{"id":43746,"date":"2017-09-05T20:37:57","date_gmt":"2017-09-05T19:37:57","guid":{"rendered":"http:\/\/evibes.org\/?p=76214"},"modified":"2018-12-07T17:15:46","modified_gmt":"2018-12-07T16:15:46","slug":"kundgebung-09-09-in-kassel-fuer-einen-radikalen-feminismus-keine-halben-sachen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2017\/09\/kundgebung-09-09-in-kassel-fuer-einen-radikalen-feminismus-keine-halben-sachen-2\/","title":{"rendered":"Kundgebung 09.09. in Kassel: F\u00fcr einen radikalen Feminismus. Keine halben Sachen."},"content":{"rendered":"<p>Das neu gegr\u00fcndete B\u00fcndnis <a href=\"https:\/\/feministdrift.org\/\"><strong>drift &#8211; feminist alliance for communism<\/strong><\/a> ruft zu einer wichtigen Kundgebung am 09. September in Kassel auf. Wir teilen hier den Aufruf &#8211; auch wenn ihr es nicht zur Kundgebung schafft lohnt sich die Lekt\u00fcre:<\/p>\n<p><b><br \/>\nF\u00fcr einen radikalen Feminismus.<br \/>\nKeine halben Sachen.<br \/>\nFight nationalism! Fight islamism!<\/b><\/p>\n<h4>Kassel \u2013 irgendwo in Deutschland, irgendwo in Europa.<\/h4>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/lisa2.blogsport.de\/images\/drift_01.png\" align=\"right\" \/>In Kassel findet derzeit zum 14. Mal die documenta statt. Obwohl es in der diesj\u00e4hrigen documenta viel um Rassismus und Sexismus geht, bleibt das politische Klima in der Stadt selbst f\u00fcr die BesucherInnen quasi unsichtbar: Der reibungslose Ausstellungsbesuch ist wichtiger als Stadtpolitik \u2013 daran \u00e4ndern auch Sparzierg\u00e4nge durch Kassel nichts, die erstmals Teil der documenta sind. Zwar thematisieren sie \u201eVertreibung und Migration\u201c oder \u201eVerstrickung von Kunst, Politik und Wirtschaft\u201c, doch gehen sie auf die konkreten gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse vor Ort nicht ein.<span id=\"more-76214\"><\/span><\/p>\n<p>Nur eine bedeutende Ausnahme gibt es: Das Projekt \u201eGesellschaft der Freund_innen von Halit\u201c besch\u00e4ftigt sich im Rahmen der documenta mit der Ermordung Halit Yozgats durch den NSU. Es skandalisiert auch den strukturellen Rassismus der Beh\u00f6rden und dass der Verfassungsschutz tief in den NSU-Komplex verstrickt ist. Rassismus in Kassel bleibt wenigstens hier nicht unerw\u00e4hnt!<\/p>\n<p>Das ist wichtig, denn Rassismus ist in Kassel \u2013 wie andernorts \u2013 Alltag und v\u00f6lkischen Nationalismus gibt es hier in vielen Formen: Burschenschaften, die im Dachverband Deutsche Burschenschaft organisiert sind und damit offen zu einem geschichtsrevisionistischen, deutschnationalen und rassistischen Club geh\u00f6ren. Rechte KSV-Fans, die im Staditon und au\u00dferhalb immer wieder Leute angreifen, die sie f\u00fcr Linke halten. Christliche FundamentalistInnen, die immer wieder zu Events einladen, bei denen sie offen ihre antifeministischen, homophoben und reaktion\u00e4ren Positionen gegen Abtreibung verbreiten. Der Pegida-Ableger, der seit Ende 2014 unter dem Namen Kagida in seiner Hochzeit bis zu 200 Nazis, Verschw\u00f6rungsideologInnen und andere \u201ebesorgte B\u00fcrgerInnen\u201c zu seinen rassistischen Kundgebungen mobilisierte. Sie alle sind in Kassel heimisch.<\/p>\n<p>Da wundert es auch nicht, dass die AfD im M\u00e4rz 2016 mit elf Prozent in die Stadtverordnetenversammlung einzog. Das ist ein Ausdruck der Kassler Verh\u00e4ltnisse und da gibt\u2019s auch nichts sch\u00f6nzureden: Ein gro\u00dfer Teil der Kassler_innen w\u00e4hlt eine sexistische und rassistische Partei.<\/p>\n<h4>Eine unvers\u00f6hnliche Perspektive<\/h4>\n<p>Als Feminist_innen sind wir notwendig Gegner_innen des v\u00f6lkischen Nationalismus, der immer sexistisch ist, egal ob von christlichen Lebensch\u00fctzerInnen, Neonazis oder der AfD: Weil er sich die Nation als einen \u201eVolksk\u00f6rper\u201c vorstellt, der verletzt und bedroht werden kann, ist im v\u00f6lkischen Nationalismus ganz klar, was die Rollen von Frauen* und M\u00e4nnern sein m\u00fcssen:<\/p>\n<p>Frauen* sollen f\u00fcr den Erhalt dieses \u201eVolkes\u201c sorgen, indem sie m\u00f6glichst viele und \u201edeutsche\u201c Kinder bekommen. Die oft erhobene Forderung danach, die \u201eeigene deutsche Frau\u201c vor \u201edem schwarzen Mann\u201c zu besch\u00fctzen, ist seit dem Kolonialismus tief in den rassistischen Alltag eingeschrieben. So was wie Selbstbestimmung von Frauen* \u00fcber ihren K\u00f6rper, m\u00fchsam von den Frauenbewegungen erk\u00e4mpft, bek\u00e4mpfen v\u00f6lkische NationalistInnen deshalb.<\/p>\n<p>F\u00fcr M\u00e4nner hingegen gilt ein m\u00e4nnerb\u00fcndisches Ideal der k\u00e4mpferischen Kameradschaft, das man aus urschenschaften und Hooligan-Cliquen kennt.<br \/>\nDie H\u00e4rte, die da gepflegt wird, richtet sich im Endeffekt gewaltt\u00e4tig gegen Frauen*, Lesben, Schwulen und alle, die von Geschlechternormen abweichen.<\/p>\n<p>Einem Gesellschaftsentwurf, in dem der m\u00e4nnliche K\u00f6rper eine Waffe und der weibliche Geb\u00e4rmaschine sein soll, in dem jede sexuelle Lust, die nicht dem \u201eErhalt des Volkes\u201c gilt, unterdr\u00fcckt und in dem ein dauernder Kampf gegen die inneren und \u00e4u\u00dferen FeindInnen gef\u00fchrt wird, stellen wir uns entschieden entgegen!<\/p>\n<p>Neben seinen repressiven Geschlechternomen war (v\u00f6lkischer) Nationalismus immer auch rassistisch und antisemitisch. Rassismus dr\u00fcckt sich heute allerdings meistens in der Chiffre der \u201eIslamkritik\u201c aus. So lassen sich unter dem Label stumpfe Ressentiments von \u201eden Fremden\u201c pflegen, die nicht mehr als unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden und Interessen erscheinen.<\/p>\n<h4>Ein Neidverh\u00e4ltnis<\/h4>\n<p>Wir meinen: In diesem Mechanismus \u00e4hneln sich v\u00f6lkischer Nationalismus und Islamismus, obwohl sie einander so sehr verachten. Beide sind patriarchale Vergemeinschaftungsideologien, die eine m\u00e4nnerb\u00fcndische Herrschaft \u00fcber Frauen* versprechen und individuelle Befreiung bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Beide sind kein R\u00fcckfall in vergangene Zeiten, sondern Produkte der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse, in denen wir leben. Beide bieten das Versprechen auf eine sinnstiftende Gemeinschaft, die \u00f6konomische und soziale Krisenerfahrungen der Moderne abfedern soll.<\/p>\n<p>Der europ\u00e4ische Islamismus wird dabei vorrangig im direkten sozialen Umfeld politisch wirksam, tritt in Form von Infost\u00e4nden und Aktionen im Alltag in Erscheinung oder orientiert sich in Richtung Naher Osten: Aus Kassel schlossen sich mehrere Personen dem Islamischen Staat an und reisten nach Syrien. Und nicht zuletzt geht vom Europ\u00e4ischen Islamismus die permanente Gefahr von Terroranschl\u00e4gen aus.<\/p>\n<p>Der v\u00f6lkische Nationalismus k\u00e4mpft darum, seine Begriffe in sozialen Netzwerken und anderen Medien zu etablieren. Er agiert gewaltt\u00e4tig auf den Stra\u00dfen und verbreitet allt\u00e4glich mit Brandanschl\u00e4gen auf Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Gefl\u00fcchtete rassistischen Terror. Durch kontinuierliche Vernetzung, Lobby- und Kampagnenarbeit sowie durch einen aggressiven Wahlkampf dr\u00e4ngt der v\u00f6lkische Nationalismus in die staatlichen Institutionen. So schickt sich die AfD an, als parlamentarische Vertretung des v\u00f6lkischen Nationalismus in das deutsche Parlament einzuziehen.<\/p>\n<p>Mit ihren verschiedenen Ideologien und Strategien sind sowohl der Islamismus als auch der v\u00f6lkische Nationalismus eine Bedrohung f\u00fcr alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Sie beide sind eine Bedrohung f\u00fcr unsere Idee einer befreiten Gesellschaft. Deswegen wollen wir ihnen entschlossen entgegentreten!<\/p>\n<h4>Eine Einladung<\/h4>\n<p>Weil wir die Aufmerksamkeit der documenta nutzen wollen, um auf die Strukturen der hiesigen v\u00f6lkischen Rechten und des \u00f6rtlichen Islamismus aufmerksam zu machen, und weil bald Bundestagswahlen sind, wollen wir als B\u00fcndnis drift \u2013 feminist alliance f\u00fcr communism mit unserer Kundgebung genau diese zum Thema machen!<\/p>\n<p>Wir rufen auf, am 9. September an unserer Kundgebung F\u00fcr einen radikalen Feminismus! Keine halben Sachen! Fight nationalism! Fight islamism! teilzunehmen!<\/p>\n<p>Wir wollen uns gegen v\u00f6lkischen Nationalismus und Islamismus wenden, die wir als zwei Spielarten der Antimoderne begreifen. Wir wollen eine Diskussion \u00fcber feministische und queere Gesellschaftskritik voranbringen. Und wir wollen dabei der documenta einen Vorschlag zu einem Spaziergang entgegenstellen, der deutlich macht, dass in einer Stadt wie Kassel FeindInnen der Emanzipation aller Couleur zu finden sind.<\/p>\n<p><b>Kommt daher am 9. September nach Kassel!<\/b><\/p>\n<p><b>Kundgebung: 14:00 Uhr Opernplatz \/ Kassel<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neu gegr&uuml;ndete B&uuml;ndnis drift &ndash; feminist alliance for communism ruft zu einer wichtigen Kundgebung am 09. September in Kassel auf. Wir teilen hier den Aufruf &ndash; auch wenn ihr es nicht zur Kundgebung schafft lohnt sich die Lekt&uuml;re: F&uuml;r einen radikalen Feminismus. Keine halben Sachen. Fight nationalism! Fight islamism! 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