{"id":59714,"date":"2021-10-17T15:13:13","date_gmt":"2021-10-17T14:13:13","guid":{"rendered":"http:\/\/emafrie.de\/?p=7272"},"modified":"2021-10-20T07:00:00","modified_gmt":"2021-10-20T06:00:00","slug":"die-ueberkrise-geld-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2021\/10\/die-ueberkrise-geld-ist-tot\/","title":{"rendered":"Die \u00dcberkrise: Geld ist tot"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die \u00f6kologische Marktwirtschaft ist eine hoffnungslose Hoffnung: Mit mehr Wachstum f\u00fchrt kein Weg aus der Klima- und Wirtschaftskrise<\/strong><\/p>\n<p>Von <em>Minh Schredle<\/em><\/p>\n<p><em>Zuerst erschienen in  <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/550\/geld-ist-tot-7779.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/550\/geld-ist-tot-7779.html\" >KONTEXT:Wochenzeitung <\/a>Ausgabe 550 vom 13.10.2021<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Die triviale Erkenntnis ist so alt wie Steueroasen in der Karibik: Wachstum hat Grenzen. Diese Binse zu ignorieren, ist leider weit verbreitet \u2013 und es bedeutet, den Planeten zu verheizen, damit Fantastillionen zu Fantastilliarden werden. <\/strong><\/em><a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/fileadmin\/_processed_\/f\/2\/csm_Mord_jr_211011_5071_e8a8ccdb58.jpg\"><\/a><\/p>\n<p>Sinkende Kindersterblichkeit und steigende Lebenserwartungen, eine Impfstoff-Entwicklung in Rekordgeschwindigkeit, tanzende Roboter und Flachbildfernseher zu Spottpreisen: Es w\u00e4re t\u00f6richt, der Gegenwart ihre Erfolge abzusprechen. Doch mit Blick auf die j\u00fcngere Geschichte fallen einige Themenkomplexe auf, bei denen sich gravierende Krisensymptome h\u00e4ufen, und bei denen politische Absichtserkl\u00e4rungen, die Probleme an der Wurzel angehen zu wollen, konsequent scheitern: Der Heimatverlust f\u00fcr Millionen von Menschen, die strukturelle Massenarbeitslosigkeit in immer gr\u00f6\u00dferen Teilen der Welt, die Verarmung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten sogar in den Wohlstandszentren, die globale Verschuldungsdynamik und, am dramatischsten: die eskalierende Klimakatastrophe, die bereits vor \u00fcber drei Jahrzehnten in den Fokus internationaler Abkommen ger\u00fcckt ist. Eine Bilanz der Bem\u00fchungen: Die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen haben sich seitdem verdoppelt und auch die eindringlichsten Warnungen der vereinten Wissenschaft konnten bislang kein grundlegendes Umsteuern herbeif\u00fchren.<\/p>\n<p>&#8222;Das, was politisch akzeptabel scheint, ist eine \u00f6kologische Katastrophe, w\u00e4hrend das \u00f6kologisch Notwendige politisch unm\u00f6glich ist.&#8220; So formulierten es Mathis Wackernagel und William Rees, die Erfinder des \u00f6kologischen Fu\u00dfabdrucks \u2013 und es zeugt vom Ausma\u00df der Misere, dass das Zitat von 1998 stammt. Nicht nur wird immer mehr CO2 freigesetzt. Es wird auch immer schneller freigesetzt.<\/p>\n<p>Wo unz\u00e4hlige Alarmsignale auf einen Wettlauf mit der Zeit hindeuten, die existenzielle Bedrohung f\u00fcr die menschliche Zivilisation im politisch-medialen Diskurs durchaus wahrgenommen und reflektiert wird, aber (\u00fcberlebens-)notwendige Handlungen \u00fcber Dekaden hinweg ausbleiben \u2013 da liegt der Schluss einer systemischen Dysfunktionalit\u00e4t nahe. Doch im deutschen Parteienspektrum f\u00fchrt diese Analyse in die Einsamkeit: Im Bundestag setzt derzeit eine ganz gro\u00dfe Koalition auf die hoffnungslosen Hoffnungen namens gr\u00fcnes Wachstum und \u00f6kologische Marktwirtschaft. Und damit eben nicht auf einen Systemwechsel.<\/p>\n<p><span id=\"more-7272\"><\/span><\/p>\n<h1><strong>Wollen wir wetten?<\/strong>  <\/h1>\n<p>Dass auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen kein unendliches Wachstum m\u00f6glich ist, erscheint als so triviale und logisch naheliegende Folgerung, dass es schon eine Menge Volkswirtschaftslehre braucht, um zur gegenteiligen \u00dcberzeugung zu gelangen. Tats\u00e4chlich aber vertreten prominente Stimmen, darunter der renommierte \u00d6konom und Neukeynesianer Joseph Stiglitz, die Auffassung, dass es m\u00f6glich sei, wirtschaftliches Wachstum dauerhaft von einer stofflichen Grundlage zu entkoppeln. Das Problem an dieser These, von der zahlreiche zentrale Zukunftsfragen abh\u00e4ngen: Sie bleibt den empirischen Beleg schuldig, dass eine Umsetzung in der Praxis m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>So hat ein Team um die Wissenschaftler Dominik Wiedenhofer und Helmut Haberl im vergangenen Jahr 835 Studien zum Zusammenhang zwischen Wachstum, Emissionen und Ressourcenverbrauch ausgewertet. <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/ab8429\"  rel=\"noreferrer noopener\">Und dabei fanden sie<\/a> &#8222;keine \u00fcberzeugenden Beweise f\u00fcr eine absolute Entkopplung im erforderlichen Umfang&#8220;.<a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/fileadmin\/_processed_\/d\/b\/csm_Geld_jr_210924_1349_2ab4a50c0f.jpg\"><\/a><\/p>\n<p>Auch das Europ\u00e4ische Umweltb\u00fcro <a href=\"https:\/\/eeb.org\/library\/decoupling-debunked\/\"  rel=\"noreferrer noopener\">hat sich auf Spurensuche begeben<\/a> \u2013 und spricht von einem &#8222;Heuhaufen ohne Nadel&#8220;. Das Fazit sei gleicherma\u00dfen &#8222;\u00fcberw\u00e4ltigend klar wie ern\u00fcchternd&#8220;: Nicht nur gebe es &#8222;keine empirische Evidenz&#8220;, dass gr\u00fcnes Wachstum \u2013 im Sinne einer permanenten und globalen Entkoppelung vom Ressourcenerbrauch \u2013 irgendwo stattfinde. Es erscheine auch, &#8222;unwahrscheinlich, dass eine solche Entkopplung in Zukunft geschehen wird&#8220;. Die Strategie sei vergleichbar damit, einen Baum mit einem L\u00f6ffel f\u00e4llen zu wollen: Wenn \u00fcberhaupt m\u00f6glich, handele es sich um ein sehr langwieriges Vorhaben, das aller Voraussicht nach zum Scheitern verurteilt sei. Wachstumsorientierte Konzepte gegen die Klimakrise erschienen somit als &#8222;extrem riskante und unverantwortliche Wette&#8220;, und auf Entkopplung zu setzen, wirke weniger wie eine Gelegenheit, sondern eher &#8222;wie eine Drohung&#8220;.<\/p>\n<p>Nun ist die \u00f6kologische Kritik an den <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/lexika\/lexikon-der-wirtschaft\/19548\/grenzen-des-wachstums\"  rel=\"noreferrer noopener\">Grenzen des Wachstums<\/a> weder neu noch originell. Aber seit sie der Club of Rome schon Anfang der 1970er-Jahre vorgetragen hat, scheinen entsprechende Positionen auf der \u00f6ffentlichen B\u00fchne tendenziell marginalisiert worden zu sein. W\u00e4hrenddessen spitzt sich ein <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Urspruenge-der-gegenwaertigen-Wirtschaftskrise-4285127.html\"  rel=\"noreferrer noopener\">Prozess der globalen Krisenentfaltung<\/a> zu, den das Marktwirtschaften mit seinen konkurrenzvermittelten Zw\u00e4ngen hervorbringt \u2013 und die nicht nur Umwelt und Natur betreffen. Auch \u00f6konomisch droht ein Kollaps in Form einer gewaltigen Entwertung. Auch daf\u00fcr gibt es empirische Anzeichen: Denn noch schneller als die Wirtschaft wachsen die Schuldenberge der Welt. Dabei ist der Trend \u00fcber&nbsp;Jahrzehnte ebenfalls deprimierend eindeutig: Ein Abbau auf globaler Ebene gelingt schlichtweg nicht. F\u00fcr das erste Quartal im Jahr 2020 <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-global-debt-iif-idUSKCN24H1V5\"  rel=\"noreferrer noopener\">meldete die Agentur Reuters<\/a> einen neuen Allzeit-Rekord, mit einer weltweiten Gesamtverschuldung von \u00fcber 258.000.000.000.000 Dollar, was 331 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Das war noch, bevor die meisten Staaten ihre kostspieligen Rettungspakete zur \u00dcberbr\u00fcckung der Corona-Lockdowns schn\u00fcrten.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei der Klimakatastrophe ist bei der Schuldenmacherei eine ungebremste Eskalationsdynamik zu beobachten, wobei jeder <a href=\"https:\/\/www.exit-online.org\/link.php?tabelle=aktuelles&amp;posnr=606\"  rel=\"noreferrer noopener\">drohende Crash in der Finanzwelt als Katalysator<\/a> wirkt. Wie ein Junkie, der immer h\u00f6here Dosen einer Substanz braucht, um die gleiche Wirkung zu erzielen, mussten die Staaten zur Stabilisierung bei jedem Krisenschub seit 1997 immer gr\u00f6\u00dfere Geldmengen ins Finanzsystem spritzen.<\/p>\n<h1><strong>Geld spritzen<\/strong><\/h1>\n<p>In der Bundesrepublik sind die Dimensionen besonders dramatisch: Laut einer <a href=\"https:\/\/www.mckinsey.com\/featured-insights\/coronavirus-leading-through-the-crisis\/charting-the-path-to-the-next-normal\/total-stimulus-for-the-covid-19-crisis-already-triple-that-for-the-entire-2008-09-recession\"  rel=\"noreferrer noopener\">McKinsey-Studie<\/a> vom Juni 2020 haben sich die deutschen Konjunkturhilfen allein in den ersten beiden Monaten der Pandemiebek\u00e4mpfung auf <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Vergleich-der-Krisen-2020-vs-2008-4934054.html\"  rel=\"noreferrer noopener\">das beinahe Zehnfache<\/a> dessen summiert, was der Staat in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt zur Bew\u00e4ltigung der damaligen Finanzkrise aufwendete. Als mit Corona der n\u00e4chste Einschlag kam, hat die Bundesregierung, um allzu dramatische Sch\u00e4den abzuwenden, sogar Hilfen in &#8222;unbegrenzter H\u00f6he&#8220; angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Wer soll das bezahlen? Das ist eine Frage, die bei den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen und Haushaltsplanungen virulent werden wird. Und die plausibelste Antwort darauf d\u00fcrfte lauten: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/konjunktur\/die-schuldenquote-weltweit-steigt-immer-mehr-15932962.html\"  rel=\"noreferrer noopener\">Niemand kann das bezahlen<\/a> \u2013 erst recht nicht, wenn die gewaltigen Investitionskosten f\u00fcr eine \u00f6kologische Transformation dazu kommen. Vielleicht mag es einzelnen Nationen gelingen, ihre Schulden zu reduzieren. Dass aber die immense globale Kreditlast durch k\u00fcnftiges Wachstum kompensiert werden kann, wirkt angesichts der skizzierten Entwicklungen kaum plausibel. Und, wenn \u00fcberhaupt, w\u00e4re es wohl nur um den Preis eines endg\u00fcltigen Klimakollaps denkbar, da eine Entkopplung von der stofflichen Grundlage bekannterma\u00dfen unrealistisch ist.<\/p>\n<p>Derweil hat die weltweit zirkulierende Geldmenge ohnehin l\u00e4ngst absurde Dimensionen angenommen. Bereits 2015 h\u00e4tten die addierten Verm\u00f6gen und Finanztitel ausgereicht, alle auf dem Planeten k\u00e4uflich erwerbbaren Dinge zw\u00f6lf Mal zu kaufen. Sollte ein solcher Versuch gestartet werden, w\u00fcrde auffallen, dass die Rechnung bei weitem nicht aufgeht. Es handelt sich um einen gr\u00f6\u00dftenteils fiktiven Reichtum, der hier produziert wurde. Eine ziemlich groteske Pointe: Der Wachstumswahn&nbsp;verheizt den Planeten, damit Fantastillionen zu Fantastilliarden werden. Und wenn Staaten sich und andere Sparzw\u00e4ngen unterwerfen, als w\u00e4re das Geld noch ernstzunehmen, kommt das in Sachen Opferbereitschaft dem Vorhaben gleich, mit einem geschlachteten Lamm eine zornige Gottheit bes\u00e4nftigen zu wollen: Es ist so grausam wie sinnlos. Geld ist tot.<\/p>\n<h1>Eine folgenschwere Fiktion<\/h1>\n<p>Nun ist das Geld zweifellos ein&nbsp;von Menschen geschaffenes Konstrukt&nbsp;\u2013 aber eines, das durch gesellschaftliche Projektion&nbsp;und staatliche Begleitma\u00dfnahmen eine enorme Wirkmacht entfaltet hat. Die individuellen Lebensgrundlagen in der gegenw\u00e4rtigen Gesellschaftsform h\u00e4ngen ganz real vom Kontostand ab. Nichtsdestotrotz bleibt der Umstand absurd und verst\u00f6rend, dass sich hier eine Vorstellung so stark verselbstst\u00e4ndigt hat, dass sie nicht mehr vom Menschen kontrolliert wird, sondern die Menschheit kontrolliert: Die uferlose Geldvermehrung ist der oberste Zweck der gesamtgesellschaftlichen Arbeit.<a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/fileadmin\/_processed_\/7\/2\/csm_Geld_jr_190920_6013_46a64f882a.jpg\"><\/a><\/p>\n<p>Hervorgebracht wird diese Dynamik nicht durch eine bewusste Steuerung, nicht durch einen gro\u00dfen Plan, sondern <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-subjektlose-Herrschaft-des-Kapitals-4406088.html?seite=all\"  rel=\"noreferrer noopener\">automatisiert<\/a> durch eine marktvermittelte Konkurrenz, die Unternehmen und die daran h\u00e4ngenden Arbeitspl\u00e4tze nur dann \u00fcberleben l\u00e4sst, wenn sie auf Dauer Gewinne erwirtschaften. Doch wo dieser blinde Drang und Zwang sich selbst \u00fcberlassen bleibt, entstehen auf allen Gebieten der Daseinsf\u00fcrsorge immer drastischere Sch\u00e4den, die durch Wettbewerb und Wachstum nicht gel\u00f6st, sondern versch\u00e4rft werden: Riesige Regionen sind hoffnungslos vom Weltmarkt abgeh\u00e4ngt, Staaten kollabieren, wo ihnen das \u00f6konomische Fundament abhanden gekommen ist, und selbst auf noch verbleibenden Wohlstandsinseln macht die ruin\u00f6se Konkurrenz immer breiteren Gesellschaftsschichten das Leben schwer.<\/p>\n<p>Wo sich die kollektive Betroffenheit mehrt, wird die Krise zum Gespr\u00e4chsthema. Und f\u00fcr progressive Kr\u00e4fte gibt es hier durchaus Anhaltspunkte, laufende Diskurse positiv zu beeinflussen: Etwa in Berlin, wo eine gro\u00dfe Mehrheit trotz \u00fcberw\u00e4ltigender Ablehnung durch das Parteienspektrum <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/548\/hoert-ihr-die-signale-7751.html\"  rel=\"noreferrer noopener\">f\u00fcr eine Enteignung und damit f\u00fcr einen Bruch mit der Marktkonformit\u00e4t gestimmt hat<\/a>. Das k\u00f6nnte als Vorbild dienen. Allerdings gibt es keinen Automatismus, dass Betroffenheit zu Emanzipation f\u00fchren muss.<\/p>\n<h1>Jenseits von Gut und B\u00f6rse<\/h1>\n<p>Wenn Problemanalysen keine strukturellen, systemischen Ursachen in Betracht ziehen \u2013 und das gilt f\u00fcr viel zu viele \u2013, bleibt nur die Option, Krisenph\u00e4nomene auf das Handeln Einzelner zur\u00fcckzuf\u00fchren. Verantwortlich sind bestimmte Personen, weil sie aus Inkompetenz scheitern, oder weil sie uns, warum auch immer, mutwillig B\u00f6ses wollen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Krise werden personalisiert, als &#8222;Probleml\u00f6sung&#8220; bleibt daher nur eine Strategie denkbar: die verantwortlichen Akteure zu beseitigen und zu ersetzen (vgl. &#8222;Merkel muss weg&#8220;). Der zivilisiertere Weg setzt dabei auf demokratische Wahlen oder ver\u00e4nderte Vorstandszusammensetzungen; der barbarische Umgang nimmt das Beseitigen etwas w\u00f6rtlicher.<\/p>\n<p>Wie anf\u00e4llig die vermeintliche <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/gesellschaft\/493\/der-kryptokonformist-6983.html\"  rel=\"noreferrer noopener\">Mitte der Gesellschaft<\/a> f\u00fcr die Personalisierung von Krisenursachen ist, verdeutlicht sich unter anderem am <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/512\/die-welt-als-wille-der-verschwoerer-7258.html\"  rel=\"noreferrer noopener\">Massenwahn der &#8222;Querdenken&#8220;-Bewegung<\/a>, der hinter jedem auftretenden \u00dcbel die kontrollierte Absicht verschworener Akteure zu erkennen glaubt \u2013 eine Vorstellung die in hohem Ma\u00dfe kompatibel mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist, wie zum Beispiel dem Antisemitismus.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es gierige Ausbeuter, gibt es Korruption und reale Verschw\u00f6rungen \u2013 doch der Kern der Krise ist weitaus gruseliger: eben weil sie sich nicht l\u00f6sen l\u00e4sst, indem ein paar Personen in F\u00fchrungspositionen ausgetauscht werden. Um f\u00fcr die Menschheit eine Zukunft als Zivilisationsprojekt denkbar machen zu k\u00f6nnen, ist ein gewaltiger Kraftakt Voraussetzung, der ein \u00fcber Jahrhunderte gewachsenes System von seinem absurden Zwang befreit, unendlich viele Ressourcen zu verbraten, damit fiktiver Reichtum in Form von wertlosem Geld entsteht. Wie eine solche Transformation gelingen kann, muss zum Gegenstand eines gesamtgesellschaftlichen Verst\u00e4ndigungsprozess werden. Dabei ist es \u00fcberf\u00e4llig, sich das Offensichtliche einzugestehen: Mit Wachstum f\u00fchrt kein Weg aus der Krise.<\/p>\n<p><strong>Lekt\u00fcre-Empfehlungen:<\/strong><\/p>\n<p><em>&#8222;<a href=\"https:\/\/www.exit-online.org\/textanz1.php?tabelle=buecher&amp;index=4&amp;posnr=17&amp;backtext1=text1.php\"  rel=\"noreferrer noopener\">Geld ohne Wert<\/a>&#8220; von Robert Kurz, 2012<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;<a href=\"http:\/\/www.schmetterling-verlag.de\/page-5_isbn-3-89657-174-5.htm\"  rel=\"noreferrer noopener\">Zur Kritik des modernen Fetischismus<\/a>&#8220; von Claus-Peter Ortlieb, 2019<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;<a href=\"https:\/\/konkret-magazin.shop\/texte\/konkret-texte-shop\/66\/tomasz-konicz-kapitalkollaps\"  rel=\"noreferrer noopener\">Kapitalkollaps<\/a>&#8220; von Tomasz Konicz, 2016<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;<a href=\"https:\/\/www.mandelbaum.at\/buecher\/tomasz-konicz\/klimakiller-kapital\/\"  rel=\"noreferrer noopener\">Klimakiller Kapital<\/a>&#8220; von Tomasz Konicz, 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6kologische Marktwirtschaft ist eine hoffnungslose Hoffnung: Mit mehr Wachstum f\u00fchrt kein Weg aus der Klima- und Wirtschaftskrise Von Minh Schredle Zuerst erschienen in KONTEXT:Wochenzeitung Ausgabe 550 vom 13.10.2021 Die triviale Erkenntnis ist so alt wie Steueroasen in der Karibik: \u2026 <a href=\"http:\/\/emafrie.de\/die-ueberkrise-geld-ist-tot\/\">Weiterlesen <span 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