{"id":45452,"date":"2018-12-07T10:00:16","date_gmt":"2018-12-07T09:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/lizaswelt.net\/?p=25387"},"modified":"2018-12-07T10:00:16","modified_gmt":"2018-12-07T09:00:16","slug":"rausschmiss-wegen-kritik-an-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2018\/12\/rausschmiss-wegen-kritik-an-antisemitismus\/","title":{"rendered":"Rausschmiss wegen Kritik an Antisemitismus"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" data-attachment-id=\"25391\" data-permalink=\"https:\/\/lizaswelt.net\/2018\/12\/07\/rausschmiss-wegen-kritik-an-antisemitismus\/vorstand-gtv-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=610\" data-orig-size=\"560,420\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4.3&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;DMC-G6&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1536256406&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;18&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;160&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.00625&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Der amtierende Vorstand des Ganey-Tikva-Vereins vor dem Kunstwerk \u00bbA Key to Friendship\u00ab der israelischen K\u00fcnstlerin Orna Ben-Ami, das bei einem Skulpturenaustausch der Stadt Bergisch Gladbach geschenkt wurde (\u00a9 Ganey-Tikva-Verein)\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=610?w=300\" data-large-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=610?w=500\" class=\"alignnone wp-image-25391 size-full\" title=\"Der amtierende Vorstand des Ganey-Tikva-Vereins vor dem Kunstwerk \u00bbA Key to Friendship\u00ab der israelischen K\u00fcnstlerin Orna Ben-Ami, das bei einem Skulpturenaustausch der Stadt Bergisch Gladbach geschenkt wurde (\u00a9 Ganey-Tikva-Verein)\" src=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=610\" alt=\"Der amtierende Vorstand des Ganey-Tikva-Vereins vor dem Kunstwerk \u00bbA Key to Friendship\u00ab der israelischen K\u00fcnstlerin Orna Ben-Ami, das bei einem Skulpturenaustausch der Stadt Bergisch Gladbach geschenkt wurde (\u00a9 Ganey-Tikva-Verein)\" srcset=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg 560w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=150 150w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=300 300w, https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/vorstand-gtv1.jpg?w=500 500w\" sizes=\"(max-width: 560px) 100vw, 560px\"   \/><\/p>\n<p><strong>In Bergisch Gladbach hat der B\u00fcrgermeister die Zusammenarbeit mit dem Verein aufgek\u00fcndigt, der jahrelang die Beziehungen zur israelischen Partnerstadt Ganey Tikva gepflegt hat. Sein Vorwurf: Der Verein sp\u00fcre \u00bbinquisitorisch\u00ab dem Antisemitismus nach und sei zu Unrecht auf Konfrontation mit dem \u00f6rtlichen Verein gegangen, der f\u00fcr die Partnerschaft mit Beit Jala im Westjordanland zust\u00e4ndig ist. Zu den Hintergr\u00fcnden einer Geschichte, die weit mehr ist als eine Posse in der N\u00e4he von K\u00f6ln.<\/strong><\/p>\n<p>Lutz Urbach betont stets, \u00bbkeine Weltpolitik\u00ab betreiben zu wollen. Der 52-j\u00e4hrige CDU-Mann ist seit neun Jahren B\u00fcrgermeister von Bergisch Gladbach, einer Stadt mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern, die buchst\u00e4blich im Schatten von K\u00f6ln liegt. Daf\u00fcr unterh\u00e4lt sie als eine der wenigen deutschen St\u00e4dte eine Partnerschaft sowohl zu einer israelischen als auch zu einer pal\u00e4stinensischen Stadt, n\u00e4mlich zu Ganey Tikva in der N\u00e4he von Tel Aviv und zu Beit Jala im Westjordanland.\u00a0Der Rat von Bergisch Gladbach hatte im Jahr 2012 sogar den ambitionierten Beschluss getroffen, \u00bbeine trilaterale Beziehung aufzubauen\u00ab. Man wolle dadurch,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/streit-mit-ganey-tikva-verein-lutz-urbach---ich-habe-gemerkt--es-geht-nicht-mehr--31038654\"  rel=\"noopener\">sagt Urbach<\/a>, \u00bbMenschen zusammenbringen\u00ab und \u00bbBr\u00fccken bauen\u00ab. Und vielleicht insgeheim doch ein bisschen Weltpolitik betreiben, schlie\u00dflich eignet vielen Kommunalpolitikern ein gewisser Drang zu mehr Geltung und Einfluss, wobei vom sogenannten Nahostkonflikt als Bet\u00e4tigungsfeld ganz offensichtlich eine besondere Anziehungskraft ausgeht.<\/p>\n<p>Im vergangenen Sommer hat Lutz Urbach jedenfalls\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/ganey-tikva-stadt-bergisch-gladbach-stoppt-zusammenarbeit-mit-partnerschaftsverein-30969042\"  rel=\"noopener\">eine Br\u00fccke eingerissen<\/a>, n\u00e4mlich die zum Ganey-Tikva-Verein, der die Partnerschaft mit der israelischen Stadt jahrelang ehrenamtlich organisiert, gepr\u00e4gt und durch zahlreiche Veranstaltungen und Programme mit Leben gef\u00fcllt hat. Der B\u00fcrgermeister erkl\u00e4rte die Zusammenarbeit der Stadt mit dem Verein f\u00fcr beendet und lie\u00df mitteilen, den Kontakt nach Ganey Tikva k\u00fcnftig \u00fcber sein B\u00fcro zu pflegen. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, der Verein habe sich deutlich in Richtung einer Konfrontation mit dem Beit-Jala-Verein entwickelt, der f\u00fcr die Partnerschaft mit der pal\u00e4stinensischen Stadt zust\u00e4ndig ist. Das sei ein St\u00f6rfaktor f\u00fcr die gew\u00fcnschten \u00bbtrilateralen Beziehungen\u00ab. Unmittelbarer Anlass war eine nicht \u00f6ffentliche Gespr\u00e4chsrunde im Rathaus, an der die Vorst\u00e4nde beider Vereine teilgenommen hatten. \u00dcber die Bewertung des Abends gingen die Ansichten anschlie\u00dfend jedoch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/bergisch-gladbach-streit-zwischen-staedtepartnervereinen-fuer-nahen-osten-eskaliert-30956402\"  rel=\"noopener\">weit auseinander<\/a>.<\/p>\n<p>Zu dieser Gespr\u00e4chsrunde waren zwei externe G\u00e4ste eingeladen worden, n\u00e4mlich Michael F\u00fcrst, der Vorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinden in Niedersachsen, und Yazid Shammout, der Vorsitzende der Pal\u00e4stinensischen Gemeinde Hannover. Beide treten seit mehreren Jahren gemeinsam auf und werden deshalb von manchen als eine Art Traumpaar der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung betrachtet. Dabei ist dieses Duo vor allem ein Beweis daf\u00fcr, dass eine solche Kooperation normalerweise nur zustande kommt, wenn der j\u00fcdische Teil f\u00fcr die antiisraelische Haltung des Gegen\u00fcbers viel Verst\u00e4ndnis hat oder sie sogar mittr\u00e4gt, w\u00e4hrend der pal\u00e4stinensische Part keinerlei Zugest\u00e4ndnisse machen muss. Zwar gibt es Differenzen zwischen F\u00fcrst und Shammout, etwa \u00fcber den Gazakrieg des Jahres 2014. Doch w\u00e4hrend F\u00fcrst beispielsweise die israelischen Siedlungen im Westjordanland als \u00bbHemmschuh f\u00fcr den Frieden\u00ab\u00a0<a href=\"http:\/\/www.haz.de\/Nachrichten\/Politik\/Deutschland-Welt\/Gespraech-zum-Gaza-Konflikt-mit-Yazid-Shammout-und-Michael-Fuerst\"  rel=\"noopener\">bezeichnet<\/a>, kommt Shammout nicht einmal zur Hamas ein kritisches Wort \u00fcber die Lippen.<\/p>\n<p><strong>Kritik des Ganey-Tikva-Vereins wurde \u00fcbergangen<\/strong><\/p>\n<p>Mehr noch: F\u00fcrst lie\u00df sich vor neun Jahren sogar\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sn-online.de\/Aus-der-Region\/Stadt-Hannover\/Uebersicht\/Palaestinenser-und-Juden-erzaehlen-sich-ihre-Lebensgeschichten\">darauf ein<\/a>, mit Shammout in Hannover eine Veranstaltung zu organisieren, bei der die Shoa und die \u00bbNakba\u00ab auf eine Stufe gestellt wurden. Eingeladen waren j\u00fcdische \u00dcberlebende der deutschen Vernichtungslager genauso wie Pal\u00e4stinenser, die 1948 den soeben gegr\u00fcndeten Staat Israel verlie\u00dfen, verlassen mussten oder vor dem Krieg flohen.\u00a0Die Teilnehmer der Veranstaltung sollten erz\u00e4hlen, sich nicht unterbrechen und nicht diskutieren. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass die gravierenden, wesenhaften Unterschiede zwischen dem Menschheitsverbrechen des Holocaust und einer Kriegshandlung, zu der es ohne die Ablehnung des UN-Teilungsbeschlusses durch die arabischen Staaten und ohne deren Angriff auf den soeben gegr\u00fcndeten j\u00fcdischen Staat mit dem Ziel seiner Vernichtung nicht gekommen w\u00e4re, nicht zur Sprache kamen. Was als \u00bbBegegnung\u00ab verkauft wurde, war nichts anderes als eine Form der Holocaustrelativierung und eine Gleichsetzung von Israelis und Nazis.<\/p>\n<p>Beim Ganey-Tikva-Verein sorgte die Gespr\u00e4chsrunde mit F\u00fcrst und Shammout im Bergisch Gladbacher Rathaus jedenfalls f\u00fcr Ern\u00fcchterung. Eine gemeinsame Presseerkl\u00e4rung mit dem Titel \u00bbGemeinsamkeiten ausbauen, Unterschiede respektieren\u00ab, in der die Debatte als Erfolg verbucht wurde und die urspr\u00fcnglich von beiden Partnerschaftsvereinen unterzeichnet werden sollte, lehnte der Vorstand des Vereins <em>(Foto oben)\u00a0<\/em>deshalb ab. Formuliert worden war\u00a0<a href=\"https:\/\/docs.google.com\/viewerng\/viewer?url=https:\/\/in-gl.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Presseinfo_Diskussion-Rathaus__Urspr%C3%BCngiche-Fassung-BJV.docx&amp;hl=de\"  rel=\"noopener\">der Entwurf<\/a>\u00a0vom Beit-Jala-Verein. Wesentliche Inhalte des Gespr\u00e4chs mit F\u00fcrst und Shammout seien darin nicht korrekt wiedergegeben worden, hie\u00df es in einer\u00a0<a href=\"https:\/\/in-gl.de\/2018\/07\/13\/nahost-konflikt-kommt-in-bergisch-gladbach-an\/\"  rel=\"noopener\">Stellungnahme<\/a>\u00a0des Ganey-Tikva-Vereins. Au\u00dferdem habe der Text tendenziell israelfeindliche Passagen enthalten \u2013 etwa die Behauptung, die \u00bbBesatzungsrealit\u00e4t\u00ab mache eine Begegnung der beiden Partnerst\u00e4dte von Bergisch Gladbach unm\u00f6glich \u2013 und den falschen Eindruck vermittelt, die Diskussion habe positive Impulse gebracht. Daher habe der Ganey-Tikva-Verein empfohlen, auf eine gemeinsame Presseerkl\u00e4rung zu verzichten.<\/p>\n<p>Doch stattdessen ver\u00f6ffentlichte die Stadt Bergisch Gladbach den Text fast wortgleich in ihrem Namen als offizielle Pressemitteilung. \u00bbDie kritische Position des Ganey-Tikva-Vereins zu dem Treffen wurde schlichtweg \u00fcbergangen\u00ab, so der Vereinsvorstand. Es sei eine Tatsache, \u00bbdass es zwischen den St\u00e4dtepartnerschaftsvereinen so gut wie keine Gemeinsamkeiten gibt und Unterschiede \u2013 wie die Position des Ganey-Tikva-Vereins zu den Ergebnissen der Diskussionsrunde im Rathaus \u2013 eben nicht respektiert wurden\u00ab. Durch die Ver\u00f6ffentlichung dieser Pressemitteilung sei deshalb Vertrauen zerst\u00f6rt und die \u00d6ffentlichkeit falsch informiert worden. \u00bbEs ist f\u00fcr uns eine traurige Tatsache, dass der Beit-Jala-Verein dem Antisemitismus Vorschub leistet\u00ab,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/bergisch-gladbach-streit-zwischen-staedtepartnervereinen-fuer-nahen-osten-eskaliert-30956402\"  rel=\"noopener\">sagte Petra Hemming<\/a>, die Vorsitzende des Ganey-Tikva-Vereins, Mitte Juli dem\u00a0<em>K\u00f6lner Stadt-Anzeiger<\/em>. Man werde sich deshalb deutlich gegen jede Form des Antisemitismus in der Stadt positionieren, ohne dabei die Partnerschaftsprojekte zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p><strong>Antiisraelische Aktivit\u00e4ten des Beit-Jala-Vereins<\/strong><\/p>\n<p>Der Beit-Jala-Verein\u00a0<a href=\"https:\/\/in-gl.de\/2018\/07\/15\/antisemitismus-beit-jala-verein-weist-vorwurf-hart-zurueck\/\"  rel=\"noopener\">nannte<\/a>\u00a0die Kritik eine \u00bbinfame Unterstellung\u00ab und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/bergisch-gladbach-streit-zwischen-staedtepartnervereinen-fuer-nahen-osten-eskaliert-30956402\">verlautbarte<\/a>: \u00bbWir lassen uns ganz sicher nicht in die Antisemitismus-Ecke stellen.\u00ab B\u00fcrgermeister Urbach k\u00fcndigte sogar kurzerhand die Zusammenarbeit mit dem Ganey-Tikva-Verein auf. Sein Verh\u00e4ltnis zu ihm h\u00e4lt er f\u00fcr \u00bbnachhaltig gest\u00f6rt\u00ab. In einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/streit-mit-ganey-tikva-verein-lutz-urbach---ich-habe-gemerkt--es-geht-nicht-mehr--31038654\"  rel=\"noopener\">Interview des\u00a0<em>K\u00f6lner Stadt-Anzeigers<\/em><\/a>\u00a0ging er noch weiter: Der Verein habe in den vergangenen Monaten \u00bbseinen Fokus auf die Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus gelegt\u00ab, was Urbach missf\u00e4llt, wo er doch schon \u00bbgemeinsam mit der evangelischen Kirche den Holocaust-Gedenktag begeht und zum Gedenken an die Reichspogromnacht einl\u00e4dt\u00ab.\u00a0Offenbar h\u00e4lt der B\u00fcrgermeister das f\u00fcr hinreichend. Wenn es nach ihm geht, soll sich ein Verein, der sich um die Partnerschaft mit einer Stadt in Israel k\u00fcmmert, nicht mit dem Hass auf lebende Juden und ihren Staat besch\u00e4ftigen, sondern sich auf das Gedenken an die toten Juden beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>In einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bergischgladbach.de\/news\/21956\/offener-brief-von-buergermeister-lutz-urbach-an-den-ganey-tikva-verein\"  rel=\"noopener\">offenen Brief<\/a>\u00a0an den Ganey-Tikva-Verein wurde Urbach Ende August noch deutlicher: \u00bbDie inzwischen schon nahezu inquisitorische Art und Weise, wie Antisemitismus aufgesp\u00fcrt wird, schadet dem Thema. Der Verein wirft unterschiedliche Begriffe auf: struktureller Antisemitismus, israelbezogener Antisemitismus, Antiisraelismus etc. Dadurch wird der Begriff ausgeh\u00f6hlt und der Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus tats\u00e4chlich nicht gerecht. Solche Propaganda schadet nur. Es nutzt weder Israel noch der Partnerstadt.\u00ab Merke: Nicht der Antisemitismus in allen seinen Formen ist das Problem, sondern die Kritik an ihm. Oder, um es mit Kurt Tucholsky zu sagen: \u00bbIm \u00dcbrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, f\u00fcr viel gef\u00e4hrlicher als der, der den Schmutz macht.\u00ab Das Bergisch Gladbacher Stadtoberhaupt jedenfalls h\u00e4lt die Kritik f\u00fcr Inquisition und Propaganda und findet sie sch\u00e4dlich. Wer es, wie der Ganey-Tikva-Verein, wagt, sie zu \u00e4u\u00dfern, und das Problem im Zuge dessen auch in der eigenen Stadt verortet, wird deshalb mit einem Ausschluss bestraft.<\/p>\n<p>Dabei gibt es gen\u00fcgend Gr\u00fcnde zur Kritik am Beit-Jala-Verein, nicht nur wegen des erw\u00e4hnten\u00a0<a href=\"https:\/\/docs.google.com\/viewerng\/viewer?url=https:\/\/in-gl.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Presseinfo_Diskussion-Rathaus__Urspr%C3%BCngiche-Fassung-BJV.docx&amp;hl=de\"  rel=\"noopener\">Entwurfs<\/a>\u00a0f\u00fcr die Pressemitteilung zur Veranstaltung mit Michael F\u00fcrst und Yazid Shammout, in der, neben den \u00bbisraelkritischen\u00ab Passagen, unter der Zwischen\u00fcberschrift \u00bbPers\u00f6nliches Schicksal verbindet\u00ab auch eine Gleichsetzung von Shoa und \u00bbNakba\u00ab betrieben wird: Nach der Feststellung, dass F\u00fcrsts Vater und die Gro\u00dfeltern von den Nationalsozialisten ins Ghetto Riga deportiert wurden und nur der Vater den Holocaust \u00fcberlebte, hei\u00dft es, auch Shammout blicke \u00bbauf eine schmerzvolle Vergangenheit zur\u00fcck\u00ab, weil seine Eltern 1948 von Jaffa nach Beirut h\u00e4tten fliehen m\u00fcssen \u2013 so, als lie\u00dfe sich das in eins setzen. Zudem warb der Verein im Oktober\u00a0<a href=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2018\/12\/screenshot-bjv.png\"  rel=\"noopener\">auf seiner Website<\/a>\u00a0f\u00fcr eine extrem antiisraelische \u00bbNakba\u00ab-Ausstellung, die urspr\u00fcnglich in der K\u00f6lner Lutherkirche gezeigt werden sollte, bevor der zust\u00e4ndige Superintendent\u00a0<a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2018\/44\/viel-laerm-mit-wenig-aufwand\"  rel=\"noopener\">ein Verbot aussprach<\/a>\u00a0\u2013 und der Beit-Jala-Verein auf frischer Tat ertappt seine Werbung kommentarlos wieder l\u00f6schte.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 5. Dezember hat der Verein \u00fcberdies zu einer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gl-beitjala.net\/pages\/posts\/r.-stuhlmann-von-nes-ammim-nach-beit-jala-142.php\"  rel=\"noopener\">Veranstaltung mit Rainer Stuhlmann<\/a>\u00a0geladen, einem evangelischen Pfarrer im Ruhestand. Stuhlmann hatte im April einen Text zu einer \u00bbGottesdienst-Arbeitshilfe\u00ab der Evangelischen Kirche im Rheinland beigetragen, in dem er Israel als brutale\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ruhrbarone.de\/evangelischen-kirche-im-rheinland-gottesdienst-arbeitshilfe-gegen-israel\/154111\"  rel=\"noopener\">Besatzungsmacht d\u00e4monisierte<\/a>, Geschichtsklitterung betrieb und sich die pal\u00e4stinensische Propaganda zu eigen machte. Der Landesverband der J\u00fcdischen Gemeinden von Nordrhein sagte daraufhin eine geplante gemeinsame Israelreise mit Vertretern der Evangelischen Kirche im Rheinland ab, auch in den Medien stie\u00df Stuhlmanns Beitrag auf\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fr.de\/politik\/israel-und-kirche-eklat-um-theologen-papier-im-stil-der-fatah-und-hamas-a-1495466\"  rel=\"noopener\">deutliche Kritik<\/a>. Wenn man sich die Ver\u00f6ffentlichungen des Beit-Jala-Vereins auf seiner Website und seine Aktivit\u00e4ten ansieht, darf man wohl davon ausgehen, dass er den fr\u00fcheren Pfarrer nicht trotzdem, sondern gerade deshalb zum Vortrag bittet.<\/p>\n<p><strong>\u00bbBr\u00fcckenbau\u00ab zulasten Israels<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Urbach hat gleichwohl\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bergischgladbach.de\/news\/21956\/offener-brief-von-buergermeister-lutz-urbach-an-den-ganey-tikva-verein\"  rel=\"noopener\">kein Problem<\/a>\u00a0mit dem Verein. Dieser benenne \u00bballenfalls Fakten\u00ab und spreche \u00bbdas Leiden der Menschen\u00ab in der Partnerstadt an. Das habe \u00bbnichts mit antiisraelischer Politik oder gar Judenhass zu tun\u00ab. Der Ganey-Tikva-Verein dagegen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/streit-mit-ganey-tikva-verein-lutz-urbach---ich-habe-gemerkt--es-geht-nicht-mehr--31038654\"  rel=\"noopener\">verfolge<\/a>\u00a0\u00bbverst\u00e4rkt Positionen einer radikalen Israelpolitik\u00ab. Was er unter dieser merkw\u00fcrdigen Formulierung versteht, l\u00e4sst Urbach offen, aber man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass er eine entschiedene Parteinahme f\u00fcr den j\u00fcdischen Staat ablehnt.\u00a0F\u00fcr ihn ist jedenfalls klar, wer die \u00bbtrilateralen Beziehungen\u00ab seiner Stadt gef\u00e4hrdet, n\u00e4mlich der Verein zur Pflege der Beziehungen mit der israelischen Partnerstadt: Weil er kritikw\u00fcrdige \u00c4u\u00dferungen und Aktivit\u00e4ten seines Pendants nicht widerspruchlos hinnimmt und sich nicht mit ihnen gemein macht, weil er die Dinge beim Namen nennt, weil er unter \u00bbBr\u00fcckenbau\u00ab und \u00bbBegegnung\u00ab etwas anderes versteht als einseitige Konzessionen zulasten Israels, das Beschweigen des pal\u00e4stinensischen Antisemitismus und die Relativierung des Holocaust durch eine infame Gleichsetzung mit dem, was pal\u00e4stinensischen Arabern 1948 widerfahren ist. Kurz: Weil er an der in Deutschland \u00fcblichen Deutungshoheit \u00fcber den israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikt gekratzt und einen Nerv getroffen hat.<\/p>\n<p>Der Ganey-Tikva-Verein f\u00fchlt sich begreiflicherweise ungerecht behandelt, diffamiert und ausgegrenzt. Der Versuch einer Einigung mit Lutz Urbach und dessen B\u00fcroleiter im September endete\u00a0<a href=\"https:\/\/in-gl.de\/2018\/09\/23\/ganey-tikva-neuer-gespraechsanlauf-endet-mit-eklat\/\"  rel=\"noopener\">nach wenigen Minuten<\/a>, weil der B\u00fcrgermeister Ansto\u00df daran nahm, dass der Verein mit drei statt zwei Personen zum vereinbarten Treffen erschienen war, und die Versammlung daraufhin verlie\u00df. Ein\u00a0<a href=\"https:\/\/in-gl.de\/2018\/10\/30\/ganey-tikva-verein-legt-beschwerde-ein-diffamiert-und-ausgegrenzt\/\"  rel=\"noopener\">offizieller Protest<\/a>\u00a0des Vereins gegen den Entzug des Mandats f\u00fcr die St\u00e4dtepartnerschaft beim Ausschuss der Stadt Bergisch Gladbach f\u00fcr Anregungen und Beschwerden wurde Anfang November ohne Aussprache zur\u00fcckgewiesen.\u00a0Einige Vorstandsmitglieder aus dem engeren Umfeld Urbachs waren im Sommer zur\u00fcck- und aus dem Verein ausgetreten, sie geh\u00f6ren nun zum\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/region\/rhein-berg-oberberg\/bergisch-gladbach-archiv\/ganey-tikva-verein-gespalten-neuer-freundeskreis-nimmt-seine-arbeit-auf--31220768\"  rel=\"noopener\">neu gegr\u00fcndeten<\/a>\u00a0\u00bbFreundeskreis Ganey Tikva\u00ab, der ganz im Sinne des B\u00fcrgermeisters agiert, sich als \u00bbunpolitisch\u00ab versteht und sich nicht um den Antisemitismus k\u00fcmmern, sondern den Schulterschluss mit dem Beit-Jala-Verein suchen will. Der Ganey-Tikva-Verein hat jedoch \u00bbmehr neue Mitglieder gewonnen als alte verloren\u00ab, wie seine Vorsitzende Petra Hemming sagt. Inzwischen geh\u00f6rten ihm mehr als 50 Menschen an.<\/p>\n<p>Was sich seit dem Sommer in Bergisch Gladbach zugetragen hat, ist mehr als nur eine Posse rund um den B\u00fcrgermeister einer Provinzstadt, der es nicht ertr\u00e4gt, dass sein Modell f\u00fcr eine L\u00f6sung des \u00bbNahostkonflikts\u00ab im Kleinen nicht auf ungeteilten Beifall st\u00f6\u00dft. Vielmehr sind die Geschehnisse symptomatisch f\u00fcr die Sicht auf diesen Konflikt, die in Deutschland hegemonial ist\u00a0\u2013 und f\u00fcr die dominierenden Vorstellungen von \u00bbVerst\u00e4ndigung\u00ab, \u00bbBr\u00fccken\u00ab und \u00bbBegegnung\u00ab. Die Hand ausstrecken soll immer nur die j\u00fcdisch-israelische Seite (und jene, die ihr verbunden sind), w\u00e4hrend der pal\u00e4stinensischen keinerlei Zugest\u00e4ndnisse abverlangt werden; mehr noch: Ihr Opfernarrativ wird bereitwillig geteilt. Der Antisemitismus in seiner israelbezogenen Variante soll m\u00f6glichst nicht thematisiert werden, obwohl \u2013 oder besser gesagt: gerade weil \u2013 er auf pal\u00e4stinensisch-arabischer Seite geradezu endemisch ist. Wer gegen diese ungeschriebenen Gesetze verst\u00f6\u00dft, riskiert nicht nur, als St\u00f6renfried, Nestbeschmutzer und Friedensfeind betrachtet zu werden, sondern auch den politischen und gesellschaftlichen Ausschluss.<\/p>\n<p>Den Ganey-Tikva-Verein ficht das gleichwohl nicht an. \u00bbWir werden uns davon ganz sicher nicht unterkriegen lassen, sondern jetzt erst recht weitermachen\u00ab, sagt Petra Hemming.<\/p>\n<p><span style=\"font-size:85%;\">Zuerst ver\u00f6ffentlicht auf <em><a href=\"https:\/\/www.mena-watch.com\/mena-analysen-beitraege\/bergisch-gladbach-rausschmiss-wegen-kritik-an-antisemitismus\/\"  rel=\"noopener noreferrer\">MENA-Watch<\/a><\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:85%;\"><em>Zum Foto:<\/em>\u00a0Der amtierende Vorstand des Ganey-Tikva-Vereins vor dem Kunstwerk \u00bbA Key to Friendship\u00ab der israelischen K\u00fcnstlerin Orna Ben-Ami, das bei einem Skulpturenaustausch der Stadt Bergisch Gladbach geschenkt wurde. (\u00a9 Ganey-Tikva-Verein)<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.addtoany.com\/share_save?linkurl=http%3A%2F%2Flizaswelt.net%2F2018%2F12%2F07%2Frausschmiss-wegen-kritik-an-antisemitismus%2F&amp;linkname=Rausschmiss%20wegen%20Kritik%20an%20Antisemitismus\"  rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Diesen Beitrag mit anderen teilen\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/static.addtoany.com\/buttons\/share_save_256_24.png\" alt=\"\" width=\"256\" height=\"24\" \/><\/a> <a href=\"mailto:lizaswelt@gmail.com?subject=Feedback%20zu:%20Rausschmiss%20wegen%20Kritik%20an%20Antisemitismus\"  rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1197\" data-permalink=\"https:\/\/lizaswelt.net\/2010\/07\/16\/projektionsflaeche-palaestinenser\/feedback\/\" data-orig-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback.jpg\" data-orig-size=\"151,24\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"Feedback\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback.jpg?w=151\" data-large-file=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback.jpg?w=151\" class=\"size-full wp-image-1197 alignright\" title=\"Feedback zu diesem Beitrag an Lizas Welt senden\" src=\"https:\/\/lizaswelt2010.files.wordpress.com\/2010\/07\/feedback1.jpg?w=610\" alt=\"\"   \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Bergisch Gladbach hat der B&uuml;rgermeister die Zusammenarbeit mit dem Verein aufgek&uuml;ndigt, der jahrelang die Beziehungen zur israelischen Partnerstadt Ganey Tikva gepflegt hat. 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