{"id":54175,"date":"2020-06-08T19:52:10","date_gmt":"2020-06-08T18:52:10","guid":{"rendered":"https:\/\/evibes.org\/?p=77856"},"modified":"2020-06-08T19:52:10","modified_gmt":"2020-06-08T18:52:10","slug":"radiofeature-reaktionaere-randale-gegen-reproduktive-rechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2020\/06\/radiofeature-reaktionaere-randale-gegen-reproduktive-rechte\/","title":{"rendered":"Radiofeature: Reaktion\u00e4re Randale gegen Reproduktive Rechte"},"content":{"rendered":"<p>Am 06.06.2020 produzierte <a href=\"http:\/\/femermaid.blogsport.eu\/\">femermaid<\/a> Chemnitz eine fantastische Radioshow zum Thema Abtreibung und reproduktive Gerechtigkeit. Neben Musik und Sachbeitr\u00e4gen, erwarten euch auch kulturelle Features. <a href=\"http:\/\/femermaid.blogsport.eu\/2020\/05\/25\/radioshow-abtreibung-und-reproduktive-gerechtigkeit\/\">Hier findet ihr die komplette Show.<\/a><\/p>\n<p><strong>Reaktion\u00e4re Randale gegen Reproduktive Rechte<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/evibes.org\/wp-content\/uploads\/sites\/24\/2020\/06\/e-v-Beitrag-f%C3%BCr-Radio.mp3\">(unser Beitrag zum anh\u00f6ren)<\/a><\/p>\n<p>Ein Redebeitrag \u00fcber die Methoden, mit denen in Sachsen gegen das Recht auf Abtreibung und andere feministische Errungenschaften vorgegangen wird.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag m\u00f6chten wir kurz skizzieren, wie sich in den letzten Jahren der Aktivismus von rechts gewandelt hat. Wir werfen einen Blick auf die verschiedenen Akteure und wie sie unsere Rechte angreifen. Wir sehen uns an, vor welchen Herausforderungen wir gerade aktuell stehen und wie wir dem Rechtsruck begegnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie ihr sicherlich wisst, versammeln sich in Annaberg-Buchholz seit 2007 christliche FundamentalistInnen jedes Jahr zu einem Schweigemarsch gegen das Recht auf Abtreibung. Seit 2014 gibt es feministischen Protest dagegen. Dieser hat daf\u00fcr gesorgt, dass den reaktion\u00e4ren Forderungen gegen das Selbstbestimmungsrecht von Schwangeren vor Ort und in den Medien widersprochen wird.<\/p>\n<p>In Sachsen war lange Zeit die\u00a0<span class=\"caps\">CDU<\/span>\u00a0das parlamentarische Sprachrohr der AbtreibungsgegnerInnen. So lief der fr\u00fchere Fraktionsvorsitzende Steffen Flath viele Jahre in der ersten Reihe des Schweigemarsches mit. Nach innerparteilichen Machtk\u00e4mpfen ist der Einfluss der evangelikalen Netzwerke in der s\u00e4chsischen\u00a0<span class=\"caps\">CDU<\/span>\u00a0jedoch gesunken. Auch bundesweit sehen erzkonservative AbtreibungsgegnerInnen inzwischen die AfD als besseren parlamentarischen Arm f\u00fcr die Umsetzung ihres Weltbildes an.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend die\u00a0<span class=\"caps\">CDU<\/span>\u00a0in letzter Zeit eher vermeidet, sich in der Frage um Schwangerschaftsabbr\u00fcche \u00f6ffentlich zu weit zu exponieren, treibt die AfD die Debatte hier weiter nach rechts. Das ist wenig verwunderlich, denn es gibt breite \u00dcberschneidungen in den antifeministischen Positionen der verschiedenen rechten Akteure. So ist Thomas Schneider, der langj\u00e4hrige Organisator des Marsches im Erzgebirge, im Jahr 2013 mit viel Get\u00f6se aus der\u00a0<span class=\"caps\">CDU<\/span>\u00a0ausgetreten. Er verbreitet regelm\u00e4\u00dfig Artikel der extrem rechten Zeitung \u201aJunge Freiheit\u2018, hetzt gegen Muslime und zeigt offen seine N\u00e4he zu den Inhalten der AfD.<\/p>\n<p>Genau wie bei Abtreibungsfeinden hat im AfD-Programm nur die deutsche hetero-Kleinfamilie eine Daseinsberechtigung. Wenn man sich das Wahlprogramm genauer anschaut und die politischen Forderungen und \u00c4u\u00dferungen der AfD unter die Lupe nimmt, f\u00e4llt die Misogynie sofort ins Auge. Frauen werden kaum als Individuen mit eigenen Bed\u00fcrfnissen und unterschiedlichen Lebensentw\u00fcrfen wahrgenommen. Die Frau bleibt in diesem patriarchalen Weltbild allein interessant wegen ihrer Geb\u00e4rmutter. Exemplarisch beweist das eine Kleine Anfrage des s\u00e4chsischen Landtagsabgeordneten Rolf Weigand vom Januar 2020. In dieser fordert er eine Statistik an \u00fcber \u201cFrauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter\u201d, und zwar bitte aufgeschl\u00fcsselt nach Landkreisen und Nationalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auf Bundesebene treibt Beatrix von Storch den Angriff auf Beratungsstellen und Sexualaufkl\u00e4rung voran. Die umtriebige evangelikale Lobbyistin ist stellvertretende Bundessprecherin der rechten Partei. Schon seit Jahren bem\u00fcht sie sich intensiv um die internationale Vernetzung reaktion\u00e4rer und christlich-fundamentalistischer Akteure. So werden Netzwerke aufgebaut, um die finanziell gut aufgestellten amerikanischen Evangelikalen mit reaktion\u00e4ren Bewegungen in Europa zu verkn\u00fcpfen.<br \/>\nTrotz der einengenden aktuellen Rechtslage in Deutschland spricht von Storch immer wieder von einer staatlichen F\u00f6rderung oder Bagatellisierung von Abtreibungen. Dieser will sie einen Riegel vorschieben, und die Finanzierung von unabh\u00e4ngigen Beratungsstellen stoppen. Ganz explizit kritisiert sie dabei die Arbeit von Pro Familia. In Sachsen hat die AfD-Fraktion bereits 2017 mit einer kleinen Anfrage die Beratungsstellen von Pro Familia ins Fadenkreuz genommen, um ihnen die Arbeit zu erschweren. Ziel dieser Strategie ist es, Hilfe suchende Menschen in die H\u00e4nde von fundamentalistischen Pseudo-Beratungsstellen zu treiben. Dort sollen Schwangere mit psychischem Druck und frei erfundenen Schauerm\u00e4rchen wie dem sogenannten \u201cPost-Abortion-Syndrom\u201d dazu gedr\u00e4ngt werden, keinen Abbruch vornehmen zu lassen. Besonders perfide ist, dass Vereine wie Kaleb und Pro Femina keine Beratungsscheine ausstellen, die f\u00fcr eine legale Abtreibung in Deutschland notwendig sind.<\/p>\n<p>Genau wie andere AbtreibungsgegnerInnen sehen die Feinde sexueller Selbstbestimmung in der AfD in ihrer populistischen Rhetorik verschiedene dunkle M\u00e4chte am Werk. So wird nicht nur eine vermeintliche Fr\u00fchsexualisierung der Kinder im Interesse einer imaginierten Homolobby beschworen, sondern auch finstere Gesch\u00e4ftspraktiken vermutet. Die Rhetorik gleicht dabei bis in Details der Hetze gegen Gefl\u00fcchtete. Auf der einen Seite wird eine Anti-Abschiebe-Industrie gewittert, auf der anderen eine Abtreibungsindustrie. Beide nat\u00fcrlich mit dem sinistren Ziel, den deutschen Volksk\u00f6rper zu besch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Zusammengefasst ergeben die Strategien der AbtreibungsgegnerInnen ein erschreckendes Bild. Doch wir sollten uns nicht einsch\u00fcchtern lassen. Die Pro-Choice-Bewegung hat schon viele Errungenschaft erk\u00e4mpft und Angriffe abgewehrt. Wenn wir aufmerksam bleiben, wenn wir unsere Analysen und Aktionen immer wieder aktualisieren sind wir gut aufgestellt, um weitere Verbesserungen durchzusetzen. Denn nat\u00fcrlich sollte unser Ziel nicht die Erhaltung des Status Quo, sondern eine umfassende Anerkennung sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung sein.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr m\u00fcssen wir den Anti-Choice-Kampagnen immer wieder energisch widersprechen. Wir m\u00fcssen die Darstellung der selbsternannten \u201cLebensschutzbewegung\u201d entlarven und \u00fcber ihre antifeministischen Ziele aufkl\u00e4ren.<br \/>\nWenn wir die Kriminalisierung von Abbr\u00fcchen endlich beenden wollen, brauchen wir daf\u00fcr \u00f6ffentlichen politischen Druck. Und daher rufen wir alle auf, dazu aktiv zu werden, ob auf der Stra\u00dfe, im medialen Diskurs oder durch parlamentarische Initiativen.<\/p>\n<p>Um unseren emanzipatorischen Utopien n\u00e4her zu kommen, k\u00f6nnen wir nicht auf staatliche Unterst\u00fctzung setzen, sondern sollten uns feministisch organisieren.<br \/>\nDenn es geht nicht nur um die Streichung des Anti-Abtreibungs-Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch. Es geht um viel mehr. Es geht um eine gute Versorgung mit Informationen und Verh\u00fctungsmitteln. Es geht um solidarische Beratung und eine Garantie f\u00fcr sichere, wohnortnahe, kostenfreie Schwangerschaftsabbr\u00fcche f\u00fcr alle, die sie brauchen. Zu den Forderungen geh\u00f6ren aber genauso die Unterst\u00fctzung von Hebammen und Geburtsstationen im l\u00e4ndlichen Raum und eine fl\u00e4chendeckende Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle. Nicht zuletzt brauchen wir ein Familienrecht, dass auch Patchwork- und Regenbogenfamilien anerkennt und nicht allein die b\u00fcrgerliche Kleinfamilie ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nKurz gesagt: es geht darum, ein selbstbestimmtes, gutes und befreies Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 06.06.2020 produzierte femermaid Chemnitz eine fantastische Radioshow zum Thema Abtreibung und reproduktive Gerechtigkeit. Neben Musik und Sachbeitr&auml;gen, erwarten euch auch kulturelle Features. 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