{"id":64786,"date":"2024-03-28T08:13:09","date_gmt":"2024-03-28T07:13:09","guid":{"rendered":"http:\/\/emafrie.de\/?p=9361"},"modified":"2024-03-28T08:13:09","modified_gmt":"2024-03-28T07:13:09","slug":"mehr-streiken-fuer-weniger-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2024\/03\/mehr-streiken-fuer-weniger-arbeit\/","title":{"rendered":"Mehr Streiken f\u00fcr weniger Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arbeitszeitverk\u00fcrzung ist das Gebot der Stunde<\/strong><\/p>\n<p>von <em>Lothar Galow-Bergemann<\/em><\/p>\n<p>(zuerst erschienen in <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2024\/12\/arbeitszeitverkuerzung-35-stunden-woche-mehr-streiken-fuer-weniger-arbeit\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2024\/12\/arbeitszeitverkuerzung-35-stunden-woche-mehr-streiken-fuer-weniger-arbeit\"  rel=\"noreferrer noopener\">Jungle World<\/a>)<\/p>\n<p><em>Politiker und Unternehmerverb\u00e4nde verlangen, dass mehr gearbeitet wird. Diskussionen \u00fcber die 35-Stundenwoche k\u00f6nnten \u00bbwir\u00ab uns nicht mehr leisten, hei\u00dft es. Dabei sollte diese Forderung nur der erste Schritt sein: Es sollte noch viel weniger gearbeitet werden.<\/em><\/p>\n<p>Es ist das Drama der Gr\u00fcnen, dass sie an eine \u00bb\u00f6kologische Marktwirtschaft\u00ab glauben. Umweltschutz hin oder her: Wer sich auf die Klaviatur des Kapitals einl\u00e4sst, muss auch seine Melodie spielen. Es war also keine wirkliche \u00dcberraschung, dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Gr\u00fcne) vergangene Woche in den Chor derer einstimmte, die <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2023\/17\/mehr-bock-auf-weniger-arbeit\"  rel=\"noreferrer noopener\">seit einiger Zeit \u00bbmehr Bock auf Arbeit\u00ab verlangen<\/a>. Im Moment werde, so der Gr\u00fcnen-Politiker, \u00bbein bisschen zu viel f\u00fcr immer weniger Arbeit gestreikt beziehungsweise geworben\u00ab. Das k\u00f6nnten \u00bbwir\u00ab uns aber nicht leisten, denn Deutschlands Wirtschaft wachse nicht mehr.<\/p>\n<p><span id=\"more-9361\"><\/span><\/p>\n<p>Zwar ist nicht nur aus \u00f6kologischer Sicht die Funktionsweise einer Wirtschaft zu hinterfragen, die \u00bbimmer mehr und immer schneller\u00ab machen muss, weil sie ohne permanentes Wachstum umgehend strauchelt. Aber das zu erkl\u00e4ren, w\u00e4re von einem Bundeswirtschaftsminister zu viel verlangt. Schlie\u00dflich ist es sein Job, f\u00fcr das Florieren eben dieser Wirtschaft zu sorgen. Jedes Weniger, jede \u00adUnterbrechung des Waren- und Personenstroms l\u00e4sst die Alarmglocken schrillen&nbsp;\u2013 seien es liegengebliebene Frachter im Suez-Kanal oder Streiks bei der Bahn.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Das ganze Land werde \u00bbin Geiselhaft genommen\u00ab, klagte FDP-Generalsekret\u00e4r Bijan Djir-Sarai und meinte selbstredend weder den Bahnvorstand noch die Privatisierungspolitik.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Habeck sagte nicht konkret, wen er meinte, aber das brauchte er auch nicht. Die Angriffe von Politikern und Wirtschaftsvertretern richten sich momentan vor allem gegen die Lokf\u00fchrergewerkschaft GDL mit ihrer Forderung nach der 35-Stundenwoche. Immer deutlicher wird dabei das Streikrecht angegriffen.<\/p>\n<p>Das ganze Land werde \u00bbin Geiselhaft genommen\u00ab, klagte etwa FDP-Generalsekret\u00e4r Bijan Djir-Sarai und meinte selbstredend weder den Bahnvorstand noch die Privatisierungspolitik, die die Bahn in jenen erb\u00e4rmlichen Zustand versetzt hat, unter dem \u00bbdas ganze Land\u00ab in der Tat seit vielen Jahren leidet. Gegen die \u00bbma\u00dflose Streikgier\u00ab, so Djir-Sarai, brauche es eine \u00bbgenerelle Einschr\u00e4nkung des Streikrechts in sensiblen Bereichen\u00ab.<\/p>\n<p>Wie interpretationsf\u00e4hig der Begriff \u00bbsensible Bereiche\u00ab ist, macht Steffen Kampeter, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb\u00e4nde (BDA), deutlich, der vor einem Jahr mit der Parole \u00bbWir brauchen mehr Bock auf Arbeit\u00ab die derzeitige Debatte initiiert hatte. Die Streiks in der kritischen Infrastruktur seien schlie\u00dflich \u00bbauch Wachstumsbremsen\u00ab. Will sagen, sie treffen das Allerheiligste des Kapitalismus. Mit dem Argument lie\u00dfen sich freilich auch alle anderen Streiks einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Zwar <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2024\/02\/gdl-bahnstreik-mit-harten-bandagen\"  rel=\"noreferrer noopener\">hat die GDL ihre problematischen Seiten und tut sich nicht immer mit gewerkschaftlicher Solidarit\u00e4t hervor<\/a>, wovon besonders die Kolleg:innen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ein Lied singen k\u00f6nnen. Doch deswegen greifen Djir-Sarai, Kampeter und andere sie mit Sicherheit nicht an. Seite an Seite mit dem Bahnvorstand wollen sie offenbar die GDL zerschlagen und bei der Gelegenheit auch gleich noch das in Deutschland im Vergleich mit anderen westlichen L\u00e4ndern ohnehin schon eingeschr\u00e4nkte Streikrecht weiter amputieren.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Die Stimmung ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr das Kapital. Aus Sicht seiner Sachwalter und Ideologen muss dringend eine Gegenstimmung aufgebaut werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Was sie so nervt, ist, dass die GDL derzeit das Thema 35-Stundenwoche im \u00f6ffentlichen Bewusstsein h\u00e4lt und daf\u00fcr viel Sympathie genie\u00dft. Denn <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2023\/32\/millionen-beissen-die-zaehne-zusammen\"  rel=\"noreferrer noopener\">immer mehr Menschen leiden unter dem Arbeitsdruck und wollen \u00bbraus aus der Tretm\u00fchle\u00ab<\/a>. Im Jahr 2019 stimmten nach einer Studie des Haftpflichtverbands der Deutschen Industrie 41\u00a0Prozent der Berufst\u00e4tigen der Aussage zu: \u00bbIch w\u00fcrde so schnell wie m\u00f6glich mit meinem beruflichen \u00adArbeiten aufh\u00f6ren, wenn ich es finanziell nicht mehr n\u00f6tig h\u00e4tte.\u00ab 2022 waren es bereits 56\u00a0Prozent. Drei Viertel der Befragten pl\u00e4dierten zudem f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Viertagewoche in ihren Unternehmen.<\/p>\n<p>Diese Stimmung ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr das Kapital. Aus Sicht seiner Sachwalter und Ideologen muss dringend eine Gegenstimmung aufgebaut werden. \u00bbWir m\u00fcssen mehr leisten, um unseren Wohlstand bewahren zu k\u00f6nnen\u00ab, lautet das Mantra. Aber was ist das \u00adeigentlich f\u00fcr ein Wohlstand, der einem immer noch mehr Stress macht? Daf\u00fcr, dass es noch mehr Autos, noch mehr Plastik im Meer, noch mehr CO2 und noch gr\u00f6\u00dfere Finanzblasen gibt? Und wo einem nach jahrzehntelangem Schuften eine Minirente ab 70 winkt?<\/p>\n<p>Viele haben andere Vorstellungen von Lebensqualit\u00e4t. Nicht \u00bbmehr Bock auf Arbeit\u00ab ist angesagt, sondern Arbeitszeitverk\u00fcrzung. Also bitte mehr streiken f\u00fcr weniger Arbeit. Endlich menschen- und naturvertr\u00e4glich wirtschaften, damit der Zug in die richtige Richtung f\u00e4hrt. Oder zumindest nicht mehr so schnell in die falsche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitszeitverk\u00fcrzung ist das Gebot der Stunde von Lothar Galow-Bergemann (zuerst erschienen in Jungle World) Politiker und Unternehmerverb\u00e4nde verlangen, dass mehr gearbeitet wird. Diskussionen \u00fcber die 35-Stundenwoche k\u00f6nnten \u00bbwir\u00ab uns nicht mehr leisten, hei\u00dft es. Dabei sollte diese Forderung nur der \u2026 <a href=\"http:\/\/emafrie.de\/mehr-streiken-fuer-weniger-arbeit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":928,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2525,1615,2526,2521,1099,2684,2677,2527,2522,2524],"class_list":["post-64786","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-syndicated","tag-alternativen","tag-arbeit","tag-gewerkschaften","tag-kapital-und-krise","tag-kapitalismus","tag-klasse","tag-klima-oekologie","tag-krise","tag-lothar-galow-bergemann","tag-soziale-bewegungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/users\/928"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64786"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64826,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64786\/revisions\/64826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meta.copyriot.com\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}