{"id":53691,"date":"2020-08-21T13:01:33","date_gmt":"2020-08-21T12:01:33","guid":{"rendered":"https:\/\/evibes.org\/?p=77837"},"modified":"2020-08-21T13:01:33","modified_gmt":"2020-08-21T12:01:33","slug":"redebeitrag-zu-lisa-eckhart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2020\/08\/redebeitrag-zu-lisa-eckhart\/","title":{"rendered":"Redebeitrag zu Lisa Eckhart"},"content":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren hier den Redebeitrag auf der gestrigen <a href=\"https:\/\/evibes.org\/2020\/08\/16\/diskriminierung-keine-buehne-geben\/\">Kungebung gegen den Auftritt Lisa Eckharts in der Jungen Garde<\/a>.\u00a0 Etwa 30 Menschen hatten sich dem Aufruf angeschlossen, gegen die Verbreitung diskriminierender Vorurteile zu protestieren und das Publikum \u00fcber die Kritik aufzukl\u00e4ren.<br \/>\nDie DNN berichtet recht oberfl\u00e4chlich: <a href=\"https:\/\/www.dnn.de\/Dresden\/Lokales\/Dresden-Auftritt-von-Lisa-Eckhart-in-der-Jungen-Garde-von-Protesten-begleitet\">Auftritt von Lisa Eckhart in der Jungen Garde von Protesten begleitet<\/a><\/p>\n<h3>\u00dcber die Kunstform, Stammtischniveau als Satire zu verkaufen \u2013 wie Eckhart Diskurs einfordert und sich doch jeder Kritik entzieht.<\/h3>\n<p>Eines muss man Lisa Eckhart zugestehen: die permanente Aussage, sie spiegle die Mehrheitsgesellschaft wider, ist mehr als berechtigt. Nun bin ich generell kein Fan dieser Metapher. Denn mein Spiegelbild allein, wenn ohne Kontext pr\u00e4sent, sagt mir erstmal nur, dass ich nicht allein bin, und eigentlich ganz gut aussehe. Damit aus der gedankenlosen Reflektion die kritische Selbstreflektion wird, bedarf es mehr als spr\u00f6der Wiedergabe meiner selbst. Gute Satire vermag mehr zu bieten. Gute Satire tritt nach oben oder gegen die eigenen Zuschauer:innen, l\u00e4sst mich mit der Erkenntnis zur\u00fcck: so bin ich wirklich. Und bestenfalls mit der Frage: m\u00f6chte ich wirklich so sein?<\/p>\n<p>Lisa Eckhart beherrscht dieses Handwerk nicht. Und es ist gerade dieses Unverm\u00f6gen, zwischen effektiver Satire und plumpem Stammtischhumor zu unterscheiden, in dem ich die Mehrheitsgesellschaft wiederfinde.<br \/>\nLisa Eckharts B\u00fchnenprogramm ist nicht besonders. Es ist sogar so gew\u00f6hnlich, dass es mir unverst\u00e4ndlich ist, warum Menschen ihr Geld in eine sogenannte Unterhaltung investieren, die sich jeden Abend am n\u00e4chsten Kneipentisch umsonst bietet. Gut, Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache. Diskriminierung ist aber wesentlich eindeutiger definiert. Und dass dieses Programm regelm\u00e4\u00dfig rassistische, antisemitische und transfeindliche Vorurteile reproduziert, ohne sie zu hinterfragen, das haben vor mir schon genug Menschen mehr als deutlich herausgearbeitet. So ist Lisa Eckhart eine von vielen, die zu einem gesellschaftlichen Klima beitragen, das strukturelle Unterdr\u00fcckung f\u00f6rdert und letztendlich menschliches Leben und \u00dcberleben gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Am deutlichsten aber schreit mich die Mehrheitsgesellschaft an in ihrer Unf\u00e4higkeit, mit konstruktiver Kritik umzugehen. Von ihrem Management wurden wir im Vorfeld dieser Veranstaltung freundlicherweise auf ein Interview mit Frau Eckhart aufmerksam gemacht [1]. Dankbar f\u00fcr dieses Mindestma\u00df an Diskursbereitschaft habe ich es mir angeschaut. Am eindringlichsten ist mir davon ihre Aussage im Ged\u00e4chtnis geblieben, sie nehme prinzipiell keine Kritik &#8220;von unten&#8221; entgegen. Wer denn &#8220;oben&#8221; und &#8220;unten&#8221; sei, lie\u00df sie offen, Journalist:innen jedenfalls nehme sie auch nicht ernst, denn die w\u00fcrden ja die Argumente &#8220;von unten&#8221; lediglich reproduzieren. Stellt sich mir die Frage, f\u00fcr welche Kritik sie denn nun zug\u00e4nglich sei.<\/p>\n<p>Versteht mich nicht falsch, Lisa Eckhart ist nur eine von vielen. Sie verk\u00f6rpert die privilegierte, selbst ernannte deutschsprachige Intellektuelle, die jedwede Kritik als &#8220;verr\u00fcckt&#8221;, &#8220;affektiv&#8221; und &#8220;unreflektiert&#8221; (Zitate Lisa Eckhart) abstempelt, und so jeder interessierten Auseinandersetzung mit stolz ger\u00fcmpfter Nase aus dem Weg geht. Und da findet sich dann pl\u00f6tzlich die Antwort auf die Frage, warum sie so grandios an ihrem eigenen Anspruch scheitert, ihrem Publikum ein kritischer Spiegel zu sein: wie k\u00f6nnten Menschen, die das eigene Spiegelbild so vehement vermeiden, auch das komplexe Handwerk der Selbstreflektion erlernen, geschweige denn einem zahlenden Publikum nachhaltig vermitteln?<\/p>\n<p>Die Debatte um die Kritikf\u00e4higkeit \u00f6ffentlicher Personen ist nicht neu. Eckharts Verteidiger:innen sind nicht die ersten, die Cancel Culture schreien, nur bis vor kurzem schrien sie eben noch Zensur. Aber ein neues Wort \u00e4ndert nichts an den Tatsachen. Wenn immer mehr Stimmen laut werden, die nichts tun als zu sagen: &#8220;Liebe Lisa, dein Programm hat menschenverachtende Passagen, k\u00f6nntest du die nicht durch etwas besseres ersetzen?&#8221;, warum f\u00e4llt es ihr dann so schwer, zuzuh\u00f6ren, in den Spiegel zu blicken, und sich zu fragen: M\u00f6chte ich so sein?<\/p>\n<p>Aber Lisa h\u00f6rt nicht auf die Stimmen von unten. Es sind vor allem auch die Stimmen derer, auf deren Kosten ihre Witze gehen. Ist das unten? Liebe Lisa, bist du oben? Trittst du lieber nach unten? War das Satire? Nicht, dass sie damit alleine w\u00e4re. Unter dem altbekannten Deckmantel der Kunst- und Meinungsfreiheit versichert uns ihr Management: &#8220;Kunst darf alles.&#8221; Na, da bin ich aber beruhigt. Unabh\u00e4ngig der Frage, ob das stimmt, sind mir Menschen, die Legalit\u00e4t und Moralit\u00e4t gleichsetzen, schon immer suspekt. Verantwortung ist ein bisschen mehr Arbeit, als die Befolgung von Gesetzen. Und als \u00f6ffentliche Person mit gro\u00dfem Einfluss ist dieser Verantwortung nachzukommen eben leider ganz sch\u00f6n anstrengend.<\/p>\n<p>Und hier liegt das deutlichste Symptom der privilegierten Mehrheitsgesellschaft: diese unendliche Faulheit. Zu faul, zuzuh\u00f6ren, nachzudenken, zu lernen, sich zu ver\u00e4ndern und Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Menschenverachtende Klischees reproduzieren und rassistische Peniswitze sind eben so viel einfacher. Frau Eckharts Management fragte uns im Vorfeld dieser Kundgebung auch, was wir denn eigentlich an ihr kritisieren w\u00fcrden. Unsere sinngem\u00e4\u00dfe Antwort, umfassende Kritik sei bereits von vielen, kl\u00fcgeren Menschen als uns, ausformuliert und zug\u00e4nglich, schien sie nicht zu befriedigen. Statt einer inhaltlichen Reaktion gab es nur weitere rhetorische Fragen. Eine tats\u00e4chliche Auseinandersetzung seitens Frau Eckhart steht bis heute aus.<\/p>\n<p>Ihre auftrittsfreie Zeit w\u00e4hrend der Corona-Epidemie hat Lisa \u00fcbrigens genutzt, um ausgiebig Computer zu spielen. Dass dies ein Privileg sei, dessen sei sie sich immerhin bewusst. Schade, dass sie dieses Privileg und ihren Bildschirm nicht genutzt hat, um sich ausgiebig mit ihrem Spiegelbild zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/youtu.be\/JlinQE3JeX4\">https:\/\/youtu.be\/JlinQE3JeX4<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren hier den Redebeitrag auf der gestrigen Kungebung gegen den Auftritt Lisa Eckharts in der Jungen Garde.&nbsp; Etwa 30 Menschen hatten sich dem Aufruf angeschlossen, gegen die Verbreitung diskriminierender Vorurteile zu protestieren und das Publikum &uuml;ber die Kritik aufzukl&auml;ren. 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