rest des Teams bestand aus Personen, die sich bereits vor und zu Beginn des Camps daf\u00fcr interessiert hatten, sich dann vor Ort zusammenfanden und ein gemeinsames Vorgehen diskutierten. Auch auf den ersten beiden Plena des Camps wurden diese \u00dcberlegungen vorgestellt und eingeladen, sich zu beteiligen.<br \/>\nObwohl wir, e*space, also nicht DIE &#8216;Awarenessgruppe&#8217; waren, hatten wir einen gro\u00dfen Einfluss auf ihren Ansatz und die Inhalte.<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wir waren auch diejenigen, die im Nachgang des Camps die von Anonyma beil\u00e4ufig erw\u00e4hnten Briefe schrieben und sowohl ihr als auch Lukas zukommen lie\u00dfen. Diese waren das Ergebnis einer detaillierten Reflexion der Geschehnisse in kleinerer Runde. In diesen Briefen haben wir uns sowohl nochmal kritisch zu ihrer beidem Verhalten, als auch zu dem Vorgehen der Awarenesstruktur ge\u00e4u\u00dfert. Die Briefe wurden im M\u00e4rz 2014 verschickt, also ca. neun Monate nach dem Camp. Den Brief an Anonyma ver\u00f6ffentlichen wir zusammen mit dieser Stellungnahme in anonymisierter Form.<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>&#8220;weil wir was tun wollen, aber nicht an einer falschen stelle. weil wir woanders hin wollen, aber nicht in eine falsche richtung.&#8221; (aus der <a href=\"http:\/\/ecamp.blogsport.de\/ueber-uns\/\">Ank\u00fcndigung<\/a> des Camps)<\/strong><\/p>\n<p>So. Bevor wir uns den Geschehnissen auf dem Camp widmen, folgende Selbstverst\u00e4ndlichkeit vorweg: Unser Ausgangspunkt f\u00fcr die damalige Diskussion zum &#8220;Umgang Miteinander&#8221; und nun auch f\u00fcr diesen Text, ist die Tatsache, dass auch auf linken, feministischen, kritischen, emanzipatorischen Veranstaltungen Diskriminierung stattfindet und pers\u00f6nliche Grenzen \u00fcberschritten werden. Das ist allt\u00e4gliche Praxis in unserer Gesellschaft und niemand von uns steht au\u00dferhalb dieser. Deshalb m\u00fcssen wir uns damit auseinandersetzen, wie mit solchen Situationen angemessen umgegangen werden soll. Das f\u00fchrt nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer sinnvollen Praxis, sich der Frage jedoch nicht zu stellen, ist keine Alternative.<\/p>\n<p>Emanzipatorische Praxen zu entwickeln ist ein Prozess, in dem man sich immer wieder mit dem eigenen Handeln auseinandersetzen muss. Das haben wir auch nach dem Camp getan und an Anonyma den untenstehenden Brief geschickt (an Lukas einen \u00e4hnlichen). Die Briefe waren kein erzwungenes Ergebnis einer uns von au\u00dfen zugetragenen Kritik. Wir haben weder davor noch danach eine R\u00fcckmeldung bekommen, dass da was schei\u00dfe gelaufen sei. Sie waren Ergebnis eines von uns selbst als wichtig erachteten Reflexionsprozesses, der unserem Anspruch nach zu emanzipatorischer Praxis dazugeh\u00f6rt.<br \/>\nUnser Austauschangebot wurde damals nicht angenommen, was f\u00fcr uns auch okay war. Nun ist es interessant, drei Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr etwas kritisiert zu werden, an dem man schon lange weiter gemacht, gedacht, Konsequenzen gezogen \u2013 und f\u00fcr das man sich bei den Beteiligten entschuldigt hat. Unsere Positionen \u2013 die \u00f6ffentlichen und die aus dem Brief \u2013 werden schlicht ausgespart, was schade ist, denn so kann die Diskussion nicht vorankommen.<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Es wirkt auf uns so, als ob die &#8216;Awareness-Struktur&#8217; des e*camps hier als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr alles herhalten muss, was \u2013 tats\u00e4chlich \u2013 was in Bezug auf Awareness- bzw. Unterst\u00fctzungsarbeit kritisch diskutiert werden muss.<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage ist eine Diskussion nicht m\u00f6glich, denn das &#8220;Protokoll&#8221; l\u00e4sst keine Erwiderung zu, die nicht wieder als &#8220;Bei\u00dfreflex&#8221; abgetan werden kann. Es ist damit keine Kritik, sondern eine Abrechnung, die keine Auseinandersetzung und keine Rehabilitation zul\u00e4sst. In unserer Arbeit setzen wir auf Selbstreflexion, Kritikf\u00e4higkeit, Einsicht, Entschuldigung und Diskussionsbereitschaft, wir haben uns erkl\u00e4rt und Austausch angeboten.<\/p>\n<p>Angesichts dessen, dass wir nie eine Antwort, nun aber einen undifferenzierten Text dazu bekommen haben, m\u00fcssen wir davon ausgehen, dass Anonyma nicht an einer Verst\u00e4ndigung mit uns interessiert ist, sondern es ihr schlicht darum geht, e*vibes bzw das e*camp stellvertretend f\u00fcr alle im Buch besprochenen queerfeministischen Praxen zu diskreditieren.<\/p>\n<p>Der Text l\u00f6st sein Versprechen, ein Protokoll abzubilden, nicht ein. Hinter dem kritischen Anstrich k\u00f6nnen wir keinen emanzipatorischen Anspruch ausmachen, geschweige denn eine solidarische Kritik erkennen. Anonyma verf\u00e4llt mit ihrer selektiven und pauschalisierenden Darstellung selbst in einen Debattenstil, der in den sp\u00e4teren Kapiteln des Buches mal mehr, mal weniger treffend kritisiert wird. Dabei verfehlt sie nicht nur die tats\u00e4chlich problematischen Aspekte des Umgangs mit ihr auf dem e*camp \u2013 was verschmerzbar w\u00e4re, da es ja Bem\u00fchungen um deren Aufarbeitung gab \u2013 sondern verunm\u00f6glicht auch eine (selbst-)kritische Debatte \u00fcber Awarenesstrukturen und Unterst\u00fctzungsarbeit in linken Kontexten generell, f\u00fcr die &#8220;Bei\u00dfreflexe&#8221; einen neuen Ansto\u00df h\u00e4tte geben k\u00f6nnen.<br \/>\nEs h\u00e4tte dem Buch gut getan, nicht mit diesem Text zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p><strong>Here we go! &#8211; Das Camp<\/strong><\/p>\n<p>Das &#8220;<a href=\"http:\/\/ecamp.blogsport.de\/programm\/\">e*camp<\/a> &#8211; gegen kapitalismus und sein geschlechterverh\u00e4ltnis&#8221; lief vom 06. &#8211; 11. Juni 2013. Inhaltliches Programm gab es vom Nachmittag des 07. bis zum Nachmittag des 10. Juni. Das Camp fand auf Burg Lohra [http:\/\/www.openhouses.de\/AusgewaehlteOrte\/BurgLohra] und dem dazugeh\u00f6rigen &#8220;Jugendfreizeitheim&#8221; &#x1f642; bzw. den angrenzenden Wiesen in Th\u00fcringen statt.<br \/>\nDas Camp war kein &#8220;Theoriecamp&#8221;, sondern ein Versuch, Theorie und lockeres Rumh\u00e4ngen zu kombinieren. Dazu geh\u00f6rte f\u00fcr uns auch die M\u00f6glichkeit, zu tanzen. Schon lange vorher hatten wir angek\u00fcndigt, dass es deshalb ein Soundsystem geben wird und dass Leute auch gern selbst dort Musik (ab)spielen k\u00f6nnen. Die im folgenden dargestellten Konflikte kamen am Samstag, den 08. Juni, auf und gipfelten in einem Campverweis f\u00fcr zwei Personen am 09.Juni. Wir beschreiben das so genau, weil es bei Anonyma so klingt, als h\u00e4tte das Ganze auf engstem Raum stattgefunden, und als w\u00e4re das Camp sehr lange gegangen und sie h\u00e4tte nur sehr kurz teilnehmen k\u00f6nnen.<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wir werden nun die Geschehnisse teilweise wiedergeben. Wir werden nicht zu jeder von Anonyma angesprochenen Situation nochmal unsere Wahrnehmung schildern. Die Einseitigkeit des Textes n\u00f6tigt uns allerdings dazu, einige Darstellungen zu erg\u00e4nzen, auch wenn das vielleicht zun\u00e4chst wie eine Aufbl\u00e4hung von Kleinigkeiten wirkt. Dies tun wir, um unser Handeln zu erkl\u00e4ren, und um eine treffendere Kritik und Weiterentwicklung feministischer Praxen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>1) Konflikt um die Beschallung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr uns begann alles am Samstag, den 08. Juni, mit der Information, dass Personen (Anonyma und Lukas) sich von der Musik gest\u00f6rt f\u00fchlten und diese dann versucht h\u00e4tten, das mit den Soundsystem-Menschen zu kl\u00e4ren, wobei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sei. Anonyma und Lukas waren daraufhin zur Camporga gegangen, hatten von der Auseinandersetzung berichtet und ihr Bed\u00fcrfnis nach mehr Ruhe ge\u00e4u\u00dfert. Die Camporga bezog Personen aus der Awarenessstruktur ein und erz\u00e4hlte ihnen von Lukas&#8217; und Anonymas Beschwerde.<br \/>\nBeide Strukturen sprachen anschlie\u00dfend mit Mitgliedern des Soundsystems und lie\u00dfen sich deren Sicht der Dinge schildern. Im Anschluss erarbeiteten sie einen Kompromissvorschlag und besprachen diesen sowohl mit den Soundsystem-Menschen als auch mit Anonyma und Lukas.<br \/>\nBeide Seiten stimmten dem Kompromiss zu. Er beinhaltete, dass w\u00e4hrend des Essens und nach 0 Uhr keine Musik gespielt werden w\u00fcrde. Desweiteren trug sich Anonyma auf der am Infopunkt aufgeh\u00e4ngten Liste f\u00fcr Auflege-Interessierte ein, um am n\u00e4chsten Tag selbst weniger basslastige Musik abzuspielen.<\/p>\n<p>Auf dem abendlichen Plenum wurde der Konflikt und die L\u00f6sung vorgestellt. Leider war die Reaktion auf dem Plenum anders als von uns erwartet. Wir gingen davon aus, eine gemeinsame L\u00f6sung gefunden zu haben. Jedoch \u00e4u\u00dferten Anonyma und Lukas lautstarken Unmut und bekundeten, dass sie nicht mit dem Vorschlag einverstanden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Anonyma hat, wie auch in ihrem Text behauptet, insofern Recht, dass der Kompromiss nicht gemeinsam mit ihr und Lukas erarbeitet wurde, sondern lediglich ein Vorschlag an sie war. Jedoch gab es ihrerseits keinen \u00c4nderungswunsch und sie stimmten zu. Im Gegenteil bedankten sich die beiden f\u00fcr unsere Vermittlung und dass wir diese Kl\u00e4rung herbeigef\u00fchrt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Es kam es zu einer teilweise hitzigen Diskussion auf dem Plenum und hier zeigte sich auch schon der zweite Konflikt, den wir in &#8220;2) Ein importierter Konflikt&#8221; n\u00e4her beschreiben werden. Der Musikkompromiss blieb bestehen und wurde vom Plenum nicht ge\u00e4ndert. Um jedoch Raum f\u00fcr weitere Diskussionen hierzu zu schaffen, luden wir zu einem moderierten Gespr\u00e4chskreis ein, der von Anonyma als &#8220;Inquisition im Stuhlkreis&#8221; beschrieben wurde. Dieser verlief definitiv nicht zielf\u00fchrend und es war eine emotional belastende Situation f\u00fcr viele der Anwesenden. Im Nachhinein betrachtet h\u00e4tten wir ihn mindestens besser moderieren und gegebenenfalls auch eher beenden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch im Anschluss an das Gespr\u00e4ch blieb der im Vorfeld erarbeitete Musikkompromiss erhalten. Trotzdem blieb die Musik ein viel diskutiertes Thema auf dem Camp. Am folgenden Tag, Sonntag der 09. Juni, legte Anonyma dann selbst auf. Au\u00dferdem tauchte an der \u00f6ffentlichen Feedbackwand ein Zettel auf, auf dem sich extrem abf\u00e4llig \u00fcber die Menschen am Soundsystem ge\u00e4u\u00dfert wurde. Diesen schrieben wir (m\u00f6glicherweise eine Unterstellung) auch Anonyma zu.<\/p>\n<p><strong>2) Ein importierter Konflikt<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Konflikt begann f\u00fcr uns auf dem Samstagsplenum. Wie schon erw\u00e4hnt kam es w\u00e4hrend dieses Plenums zu Diskussionen \u00fcber die Musik und w\u00e4hrend dieser Diskussion \u00e4u\u00dferte sich auch eine bis dato unbeteiligte Person, Johanna<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a>, zu dem Thema. Johannas Beitrag wurde von Lukas und weiteren Personen aus Anonymas Umfeld abf\u00e4llig kommentiert. Johanna empfand diese Kommentare als pers\u00f6nlichen Angriff.<\/p>\n<p>Kurz zum Hintergrund: Bereits vor dem Camp gab es ungekl\u00e4rte Konflikte zwischen Lukas und ihr. In ihrer beider Herkunftsstadt wurde wie \u00fcberall \u00fcber richtige und falsche Formen emanzipatorischer Politik gestritten. Diese Auseinandersetzung wurde dort jedoch schon l\u00e4nger auch auf pers\u00f6nlicher Ebene ausgetragen. Uns war diese Vorgeschichte bis dahin weitestgehend unbekannt. Zudem geh\u00f6rte Johanna anfangs zur Awarenessstruktur des Camps und war eng mit einzelnen Orgamitgliedern befreundet.<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Johanna nahm nach diesem Vorfall die Sache selbst in die Hand. Sie suchte sich Freund_innen au\u00dferhalb der Awarenessstruktur als Unterst\u00fctzer_innen, kl\u00e4rte mit ihnen ihre Wahrnehmungen und Bed\u00fcrfnisse und formulierte eine klare Forderung: Lukas und sie sollten sich den Rest des Camps aus dem Weg gehen und sich gegenseitig nicht direkt ansprechen. Aus unserer Sicht ist eine solche Forderung heute wie damals legitim und nicht zu viel verlangt. Die drei Unterst\u00fctzer_innen baten Lukas daraufhin am n\u00e4chsten Morgen zum Gespr\u00e4ch und erkl\u00e4rten ihm Johannas Forderung. Anonyma bekam das Gespr\u00e4ch mit und intervenierte. Daraufhin wurde ihr mitgeteilt, dass Johannas Forderung auch f\u00fcr sie gelte. Leider kennen wir diese Situation nur aus verschiedenen Erz\u00e4hlungen. Auch scheinen Johannas Unterst\u00fctzer_innen konfrontativ in das Gespr\u00e4ch eingestiegen zu sein. Wir als Struktur erfuhren erst einige Zeit sp\u00e4ter von alledem, n\u00e4mlich indem Lukas bei uns Unterst\u00fctzung suchte und wir uns daraufhin mit den Hintergr\u00fcnden des Gesuchs auseinandersetzten.<br \/>\nIm Nachinhein betrachtet h\u00e4tten wir es sinnvoller gefunden, als Awarenessstruktur fr\u00fcher einbezogen worden zu sein, um Johannas Forderung mit weniger pers\u00f6nlichen Vorbelastungen an Lukas kommunizieren zu k\u00f6nnen. Trotzdem muss sp\u00e4testens an dieser Stelle Lukas und Anonyma klar gewesen sein, wie aufgeladen die Situation bereits war. Dies war zumindest unsere Annahme. Hier m\u00fcssen wir uns nat\u00fcrlich auch fragen, ob man etwas annehmen kann und ob dass dann bedeutet, dass man es vorraussetzt. Wahrscheinlich w\u00e4re ein genaueres Nachfragen und Festhalten, wie aufgeheizt die Situation f\u00fcr uns zu sein scheint \u2013 und damit ein Abgleich zu ihren Wahrnehmungen \u2013 besser gewesen.<\/p>\n<p>Gut \u2013 wir gingen also davon aus, dass es ein Bewusstsein bei Anonyma und Lukas \u00fcber die Angespanntheit der Situation gab. Aus unserer Sicht l\u00f6ste das seitens Anonyma keine Sensibilit\u00e4t aus, sondern Konfrontation. Sonntag morgen traf Anonyma in der K\u00fcche auf Johanna und eine ihrer Unterst\u00fctzerinnen. Statt Johannas Forderung zu entsprechen und einfach weiter ihr Ding zu machen, wollte sie Johanna \u2013 wie sie selbst in ihrem Text schreibt \u2013 konfrontieren. Sie fixierte sie mit den Augen durch ihre Sonnenbrille hindurch. Der Aufforderung die Sonnenbrille abzunehmen und das Fixieren zu unterlassen kam sie nicht nach, so dass Johanna und ihre Unterst\u00fctzer_in die K\u00fcche wieder verlie\u00dfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Johanna brachte dieser Vorfall das Fass zum \u00dcberlaufen. Ihr Vorschlag, trotz der Probleme nebeneinander auf dem Camp zu sein, indem man sich aus dem Weg geht, war ab diesem Moment pass\u00e9. Sie schloss sich in eines der von der Orga zur Verf\u00fcgung gestellten Schlafzimmer ein und kommunizierte nur noch mit ihren Unterst\u00fctzerinnen.<\/p>\n<p>An diesem Punkt landete der gesamte Konflikt wieder bei uns in der Awarenessstruktur. Wir riefen eilig ein Krisentreffen zusammen, an dem sich auch Menschen aus der Camporga beteiligten. F\u00fcr uns war schnell klar, dass es nicht tragbar ist, dass Johanna sich auf dem Zimmer einschlie\u00dfen muss, um Anonyma und Lukas nicht mehr begegnen zu m\u00fcssen. Die Situation in der K\u00fcche war ein bewusster Bruch von Johannas Forderung, wie auch aus Anonymas Protokoll hervorgeht. Ohne dass Johanna einen expliziten Wunsch ge\u00e4u\u00dfert hatte, entschieden wir uns an dieser Stelle, Lukas und Anonyma des Camps zu verweisen.<a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch der Rauswurf selbst ist aus unserer Sicht nicht optimal gelaufen.<br \/>\nWir waren nicht sicher, ob Anonyma und Lukas k\u00f6rperlich aggressiv auf die Ansage reagieren w\u00fcrden. Deshalb sind wir in je einem Team von mehreren Menschen auf sie zugekommen. Dass dies als Einsch\u00fcchterungsversuch verstanden werden kann, ist nachvollziehbar \u2013 wir hatten schlicht keine bessere L\u00f6sung f\u00fcr unser Sicherheitsbed\u00fcrfnis parat.<\/p>\n<p><strong>Scheiternd schreiten wir voran..<\/strong><\/p>\n<p>Letztlich hatten wir also auch gute Gr\u00fcnde f\u00fcr unser Handeln, auch wenn autorit\u00e4re Strafbed\u00fcrfnisse die Entscheidung mit beeinflusst haben. Letzteres haben wir r\u00fcckblickend sogar explizit in unseren Briefen an Anonyma und Lukas problematisiert. Die relevante Frage, die sich f\u00fcr uns an diesen Vorfall anschlie\u00dft, ist folgende: Warum ist es trotz unserer Reflexionen \u00fcber Macht und Machtmissbrauch solcher Strukturen im Vorfeld am Ende so gelaufen? Welche Mechanismen m\u00fcssen etabliert werden, um so etwas zu verhindern?<\/p>\n<p>Ein Teil der Antwort ist sicherlich, diese Probleme gemeinsam und \u00f6ffentlich zu diskutieren. Die Diskussion ist mit dem Buch er\u00f6ffnet, jetzt muss sie noch auf eine solidarische gemeinsame Basis gestellt werden, in der aus Kritik auch eine bessere Praxis entwickelt werden kann.<br \/>\nWir sind weiterhin bereit.<\/p>\n<p>Gr\u00fc\u00dfe vom scheiternden Haufen!<br \/>\ne*space<\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<p>Es folgt nun der Brief an Anonyma von 2014:<\/p>\n<p>Hallo Anonyma,<br \/>\nhier schreiben dir ein paar Leute aus der Awareness-Struktur des e*camp.<\/p>\n<p>Es tut uns (1) leid, dass unsere R\u00fcckmeldung bez\u00fcglich des Camps so unglaublich lange auf sich<br \/>\nwarten lie\u00df. Hoffentlich ist es auch f\u00fcr dich so immer noch besser als gar nichts zu bekommen.<\/p>\n<p>Im Anschluss an das Camp hat uns dein und Lukas Rausschmiss noch viel besch\u00e4ftigt. Wir<br \/>\nm\u00f6chten dich hiermit an unserem Prozess teilhaben lassen, indem wir dir mitteilen, wie wir unser<br \/>\nHandeln heute beurteilen und welche Schl\u00fcsse wir daraus gezogen haben.<\/p>\n<p>Zur allgemeinen Einordnung:<br \/>\nWir haben uns schon seit einer ganzen Weile davon losgesagt, dass aus der Definition einer<br \/>\nSituation irgendwelche Handlungsanweisungen resultieren w\u00fcrden und daher auch davon, dass es<br \/>\ndiesbez\u00fcglich auf eine Definition, einen Namen f\u00fcr die Situation, ank\u00e4me. Gibt es eine f\u00fcr irgendwen unangenehme Situation, so ist die Frage: (Wie) K\u00f6nnen wir diese (als Besondere) zum Besseren ver\u00e4ndern? Und dabei ist uns wichtig, den Personen, denen es mit irgendwas schlecht geht, nicht ihre Gef\u00fchle abzusprechen. Au\u00dferdem ist uns grunds\u00e4tzlich wichtig, parteilich mit von Diskriminierung und Gewalt Betroffenen zu sein. Das hei\u00dft ja nicht, alle ge\u00e4u\u00dferten W\u00fcnsche auch umzusetzen. Heute sind wir uns zudem viel mehr der Problematik bewusst, dass zwischen Menschen die Rollen &#8220;Aus\u00fcbende_r&#8221; und &#8220;Betroffene_r&#8221; von Gewalt abwechseln k\u00f6nnen und wie unm\u00f6glich es in vielen F\u00e4llen ist, festzustellen, wen man in einer konkreten Situation nun parteilich unterst\u00fctzen sollte. Dar\u00fcber, wie auf dies oder jenes (nicht) zu reagieren w\u00e4re, haben wir uns im Vorfeld des Camps viele Gedanken gemacht. Ebenso dar\u00fcber, welche Strukturen geschaffen bzw. Absprachen getroffen werden k\u00f6nnten, die einerseits erm\u00f6glichen, handlungs- \/entscheidungsf\u00e4hig zu sein, andererseits Willk\u00fcr zu minimieren.(2)<br \/>\nUnsere Anspr\u00fcche dabei sind zum Teil gescheitert, jedoch sind wir auch nicht mit allem<br \/>\nunzufrieden. Gerne m\u00f6chten wir hier die Chance nutzen dir unsern Blickwinkel auf das Vorgehen<br \/>\nvon uns als Teil der Awarenssgruppe und dein Verhalten zu erl\u00e4utern. Ansonsten hier nur die Schlussfolgerung aus unseren nachbereitenden Diskussionen: Es gab wiederholt Verhalten\/Auftreten von dir, das aus unserer Sicht problematisch war und das mehrere Menschen als respektlos bis angsteinfl\u00f6\u00dfend wahrnahmen bzw. beschrieben. Die Situation war aufgeheizt.<br \/>\nAus unserer heutigen Sichtweise sehen wir den Campverweis dir gegen\u00fcber als nicht gerechtfertigt<br \/>\nan. Dich an diesem Punkt des Camps zu verweisen, beruhte auf der Einsch\u00e4tzung, dass du bewusst<br \/>\ngrenzverletzend handeltest, und teilweise auf Des- oder Fehlinformation. Dass dies dennoch auf<br \/>\ndiese Weise geschehen ist, tut uns leid.<br \/>\nDas wollten wir sagen, aber dir zudem auch das Problematische deines Verhaltens erl\u00e4utern, das auch seinen Anteil daran hatte, wie die Situation verlief.(3) Es muss in Zukunft \u00fcberlegt werden, wie solche \u00fcberst\u00fcrzten Situationen &#8216;gebremst&#8217; werden k\u00f6nnen. Es muss \u00fcberlegt werden, ob diese Art Herangehensweise an Zwischenmenschliches grunds\u00e4tzlich falsch ist. Es muss sich was Besseres \u00fcberlegt werden. Wir versuchen, einen Teil dazu beizutragen. Vielleicht kommen wir ja irgendwann auch mit dir dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch &#8211; wie du willst.<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\ne*space<\/p>\n<p>P.S.: Was du wissen solltest: Diese Mail wie auch unsere gesamte Nachbereitung dazu wird den anderen am Awareness-Kram Beteiligten transparent gemacht, damit alle (nicht nur das o.g. &#8220;wir&#8221;) sich dar\u00fcber Gedanken machen k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlt auch Johanna.<\/p>\n<p>Details:<br \/>\nDie Awarenessstruktur bestand aus Leuten, die sich zum Teil erst auf dem Camp kennenlernten. Die Basis war der vorher von uns erarbeitete Text und unser Einf\u00fchrungstreffen, bei dem uns teilweise unbekannte Menschen hinzukamen. Die Anspr\u00fcche der &#8216;Hinzugekommenen&#8217; schienen grunds\u00e4tzlich zu unseren zu passen &#8211; jedoch lag in dem sich-nicht-Kennen und nicht-dieselben-Fragengemeinsam- diskutiert-haben sicher auch ein Teil des Problems. Wir selbst waren gr\u00f6\u00dftenteils gleichzeitig (oder stattdessen) mit Orgakram besch\u00e4ftigt. Dies war also wohl das gr\u00f6\u00dfere Problem: unsere eigene \u00dcberlastung und das dadurch beschr\u00e4nkte Blickfeld. Daher m\u00f6chten wir nun einen kurzen \u00dcberblick geben \u00fcber unsere Sicht auf die Geschehnisse, inklusive dem was bei uns weniger gut bzw. schlecht lief, um dann am Ende nochmal auf unsere Kritik an deinem Verhalten einzugehen:<\/p>\n<p>1. Konflikt zwischen dir, Lukas und anderen Personen\/Parteien \u00fcber die Musikwahl, -abspielm\u00f6glichkeit und ihre Lautst\u00e4rke. Nachher weitergehender Konflikt auf\/nach dem Plenum (Thema Musikkonflikt): Aussage von Lukas und dir, auf dem Plenum, dass kein Kompromiss gefunden worden w\u00e4re. Darstellung; euch als Kritiker_innen werde nicht zugeh\u00f6rt\/eure Bed\u00fcrfnisse w\u00fcrden nicht wahr-genommen.<br \/>\n* problematisch: Dies hatte zwar nicht direkt mit dem danach Geschehenen zu tun, f\u00fchrte<br \/>\naber bereits zu einer negativ voreingenommenen Grundeinstellung gegen\u00fcber deiner Person.<\/p>\n<p>2. Anwesenheit von dir, w\u00e4hrend Lukas von Johannas &#8216;Unterst\u00fctzer_innen&#8217; mitgeteilt wird, dass Johanna keinen Kontakt bzw. ein gegenseitiges &#8220;sich in Ruhe lassen&#8221; w\u00fcnscht<br \/>\n* dir d\u00fcrfte nun eigentlich deutlich geworden sein, dass die Situation sehr aufgeladen ist und<br \/>\ndementsprechend sensibel gehandelt werden sollte.<br \/>\n* probl.: Absprache seitens der Vier mit der Awarenessstruktur fehlte<br \/>\n* probl.: es gab evtl. nie eine klare Aussage, was sich Johanna eigentlich von dir w\u00fcnscht, evtl wurdest du nur &#8216;mitgemeint&#8217;<br \/>\n* probl.: Ineinssetzung von Lukas und dir (eigentlich durchg\u00e4ngig)<\/p>\n<p>3. Situation in der K\u00fcche. Du f\u00fcllst deine Wasserflasche auf. Dabei begegnest du Johanna und einer ihrer n\u00e4heren Bezugspersonen. Diese f\u00fchlen sich von dir beobachtet und fordern dich auf<br \/>\nwegzuschauen. Du kommst diesem Wunsch nicht nach, sondern kommentierst die Situation schnippisch bis sp\u00f6ttisch.<br \/>\nVermutlich konntest du die Forderung nicht nachvollziehen, aber die Frage ist, ob deine<br \/>\nReaktion so sein musste oder ob nicht eine andere Reaktion angemessener gewesen w\u00e4re..<br \/>\nAufgrund deines Wissens um die Sensibilit\u00e4t der Situation von Johanna kann das als bewusste<br \/>\nVerletzung angesehen werden. (Derartiges ging von Lukas nicht aus, deshalb war sein Rauswurf noch haltloser.)<br \/>\n* probl.: m\u00f6glicherweise wusstest du doch nicht, wie schlecht es Johanna mit der Situation geht,<br \/>\nwurde aber von uns angenommen (mindestens wegen Anwesenheit bei 2.)<br \/>\n* probl.: unsererseits keine Kommunikation mit dir<\/p>\n<p>4. Frage nach Rauswurf wird im Awarenesszelt diskutiert<br \/>\nAnwesende: Awarenessgruppe und nochmal extra Personen der Orga<br \/>\n* probl.: Keine ruhige Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re, Zeitdruck (&#8216;es geht jemandem schlecht, ergo<br \/>\nwir m\u00fcssen schnell irgendwas tun&#8217; UND &#8216;wir haben eigentlich keine Zeit, hier zu sitzen&#8217;)<br \/>\n* probl.: Kein Gespr\u00e4ch mehr (bzw. R\u00fcckfrage an Johanna) bez\u00fcglich ihrer W\u00fcnsche den<br \/>\nUmgang mit der Situation<br \/>\n* probl.\/peinlich: Im Nachhinein unterschiedliche, schlimme Begr\u00fcndungen des Rauswurf-<br \/>\nZeitpunkts (Problem soll abgeschlossen sein; Strafe; Solidarit\u00e4tsbekundung an Johanna durch<br \/>\nschnellen Rausschmiss, bevor ihr selbst fahrt; Awareness-Leute wollen selbst zum n\u00e4chsten<br \/>\nVortrag)<\/p>\n<p>5. Rauswurf<br \/>\n* probl.: du fandest eine der Personen die dir die Entscheidung \u00fcbermittelt hat &#8220;aggressiv&#8221;<br \/>\nund &#8220;antiemanzipatorisch&#8221;; wir sind da nicht genug (auch im Nachhinein) drauf eingegangen<br \/>\n* probl.: Gespr\u00e4chsform und -zeitpunkt nicht mit dir abgestimmt (du w\u00fcnschtest es sp\u00e4ter<br \/>\nund in anderem Rahmen)<\/p>\n<p>6. Im Nachinein kam raus: Niemand(!) hat explizit einen &#8220;Rauswurf&#8221; gefordert.<br \/>\n* probl.: verworrene Kommunikation und Verselbst\u00e4ndigung des Prozesses. Passiert sehr oft<\/p>\n<p>Im Zuge der Anwendung von Awarenesskonzepten und ist etwas, das wir unbedingt vermeiden wollten Allgemein entstand f\u00fcr uns der Eindruck (Vorsicht, Unterstellungen!), du w\u00fcrdest auf dem Camp gezielt Grenzen strapazieren wollen. Wie weit kann ich gehen, bis die repressive Awareness- Struktur mein Verhalten einschr\u00e4nkt? Leute, f\u00fcr die Gef\u00fchle Argumente sind, brauche ich eh nicht ernst zu nehmen. Mal sehen, ob ich sie mit verbalen Provokationen aus der Reserve locken kann. Dass ich sie am Ende verurteile, wei\u00df ich sowieso schon.<\/p>\n<p>In deiner Kommunikation gab es ein Hin- und Herpendeln zwischen Verst\u00e4ndnis, Einsehen und Zugest\u00e4ndnis auf der einen Seite und verbal aggressivem Auftreten auf der Anderen, was uns die Einsch\u00e4tzung erschwert hat, ob wir einen konstruktiven Dialog mit dir zu den genannten Punkten h\u00e4tten (weiter-)f\u00fchren k\u00f6nnen. Zudem schien es zeitweise um eine (auch kollektive) Inszenierung als verhasste Kritiker_innen zu gehen. Jedoch: Allein aufgrund von Beschimpfung einer unan-greifbaren repressiven Wohlf\u00fchl-atmosph\u00e4re auf dem Camp, aufgrund von Kritik an (oder auch Meckern \u00fcber) Awarenesskonzepten oder Definitionsmacht oder identit\u00e4ren Haufen oder sonst was w\u00e4rst du nicht vom Camp geflogen. So viel ist klar. Kritik, auch unkonstruktive, ist wichtig und war auch auf dem Camp angebracht, warum nicht. Hier nun geht es um etwas anderes als Kritik-(er_innen)bek\u00e4mpfung. Es ist nicht alles darunter subsumierbar &#8211; lass dich mal bitte auf den Gedanken ein. (&#8230;w\u00e4hrend wir uns darauf einlassen, dass dies hier ein Versuch der Rechtfer-tigung unserer Kritikresistenz sein k\u00f6nnte). Individuelles Verhalten muss ja auch irgendwie kritisierbar sein. Wobei niemand leugnet, dass das in diesem Fall schlecht gelaufen ist.<\/p>\n<p>1 &#8220;Uns\/Wir&#8221; bedeutet in diesem Text: die Leute, die sich das &#8220;Umgang miteinander&#8221;-Konzept f\u00fcrs Camp haupts\u00e4chlich \u00fcberlegt, also die dann vorhandenen Strukturen angesto\u00dfen haben &#8211; &#8216;wir&#8217; sind also nicht identisch mit der Awarenessgruppe. (Ebenso sind wir nicht identisch mit der Gruppe e*vibes &#8211; es gibt allerdings gro\u00dfe personelle \u00dcberschneidung). Dennoch sehen wir uns als verantwortlich an.<br \/>\n2 zu den Vor\u00fcberlegungen siehe auch: &#8220;Umgang miteinander&#8221; http:\/\/ecamp.blogsport.de\/2013\/05\/16\/umgangmiteinander\/<br \/>\n3 Bei Lukas liegt die Sache etwas anders. Er bekommt auch eine Mail.<\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote1anc\">1<\/a> Aus unserer heutige Perspektive finden wir den Begriff Awarenessstruktur bzw. -gruppe oft ung\u00fcnstig gew\u00e4hlt, mit dem eine ganz bestimmte Vorstellung einhergeht. Meistens bezieht sich der Begriff auf Strukuren, die im Rahmen von Partys oder mehrt\u00e4gigen Veranstaltungen in einer feuerwehrartigen Struktur kurzfristig f\u00fcr Menschen da sind, deren pers\u00f6nliche Grenze(n) von einer anderen Person \u00fcberschritten wurden. Awareness bedeutet Aufmerksamkeit oder Sensibilisierung, in diesem Fall f\u00fcr Diskriminierung und die \u00dcberschreitung pers\u00f6nlicher Grenzen. Es geht daher nicht um einen bestimmten Katalog an Handlungsweisen und bezieht sich nicht nur auf das Thema sexualisierte Gewalt. Weil die Struktur auf dem e*camp so genannt wurde, werden wir im folgenden Text trotzdem \u00fcber die &#8220;Awarenessstruktur&#8221; sprechen.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote2anc\">2<\/a> Eine Frage, die man sich hier stellen kann, ist, ob die Awarenessstruktur des Camps aus Menschen bestehen musste die sich gr\u00f6\u00dftenteils nicht kannten und daher auch noch nie gemeinsam in Konflikt(l\u00f6sungs)situationen miteinander agiert haben. Nein, nat\u00fcrlich nicht &#8211; wir h\u00e4tten auch ein Konzept im Vorfeld aufstellen und dann umsetzen k\u00f6nnen. Zum einen h\u00e4tten wir das jedoch aus Kapazit\u00e4tsgr\u00fcnden (zu wenig Personen um die ganze Awarenessstruktur zu stellen) nicht leisten k\u00f6nnen und zum anderen wollten wir das auch nicht. Wir fanden und finden es wichtig, dass diese Struktur von den Teilnehmenden selbst gestemmt wird. Wir wollten und wollen keine Dienstleister_innen sein, die sowas f\u00fcr andere machen und auch nicht solche, die ein Konzept vorarbeiten und es dann anderen \u00fcberst\u00fclpen.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote3anc\">3<\/a> Das wirkt voll korinthenkackerinnenm\u00e4\u00dfig. Aber: Es gibt in Anonymas Text sehr viele dieser interessierten Ungenauigkeiten, die zusammengenommen das Gesamtbild verzerren, weshalb wir an einigen ausgew\u00e4hlten Stellen darauf hinweisen.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote4anc\">4<\/a> Das geht auch an Patsy L&#8217;Amour la Love als Herausgeber_in.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote3anc\">3<\/a> Das wirkt voll korinthenkackerinnenm\u00e4\u00dfig. Aber: Es gibt in Anonymas Text sehr viele dieser interessierten Ungenauigkeiten, die zusammengenommen das Gesamtbild verzerren, weshalb wir an einigen ausgew\u00e4hlten Stellen darauf hinweisen.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote5anc\">5<\/a> Alle Namen sind ge\u00e4ndert.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote6anc\">6<\/a> Wieso thematisieren wir das hier? Ganz einfach, es hat Einfluss. Auch wenn es in vielen F\u00e4llen nicht f\u00f6rderlich ist, k\u00f6nnen wir uns nicht davon freisprechen, dass wir unsere Freund_innen anders behandeln als Menschen, die wir nicht kennen oder mit denen diese Freund_innen vielleicht ein Problem haben. Wir haben versucht, den Einfluss dessen m\u00f6glichst gering zu halten, aber ganz ist uns dies nicht gelungen.]<\/p>\n<div id=\"sdfootnote7\"><a href=\"http:\/\/evibes.org\/2017\/07\/31\/von-scheiterhaufen-zu-scheiterhaufen-eine-ergaenzende-darstellung-zum-text-inquisition-auf-dem-ecamp-2013\/#sdfootnote7anc\">7<\/a> Einen Rauswurf vom Camp hatten wir uns als letztes Mittel vorbehalten und auch die Schwelle hierf\u00fcr \u00f6ffentlich formuliert: &#8220;Wenn Menschen sich allerdings grunds\u00e4tzlich gegen einen respektvollen Umgang miteinander wehren, werden wir sie des Camps verweisen.&#8221;<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem Anfang 2017 erschienenen Sammelband &ldquo;Beissreflexe&rdquo; wird im Beitrag &ldquo;Inquisition auf dem e*camp 2013 &ndash; Ein Protokoll&rdquo; geschildert, wie das Camp bzw. die sogenannte Awarenessstruktur des Camps mit zwei Konflikten und den darin verwickelten Personen umging. Der Text ist in einem extrem suggestiven Stil geschrieben und durch viele wesentliche Auslassungen gekennzeichnet. 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