{"id":65563,"date":"2024-08-17T17:12:28","date_gmt":"2024-08-17T16:12:28","guid":{"rendered":"https:\/\/emafrie.de\/?p=9775"},"modified":"2024-08-17T17:12:28","modified_gmt":"2024-08-17T16:12:28","slug":"blinde-flecken-der-palaestina-solidaritaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2024\/08\/blinde-flecken-der-palaestina-solidaritaet\/","title":{"rendered":"Blinde Flecken der Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anmerkungen zu einer Kritik an <a href=\"https:\/\/emafrie.de\/antisemitismuskritik-im-kampf-gegen-die-klimakrise\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/emafrie.de\/antisemitismuskritik-im-kampf-gegen-die-klimakrise\/\"  rel=\"noreferrer noopener\">einem Vortrag<\/a> auf dem <a href=\"https:\/\/programm.infraunited.org\/scc24\/talk\/GWF3TD\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/programm.infraunited.org\/scc24\/talk\/GWF3TD\/\"  rel=\"noreferrer noopener\">System Change Camp<\/a><\/strong><\/p>\n<p>von <em>Julian Bierwirth<\/em><\/p>\n<p>Der Flyer (<a href=\"http:\/\/www.krisis.org\/wp-content\/data\/signal-2024-08-08-192250-scaled.jpeg\">der hier eingesehen werden kann<\/a>) beginnt mit einer falschen Beschreibung der Themenstellung: Es wird behauptet, es w\u00e4re ein Vortrag \u00fcber den \u201cNah-Ost-Konflikt\u201d (Zitat aus dem Flyer) gewesen. Das ist falsch. Es ging um die Rolle des Kapitalismus f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Klimakrise und des Antisemitismus.<\/p>\n<p>In der Diskussion nach dem Vortrag hatte ein nicht unerheblicher Teil des Publikums wenig Interesse an einer Diskussion zur Kritik des Antisemitismus, Kapitalismus oder der Klimakrise, sondern wollte einen Weg finden, auch weiterhin \u201cIsrael kritisieren zu d\u00fcrfen\u201d. Mehrfach wurde dieser Wunsch ge\u00e4u\u00dfert und so eine Diskussion nicht zu Fragen der Bedeutung des Antisemitismus, sondern zum \u201cNah-Ost-Konflikt\u201d eingefordert.&nbsp;<\/p>\n<p>In den letzten Monaten ist h\u00e4ufig der Reflex zu beobachten, dass auf die Thematisierung von Antisemitismus der Hinweis auf aktuelle politische Entwicklungen in Israel folgt. Es dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, dass dies geschieht, um sich mit einer Kritik von Antisemitismus nicht mehr auseinandersetzen zu m\u00fcssen. Es w\u00e4re eine eigene Reflexion wert, den damit zusammenh\u00e4ngenden sozialtheoretischen und sozialpsychologischen Mechanismen nachzugehen.<\/p>\n<p>Ich werde im Folgenden zun\u00e4chst etwas ausf\u00fchrlicher auf ein grundlegendes Manko vieler sog. \u201cantiimperialistischer bzw. \u201cantizionistischer\u201d Analysen eingehen, die sich auch in dem Kritik-Papier widerspiegeln. Im Anschluss werde ich kurz die inhaltlichen Vorw\u00fcrfe kommentieren. Mir ist bewusst, dass diese kurze Darstellung eine notwendige und umfassende Kritik dieser nicht nur verk\u00fcrzten, sondern inhaltlich falschen Perspektiven linker Welterkl\u00e4rung nicht ersetzen kann.<\/p>\n<p><span id=\"more-9775\"><\/span><\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4tspolitische Dimension<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum der Kritik steht eine zweifache identit\u00e4tspolitische Setzung. Nicht nur habe das Publikum im wesentlichen aus \u201cnicht-Betroffenen und (relativ) privilegierten Menschen\u201d bestanden, zudem sei der Vortrag von einem \u201cnicht-Betroffenen\u201d gehalten worden. Woran genau die Verfasser:innen des Kritik-Papiers das festmachen, bleibt unklar. Der Gedanke liegt nahe, dass sie von der \u00e4u\u00dferen Erscheinung der Teilnehmenden und des Referenten auf die Nichtbetroffenheit geschlossen haben.<\/p>\n<p>Dieser Jargon unterstellt, dass die Frage der \u201cBetroffenheit\u201d ein zentrales Merkmal f\u00fcr die Legitimit\u00e4t von Kritik darstellt. Dabei wird bereits eine doppelte Reduktion vorgenommen. Einerseits wird der Konflikt als Gegeneinander von Gruppen verstanden, von denen die eine \u201cT\u00e4tergruppe\u201d, die andere \u201cbetroffen\u201d ist.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zugeh\u00f6rigkeit zu diesen Gruppen wird dann nicht selten \u00fcber ethnische Abstammungslinien definiert: Menschen mit familienbiografischen \u201cWurzeln\u201d in der Region gelten so als \u201cbetroffen\u201d, alle anderen nicht. Bereits auf diesem Weg kann die ethnische Herkunft zum zentralen Marker f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung einer Person werden. Solche Zwangskollektivierungen sind jedoch mit einer emanzipatorischen, auf die universelle Befreiung von Menschen ausgerichteten Perspektive unvereinbar.<\/p>\n<p>Damit soll selbstverst\u00e4ndlich nicht abgestritten werden, dass es wichtig ist, Menschen zuzuh\u00f6ren und ihre Einsch\u00e4tzungen wahrzunehmen. Daraus sollte jedoch keinesfalls folgen, automatisch ihre Beschreibungen der Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr Leiden zu \u00fcbernehmen. Diese sind vielmehr sozialtheoretisch einzuholen \u2013 was leider oftmals nicht mehr passiert.<\/p>\n<p><strong>V\u00f6lkische Konstrukte als Basis linker Befreiung?<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Blick auf die Welt zeigt sich auch, wenn die Verfasser:innen des Papiers mir vorwerfen, ich h\u00e4tte das pal\u00e4stinensische Volk \u201cals Konstrukt\u201d bezeichnet. Die Vorstellung, dass die Welt von nat\u00fcrlicherweise vorhandenen \u201cV\u00f6lkern\u201d \u201cbev\u00f6lkert\u201d sei, ist eine ideologische Vorstellung, die in dem Vortrag umfassend kritisiert wurde. Die Vorstellung von nationaler Identit\u00e4t und homogenen V\u00f6lkern entsteht im Zuge der kapitalistischen Modernisierung, wie im Vortrag (sowohl logisch als auch historisch am Beispiel der deutschen Nation) dargestellt wurde. Selbstverst\u00e4ndlich bilden das \u201cpal\u00e4stinensische Volk\u201d und das \u201cj\u00fcdische Volk\u201d keine Ausnahme.<\/p>\n<p>In Pal\u00e4stina beginnt im 20. Jahrhundert ein Prozess, in dem politische und kulturelle Eliten die Vorstellung einer homogenen Volksgruppe im politischen Diskurs zu verankern suchen. Sie bem\u00fchen dabei das Bild eines flei\u00dfigen und mit dem heimischen Boden eng verbandelten Volkes, das im Gegensatz zur fremden, von au\u00dfen in die Region einfallenden Gruppe der J\u00fcdinnen:Juden konstruiert wird. Diesem zum Zwecke der nationalen Identit\u00e4tsfindung konstruierten Gegen\u00fcber wird dann die Schuld f\u00fcr das reale Leiden der Menschen in der Region gegeben. In diesem Sinne ist der Antisemitismus konstitutiv f\u00fcr den pal\u00e4stinensischen Nationalismus.<\/p>\n<p>Dass die pal\u00e4stinensische Nation konstruiert sein muss, wird \u00fcbrigens bereits aus der politischen Geschichte der Region deutlich. Denn der geographische Raum, auf den sich der pal\u00e4stinensische Nationalismus bezieht (\u201cfrom the river to the sea\u201d), entsteht erst 1921 mit der Teilung des britischen \u201cMandatsgebiets Pal\u00e4stina\u201d in das Emirat Transjordanien (heute: Jordanien) und ein kleines, etwa 22 Prozent des Mandatsgebietes umfassendes Rest-Territorium. Auf diese, durch britische Willk\u00fcr geschaffene Region bezieht sich dann der zu dieser Zeit noch marginale pal\u00e4stinensische Nationalismus. Dass dabei Grenzziehungen einer dominanten imperialen Macht zum Ausgangspunkt f\u00fcr legitime Befreiungsk\u00e4mpfe genommen werden, scheint die Verfechter:innen dieser Form von \u201cBefreiung\u201d freilich nicht zu k\u00fcmmern. Wie ernst meinen sie es also wirklich mit der \u201cDekolonisation\u201d?<\/p>\n<p>Sowohl die identit\u00e4tspolitische Kategorisierung des Referenten als auch die v\u00f6lkische Konstruktion einer pal\u00e4stinensischen Nation machen ein zentrales Problem der aktuellen Debatte rund um den \u201cNah-Ost-Konflikt\u201d deutlich. Statt auf eine Analyse der Geschichte des Konfliktes, vertrauen viele westliche Aktivist:innen lieber auf eine identit\u00e4tspolitische Kategorisierung, die in zweierlei Hinsicht falsch ist. Einerseits, weil sie die kapitalistische Weltgesellschaft in zwei Seiten unterteilt: den (b\u00f6sen) \u201cglobalen Norden\u201d und (guten) \u201cglobalen S\u00fcden\u201d. Und andererseits, weil sie die Zugeh\u00f6rigkeit zu den jeweiligen Kollektiven letztlich v\u00f6lkisch festzuschreiben versucht. Damit werden die problematischen und bisweilen offen reaktion\u00e4ren Praktiken der globalen Linken in den 1970er-Jahren wiederholt. Ein emanzipativer Ausweg aus der aktuellen autorit\u00e4ren Zuspitzung der Weltlage wird sich auf diese Weise sicherlich nicht finden lassen.<\/p>\n<p><strong>Kurze Stellungnahme zu der inhaltlichen Kritik<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte im Folgenden kurz auf die inhaltlichen Einw\u00e4nde zu sprechen kommen. Ich zitiere dabei zun\u00e4chst die Kritikpunkte und gehe dann auf sie ein. Es sei jedoch noch einmal daran erinnert, dass sie mit Ausnahme des ersten Punktes nicht auf den Vortrag bezogen sind, sondern auf die anschlie\u00dfende Diskussion.<\/p>\n<p><em>\u201cZiel bzw. Schlussfolgerung des Vortrags unklar: Antikolonialismus und Antikapitalismus = Antisemitismus?\u201d<\/em><\/p>\n<p>Dieser Vorwurf unterstellt, ich h\u00e4tte antikapitalistische Positionen in die N\u00e4he des Antisemitismus ger\u00fcckt. Das ist nicht korrekt. Ich habe allerdings darauf hingewiesen, dass viele gesellschaftskritische Positionen, die sich f\u00fcr \u201cantikapitalistisch\u201d halten, dies faktisch nicht sind. Denn statt einer Kritik der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse werden die Verwerfungen der kapitalistischen Dynamik oftmals personalisiert und damit individualisiert. Das ist der Komplexit\u00e4t des globalen Kapitalverh\u00e4ltnisses unangemessen, versperrt den Weg f\u00fcr emanzipatorische K\u00e4mpfe und r\u00fcckt die Argumentation der Betreffenden selbst in eine strukturelle N\u00e4he zum Antisemitismus.<\/p>\n<p><em>\u201cdas Westjordanland wollte niemand haben\u201d<\/em><\/p>\n<p>Im Kontext der nicht-vollzogenen pal\u00e4stinensischen Staatsgr\u00fcndung ist auff\u00e4llig, dass die politischen Eliten in der Region viele M\u00f6glichkeiten ungenutzt verstreichen lie\u00dfen, in denen es die M\u00f6glichkeit gegeben h\u00e4tte, die Menschen in Gaza bzw. im Westjordanland in einen Staat unter pal\u00e4stinensischer bzw. arabischer Hegemonie zu integrieren. Das gilt sowohl f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Verzicht auf die Gr\u00fcndung eines arabischen Nationalstaats 1947, f\u00fcr die Ablehnung der erneuten Integration des Westjordanlandes in das Staatsgebiet Jordaniens direkt nach dem 6-Tage-Krieg als auch f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Angebote zur Gr\u00fcndung eines eigenst\u00e4ndigen pal\u00e4stinensischen Staates in den 1990er-Jahren. Alle diese M\u00f6glichkeiten wurden abgelehnt, weil es den politischen Eliten in der Region um ein f\u00fcr sie wichtigeres Ziel ging als die Errichtung eines pal\u00e4stinensischen Staates: die Zerst\u00f6rung des Staates Israel.&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Sinne gibt es im politischen Establishment der Region tats\u00e4chlich kein gesteigertes Interesse an der Gr\u00fcndung eines pal\u00e4stinensischen Staates. Dass die Menschen, die dort vor Ort leben, unter dieser Politik leiden, steht dabei au\u00dfer Frage.<\/p>\n<p><em>\u201cheute wird alles Genozid genannt\u201d<\/em><\/p>\n<p>Von der Frage des konkreten Wordings vor Ort abgesehen, gibt es m.E. in Teilen der antizionistischen \u201cLinken\u201d die Tendenz, bestimmte Begriffe in ihrer Bedeutung auzuweiten. So datieren Gruppen wie \u201cPal\u00e4stina spricht\u201d den Beginn des Genozids an den Pal\u00e4stinenser:innen auf die Gr\u00fcndung des Staates Israel. Dabei wird (ebenso wie bei der in Teilen sogar berechtigten Kritik an einzelnen Praxen des israelischen Staates) nicht einfach vorhandenes Unrecht sachlich kritisiert, sondern bisweilen in einem kaum mehr umkehrbaren \u00dcberbietungswettbewerb moralisierend angeprangert. Damit schaden antirassistische und antikoloniale Aktivist:innen aber letztlich ihrem eigenen Anspruch.<\/p>\n<p><em>\u201cdas pal\u00e4stinensische Volk ist ein Konstrukt\u201d<\/em><\/p>\n<p>Wie oben bereits ausgef\u00fchrt, ist das selbstverst\u00e4ndlich der Fall. Alle V\u00f6lker sind \u201ckonstruiert\u201d.<\/p>\n<p><em>\u201cpal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung ist unf\u00e4hig eine funktionierende Regierung zu bilden\u201d<\/em><\/p>\n<p>Dieser Satz ist so nicht gefallen. Er w\u00e4re ja auch sachlich falsch, da es sowohl in Gaza als auch im Westjordanland Regierungsinstitutionen gibt. Falls innerhalb der Volkswirtschaften ein Mangel an wirtschaftlicher Entwicklung beklagt wird, w\u00e4re das wiederum mit globalen \u00f6konomischen Verschiebungen in Verbindung zu setzen (und nicht auf die Unf\u00e4higkeit einer bestimmten Menschengruppe). Gerade das war der inhaltliche Schwerpunkt des urspr\u00fcnglichen Vortrags.<\/p>\n<p><em>\u201cPal\u00e4stinensisches Volk leidet nur wegen der Hamas\u201d<\/em><\/p>\n<p>Insbesondere in Gaza verfolgt die dortige Regierung nicht den Ansatz, die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zu verbessern. Stattdessen hat sie sich entschieden, das gesamte Territorium in eine Kaserne zu verwandeln und die eigene Zivilbev\u00f6lkerung als Schutzschild f\u00fcr einen Angriffskrieg auf das Nachbarland zu missbrauchen. Darunter leiden die Menschen vor Ort in hohem Ma\u00dfe. Aus einer emanzipatorischen Perspektive sollte eine solche Regierungspraxis scharf kritisiert werden. Dass die Menschen vor Ort auch unter anderen Einfl\u00fcssen leiden (z.B. der Politik der rechten Regierung in Israel oder globalen \u00f6konomischen Entwicklungen), wird von dieser Feststellung nicht ber\u00fchrt.<\/p>\n<p><em>\u201czionistische Bewegung ist immer linksliberal gewesen\u201d<\/em><\/p>\n<p>Abgesehen vom konkreten Wording vor Ort zeigt sich tats\u00e4chlich, dass die israelischen Regierungen bis Anfang der 1970er-Jahre politisch von einer sozialdemokratischen Mehrheit getragen wurden. Die zentralen historischen Str\u00f6mungen des Zionismus stammen aus der liberalen Aufkl\u00e4rungstradition sowie aus der Arbeiter:innenbewegung. Der konservative und auch der revisionistische Zionismus waren innerhalb der Bewegung lange Zeit minorit\u00e4r. Hier w\u00e4re zu fragen, wieso diese linke bzw. linksliberale Hegemonie verschwunden ist und welche Rolle dabei die konsequente Verweigerung eines Friedensschlusses von Seiten der pal\u00e4stinensischen Autorit\u00e4ten spielt. (siehe dazu auch mein Working-Paper <a href=\"https:\/\/www.krisis.org\/2024\/religionistische-identitaetspolitik\/\">Religionistische Identit\u00e4tspolitik<\/a>)<\/p>\n<p><em>\u201cHamas ist immer rechts gewesen\u201d<\/em><\/p>\n<p>Abgesehen vom konkreten Wording vor Ort ist offensichtlich, dass die Hamas eine Gr\u00fcndung der \u00e4gyptischen Muslimbruderschaft ist. Diese vertritt eine fundamentalistische Auslegung des Islam und ist Teil einer globalen reaktion\u00e4ren, autorit\u00e4ren identit\u00e4tspolitischen Str\u00f6mung. Das erkl\u00e4rte Ziel der Hamas ist nicht nur die T\u00f6tung aller J\u00fcdinnen:Juden, sondern auch die Errichtung eines muslimischen Weltstaates (siehe <a href=\"https:\/\/www.kritiknetz.de\/images\/stories\/texte\/charta%20der%20hamas.pdf\">Charta der Hamas<\/a> sowie die einschl\u00e4gigen Krisis-Beitr\u00e4ge (<a href=\"https:\/\/www.krisis.org\/2008\/die-exhumierung-gottes\/\">1<\/a>|<a href=\"https:\/\/www.krisis.org\/2008\/finale-des-universalismus\/\">2<\/a>)).<\/p>\n<p><em>\u201cw\u00e4hrend Pal\u00e4stinas Geschichte nur ab dem 7.10. aufgegriffen wurde\u201d<\/em><\/p>\n<p>Die Aussage ist sachlich falsch. Zur pal\u00e4stinensischen Geschichte ab dem 7.10. wurde vom Referenten (fast) gar nichts gesagt. Zu der Frage der Geschichte vorher (Stichwort: Konstruktion einer pal\u00e4stinensischen Nationalidentit\u00e4t durch politische und kulturelle Eliten vor Ort) hingegen wesentlich mehr.<\/p>\n<p><em>\u201casymetritsche Machtdynamiken negiert\u201d<\/em><\/p>\n<p>Aufgrund der au\u00dfenpolitischen Isolation Israels, der milit\u00e4rischen Bedrohung durch den Iran und der politischen Verwiesenheit des fossilen Kapitalismus auf Ressourcen im globalen Norden deutet tats\u00e4chlich einiges darauf hin, dass Israel in diesem Krieg nicht der m\u00e4chtigere Part ist.<\/p>\n<p>Insbesondere ein Blick auf die Finanzierungsstrukturen vieler arabischer Nationen macht deren enge Verquickung mit dem fossilen Kapitalismus deutlich. Das gilt dann indirekt auch f\u00fcr Gaza bzw. die dort hegemoniale Hamas (und ebenfalls f\u00fcr die finanziell deutlich besser ausgestattete Hisbollah). Diese finanziert sich im Wesentlichen \u00fcber finanzielle Zuwendungen, die aus dem fossilen Kapitalismus stammen und \u00fcber Mechanismen des Finanzmarktes (\u201cFiktives Kapital\u201d) in die Finanzierung der milit\u00e4rischen Infrastruktur vor Ort flie\u00dfen. Auch in diesem Sinne w\u00fcrde eine klimapolitische Intervention eine Kritik derartiger Abh\u00e4ngigkeiten bedeuten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anmerkungen zu einer Kritik an einem Vortrag auf dem System Change Camp von Julian Bierwirth Der Flyer (der hier eingesehen werden kann) beginnt mit einer falschen Beschreibung der Themenstellung: Es wird behauptet, es w\u00e4re ein Vortrag \u00fcber den \u201cNah-Ost-Konflikt\u201d (Zitat \u2026 <a href=\"https:\/\/emafrie.de\/blinde-flecken-der-palaestina-solidaritaet\/\">Weiterlesen <span 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