{"id":6134,"date":"2011-02-28T00:10:09","date_gmt":"2011-02-27T23:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/frontex.antira.info\/?p=181"},"modified":"2011-02-28T01:25:19","modified_gmt":"2011-02-28T00:25:19","slug":"drama-vor-lampedusa-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2011\/02\/drama-vor-lampedusa-teil-2\/","title":{"rendered":"Drama vor Lampedusa, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Wie sich mittlerweile ergeben hat, und anders als noch <a href=\"http:\/\/frontex.antira.info\/2009\/04\/01\/drama-vor-lampedusa\/\">gestern geschrieben<\/a>, sind nicht drei Boote gekentert, sondern lediglich ein einziges. Die vermutete Zahl der Toten liegt jedoch weiterhin zwischen 300 und 400. Die S\u00fcddeutsche Zeitung <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/89\/463694\/text\/\">schreibt<\/a>:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Nach dem Untergang eines Fl\u00fcchtlingsbootes haben die Beh\u00f6rden an der libyschen K\u00fcste bislang rund 100 Leichen geborgen. Man gehe davon aus, dass sie zu den etwa 365 Fl\u00fcchtlingen geh\u00f6rten, deren Boot in der Nacht zum Sonntag gekentert sei, hie\u00df es in Beh\u00f6rdenkreisen. [&#8230;] Allerdings ging f\u00fcr die anderen Schiffe die \u00dcberfahrt glimpflicher aus. Eines mit 350 Menschen an Bord war in Seenot geraten, die Passagiere wurden aber von der libyschen K\u00fcstenwache gerettet. Ein weiteres hat nach Angaben aus libyschen Beh\u00f6rdenkreisen Italien erreicht und das vierte sei auf dem Weg nach Malta.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Weiter hat die SZ ihre Seite 2 (1. April 2009) dem Thema gewidmet, auch wenn es dort die \u00fcbliche Mischung aus \u201cWarum kommen die Leute\u201d und \u201cwie kommen die Leute\u201d gibt. Lediglich der Artikel \u201c<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/357386\/920\/2826562\/An-die-Grenze-gegangen.html\">An die Grenzen gegangen<\/a>\u201d ist f\u00fcr diesen Blog aufschlu\u00dfreicher: <\/p>\n<blockquote>\n<p>Wenn sie nicht eigens gefragt worden w\u00e4re, h\u00e4tte die EU-Kommission in Br\u00fcssel auf das neuerliche Drama im Mittelmeer vielleicht schon gar nicht mehr reagiert. Der Sprecher von Justizkommissar Jacques Barrot sagte am Dienstag, man werde es noch \u201csehr lange\u201d mit solchen Ereignissen zu tun haben. Der Migrationsdruck werde steigen. Und es gebe einfach keine \u201cmagische L\u00f6sung\u201d des Problems. [&#8230;] Rund 35 Millionen Euro gibt die EU-Agentur Frontex in diesem Jahr f\u00fcr die \u00dcberwachung der Seegrenzen aus. In Br\u00fcssel wei\u00df man l\u00e4ngst, dass Grenzschutz allein das Problem nicht l\u00f6sen kann. Doch echte L\u00f6sungen brauchen Zeit.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auch der Kommentar auf Seite 4 erkl\u00e4rt die europ\u00e4ische Abschottungspolitik f\u00fcr gescheitert: <\/p>\n<blockquote>\n<p>Da sich die Armut in Afrika nicht \u00fcber Nacht abschaffen l\u00e4sst, sollte sich Europa etwas anderes \u00fcberlegen, als sich einzumauern. Die EU kann sich ohnehini nicht vom armen Rest der Welt abschotten, denn die Emigranten sind viel zu entschlossen, alle Grenzen zu \u00fcberwinden.\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sogar in der Welt ist ein <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article3485575\/Das-Fluechtlingsdrama-und-die-Hilflosigkeit-der-EU.html\">etwas nachdenklicherer Artikel<\/a> erschienen, auch wenn er in der \u00fcblichen Rhetorik bleibt. Dort wird zuallererst aber argumentiert, dass Europa schon sehr viel tue, aber das die Mitgliedsstaaten eben oft anders wollen. Dann wird jedoch mit dem Ammenm\u00e4rchen aufger\u00e4umt, Frontex w\u00e4re vor den Kanaren erfolgreich. Zwar kommen dort weniger Fl\u00fcchtlinge an, aber die Routen haben sich einfach verlagert (eine Weisheit, die mittlerweile auch Frontex so sieht). Also wird auch hier ein Scheitern der Politik von Frontex konstatiert.<\/p>\n<p>Das Problem der Debatte ist das Schmuggler- und Schleuserbashing. In vielen Artikel wird ihnen die gro\u00dfe Schuld zugeschoben. Kostproben:<\/p>\n<blockquote>\n<p>UN-Fl\u00fcchtlingshochkommissar Antonio Guterres hatte sich betroffen gezeigt und darauf verwiesen, dass derzeit die \u201cSchmuggel-Saison\u201d am Mittelmeer beginne.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p> Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/89\/463694\/text\/\">SZ<\/a><\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich ein bisschen l\u00e4cherlich. Die Leute setzen nicht \u00fcber, weil die \u201cSchmuggler\u201d jetzt ihre L\u00e4den aufmachen, sondern weil das Wetter besser wird.<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen diesen verantwortungslos handelnden Schleusern und Schleppern ihr menschenverachtendes und kriminelles Handwerk legen\u201c, sagt Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble der WELT. \u201eSie nutzen die Not anderer aus, und bringen Menschen auf v\u00f6llig \u00fcberladenen Seelenverk\u00e4ufern in h\u00f6chste Gefahr.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p> Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article3485575\/Das-Fluechtlingsdrama-und-die-Hilflosigkeit-der-EU.html\">Welt<\/a><\/p>\n<p>Ich denke nicht, dass diese Grenze so leicht zu ziehen ist. Tatsache ist, dass die Abschottungspolitiken \u00dcberfahrten kriminalisiert, und oft auch Leute trifft, die lediglich Schiffbr\u00fcchige aufgenommen haben. Die Story der <a href=\"http:\/\/no-racism.net\/article\/1892\">Cap Anamur<\/a> ist ja sicherlich vielen Leuten bekannt, oder auch die der <a href=\"http:\/\/no-racism.net\/article\/2312\/\">tunesischen Fischer<\/a>. Dass es nicht reine Menschenfreundlichkeit ist, die Leute dazu bewegt, \u00dcberfahrten zu organisieren, ist nat\u00fcrlich auch klar, aber menschenfreundlich ist die EU-Politik auch nicht. Darum geht es hier ja auch gar nicht. Ich halte es aber f\u00fcr sehr schwierig, monokausal die Schlepper f\u00fcr alles zur Verantwortung zu ziehen. Es gibt eine hohe Nachfrage nach \u00dcberfahrten, dass ist der springende Punkt. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Hilfsorganisation Pro Asyl erkl\u00e4rte in Frankfurt am Main, \u201cder hundertfache Tod vor der K\u00fcste Libyens\u201d sei das \u201cResultat einer menschenverachtenden Schlepperindustrie, aber auch einer doppelb\u00f6digen europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingspolitik\u201d.\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p> Quelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bootsunglueck104.html\">tagesschau.de<\/a><\/p>\n<p>Also, da tut es dann sp\u00e4testens weh. Wenn sogar eine Organisation wie Pro Asyl es nicht schafft, Ross und Reiter zu nennen, dann ist etwas falsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sich mittlerweile ergeben hat, und anders als noch <a href=\"http:\/\/frontex.antira.info\/2009\/04\/01\/drama-vor-lampedusa\/\">gestern geschrieben<\/a>, sind nicht drei Boote gekentert, sondern lediglich ein einziges. 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