{"id":49725,"date":"2020-04-13T20:18:12","date_gmt":"2020-04-13T19:18:12","guid":{"rendered":"https:\/\/evibes.org\/?p=77632"},"modified":"2020-04-13T20:18:12","modified_gmt":"2020-04-13T19:18:12","slug":"stealthing-beitrag-bei-bento","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2020\/04\/stealthing-beitrag-bei-bento\/","title":{"rendered":"Stealthing-Beitrag bei Bento"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr ihre Recherche zum Beitrag <a href=\"https:\/\/www.bento.de\/gefuehle\/stealthing-isabells-sexpartner-hat-heimlich-das-kondom-abgezogen-a-126535b0-787c-4f3e-ba77-bc7e65a7236c\"><strong>&#8220;Isabells Partner hat heimlich das Kondom abgezogen&#8221;<\/strong><\/a>, der Stealthing als Akt der sexualisierten Gewalt behandelt, haben wir Bento-Journalistin Marlene Gernath ein paar Fragen beantwortet:<\/p>\n<p><strong>Es handelt sich dabei um einen klaren sexistischen \u00dcbergriff. Inwiefern ist eine solche Einbettung in gesellschaftliche Herrschaftsverh\u00e4ltnisse relevant oder hilfreich?<\/strong><\/p>\n<p>Die Verinnerlichung von sexistischen Normen und Werten, die wir \u00fcbrigens alle in uns tragen und weitertragen, resultieren u.A. in sexistischen Handlungen. Darunter ist (auch) sexualisierte bzw. sexuelle Gewalt zu subsumieren. Juristisch wird Stealthing als sexueller \u00dcbergriff benannt und verfolgt. Dies ist allerdings nur der \u201ctechnische\u201d Begriff, der eine Fachsprache aus dem juristischen Kontext darstellt.<\/p>\n<p>Wir finden, \u201csexistischer \u00dcbergriff\u201d ist hier eine irref\u00fchrende und verharmlosende Bezeichnung. Sie verhindert die Auseinandersetzung damit, dass es um Aus\u00fcbung von Gewalt gegen eine Person geht. Wir ordnen Stealthing deshalb klar sexualisierter Gewalt zu. Zudem gehen wir davon aus, dass, wie immer bei sexualisierter Gewalt, dies nicht nur im heterosexuellen Kontext sondern auch in allen anderen Konstellationen passiert. Stealthing gibt es in allen Kontexten in denen Kondome bei Penetrationssex verwendet werden z.B. auch Analverkehr von zwei Menschen mit Penis.<\/p>\n<p>Beim Akt des Stealthing findet eine Reproduktion von Machtverh\u00e4ltnissen statt, indem sich \u00fcber konsensualen Geschlechtsverkehr hinweggesetzt wird. Konsensual, weil es eine Verabredung zur Verh\u00fctung mit Kondom gibt. Es geht um Besitznahme. Betroffenen wird nicht nur eine eigene Entscheidung abgesprochen. Sie k\u00f6nnen au\u00dferdem noch nicht einmal \u201cnein\u201d sagen. Betroffene werden damit unwissentlich zum Objekt degradiert. Der Willen der Betroffenen, die Bestimmung \u00fcber den eigenen Sexualakt und das Recht auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit findet keinen Platz. Die Legitimationsstrategie von \u201cgef\u00fchlsechtem\u201d Geschlechtsverkehr ist wirksamer \u2013 die sich gleicherma\u00dfen auch zum Ma\u00dfstab verkehrt (selbst Kondomfirmen werben damit) \u2013 als das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Person, mit der man Penetrationssex hat. Ganz im Gegenteil gleicht die Hinterlistigkeit des \u00dcbergriffs durch seinen sneakigen Charakter einer Gamification (Reiz des Spiels) sexualisierter Gewalt. Mit dem Ziel nicht entdeckt zu werden, erhebt sich die aus\u00fcbende Person \u00fcber sexuelle und reproduktive Rechte von anderen. Hier wird deutlich, dass die aus\u00fcbende Person kein Bewusstsein von reproduktiver Verantwortung hat. Diese wird einfach auf die betroffene Person \u00fcbertragen, die sich dann ggf. mit einer ungewollten Schwangerschaft oder sexuell \u00fcbertragbaren Krankheiten auseinandersetzen muss.<\/p>\n<p>Sexualisierte, sexistische Gewalt findet schlie\u00dflich nicht im luftleeren Raum statt. Eine Einbettung in gesellschaftliche Herrschaftsverh\u00e4ltnisse ist somit unerl\u00e4sslich, da diese genauer benennen, wie es zu solchen Handlungen kommt, bzw. wie die Gesellschaft diese verharmlost, sch\u00fctzt, oder gar gut hei\u00dft:<span id=\"more-77632\"><\/span><\/p>\n<p>Innerhalb patriachaler Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse reproduzieren sich Geschlechterverh\u00e4ltnisse u.A. durch die Inanspruchnahme stereotyper, aber durchaus wandelbare Bilder von hegemonialer ,M\u00e4nnlichkeit\u2019 und ,Weiblichkeit\u2019. Weiblichen Menschen werden besonders erstrebenswerte Eigenschaften wie R\u00fccksichtsnahme auf andere, F\u00fcrsorglichkeit, Duldsamkeit und Passivit\u00e4t zugeschrieben, m\u00e4nnlichen eher Durchsetzungsverm\u00f6gen, Verantwortungs\u00fcbernahme und Aktivit\u00e4t. Viele Frauen lernen fr\u00fch, Grenz\u00fcberschreitungen hinzunehmen und\/ oder diese gegen sich selbst zu richten. Entsprechend sozialisierte M\u00e4nner begr\u00f6hlenn ihre Grenz\u00fcberschreitungen gemeinsam wie z.B. in Foren wie Reddit. Au\u00dferdem sind sie die Rationalen, die keine Gef\u00fchle haben bzw. sich von diesen als unabh\u00e4ngig definieren. Die Entwicklung einer geschlechtsspezifischen Sexualit\u00e4t, die durch verschiedene Erziehungs- und Sozialisationsinstanzen,wie die eigene Familie oder die Schule, bef\u00f6rdert wird, ist eine solche Konsequenz.<\/p>\n<p>Stealthing innerhalb von heterosexuellem Geschlechtsverkehr dr\u00fcckt also die Ideen und Bilder von M\u00e4nnlichkeit und einer m\u00e4nnlichen Sexualit\u00e4t als aktiv und aggressiv aus, w\u00e4hrend die weibliche Sexualit\u00e4t als eher passiv oder gar nicht erst vorhanden gezeichnet wird oder als eine, die erst erobert werden m\u00fcsse.<br \/>\nStealthing ist deshalb besonders perfide, weil \u201csie\u201d noch nicht einmal nein sagen kann. \u201cSie\u201d kann noch nicht mal im stereotypen Moment des Passivsein aktiv sein. \u201cSie\u201d bemerkt es schlie\u00dflich nicht. \u201cSie\u201d wird eine blo\u00dfe sexualisierte K\u00f6rperh\u00fclle, die ihrerseits keinen Anspruch auf diesen K\u00f6rper hat, weil es ausschlie\u00dflich um die Befriedung des Anderen bzw. den Erfolg der T\u00e4uschung (englisches Wort f\u00fcr \u201cstealthing\u201d) geht.<\/p>\n<p>Stephen Frey hat v\u00f6llig ekelhaft einmal gesagt: \u201cFrauen interessieren sich nicht f\u00fcr Sex. Das ist nur der Preis, den sie f\u00fcr eine Beziehung zahlen.\u201d Grundlage daf\u00fcr ist u.A. eine (immernoch vorherrschende) geschlechtliche Arbeitsteilung, die im Kapitalismus voll auf geht. Dabei werden als weiblich konnotierte Arbeiten (Pflege, Erziehung) minderbewertet, allt\u00e4gliche \u201cReproduktionsarbeit\u201d unsichtbar gemacht, was schlussendlich zur sozialen Unterordnung, zum m\u00e4nnlichen Dominanzgebahren und \u00f6konomischer Abh\u00e4ngigkeit f\u00fchrt. Geframed wird das Ganze durch Institutionen wie Ehe und Familie, die die geschlechtliche Ungleichstellung nur mehr bef\u00f6rdern. Denn hier<br \/>\nwird weibliche Sexualit\u00e4t und m\u00f6glicherweise folgende Reproduktionsleistungen (Kind\/er) eingetauscht gegen eine \u00f6konomische und soziale Absicherung, bisweilen soziale Anerkennung. Scheinbar ist man nur eine richtige Frau, wenn sie einen Partner an ihrer Seite hat und \u2013 wie in Dauerschleife auf Vox zu sehen \u2013 , das richtige Brautkleid f\u00fcr den gl\u00fccklichsten Tag im Leben findet. Diese Logik kann als gesellschaftliche Grundlage daf\u00fcr verstanden werden; dass sich M\u00e4nner ein Eigentumsrecht oder die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber den weiblichen K\u00f6rper zusprechen; dass Stealthing nur ein weiterer Ausdruck von Frauenunterdr\u00fcckung und -abwertung ist.<\/p>\n<p>Trotzdessen bleibt zu betonen, dass die gewaltaus\u00fcbende Person verantwortlich f\u00fcr ihr Handeln ist. Sie kann nicht zur Verteidigung behaupten \u201cdie Gesellschaft ist alleine Schuld\u201d. Sie ist Teil der Gesellschaft und sie bleibt selbstverantwortlich f\u00fcr ihr Tun!<\/p>\n<p><strong>Wie kann dies hilfreich f\u00fcr das Opfer sein?<\/strong><\/p>\n<p>Das Opfer oder die betroffene Person kann so besser erkennen, dass es gesellschaftliche Machtstrukturen sind, die zus\u00e4tzlich zu dem Handeln der gewaltaus\u00fcbenden Person, dieses beg\u00fcnstigen. Die Person kann auch so eventuell erkennen, dass sie nicht alleine ist, sondern es viele verschiedene Betroffene gibt. Eine Vernetzung, ein Austausch etc. kann stattfinden \u2013 dadurch wird (self)empowerment, oder ein weiteres Verarbeiten des Erlebten m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Betroffene sexualisierter Gewalt sehen die Gr\u00fcnde f\u00fcr den \u00dcbergriff oft bei sich, was durch das gesellschaftliche Narrativ (\u201cwas hatte er*sie an?\u201d, \u201chat er*sie Alkohol getrunken\u201d \/\/ was wurde seitens der betroffenen Personen an Kleidung getragen oder konsumiert) beg\u00fcnstigt wird. Weitere solcher narrativer Mythen sind, dass Frauen \u201cNein\u201d sagen, wenn sie \u201cJa\u201d meinen. Dass die Attraktivit\u00e4t so \u00fcberw\u00e4ltigend ist, dass sich nicht beherrscht werden kann, dass Frauen es sich eigentlich tief im Herzen w\u00fcnschen \u201c\u00fcbermannt\u201d zu werden, aber auch, dass die T\u00e4ter \u201cAu\u00dfenseiter\u201d oder &#8220;Psychopathen sind.<\/p>\n<p>Bei der gesellschaftlichen Machtanalyse zeigt sich aber immer, dass die Gr\u00fcnde nicht individualisierbar sind, sondern die \u00dcbergriffe Ergebnisse der gesellschaftlichen Struktur sind.<\/p>\n<p>Um die Strukturen aufrechtzuerhalten, scheint die Verdinglichung des weiblichen K\u00f6rpers als Sexualobjekt immer noch immer notwendig. Dar\u00fcber scheint man zu vergessen, dass Frauen vor allem Subjekte sind, die eindeutig mehr sind, als eine K\u00f6rperh\u00fclle oder Reproduktionsmaschine. Mit der Betrachtung patriachaler Verh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen sich Betroffene neu positionieren und eine eigene Definition der Situation und ihrer Selbst erfahren. So kann aus der evtl. erlebten Ohmacht eine Selbstwirksamkeit und Widerstand entstehen. In dieser emanzipatorische Praxis wird das Erlebte nicht relativiert oder vergessen.<\/p>\n<p><strong>Seht ihr es als sinnvoll an, eine solche Tat anzuzeigen und ihr damit rechtlich nachzugehen? Was spricht daf\u00fcr und was dagegen?<\/strong><\/p>\n<p>Sexualisierte Gewalt anzuzeigen hat generell Vor- und Nachteile.<\/p>\n<p>Mit den Gesetzes\u00e4nderungen 2016, die zwar schon lange diskutiert wurden, aber am Ende erst durch die Rassifizierung sexualisierter Gewalt nach den Geschehnissen der Silvesternacht 2016 in K\u00f6ln umgesetzt wurden, hat sich die gesetzliche Grundlage f\u00fcr Betroffene im Vergleich zu vorher verbessert. Seitdem gilt der Grundsatz \u201cnein hei\u00dft nein\u201d \u2013 trotzdem gibt es weiterhin eine Beweispflicht.<\/p>\n<p>Informationen \u00fcber die genauen Vorg\u00e4nge, die vor, w\u00e4hrend und nach einer Anzeige passieren bzw. passieren m\u00fcssen, sind nicht leicht zug\u00e4nglich. Aufgrund dessen gibt es statt Wissen nur diverse (teilweise bewahrheitete) Mythen, die vorhandene \u00c4ngste nur mehr bef\u00f6rdern. Hier w\u00e4re eine Vereinfachung der Verfahren w\u00fcnschenswert, weniger Druck auf Betroffene, mehr Gelder f\u00fcr Beratungsstellen.<br \/>\nEine Anzeige macht Sinn, um sexualisierte Gewalt als strukturelles Ph\u00e4nomen ausfindig machen zu k\u00f6nnen. Oftmals werden Zahlen gefordert, um strukturelle Instanzen zu implementieren. (Wieso soll es eine Beratungsstelle geben, wenn es keine Menschen gibt, die beraten werden wollen?)<\/p>\n<p>Geht es um die Anerkennung des zugef\u00fcgten Leids der Betroffenen, m\u00fcssen wir aktuell davon ausgehen, dass die Gerichtsbarkeit des Staates mit den daraus erwachsenen Konsequenzen f\u00fcr die T\u00e4ter*innen die einzige Option ist. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass man auch hier wieder auf die gleichen Machmechanismen trifft: Welche Personen trauen sich eine Anzeige bei der Polizei zu erstellen? Wie professionell geschult ist das Personal, um diese Anzeigen aufzunehmen? Welche H\u00fcrden gilt es im Verlauf des beh\u00f6rdlichen Vorgangs weiter zu nehmen (Nichtanerkennung der sexuellen Identit\u00e4t, medizinische Untersuchungen, psychologische Glaubw\u00fcrdigkeitsgutachten, Anwaltkosten, Dauer des Verfahrens)?<\/p>\n<p>Wir finden es schwierig eine generelle Handlungsempfehlung zu geben, da Personen unterschiedlich belastbar sind und \u00fcber unterschiedliches Wissen verf\u00fcgen. Jede*r sollte f\u00fcr sich entscheiden, welchen Weg er*sie gehen will. Hierzu ist es allerdings wichtig im Vorfeld genau dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren, welche Konsequenzen eine Anzeige f\u00fcr den*die Betroffene*n haben kann.<\/p>\n<p>Wenn man Machtstrukturen kritisiert, dann kann auch eine Kritik am aktuellen Rechtssystem nicht ausbleiben. Dieses Rechtssystem ist eingebett in die aktuellen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und damit ebenfalls durchzogen Rassismus, Sexismus und Klassismus. Wenn somit die Vorraussetzungen eines Verfahrens ungerecht sind, wie soll dann die erhoffte Gerechtigkeit im Strafprozess (er-)folgen? Ist es, wenn wir auf eine zuk\u00fcnftige herrschaftsfreie Gesellschaft blicken, unser Ziel Menschen einzusperren? Wollen wir ein System unterst\u00fctzen, das durch Inhaftierungen Menschen gesellschaftlich ausschlie\u00dft und ausgrenzt? Mit dieser Frage besch\u00e4ftigt sich der Ansatz der \u201cTransformative Justice\u201d, auf den wir hier aber nicht genauer eingehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie ein Umgang mit sexualisierter Gewalt aussehen kann, m\u00fcssen wir immer wieder neu diskutieren. Dies zeigen neu auftretende Formen sexualisierter Gewalt wie z.B. Stealthing sehr deutlich.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man ein Opfer sexualisierter Gewalt unterst\u00fctzen. Au\u00dferhalb von staatlichen\/rechtlichen Mechanismen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir uns die Zahlen zu sexualisierter Gewalt anschauen, kennen wir alle Personen in unserem Umfeld, die davon betroffen sind oder waren. Es ist wichtig, dass es nicht nur bei einem akuten Handeln oder einer spezifischen Aktion direkt nach einem \u00dcbergriff, wie beispielsweise einer Vergewaltiung bleibt. Es muss ein Bewusstsein von sexualisierter Gewalt als Alltagsph\u00e4nomen, das uns alle betrifft, geschaffen werden. Solidarit\u00e4t und Unterst\u00fctzung kann, muss und soll jeden Tag stattfinden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr sollte man eigentlich sollte mit der betroffenen Person aushandeln, welche Art der Unterst\u00fctzung sie braucht. Dabei kennen wir alle Situationen, in denen es uns schlecht geht und wir vielleicht nicht genau wissen, was wir gerade wollen. Sch\u00f6n ist es in solchen Momenten auf Freund*innen oder andere Netzwerke vertrauen zu k\u00f6nnen, die uns zuh\u00f6ren oder mit denen wir einfach sein k\u00f6nnen, auch ohne zu sprechen. Vielleicht kann es auch hilfreich sein laut Musik zu h\u00f6ren und zu tanzen oder gemeinsam Netflix zu gucken. Wir k\u00f6nnen Betroffenen emotionalen Beistandanbieten, in dem wir mit ihnen sind oder ihnen Raum geben, allein zu sein; indem wir sie vom Thema ablenken oder mit ihnen genau dar\u00fcber reden. Sie k\u00f6nnen vor allem unterst\u00fctzt werden, indem man ihnen glaubt, daf\u00fcr ist es erstmal wichtig zuzuh\u00f6ren, die Person nicht unter Druck zu setzen, Dinge immer wieder zu erz\u00e4hlen bzw. Handlungen definieren zu m\u00fcssen. Oftmals hilft \u201cGemeinsam statt alleine\u201d, dazu z\u00e4hlt auch ein Beh\u00f6rdengang oder Bus fahren, vielleicht auch in den Supermarkt einkaufen gehen.<\/p>\n<p>Wir finden folgendene Brosch\u00fcre von\u00a0<span class=\"caps\">LES<\/span>\u00a0<span class=\"caps\">MIGRAS<\/span>\u00a0dahingehend sehr aussagekr\u00e4ftig und hilfreich:<br \/>\n<strong><a href=\"https:\/\/lesmigras.de\/tl_files\/lesmigras\/Tapesh\/LM_Broschuere_Tapesh_UnterstuetzungGeben.pdf\">lesmigras.de\/tl_files\/lesmigras\/Tapesh\/&#8230;<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Tat kann auch im Zusammenhang mit sog. toxischer M\u00e4nnlichkeit (Stereotype\/ Repressive Vorstellungen von M\u00e4nnlichkeit, die limitieren, welche Verhaltensweisen M\u00e4nnern in der Gesellschaft zugestanden werden) gesehen werden. Welches M\u00e4nnlichkeitsbild steckt f\u00fcr euch hinter einem solchen \u00dcbergriff?<\/strong><\/p>\n<p>Zwar muss Stealthing innerhalb einer patriachalen, kapitalistichen Gesellschaftlogik samt seiner Geschlechterverh\u00e4ltnisse und stereotypen, gewaltvollen Zuschreibung gedacht werden, allerdings haben wir hier keinen Bock, dar\u00fcber nachzudenken, welche Nachteile und \u201cLimitierungen\u201d sich daraus f\u00fcr m\u00e4nnliche sozialisierte Menschen ergeben. Wir sind gegen repressive gesellschaftliche Strukturen und versuchen uns deshalb stets in einer reflexiven, emanzipatorischen Praxis. Das gestehen wir M\u00e4nnern auch selbst zu.<\/p>\n<p><strong>Kommt ihr im Rahmen eurer Aufkl\u00e4rugst\u00e4tigkeit (beispielsweise Workshops? h\u00e4ufig mit Opfern sexualisierter Gewalt in Kontakt, besonders im Bezug auf \u201cStealthing\u201d?<\/strong><\/p>\n<p>Wir finden es wichtig zu betonen, dass auch wir Betroffene sexualisierter Gewalt sind und deshalb kommen wir st\u00e4ndig damit in Kontakt.<\/p>\n<p>Wir selbst f\u00fchren keine Beratungen durch. Unsere Workshops haben eher den Fokus auf einen Umgang mit sexualisierter Gewalt im Allgemeinen. Nat\u00fcrlich kann man sich mit uns in F\u00e4llen sexualisierter Gewalt (und dar\u00fcber hinaus) in Verbindung setzen, dies geschieht auch regelm\u00e4\u00dfig. Dann unterst\u00fctzen wir die Betroffene und leiten sie u.a. an spezialisierte Organisationen weiter.<\/p>\n<p><strong>Viele Personen der \u00d6ffentlichkeit bezeichnen sich ja inzwischen als feministisch, es gibt Bewegungen wie #metoo. Habt ihr das Gef\u00fchl, dass ich dies positiv auswirkt auf den \u00f6ffentlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt? Oder noch weiter gegriffen, dass sexualisierte Gewalt heutzutage seltener vorkommt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir finden die Frage obsolet (#doof), weil wir immernoch in kapitalistischen, patriachalen Verh\u00e4ltnissen leben, f\u00fcr die u.A. sexualisierte Gewalt ma\u00dfgeblich und strukturbildend ist. Jeder \u00dcbergriff ist ein \u00dcbergriff zu viel. Sexualisierte Gewalt gibt es auch unter Feministinnen, wie auch bei #metoo-Aktivistinnen. Ein Emblem verhindert nicht die eigene Verwobenheit in gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, es ist an uns mit gutem Beispiel selbstkritisch voran zu gehen.<br \/>\n#metoo hat auf jeden Fall die Diskussion um M\u00e4nnlichkeit(und damit Weiblichkeit) neu er\u00f6ffnet und offen gelegt, dass sexualisierte Gewalt kein individuelles Problem ist, sondern innnerhalb aller vorstellbaren sozialen Beziehungen und Vernetzungen, gleich welchen Alters, Herkunft oder Status, stattfindet.<br \/>\nDie Diskussion um M\u00e4nnlichkeit lie\u00dfe sich allerdings auch mit einem Feigenblatt bedecken. Nach #metoo lie\u00df sich beobachten, dass eine Diskussion zu: \u201cWas darf man, was darf man nicht?\u201d aufkam. Dies k\u00f6nnte man positiv in Richtung eines konsensualen Umgangs miteinander deuten. Unsere Lesart hingegen ist eine andere: Statt einer Auseinandersetzung mit der tats\u00e4chlich stattgefundenen sexualisierten Gewalt und den Betroffenen, gab es einen R\u00fcckbezug auf \u2013 M\u00e4nner. Als sei unklar, was sexualisierte Gewalt ist. Sie h\u00e4tten nur noch Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu machen. Somit wurde eine feministische Aktion in Teilen erneut von M\u00e4nnern gekapert und das eigentliche<br \/>\nThema nicht mehr besprochen. Dies ist nat\u00fcrlich kein neues Ph\u00e4nomen. So bleibt die Arbeit, die Themen immer und immer wieder zu besprechen und auch auszuhalten, dass Ph\u00e4nomene wie metoo als \u201cneu\u201d definiert werden, obwohl sexualisierte Gewalt kein neues Thema ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r ihre Recherche zum Beitrag &ldquo;Isabells Partner hat heimlich das Kondom abgezogen&rdquo;, der Stealthing als Akt der sexualisierten Gewalt behandelt, haben wir Bento-Journalistin Marlene Gernath ein paar Fragen beantwortet: Es handelt sich dabei um einen klaren sexistischen &Uuml;bergriff. Inwiefern ist eine solche Einbettung in gesellschaftliche Herrschaftsverh&auml;ltnisse relevant oder hilfreich? 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