{"id":65928,"date":"2024-11-29T11:07:35","date_gmt":"2024-11-29T10:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/evibes.org\/?p=78573"},"modified":"2024-11-29T11:07:35","modified_gmt":"2024-11-29T10:07:35","slug":"feministische-militanz-als-antwort-auf-patriarchale-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meta.copyriot.com\/2024\/11\/feministische-militanz-als-antwort-auf-patriarchale-gewalt\/","title":{"rendered":"Feministische Militanz als Antwort auf patriarchale Gewalt"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400\">Von der Gesellschaft unterdr\u00fcckt, von den Genossen lediglich toleriert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Helke Sander und Sigrid R\u00fcger hatten davon die Nase voll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\u201eWir werden uns nicht mehr damit begn\u00fcgen, da\u00df den Frauen gestattet wird, auch mal ein Wort zu sagen, das man sich, weil man ein Antiautorit\u00e4rer ist, anh\u00f6rt, um dann zur Tagesordnung \u00fcberzugehen.\u201c erkl\u00e4rte Helge Sander in ihrer Rede am 13.9.1968 bei der SDS-Konferenz in Frankfurt. Nur damit eben genau das passierte. Man(n) hat sie reden lassen, f\u00fcr ein Umdenken hat es allerdings nicht gereicht. Es ging frisch-fr\u00f6hlich weiter zur Tagesordnung, ihre Punkte, mitunter die Bitte nach Unterst\u00fctzung bei der Errichtung von Kinderl\u00e4den, wurden einfach ignoriert. Da ist das Fass \u00fcbergelaufen. Sigrid R\u00fcger, aus ihrer Wut heraus, warf drei Tomaten auf die Verantwortlichen der Konferenz, zielsicher wohlbemerkt. Und damit war\u00b4s nicht genug: die feministische Bewegung gewann m\u00e4chtig an Schwung nach diesem Ereignis, dieser &#8222;Grenz\u00fcberschreitung&#8220;.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Auf den Tomatenwurf und den Auftrieb der feministischen Bewegung in Westdeutschland folgten Organisierungen von Feministinnen auch auf militanter Ebene. Sie l\u00f6sten Diskussionen in der Bewegung aus, Aufmerksamkeit f\u00fcr feministische Themen in der \u00d6ffentlichkeit, Wellen an Solidarit\u00e4t untereinander&#8230; Dass sich Frauen gewehrt haben &#8211; auf unterschiedliche Art und Weise &#8211; hat damals vermutlich viele Leben gerettet und sollte f\u00fcr uns Inspiration sein und ein Antrieb unsere Wut wieder zu finden und uns zu wehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">1977 fand der erste Anschlag der militant feministischen Gruppe &#8222;Rote Zora&#8220; statt. Er richtete sich gegen die Zentrale der Bundes\u00e4rztekammer in K\u00f6ln und reihte sich an, an jahrelange kreative Proteste gegen das Abtreibungsverbot, aber auch st\u00e4ndig stattfindende R\u00fcckschl\u00e4ge und Misserfolge im Kampf f\u00fcr die Selbstbestimmung \u00fcber den eigenen K\u00f6rper.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Einige Jahre sp\u00e4ter, 1993, schrieb die Rote Zora ein Statement zur Notwendigkeit von Gewalt: &#8222;Aber jede Frau die schon einen Stein geworfen hat, die auf Anmache von M\u00e4nnern nicht mit R\u00fcckzug reagiert, sondern zur\u00fcckgeschlagen hat, wird unser Gef\u00fchl von Befreiung nachvollziehen k\u00f6nnen, das wir hatten als wir Sexshops zerst\u00f6rten oder eine Bombe anl\u00e4sslich des Urteils zum Paragrafen 218 vor dem Bundesverfassungsgericht z\u00fcndeten. Befreiung hat in unserer Gesellschaft etwas mit Zerst\u00f6rung zu tun. Zerst\u00f6rung der Strukturen, die uns an unsere Frauenrolle ketten wollen. Und diese Strukturen lassen sich nur zerst\u00f6ren, wenn wir die Verh\u00e4ltnisse, die uns kaputtmachen wollen, angreifen. Angreifen in den vielf\u00e4ltigsten Formen, aber immer verbunden mit unserem unvers\u00f6hnlichen Hass auf diese Gesellschaft. Die bewaffnete Form des Angriffs ist f\u00fcr uns ein unverzichtbarer Teil des Frauenkampfes. Diese Position ist [&#8230;] in der Frauenbewegung kaum entwickelt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ebenfalls in den 70ern wurde Gewalt gegen Frauen zentrales Thema der Frauenbewegung &#8211; vor allem auch international. In Deutschland fanden Publikationen von Feministinnen zum Thema jedoch nicht die gew\u00fcnschte Aufmerksamkeit. Reaktion: Wir helfen uns selbst. Zum Beispiel durch den Aufbau von Frauenh\u00e4usern aber auch Gegengewalt um andere Betroffene patriarchaler Gewalt zu ermutigen sich zu wehren. Eine Protestwelle und Emp\u00f6rung wurden beispielsweise mit dem Erscheinen des Films &#8222;Die Geschichte der O.&#8220; 1975 ausgel\u00f6st, der 2 Millionen Menschen in die Kinos zog. Der Inhalt des Films: die Geschichte &#8222;einer jungen Frau, die es zu genie\u00dfen scheint von M\u00e4nnern vergewaltigt gefoltert und erniedrigt zu werden&#8220;. Die Antwort von Feministinnen war das Urinieren in Kinos\u00e4len und das Bewerfen der Leinw\u00e4nde mit Eiern und Stinkbomben. Der Gewaltbegriff gegen Frauen wurde hier bereits umfassend definiert und als strukturelles Problem erkannt sowie Ursachen der Gewalt ausgemacht, unter anderem die Objektifizierung des weiblichen K\u00f6rpers und erzwungene Heterosexualit\u00e4t. Antworten auf die herrschende patriarchale Gewalt waren Unterst\u00fctzungsnetzwerke f\u00fcr von Gewalt betroffenen Frauen, Stra\u00dfenproteste, Bildung, Gerichtsverfahren, Selbstverteidigung, direkte Aktion gegen Vergewaltiger und deren Anw\u00e4lte &#8211; alles unter der Devise, dass sich die Betroffenen patriarchaler Gewalt selbst helfen mussten, da von anderen Seiten keine Hilfe zu erwarten war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Gegengewalt wurde in keinem anderen Bereich der feministischen Bewegung so intensiv als gerechtfertigtes und notwendiges Mittel diskutiert wie im Kontext von Vergewaltigung beziehungsweise patriarchaler Gewalt im Allgemeinen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">In den 80er Jahren nahmen direkte Aktionen gegen Vergewaltiger und deren Anw\u00e4lte zu. Innerhalb der Linken und der Frauenbewegung wurden diese Aktionen \u00e4u\u00dferst kontrovers gesehen und diskutiert, besonders die m\u00e4nnlichen Genossen schienen die Gegenwalt nicht als gerechtfertigt anzusehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Aktionen gegen den linken Anwalt Becker, der vor Gericht einen mutma\u00dflichen Vergewaltiger vertrat, l\u00f6sten besonders heftige Debatten aus. In einer Stellungnahme, die in der taz ver\u00f6ffentlicht wurde und einem Foto, dass Parallelen zur Entf\u00fchrung von Peter Lorenz durch die Bewegung 2. Juni aufwies, prangerten die Aktivistinnen Becker \u00f6ffentlich an. Ermutigt durch Aktionen wie diese und sicherlich auch zumindest teilweise positive \u00c4u\u00dferungen zu dem Angriff auf Becker, wie die von ausschlie\u00dflich MitarbeiterINNEN der Taz, in der sie \u00e4u\u00dferten, dass sich &#8222;linke Solidarit\u00e4t anscheinend auf Solidarit\u00e4t unter M\u00e4nnern beschr\u00e4nke, und hervorhoben, dass eine k\u00f6rperliche Vergewaltigung [&#8230;] die \u00e4u\u00dferste Spitze vom Eisberg der patriarchalen Gewalt sei.&#8220; schlossen sich vereinzelt Frauengruppen zusammen um sich gegen M\u00e4nner zur Wehr zu setzten, die sie vergewaltig hatten. So &#8222;besuchte&#8220; 1982 beispielsweise eine Gruppe von 20 Frauen einen Mann in Bremen der am Vorabend eine von ihnen vergewaltigt hatte. Einen Monat sp\u00e4ter folgte ein \u00e4hnliches Vorgehen von Frauen in Hamburg nach einer Vergewaltigung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Was f\u00fcr uns vielleicht als &#8222;weit weg&#8220;, unrealistisch, streitbar oder kontrovers erscheint, ist im internationalen Kontext l\u00e4ngst ein Mittel von Frauen und FLINTA sich t\u00e4glich gegen patriarchale Gewalt zur Wehr zu setzten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Der Bloque Negro in Mexiko ist ein Kollektiv radikaler feministischer Aktivistinnen. Sie sind von Kopf bis Fu\u00df schwarz vermummt, um jedes Detail ihrer Identit\u00e4t zu verdecken und tragen Schwarz als Ausdruck f\u00fcr ihre Wut und ihren Nonkonformismus. W\u00e4hrend die vorherige Generation der Frauen still protestierte, ist der Bloque Negro laut, un\u00fcbersehbar und kompromisslos.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">In einem Land, in dem j\u00e4hrlich \u00fcber 4000 Frauen ermordet werden, also jeden Tag durchschnittlich 10 Frauen Opfer eines Femizids werden und 99% der T\u00e4ter ungeschoren davonkommen, wehren sie sich dagegen und k\u00e4mpfen entschlossen. Ob durch Vandalismus oder Hausbesetzungen wie die der Nationalen Menschenrechtskommission in Mexiko-City, welches sie in ein Frauenhaus umwandelten \u2013\u00a0hinterlassen sie Spuren und nehmen sich ihren Raum. Sie \u00fcben sich in Selbstverteidigung, sch\u00fctzen andere Demonstrantinnen vor Polizeigewalt und handeln nach ihrer Maxime: \u201eDer Mann und die Polizei sind eine Bedrohung und geh\u00f6ren mit Waffen bek\u00e4mpft\u201c. Ihr Ziel ist es, das Patriarchat zu st\u00fcrzen und Angst bei der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung Mexikos zu verbreiten. Die neue feministische Welle will \u201eweder vergeben noch vergessen\u201c und \u201ek\u00e4mpft heute, um morgen nicht zu sterben\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ni Una Menos und Marea Verde sind zwei der wichtigsten feministisch-militanten Bewegungen in Lateinamerika, die untrennbar miteinander verbunden sind, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Ni Una Menos, gegr\u00fcndet 2015 in Argentinien, entstand als direkte Reaktion auf den grausamen Mord an der 14-j\u00e4hrigen Chiara P\u00e1ez und die steigende Zahl von Femiziden. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit mobilisierten sie Hunderttausende und forderten durch entschlossene Proteste nicht nur die Gesellschaft zu mehr Bewusstsein auf, sondern auch eine radikale politische Umstrukturierung, um gegen die Straflosigkeit bei Gewalttaten an Frauen vorzugehen und endlich Frauen zu sch\u00fctzen. Ihre Slogans wie \u201eNi Una Menos\u201c (\u201eNicht eine weniger\u201c) sind zu einem Symbol f\u00fcr den Widerstand gegen Femizide geworden und hat eine neue Welle des feministischen Aktivismus in Lateinamerika ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Marea Verde, die \u201eGr\u00fcne Welle\u201c, begann als Bewegung f\u00fcr das Recht auf Abtreibung und wurde zu einer der sichtbarsten feministischen Str\u00f6mungen in Argentinien und dar\u00fcber hinaus. Der gr\u00fcne Schal, das Symbol von Marea Verde, steht f\u00fcr den entschlossenen Widerstand gegen patriarchale Normen und die unnachgiebige Forderung nach sicheren, legalen und kostenlosen Abtreibungen.. Marea Verde hat den Druck auf die Regierung so massiv erh\u00f6ht, dass sie 2020 in Argentinien die Abtreibungsgesetze reformierten \u2013 ein historischer Sieg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Beide Bewegungen sind ein Symbol feministischen Widerstands, der keine Kompromisse kennt. Ni Una Menos fordert Gerechtigkeit f\u00fcr die Opfer von Gewalt, Marea Verde f\u00fcr die sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung der Frauen. Gemeinsam bilden sie eine unersch\u00fctterliche Front, die nicht nur gegen die Gewalt in der Gesellschaft, sondern auch gegen die tief verwurzelten patriarchalen Strukturen k\u00e4mpft.\u00a0Ihre gemeinsame St\u00e4rke liegt in der Solidarit\u00e4t und der unerm\u00fcdlichen Forderung nach einer gerechteren und gleichberechtigteren Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Gulabi Gang aus Indien ist eine Armee des Widerstands \u2013 mutig, entschlossen und un\u00fcbersehbar. Gegr\u00fcndet von Sampat Pal Devi, die sich nicht l\u00e4nger mit der Unterdr\u00fcckung der niedrigsten Kasten abfinden wollte, ist sie heute eine Bewegung von \u00fcber 150.000 Frauen. Ihr Markenzeichen, der rosa Sari zeigt nicht nur ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu dieser Gruppe, sondern steht f\u00fcr ihren Kampf gegen patriarchale Strukturen. Die Gulabi Gang k\u00e4mpft entschlossen gegen die Unterdr\u00fcckung von Frauen aller Kasten und setzt sich f\u00fcr ihren Schutz vor h\u00e4uslicher Gewalt und sexueller \u00dcbergriffe ein. Ihre Gr\u00fcnderin erkl\u00e4rte einmal: \u201eJa, wir bek\u00e4mpfen Vergewaltiger mit Lathis [gro\u00dfen Bambusst\u00e4ben]. Wenn wir den T\u00e4ter finden, verpr\u00fcgeln wir ihn, bis er sich nicht mehr traut, jemals wieder einer Frau oder einem M\u00e4dchen etwas anzutun.\u201c Suman Singh, eine sp\u00e4tere Anf\u00fchrerin der Bewegung, bekr\u00e4ftigte: \u201eWenn eine Frau der Gulabi Gang beitritt, dann, weil sie Ungerechtigkeit erlitten hat, unterdr\u00fcckt wurde und keinen anderen Ausweg mehr sieht. Unsere Frauen k\u00f6nnen sich den M\u00e4nnern stellen \u2013 und wenn n\u00f6tig, mit Lathis Vergeltung \u00fcben.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">In Kenia gibt es die Gruppe der Shosho Jikinge, was auf Swahili \u201eGro\u00dfmutter, sch\u00fctz dich\u201c bedeutet, in einem der gr\u00f6\u00dften Slums von Nairobi.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Sie besteht aus Frauen im Alter von 55 bis 106 Jahren, die sich in Selbstverteidigung und Kickboxen schulen, um sich gegen \u00dcbergriffe zu verteidigen. Gegr\u00fcndet von Beatrice Nyariara, setzt sich die Gruppe gegen \u00dcbergriffe auf \u00e4ltere Frauen ein, die h\u00e4ufig Opfer von Gewalt und Missbrauch werden, besonders in den Armenvierteln. Nyariara, die sich selbst erfolgreich gegen einen Einbrecher verteidigte, zeigt mit ihrem Training, wie \u00e4ltere Frauen ihre Sicherheit durch Selbsterm\u00e4chtigung st\u00e4rken k\u00f6nnen. Ihre Bem\u00fchungen haben dazu beigetragen, die Zahl der \u00dcbergriffe zu reduzieren und das Selbstbewusstsein der Frauen zu steigern\u200b<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese Gruppen \u2013 der Bloque Negro, die Gulabi Gang, die Shosho Jikinge und Ni una menos \u2013 k\u00e4mpfen auf ihre Weise, aber alle eint das gleiche Ziel: Emanzipation, das Recht auf Selbstbestimmung und das Ende der Gewalt. Sie sind mutige K\u00e4mpferinnen, die nicht nur f\u00fcr sich selbst, sondern f\u00fcr alle Frauen und FLINTA auf dieser Welt eintreten. Das ihr Kampf auch unser Kampf ist, wird einmal mehr deutlich, blicken wir auf die neusten Zahlen geschlechtsspezifischer Gewalt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Sie zeichnen ein erschreckendes Bild: Vergangenes Jahr wurden allein in Deutschland 938 M\u00e4dchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten T\u00f6tungsdelikten \u2013 das sind ein Drittel aller T\u00f6tungsopfer. Die meisten dieser Taten stehen in Zusammenhang mit partnerschaftlichen Beziehungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">2023 wurde nahezu jeden Tag ein Femizid begangen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Dar\u00fcber hinaus wurden \u00fcber 52.000 Frauen und M\u00e4dchen Opfer von Sexualstraftaten \u2013 mehr als die H\u00e4lfte der Betroffenen war dabei unter 18 Jahre alt. Mehr als 70% der Opfer h\u00e4uslicher Gewalt sind weiblich \u2013 und die Zahlen steigen weiter. Besonders alarmierend ist auch der Anstieg von F\u00e4llen im Bereich Menschenhandel und sexueller Ausbeutung, bei denen Frauen und M\u00e4dchen unter 21 Jahren fast ein Drittel der Betroffenen ausmachen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese Zahlen zeigen, dass patriarchale Gewalt kein Randproblem, sondern eine systemische Realit\u00e4t ist. Jede siebte Frau in Deutschland hat sexualisierte Gewalt erlebt, mehr als die H\u00e4lfte sexuelle Bel\u00e4stigung. Besonders betroffen sind Frauen mit Behinderungen: Jede dritte bis vierte hat in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt erfahren \u2013 zwei- bis dreimal h\u00e4ufiger als der Bev\u00f6lkerungsdurchschnitt.\u00a0Und auch die Straftaten gegen\u00fcber queeren Menschen nehmen stetig zu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Wir k\u00f6nnten diese Liste noch eine Weile fortsetzen, doch ganz deutlich wird schon jetzt: In ALLEN Formen patriarchaler Gewaltaus\u00fcbung steigen die Betroffenenzahlen schon seit Jahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese grausame Realit\u00e4t wird l\u00e4ngst von einer Gesellschaft getragen, die wegh\u00f6rt. Und die Verzweiflung, nicht geh\u00f6rt zu werden ist auch im Kreis der eigenen Genoss*innen nicht neu. Das haben wir bereits am \u201eTomatenwurf&#8220; von 1968 gesehen und das bemerken wir auch heute noch deutlicher denn je.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Doch historische und internationale K\u00e4mpfe von sich wehrenden FLINTA* geben uns Hoffnung. All die Beispiele von vorhin inspirieren uns, unsere K\u00e4mpfe ebenfalls in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen, mehr Druck auszu\u00fcben und zu zeigen: Es reicht!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Wir nehmen das nicht l\u00e4nger hin, denn wenn Staat und Gesellschaft uns nicht sch\u00fctzen, ist es an der Zeit, uns selbst zu verteidigen. So braucht es feministische Militanz als ein bitter n\u00f6tiges Mittel, um endlich geh\u00f6rt zu werden und deshalb bleiben wir laut und m\u00f6chten diesen Redebeitrag mit einem Ausschnitt einer Stellungnahme der schon vorhin erw\u00e4hnten Gruppe &#8222;Rote Zora&#8220; beenden. &#8222;Unser Traum ist, dass es \u00fcberall kleine Frauenbanden gibt \u2013 wenn in jeder Stadt ein Vergewaltiger, ein Frauenh\u00e4ndler, ein pr\u00fcgelnder Ehemann, ein frauenfeindlicher Zeitungsverleger, ein Pornoh\u00e4ndler, ein schweinischer Frauenarzt damit rechnen und sich davor f\u00fcrchten m\u00fcsste, dass eine Bande Frauen ihn aufsp\u00fcrt, ihn angreift, ihn \u00f6ffentlich bekannt und l\u00e4cherlich macht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Alerta!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Gesellschaft unterdr\u00fcckt, von den Genossen lediglich toleriert. 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