{"id":64990,"date":"2024-04-25T13:56:00","date_gmt":"2024-04-25T12:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/emafrie.de\/?p=9476"},"modified":"2024-04-25T13:56:00","modified_gmt":"2024-04-25T12:56:00","slug":"kapitalismus-arbeit-und-antisemitismus-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2024\/04\/kapitalismus-arbeit-und-antisemitismus-4\/","title":{"rendered":"Kapitalismus, Arbeit und Antisemitismus"},"content":{"rendered":"<p>Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 14. Mai 2024, 19.00 Uhr Wien<\/strong><\/p>\n<p>H\u00f6rsaal 30, Hauptuni, Universit\u00e4tsring 1, 1010 Wien<\/p>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/oeh_uniwien\/p\/C6LQVADMnMY\/?img_index=1\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.instagram.com\/oeh_uniwien\/p\/C6LQVADMnMY\/?img_index=1\"  rel=\"noreferrer noopener\">Veranstaltung<\/a> von <a href=\"https:\/\/oeh.univie.ac.at\/referate\/working-class-students\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/oeh.univie.ac.at\/referate\/working-class-students\"  rel=\"noreferrer noopener\">Referat f\u00fcr Working Class Students \u00d6H Uni Wien<\/a><\/p>\n<p>Lebensl\u00e4nglich arbeiten m\u00fcssen um Geld zu verdienen damit wir leben k\u00f6nnen ist das h\u00f6chste Gesetz der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Arbeit sei so etwas wie Natur, lautet der allgemeine Konsens. Wer etwas gegen sie hat, gilt als verr\u00fcckt oder faul, meistens als beides.<\/p>\n<p>Nicht immer wurde die Arbeit so \u00fcberh\u00f6ht wie heute. In der Antike hatte sie sogar einen ausgesprochen schlechten Ruf. Mit Beginn der Neuzeit jedoch erfuhr sie religi\u00f6se Weihen. Das protestantische Arbeitsethos stand an der Wiege des Kapitalismus. Das B\u00fcrgertum, die Arbeiterbewegung und der Nationalsozialismus haben die Arbeit f\u00f6rmlich verherrlicht.<\/p>\n<p>Doch auch wenn es dem herrschenden Bewusstsein noch so uneinsichtig ist: Arbeit und n\u00fctzliches\/ sinnvolles\/lustvolles T\u00e4tigsein sind zwei Paar Stiefel. <span id=\"more-9476\"><\/span><br \/>\nAuch ist Arbeit kein \u201eantagonistischer\u201c Gegensatz zum Kapital. Sie ist vielmehr herrschendes Formprinzip der warenproduzierenden Gesellschaft, deren Ausgangs- und Zielpunkt nicht etwa der stoffliche Reichtum ist, von dem alleine wir leben, sondern der abstrakte (Geld-)reichtum einer Megamaschine aus ewigem Wachstum und Maximalprofit.<\/p>\n<p>Die Insassen dieser Gesellschaft m\u00fcssen darauf hoffen, dass der Markt ihrer Arbeit Wert bescheinigt. Obwohl sie lebenslang die Angst begleitet, \u201ewertlos\u201c zu werden und ins Bodenlose zu st\u00fcrzen, erscheinen ihnen diese Verh\u00e4ltnisse als nat\u00fcrlich und alternativlos. L\u00e4uft nach ihrem Empfinden etwas schief in der Gesellschaft, machen sie vornehmlich \u201eeine falsche Politik\u201c daf\u00fcr verantwortlich, ohne die basalen Zw\u00e4nge der \u00d6konomie auch nur eines Blickes zu w\u00fcrdigen. H\u00e4ufen sich gar Krisen, Elend, Not und Kriege, so hat das f\u00fcr sie erst recht nichts mit der Herrschaft von Arbeit, Ware, Wert, Markt und Kapital zu tun, sondern ist vermeintlich \u00e4u\u00dferen Faktoren geschuldet. Ihr Tunnelblick kann dann schnell zu Verschw\u00f6rungsweltbildern mutieren. Sie phantasieren dunkle M\u00e4chte, getrieben von verwerflichen Interessen und b\u00f6ser Absicht, die ihnen an den Kragen wollen. Ihre Identifikation mit der \u201eehrlichen Arbeit\u201c, die von der \u201eRaffgier\u201c bedroht wird, entl\u00e4dt sich schlimmstenfalls im antisemitischen Vernichtungswahn. Nicht ohne Grund stand der perverse Satz \u201eArbeit macht frei\u201c \u00fcber dem Tor von Auschwitz.<\/p>\n<p>Die Nationalsozialisten setzten \u201edie Gierigen\u201c mit \u201eden Juden\u201c gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gef\u00e4hrlichen N\u00e4he zum Antisemitismus befinden, ohne sich dar\u00fcber im Klaren zu sein. Eine reflektierte Kapitalismuskritik, die sich wesentlich vom herrschenden Bauch-Antikapitalismus unterscheidet, der Gesellschaftskritik mit Wut auf \u201egierige Milliard\u00e4re\u201c, \u201eStrippenzieher\u201c und \u201eL\u00fcgenpresse\u201c verwechselt, ist heute n\u00f6tiger denn je. Zumal sie mit der Kritik der Arbeit beginnt und deswegen einen v\u00f6llig anderen Blick auf die Dinge werfen kann: Der eigentliche Skandal ist n\u00e4mlich nicht, dass die gewaltige Steigerung der Produktivit\u00e4t, die wir erleben, nicht jedem einen Arbeitsplatz verschafft, sondern dass wir trotzdem immer mehr und immer l\u00e4nger arbeiten sollen. Schon l\u00e4ngst w\u00e4re ein besseres Leben f\u00fcr alle mit viel mehr Raum zur pers\u00f6nlichen Entfaltung m\u00f6glich. Ohne Kapitalismus.<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/galow-bergemann.com\/\" data-type=\"link\" data-id=\"http:\/\/galow-bergemann.com\/\"  rel=\"noreferrer noopener\">Lothar Galow-Bergemann<\/a><\/em> war Personalrat in zwei Gro\u00dfkliniken. Heute schreibt er u.a. in Jungle World und bei <a href=\"http:\/\/emafrie.de\/\" data-type=\"link\" data-id=\"http:\/\/emafrie.de\/\"  rel=\"noreferrer noopener\">Emanzipation und Frieden<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann Dienstag, 14. 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