{"id":44204,"date":"2017-10-10T07:00:01","date_gmt":"2017-10-10T06:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/lizaswelt.net\/?p=25007"},"modified":"2018-12-07T17:15:21","modified_gmt":"2018-12-07T16:15:21","slug":"eine-million-messerstiche-gegen-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2017\/10\/eine-million-messerstiche-gegen-israel\/","title":{"rendered":"Eine Million Messerstiche gegen Israel"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" data-attachment-id=\"25008\" data-permalink=\"https:\/\/lizaswelt.net\/2017\/10\/10\/eine-million-messerstiche-gegen-israel\/gerstenfeld3-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=610\" data-orig-size=\"580,368\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Manfred Gerstenfeld\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=610?w=300\" data-large-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=610?w=500\" class=\"alignnone wp-image-25008 size-full\" title=\"Manfred Gerstenfeld\" src=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=610\" alt=\"Manfred Gerstenfeld\" srcset=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg 580w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=150 150w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=300 300w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld3.jpg?w=500 500w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\"   \/><\/p>\n<p><strong>Ist schon die Erforschung des Antisemitismus etwas, dem sich weltweit nur wenige Spezialisten widmen, so ist die Wissenschaft davon, wie man den Hass auf Israel und die Juden bek\u00e4mpfen kann, noch gar nicht oder kaum entwickelt. Den vielleicht wichtigsten Beitrag dazu liefert Manfred Gerstenfeld in seinem 2015 erschienenen <\/strong><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/War-Million-Cuts-Delegitimization-Anti-Semitism\/dp\/1618613413\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1506962518&amp;sr=8-1&amp;keywords=war+of+a+million+cuts\"  rel=\"noopener\"><strong>Buch<\/strong><\/a><strong> <em>The War of a Million Cuts<\/em>, das man seit kurzem auch kostenlos als PDF-Dokument <\/strong><a href=\"http:\/\/jcpa.org\/book\/the-war-of-a-million-cuts-the-struggle-against-the-delegitimization-of-israel-and-the-jews-and-the-growth-of-new-anti-semitism\/\"  rel=\"noopener\"><strong>herunterladen<\/strong><\/a><strong> kann.<\/strong><br \/>\n<em><br \/>\n<\/em><br \/>\n<span style=\"color:#000066;\"><strong>VON STEFAN FRANK<\/strong><\/span><br \/>\n<em><br \/>\n<\/em><br \/>\nEs gibt Katastrophen und Plagen, die immer wiederkehren. Es gab sie in der Geschichte, es gibt sie in der Gegenwart, und es wird sie in der Zukunft geben. Den Menschen zeichnet aus, dass er wiederkehrende Muster erkennen und Vorsorge treffen kann. Weil es immer wieder Br\u00e4nde gibt, existiert eine Feuerwehr. Sie kann den Brand, wenn nicht verhindern, so doch eind\u00e4mmen und l\u00f6schen. Der Erfolg h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich davon ab, wie gut sie vorbereitet ist; es bedarf einer ausgebildeten und ausger\u00fcsteten Mannschaft, die schnell zur Stelle ist, wei\u00df, was zu tun ist, und es dann auch tut. Das erfordert Wissen \u00fcber physikalische Zusammenh\u00e4nge, n\u00f6tig sind aber auch Kenntnisse und Fertigkeiten, die durch Erfahrung im Umgang mit Br\u00e4nden gewonnen wurden. Aus Erfolgen und Fehlern kann man gleicherma\u00dfen lernen \u2013 was funktioniert und was nicht.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus. Der Hass auf Israel und die Juden ist zwar weder ein Unfall noch eine Naturkatastrophe. Er gleicht beidem aber insofern, als man mit Bestimmtheit sagen kann, dass es ihn morgen und in hundert Jahren noch geben wird. Es gibt also keine Rechtfertigung daf\u00fcr, st\u00e4ndig unvorbereitet zu sein und sich auf dem falschen Fu\u00df erwischen zu lassen. Vielmehr gilt es, Strategien zu entwickeln, die Praxis zu professionalisieren und diese durch Bewertung von Erfolgen und Misserfolgen immer weiter zu verbessern. Das aber geschieht kaum; stattdessen sind es die Israelhasser, die \u2013 finanziell oft gut ausgestattet \u2013 planvoll und koordiniert vorgehen. In Parlamenten, in der UNO, in der Presse, an Universit\u00e4ten und \u00fcber NGOs f\u00fchren sie Kampagnen zur D\u00e4monisierung Israels.<\/p>\n<p>Der Widerstand dagegen ist oft unorganisiert, muss meist ohne nennenswerte Ressourcen auskommen und wird vor allem getragen vom pers\u00f6nlichen Einsatz Einzelner. Manfred Gerstenfeld, einer der profiliertesten Antisemitismusforscher der Gegenwart, fordert demgegen\u00fcber, die israelische Regierung solle eine professionelle und finanziell gut ausgestattete Organisation aufbauen. Erst wenn der israelische Staat eine Organisationsstruktur habe, um den ihm aufgezwungenen Propagandakrieg zu f\u00fchren, die Operationsweise des Gegners genau verstehe und eigene Leute und Unterst\u00fctzer ausbilde, k\u00f6nne er die Schlacht gegen die Delegitimation effizient f\u00fchren. Weiterhin \u00bbimprovisiert\u00ab auf Propagandaangriffe zu reagieren, sei zu wenig.<\/p>\n<p><strong>Strategien f\u00fcr die Gegenwart<\/strong><\/p>\n<p>Solange Israel noch nicht \u00fcber eine solche Infrastruktur verf\u00fcge, m\u00fcsse es zumindest seine Diplomaten in der Analyse antiisraelischer Vortr\u00e4ge und Artikel trainieren. \u00bbSie sollten verstehen, wie man falsche Argumente erkennt und sie blo\u00dfstellt\u00ab, r\u00e4t Gerstenfeld. \u00bbErst dann k\u00f6nnen sie effektiv auf L\u00fcgen reagieren, die \u00fcber Israel verbreitet werden \u2013 und auf Trugschl\u00fcsse, die viel schwieriger zu durchschauen sind. Sie sollten ausgebildet werden, professioneller mit Dingen wie dem Messen mit zweierlei Ma\u00df, falschen moralischen \u00c4quivalenzen, falschen Schuldzuweisungen und Gef\u00fchlsappellen umzugehen.\u00ab<\/p>\n<p>Israels Feinde, so Gerstenfeld, benutzten viele verschiedene Techniken, um Israel zu delegitimieren. In gleicher Weise m\u00fcsse man, wenn man einmal ein antisemitisches Ziel ausgemacht habe, dieses mit m\u00f6glichst vielen (legalen) Mitteln angreifen. Das aber geschehe bislang oft nicht: \u00bbGro\u00dfe Aktionen im Kampf gegen den Propagandakrieg werden oft ad hoc unternommen.\u00ab Ein Beispiel daf\u00fcr sei der erfolgreiche Einsatz des israelischen Au\u00dfenministeriums gegen die antisemitische Durban-II-Konferenz im Fr\u00fchjahr 2009. \u00bbDie Schw\u00e4che einer solchen Herangehensweise wurde offensichtlich, als Israel [im September 2009] von der Ver\u00f6ffentlichung des karikaturesken Goldstone-Berichts \u00fcberrumpelt wurde. Dies zeigte wieder einmal, dass man nicht auf Ereignisse vorbereitet sein kann, wenn man nicht \u00fcber eine strategische Infrastruktur verf\u00fcgt, um sich um auftauchende Probleme zu k\u00fcmmern, die von antiisraelischer Propaganda verursacht werden.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Angriff ist die beste Verteidigung <\/strong><\/p>\n<p>Israel habe im Propagandakrieg gegen\u00fcber seinen Feinden einen strukturellen Vorteil: \u00bbDie ideologische und tats\u00e4chliche Kriminalit\u00e4t f\u00fchrender politischer und anderer Organe in der pal\u00e4stinensischen Gesellschaft ist so gro\u00df, dass man nur Licht auf sie werfen muss, um ein Gegengewicht zu den antiisraelischen Hetzkampagnen zu bilden \u2026 Es ist nicht n\u00f6tig zu \u00fcbertreiben, die pal\u00e4stinensische Wirklichkeit ist schlimm genug.\u00ab<\/p>\n<p>Die antiisraelische Hetze, die die Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde (PA) etwa in den von ihr kontrollierten Medien, in Schulen oder bei Sportveranstaltungen betreibe, m\u00fcsse so umfassend wie m\u00f6glich bekannt gemacht werden. \u00bbEs muss herausgestellt werden, wie die PA die M\u00f6rder von Zivilisten verherrlicht.\u00ab Die Website <a href=\"https:\/\/www.palwatch.org\/\"  rel=\"noopener\"><em>Palestinian Media Watch<\/em><\/a> biete hierzu viele Informationen. Indirekt k\u00f6nne bei diesem Thema die Heuchelei vieler westlicher Regierungen angeprangert werden. Auch die politischen F\u00fchrer in Israel m\u00fcssten sich fragen, wie sie es h\u00e4tten zulassen k\u00f6nnen, dass die Pal\u00e4stinenser und ihre Verb\u00fcndeten damit Erfolg haben, sich als etwas \u00bbradikal anderes\u00ab zu pr\u00e4sentieren als \u00bbdie vielen Schurken in anderen arabischen L\u00e4ndern\u00ab.<\/p>\n<p>Der \u00bbfalsch benannte Arabische Fr\u00fchling\u00ab, so Gerstenfeld, gebe Israel \u00bbausgiebig Gelegenheit dazu, in die Offensive zu gehen\u00ab: \u00bbDie gegenw\u00e4rtigen oder k\u00fcrzlich ver\u00fcbten Massenmorde und Gr\u00e4ueltaten an verschiedenen Gruppen in Libyen, Syrien und dem Irak bieten nahezu unersch\u00f6pfliches Material. Dazu kann man noch andere muslimische L\u00e4nder rechnen, wo Gr\u00e4ueltaten an der Tagesordnung sind, wenn auch die Zahlen geringer ausfallen, etwa Pakistan, Afghanistan, Somalia, der Jemen, Algerien, Tunesien, \u00c4gypten und der Libanon. Man k\u00f6nnte hinzuf\u00fcgen, dass eine Auswahl dieser brutalen Verbrechen wahrscheinlich ein guter Indikator daf\u00fcr ist, was die arabischen Staaten und ihre pal\u00e4stinensischen Verb\u00fcndeten den Juden angetan h\u00e4tten, wenn sie in Israels Unabh\u00e4ngigkeitskrieg 1948 oder sp\u00e4teren Schlachten erfolgreich gewesen w\u00e4ren.\u00ab<\/p>\n<p><strong>\u00bbVerbaler Vegetarismus\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Israel, so Gerstenfeld, k\u00e4mpfe im Propagandakrieg immer nur \u00bbmit einer Hand\u00ab, die andere sei \u00bbhinter dem R\u00fccken gefesselt\u00ab. So h\u00e4tten Israels Regierungen beispielsweise immer nur widerwillig die Position gest\u00fctzt, dass Jordanien \u2013 das Ostpal\u00e4stina des britischen Mandatsgebiets \u2013 der erste pal\u00e4stinensische Staat ist, obwohl dies bei den Verhandlungen \u00fcber die Gr\u00fcndung eines zweiten und dritten pal\u00e4stinensischen Staates n\u00fctzlich sein k\u00f6nnte. \u00bbDie israelische Methode, Propaganda nur mit einer hinter dem R\u00fccken gefesselten Hand zu bek\u00e4mpfen, k\u00f6nnte man als \u203averbalen Vegetarismus\u2039 bezeichnen. Das passt in eine gro\u00dfe, Jahrtausende alte j\u00fcdische Str\u00f6mung der masochistischen Selbstanklage. Eines der weitreichendsten Beispiele in diesem Jahrhundert war die ungerechtfertigte israelische Entschuldigung f\u00fcr die T\u00f6tung von Muhammad al-Dura zu Beginn der zweiten Intifada. Es dauerte 13 Jahre, ehe Israel erkl\u00e4rte, dass es den Jungen gar nicht get\u00f6tet hatte.\u00ab<\/p>\n<p><strong>\u00bbStelle einige wenige blo\u00df, erteile vielen eine Lektion\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Israel k\u00f6nne nicht alle seine Feinde gleichzeitig bek\u00e4mpfen, so Gerstenfeld, aber das sei auch nicht notwendig. Stattdessen solle man einige wenige, die L\u00fcgen gegen Israel verbreiten, blo\u00dfstellen, vorzugsweise solche Journalisten, Zeitungen, Politiker, NGOs, Kirchenf\u00fchrer und Akademiker, die einigerma\u00dfen bekannt seien. Wichtig sei es, vorab sicher zu sein, die jeweilige Auseinandersetzung zu gewinnen. \u00bbDie Betonung sollte auf der Offensive liegen, ohne die Defensive aber zu vernachl\u00e4ssigen.\u00ab Von Bedeutung sei es zudem, nicht nur Institutionen anzugreifen, die Hetze gegen Israel verbreiten, sondern auch die daf\u00fcr verantwortlichen Personen.<\/p>\n<p><strong>Zeit und Ressourcen effizient nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Da Israel ein kleines Land ist und es nur relativ wenige Juden gibt, m\u00fcssten die Ressourcen Zeit und Geld sehr effizient genutzt werden. \u00bbHat man Kontakt zu einem Parlamentarier, dann ist die Zeit viel besser investiert, wenn man ihn davon \u00fcberzeugt, einem antiisraelischen Minister eine peinliche Frage zu stellen, als einen Leserbrief zu schreiben, der oft nicht ver\u00f6ffentlicht wird.\u00ab Hier sei Kreativit\u00e4t gefragt, um \u00fcberraschende Taktiken zu finden. Als Beispiel nennt Gerstenfeld einen Fall aus dem Juli 2006. Damals h\u00e4tten \u00fcber tausend amerikanische Professoren einen offenen Brief unterschrieben, in dem Israels angebliche \u00bbAggression im Libanon und in Gaza\u00ab verurteilt worden sei. Darunter habe jemand die Unterschrift gesetzt: \u00bbMr. H. Nasrallah, Joseph-Goebbels-Lehrstuhl f\u00fcr Kommunikationswissenschaft an der Duke University\u00ab. \u00bbMit einer Unterschrift konnte er die Taten aller anderen l\u00e4cherlich machen\u00ab, so Gerstenfeld.<\/p>\n<p><strong>Verb\u00fcndete mobilisieren <\/strong><\/p>\n<p>Gerstenfeld nennt mehrere Beispiele von antiisraelischen Boykottversuchen, etwa an Universit\u00e4ten. Durch die Mobilisierung von Verb\u00e4nden und Individuen \u2013 bis hin zum amerikanischen Botschafter \u2013, die sich \u00f6ffentlich gegen Boykotte aussprachen, seien mehrere solcher Bestrebungen vereitelt worden, was wiederum andere abschrecke, das Gleiche zu tun.<\/p>\n<p><strong>\u00bbGewinne einstreichen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Erfolge gegen antiisraelische Hetze m\u00fcssten auch als solche herausgestellt und publik gemacht werden \u2013 etwa jedes Mal dann, wenn wieder ein versuchter Boykott von Israel und Israelis gescheitert ist. \u00bbDies ist eine weitere Art, die Ergebnisse zu maximieren, wenn man gegen seinen Gegner einen Sieg erzielt hat. Es geh\u00f6rt auch zu dem bereits erw\u00e4hnten Prinzip, dass viele Leute \u2013 darunter Israels Widersacher \u2013 Feiglinge sind. Darum ist es wichtig, dass ihnen klar wird, dass es beim Einsatz f\u00fcr antiisraelische Hetze ein Risiko gibt.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Die Wahrheit wiederholen<\/strong><\/p>\n<p>Goethe sagte einst: \u00bbMan muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklop\u00e4dien, auf Schulen und Universit\u00e4ten, \u00fcberall ist der Irrtum oben auf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gef\u00fchl der Majorit\u00e4t, die auf seiner Seite ist.\u00ab Im Kampf gegen die antiisraelische L\u00fcgenkampagne wird die Wahrheit zu selten wiederholt. Daf\u00fcr nennt Gerstenfeld Beispiele. Benjamin Netanjahu wies vor der UN-Generalversammlung 2014 darauf hin, dass viele der L\u00e4nder, die sich f\u00fcr einen Kampf gegen den IS einsetzen, nicht die Hamas bek\u00e4mpfen wollen, obwohl beide \u00bbzwei \u00c4ste desselben Baums\u00ab seien. Leider, so Gerstenfeld, seien Netanjahus Worte damals weitgehend ungeh\u00f6rt verhallt, weil Israel keinen Apparat habe, der sie aufgreife und weiterverbreite.<\/p>\n<p>Das gelte f\u00fcr vieles, was der israelische Premierminister sage. Im Oktober 2014 etwa hatte das amerikanische State Department mal wieder einen seiner Angriffe auf den \u00bbSiedlungsbau\u00ab in Ost-Jerusalem geritten, weil dieser angeblich die \u00bbChancen auf Frieden gef\u00e4hrdet\u00ab. Netanjahu sagte: \u00bbIch habe eine Behauptung geh\u00f6rt, wonach unsere Baut\u00e4tigkeit in j\u00fcdischen Vierteln in Jerusalem den Frieden in weite Entfernung r\u00fccken l\u00e4sst. Es ist jedoch die Kritik daran, die den Frieden nicht n\u00e4her bringt. Denn diese ist von der Wirklichkeit abgekoppelt. [\u2026] Wenn Mahmoud Abbas dazu aufruft, Juden in Jerusalem zu ermorden, dann schweigt die internationale Gemeinschaft, aber wenn wir in Jerusalem bauen, dann ist sie au\u00dfer sich. Ich akzeptiere dieses Messen mit zweierlei Ma\u00df nicht.\u00ab Wieder habe Netanjahu Recht gehabt, so Gerstenfeld, doch solange Israel keinen Apparat habe, mit dem es sich weltweit Geh\u00f6r verschaffen kann, sei dies fruchtlos.<\/p>\n<p><strong>Die Schlacht um die Sprache<\/strong><\/p>\n<p>Die Sprache sei etwas, das im politischen Kampf kaum je reflektiert werde. \u00bbEiner der Aspekte sollte sein, regelm\u00e4\u00dfig darauf hinzuweisen, was \u203aFrieden\u2039 f\u00fcr viele pal\u00e4stinensische F\u00fchrer bedeutet, n\u00e4mlich ein Zwischenschritt zur Zerst\u00f6rung Israels.\u00ab Viele Informationen dar\u00fcber finde man wiederum auf <em>Palestinian Media Watch<\/em>. Ein anderes Thema sei der Gebrauch des Begriffs \u00bbbesetzte Gebiete\u00ab: \u00bbDieser Begriff ist so sehr in den internationalen Diskurs eingesickert, dass die korrekte Formulierung \u201aumstrittene Gebiete\u00ab kaum je benutzt wird.\u00ab Dar\u00fcber hinaus sollten ausl\u00e4ndische Diplomaten in Israel ermahnt werden, wenn sie von der \u00bbGrenze von 1967\u00ab sprechen, statt, wie es korrekt w\u00e4re, von der Waffenstillstandslinie von 1949. Immer dann, wenn von Jordanien die Rede sei, k\u00f6nnten Israelis, so Gerstenfeld, darauf hinweisen, \u00bbdass es sich um das fr\u00fchere Ostpal\u00e4stina handelt, und so die Aufmerksamkeit darauf lenken, wo seine Urspr\u00fcnge liegen\u00ab. Das ist eine gute Idee, weil auf diese Weise daran erinnert wird, dass es bereits einen pal\u00e4stinensischen Staat gibt: Jordanien macht 78 Prozent des urspr\u00fcnglichen britischen Mandatsgebiets Pal\u00e4stina aus.<\/p>\n<p>Gerstenfeld merkt an dieser Stelle an, es sei verwunderlich, dass israelische Regierungen nur selten den Gebrauch des Begriffs \u00bbbesetzte Gebiete\u00ab anprangern. \u00bbEs gibt viele Rechtsexperten, die den Terminus ablehnen und stattdessen von \u203aumstrittenen Gebieten\u2039 sprechen. Es gibt zudem f\u00fchrende Rechtsexperten, die Israels Recht, gem\u00e4\u00df internationalem Recht in diesen Gebieten Gemeinden zu bauen und zu erweitern, unterst\u00fctzen. Die Weigerung der Europ\u00e4ischen Union, \u00fcber diese Frage zu debattieren, ist ein Hinweis auf den h\u00f6chst politischen und missbr\u00e4uchlichen Charakter ihrer Schlacht gegen die Siedlungen.\u00ab<\/p>\n<p><strong>\u00bbKeinen Freifahrtschein f\u00fcr Israelhasser\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Viele L\u00e4nder, Organisationen und Individuen z\u00f6gerten nie, Israel zu attackieren, da sie w\u00fcssten, dass von dort niemals eine entschlossene Gegenreaktion kommt. Darum gingen sie mit ihrer Hetze keinerlei Risiko ein. \u00bbDie \u00bbschwachen israelischen Reaktionen auf die Hassreden des t\u00fcrkischen [Pr\u00e4sidenten] Erdogan\u00ab beispielsweise, so Gerstenfeld, \u00bbsind ein extremes Beispiel\u00ab. So, wie europ\u00e4ische L\u00e4nder oft den jeweiligen israelischen Botschafter einbestellten, um ihm Moralpredigten zu halten, solle auch Israel jedes Mal den Botschafter eines Landes zum Gespr\u00e4ch bitten, wenn dieses gegen den j\u00fcdischen Staat hetzt. Denn es ist diese Hetze, die zu antisemitischen Einstellungen f\u00fchrt. Wie Gerstenfeld an anderer Stelle seines Buches ausf\u00fchrt, sind 150 von 400 Millionen Europ\u00e4ern der Meinung, Israel f\u00fchre einen \u00bbVernichtungskrieg gegen die Pal\u00e4stinenser\u00ab. Europas Regierungen, so Gerstenfeld, tr\u00fcgen f\u00fcr diese \u00bbkriminelle Geisteshaltung\u00ab eine Mitverantwortung, und daf\u00fcr m\u00fcsse Israels Regierung sie angreifen.<\/p>\n<p><strong>Reaktion auf Regierungswechsel<\/strong><\/p>\n<p>Freunde Israels m\u00fcssten aufmerksam sein, wenn es in einem Land einen Regierungswechsel gibt. Manchmal erwachse daraus etwas Gutes: So habe es etwa in Norwegen im Jahr 2013 einen Regierungswechsel von der antiisraelisch eingestellten Arbeiterpartei zu den Konservativen gegeben, unter denen es viele Israelfreunde gibt. Wann immer so etwas passiere, m\u00fcsse die neue Regierung dazu aufgefordert werden, die Finanzierung von NGOs einzustellen, die Hetze gegen Israel betreiben.<\/p>\n<p><strong>Kampf um den \u00f6ffentlichen Raum<\/strong><\/p>\n<p>Gerstenfeld konstatiert, dass es Israels Feinden gelungen sei, Israelis und Juden in Europa aus dem \u00f6ffentlichen Raum zu verdr\u00e4ngen. Gewalt \u2013 bis hin zur Ermordung von Juden \u2013 und Einsch\u00fcchterung h\u00e4tten dabei eine wichtige Rolle gespielt. \u00bbJedes Mal, wenn ein Jude, der fr\u00fcher in der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich eine Kippa trug, sie aus Angst ablegt, haben die Antisemiten einen weiteren Sieg errungen. Das Gleiche gilt f\u00fcr israelische Touristen, denen empfohlen wird, ihre Identit\u00e4t zu verbergen.\u00ab Es sei im Lichte dieser Entwicklung sehr wichtig, proisraelische Demonstrationen zu veranstalten; Gerstenfeld verweist auf einige solcher Demonstrationen in Italien, an denen sich in der j\u00fcngeren Vergangenheit bis zu 20.000 Menschen beteiligt h\u00e4tten, und zwar \u2013 mit Ausnahme der Kommunisten \u2013 partei\u00fcbergreifend.<\/p>\n<p>Gerstenfeld erw\u00e4hnt eine kleinere, aber ebenso wichtige Demonstration, die die Publizistin und Politikerin <a href=\"https:\/\/lizaswelt.net\/2010\/05\/08\/israel-ist-eine-art-wundergesellschaft\/\"  rel=\"noopener\">Fiamma Nirenstein<\/a> 2012 in Rom organisiert hatte. Zu einem \u00bbRedenmarathon\u00ab mit 50 proisraelischen Rednern kamen 1.500 Teilnehmer. Gerstenfeld zitiert aus der Rede Nirensteins: \u00bbIch glaube, dass wir um des Friedens willen die Wahrheit \u00fcber den andauernden Konflikt wiederherstellen m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen die verleumderische Sprache neutralisieren, mit der Israel Tag f\u00fcr Tag kriminalisiert wird, und Israels Recht verteidigen, seine angegriffenen B\u00fcrger zu verteidigen.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Ein zweiter Holocaust?<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" data-attachment-id=\"25013\" data-permalink=\"https:\/\/lizaswelt.net\/2017\/10\/10\/eine-million-messerstiche-gegen-israel\/gerstenfeld-cuts\/\" data-orig-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld-cuts.jpg?w=610\" data-orig-size=\"200,300\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld-cuts.jpg?w=610?w=200\" data-large-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld-cuts.jpg?w=610?w=200\" class=\"alignright size-full wp-image-25013\" src=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld-cuts.jpg?w=610\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld-cuts.jpg 200w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2017\/10\/gerstenfeld-cuts.jpg?w=100 100w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\"   \/>Ein zweiter Holocaust, schreibt Gerstenfeld im Schlussteil seines Buches, scheine auf zweierlei Weise m\u00f6glich. Die am h\u00e4ufigsten diskutierte sei die, \u00bbdass der Iran oder eine fanatische muslimische Gruppierung erfolgreich eine Atombombe auf Israel wirft\u00ab. Eine zweite M\u00f6glichkeit sei, dass der \u00bbDruck, den Feinde und falsche Freunde auf Israel aus\u00fcben, so stark wird, dass Israel gezwungen ist, sich auf nicht zu verteidigende Grenzen zur\u00fcckzuziehen\u00ab. Der \u00bbProzess der Delegitimation mit seiner Million Messerstiche\u00ab werde eine weitere Konsequenz haben: \u00bbAu\u00dfer denen, die die Morde selbst ver\u00fcben, werden nur wenige eine Verantwortung f\u00fcr das Geschehene versp\u00fcren. Nicht die vielen Feinde, die behaupten k\u00f6nnen, dass ihr eigener Beitrag zu der Million Messerstiche unbedeutend gewesen sei; nicht die falschen Freunde, die sagen werden, sie h\u00e4tten Israel nicht angegriffen; nicht die vielen Zuschauer, die vor den klaren genozidalen Absichten, die in Teilen der muslimischen Welt verk\u00fcndet werden, die Ohren verschlossen haben. Gleichzeitig wird Israel bezichtigt werden, f\u00fcr sein Schicksal selbst verantwortlich zu sein, da es die Pal\u00e4stinenser \u2013 in Wahrheit eine vom Verbrechen durchsetzte Bev\u00f6lkerung \u2013 zu Opfern gemacht habe.\u00ab<\/p>\n<p>Alle diese L\u00fcgen k\u00f6nnten in einer \u00bbmehr und mehr undurchsichtigen Gesellschaft\u00ab gedeihen. Doch nichts von alldem m\u00fcsse passieren: \u00bbEs gibt keinen Grund zu Fatalismus, solange die derzeitige israelische Inkompetenz im Propagandakrieg nicht andauert. Es ist nicht zu sp\u00e4t, den Spie\u00df gegen Israels Feinde umzudrehen. Dies erfordert jedoch eine radikal andere Herangehensweise als die jetzige.\u00ab<\/p>\n<p><span style=\"font-size:85%;\">Manfred Gerstenfeld: <em>The War of a Million Cuts: The Struggle Against the Delegitimization of Israel and the Jews, and the Growth of New Anti-Semitism<\/em>, RVP Press, New York 2015, 504 Seiten, ca. 27 Euro.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.addtoany.com\/share_save?linkurl=http%3A%2F%2Flizaswelt.net%2F2017%2F10%2F10%2Feine-million-messerstiche-gegen-israel%2F&amp;linkname=Eine%20Million%20Messerstiche%20gegen%20Israel\"  rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Diesen Beitrag mit anderen teilen\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/static.addtoany.com\/buttons\/share_save_256_24.png\" alt=\"\" width=\"256\" height=\"24\" \/><\/a> <a href=\"mailto:lizaswelt@gmail.com?subject=Feedback%20zu:%20Eine%20Million%20Messerstiche%20gegen%20Israel\"  rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1197\" data-permalink=\"https:\/\/lizaswelt.net\/2010\/07\/16\/projektionsflaeche-palaestinenser\/feedback\/\" data-orig-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback.jpg\" data-orig-size=\"151,24\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"Feedback\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback.jpg?w=151\" data-large-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback.jpg?w=151\" class=\"size-full wp-image-1197 alignright\" title=\"Feedback zu diesem Beitrag an Lizas Welt senden\" src=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback1.jpg?w=610\" alt=\"\"   \/><\/a><\/p>\n<p>Einsortiert unter:<a href='https:\/\/lizaswelt.net\/category\/gastbeitrage\/'>Gastbeitr\u00e4ge<\/a>, <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/category\/politik\/'>Politik<\/a> Tagged: <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/tag\/antisemitismus\/'>Antisemitismus<\/a>, <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/tag\/europa\/'>Europa<\/a>, <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/tag\/fatah\/'>Fatah<\/a>, <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/tag\/hamas\/'>Hamas<\/a>, <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/tag\/israel\/'>Israel<\/a>, <a href='https:\/\/lizaswelt.net\/tag\/palastinenser\/'>Pal\u00e4stinenser<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" border=\"0\" src=\"https:\/\/pixel.wp.com\/b.gif?host=lizaswelt.net&#038;blog=14674973&#038;%23038;post=25007&#038;%23038;subd=lizaswelt2010&#038;%23038;ref=&#038;%23038;feed=1\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist schon die Erforschung des Antisemitismus etwas, dem sich weltweit nur wenige Spezialisten widmen, so ist die Wissenschaft davon, wie man den Hass auf Israel und die Juden bek&auml;mpfen kann, noch gar nicht oder kaum entwickelt. 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