{"id":44680,"date":"2017-12-05T13:43:05","date_gmt":"2017-12-05T12:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/lisa2.blogsport.de\/2017\/12\/05\/redebeitrag-auf-der-feministischen-vorabenddemo-zum-afd-bundesparteitag\/"},"modified":"2017-12-05T13:43:05","modified_gmt":"2017-12-05T12:43:05","slug":"redebeitrag-auf-der-feministischen-vorabenddemo-zum-afd-bundesparteitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2017\/12\/redebeitrag-auf-der-feministischen-vorabenddemo-zum-afd-bundesparteitag\/","title":{"rendered":"Redebeitrag auf der feministischen Vorabenddemo zum AfD Bundesparteitag"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufstieg der AfD n\u00e4hrt sich aus der Angst wei\u00dfer deutscher M\u00e4nner. Sie f\u00fcrchten um ihre gesellschaftliche Vormachtstellung, ihren Wohlstand. Sie haben Angst vor einer Zukunft, in der ihr Geltungsdrang ins Leere l\u00e4uft. Aus dieser Angst heraus besinnen sie sich auf das was ihnen scheinbar niemand nehmen kann: Ihr Geschlecht und die Nation als heilsbringenden \u00dcberbau einer Gesellschaft.<br \/>\nIhr autorit\u00e4rer Wunsch nach Ordnung wird ersch\u00fcttert wenn es pl\u00f6tzlich mehr als zwei Geschlechter gibt, wenn die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse von denen sie immer profitiert haben ins Wanken geraten. Diese Ordnung lebt in ihren Mythen von vergangener Gr\u00f6\u00dfe. Sie lebt im M\u00e4nnerbund, in dem Konkurrenz immernoch in Saufritualen und Wettbewerben sublimiert werden kann, in dem der Wunsch nach N\u00e4he in gespielter Homoerotik einen Raum findet.<br \/>\nWeil sie erleben m\u00fcssen, dass Deutsch sein und Mann sein nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen des Alltags zu begegnen, erfinden sie Mythen und tr\u00e4umen sich in eine fortlaufende Geschichte von soldatischer M\u00e4nnlichkeit und Tugend.<br \/>\nIn dieser Geschichte sind sie auserkoren das sog. \u201eAbendland\u201c zu verteidigen und nicht mehr der arme Hanswurst. Sie verteidigen es gegen anr\u00fcckende Horden seien sie nun die T\u00fcrken vor Wien oder die kolonialen Hilfstruppen bei der franz\u00f6sischen Besetzung des Rheinlandes 1918. Verteidigt wird dabei, neben dem nebul\u00f6sen Begriff des Vaterlandes, das ihre Herzen h\u00f6her schlagen l\u00e4sst, vor allem die herrschende Geschlechterordnung bzw. der Zugriff auf ihre Frauen.<br \/>\nIn diesem Denken war das Geschehen der K\u00f6lner Silvesternacht ein herber Verlust. In der extrem rechten \u201eSezession\u201c verglich der rechte Publizist und AfD Berater Thor Kunkel die \u00dcbergriffe in K\u00f6ln mit den, in seinem Sprachgebrauch \u201eNotzuchtsdelikten\u201c, nordafrikanischer Hilfstruppen in Freudenstadt 1945. Damals wie heute scheint der deutsche Mann unf\u00e4hig sich zu behaupten. Schuld daran sei eine Umerziehung, ein Verlust seiner Wurzeln, ob wie damals durch die alliierten Siegerm\u00e4chte oder heute durch die \u00fcberall gewitterte links-gr\u00fcne Verschw\u00f6rung. Thor beschwert sich weiter: <\/p>\n<p><em>&#8222;Von einem Deutschen haben die Misset\u00e4ter dagegen nichts zu bef\u00fcrchten \u2013 selbst wenn sie weiter gegangen w\u00e4ren. Der verhausschweinte Deutsche, dieser Jammerlappen und Moral-Kr\u00fcppel, schl\u00e4gt in den seltensten F\u00e4llen zur\u00fcck. Er wei\u00df doch gar nicht mehr, wie es geht\u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Auch Junge Alternative Vorsitzender Markus Frohnmaier, mittlerweile Mitglied des Bundestages beklagt diesen eklatanten Unwillen das jeweils eigene, ob nun Land, Kultur oder Frau mit Gewalt zu verteidigen:<br \/>\n<em><br \/>\n\u201eEchte M\u00e4nnlichkeit bedeutet nicht: Ich hau&#8216; dich um. M\u00e4nnlichkeit hat damit zu tun, ob jemand etwas wei\u00df. M\u00e4nnlichkeit bedeutet auch, f\u00fcr seine Frau einzustehen und, wenn n\u00f6tig, das vor der T\u00fcr zu kl\u00e4ren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In dieser Logik greift der echte Mann nur zur Gewalt wenn es um Gro\u00dfes geht, Ehre, Frau, Nation. Als begeisterter Unterst\u00fctzer der pro-russischen Milizion\u00e4re am Dombass und Mitglied in der Hooligan-Vereinigung German Defence League d\u00fcrfte er, sich seinem Denken folgend, mit gutem Gewissen als echten Mann begreifen.<br \/>\nDer eigene Mangel, die narzisstische Kr\u00e4nkung, die im wahrsten Sinne des Wortes Erfahrung von Impotenz die dieser empfundene Mangel an wahrer M\u00e4nnlichkeit hervorruft, muss verarbeitet werden. Zum einen zur Abwertung der sogenannten fremden Kultur, hinter der sich immer noch das gute alte Wort Rasse verbirgt, als unm\u00e4nnlich, archaisch, weibisch. Zum anderen zu Neid, zum Beispiel wenn die H\u00f6ckes dieser Welt \u00fcber die starke Zeugungskraft der M\u00e4nner in der Subsahara fabulieren. In beidem zeigt sich die Armseligkeit von der die ins \u00dcberproportionale aufgeblasene eigene Gr\u00f6\u00dfe ablenken soll. <\/p>\n<p>Um diesem gleichzeitgen Moment von Sexismus und Rassismus zu begegnen braucht es einen radikalen Feminismus, der zugleich antirassisitsch ist. Das beides nicht unbedingt miteinander einhergeht, ist eine Erkenntnis zu der es nicht erst die Ausf\u00e4lle von Alice Schwarzer brauchte. Zahllose feministinnen of colour mussten und m\u00fcssen antirassistische Positionen gegen einen wei\u00dfen Feminismus immer wieder erk\u00e4mpfen. Sexismus in ein \u201eau\u00dfen\u201c zu projizieren und als fremd zu markieren ist dabei ein Argumentationsmuster. Nicht nur RassistInnen wie Schwarzer dient das dazu das eigene unmarkiert zu lassen, die buchst\u00e4blich wei\u00dfe Weste zu wahren. So entsteht ein argumentativer Raum, der frei von Sexismus sei, wo dieser fremd ist kann er nicht eigen sein und l\u00e4dt auch pl\u00f6tzlich wei\u00dfe deutsche M\u00e4nner ein sich mit ihm zu besch\u00e4ftigen, sich zu emp\u00f6ren. So werden Widerspr\u00fcche nivelliert, werden sexistische Positionen in eine feministische Argumentation integriert. Auch in unseren eigenen Strukturen ist dieses Denken zu finden. Dabei wird so getan als w\u00fcrden die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse vor dem Freiraum-Schild halt machen, als w\u00fcrden wir sie nicht selbst tagt\u00e4glich reproduzieren um zu funktionieren, nicht aufzufallen, auch einfach weil wir keine alternative Sichtweise kennen. Die Annahme es k\u00f6nnte einen Raum, geben der frei von Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen sei ist ein sch\u00f6ner Traum. Anstatt zu tr\u00e4umen, m\u00fcssen wir uns diesen Auseinandersetzungen stellen. Einen emanziaptorischen Feminismus gibt es nicht for free, wir m\u00fcssen ihn uns erarbeiten. Jeden Tag, solidarisch und miteinander.<\/p>\n<p>Doch wir m\u00fcssen auch dar\u00fcber hinaus gehen, es reicht nicht in den R\u00fcckzugsgefechten des Patriarchats f\u00fcr Feminismus und Freiheit einzustehen, es reicht nicht uns in unseren Zentren, in unseren WGS, bei der Arbeit dem allt\u00e4glichen Sexismus und der Gewalt entgegenzustellen, wir brauchen die Frage nach dem gro\u00dfen Ganzen.  Wir wollen die Grundfesten der patriarchalen Ordnung ersch\u00fcttern; wir wollen den Grund f\u00fcr die autorit\u00e4ren Sehns\u00fcchte abschaffen und damit die patriarchalen Charaktere, mit denen wir konfrontiert sind. Das hei\u00dft f\u00fcr uns, den Kapitalismus abzuschaffen; das hei\u00dft f\u00fcr uns, den Nationalstaat mitsamt seiner Bev\u00f6lkerungspolitik und Verwertungslogik abzuschaffen; das hei\u00dft f\u00fcr uns, f\u00fcr eine Gesellschaft zu k\u00e4mpfen, in der es keinen Grund gibt, Menschen in Geschlechter einzuteilen.<br \/>\nDer erfolgreichste Kampf gegen dieses patriarchale Elend, gegen den grassierenden Rassimus, gegen die autorit\u00e4ren Sehns\u00fcchte, gegen eine Politik in der Angst anstatt Hoffnung regiert ist eine starke, selbstkritische, feministische Bewegung.<br \/>\nEs ist Zeit f\u00fcr eine feministische Offensive: The future is unwritten! Lasst uns nicht nur das Schlechte abwehren, lasst uns etwas Neues schaffen. Lasst uns eine wirkliche Perspektive auf eine bessere Gesellschaft entwickeln.<br \/>\n<strong>Nieder mit dem Patriarchat! AfD Bundesparteitag zum Desaster machen! F\u00fcr den Kommunismus!<\/strong><br \/>\n<strong><br \/>\n[Lisa:2]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufstieg der AfD n&auml;hrt sich aus der Angst wei&szlig;er deutscher M&auml;nner. Sie f&uuml;rchten um ihre gesellschaftliche Vormachtstellung, ihren Wohlstand. Sie haben Angst vor einer Zukunft, in der ihr Geltungsdrang ins Leere l&auml;uft. 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